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Glaubt die Kanzlerin, was sie sagt?

 

Angela Merkel heute im Bundestag (via Spiegel Online):

„Auf den Tag genau 20 Jahre nach Maastricht haben wie wieder eine zentrale Weichenstellung vorgenommen“, so Merkel. Mit den Beschlüssen des Gipfels sei es gelungen, die Konstruktionsfehler bei der Schaffung der Währungsunion zu beheben. Die Krise habe schonungslos eben diese Fehler in der Vergangenheit offengelegt.

Es gab im Wesentlichen drei Konstruktionsfehler der Währungsunion:

  1. Die Haushaltsregeln sind nicht bindend.
  2. Es gibt keine Koordination der Wirtschaftspolitik und der Bankenregulierung, so dass sich dramatische Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen und spekulative Blasen herausbilden konnten.
  3. Es gibt keine Ausgleichsmechanismus im Fall asymmetrischer Schocks – weder bei Liquiditätsproblemen noch bei Solvenzproblemen einzelner Staaten.

Welchen dieser Konstruktionsfehler bitte behebt der Gipfelbeschluss?

Zu 1) Die rechtliche Basis der neuen Regeln ist vollkommen unklar, für sich genommen werden sie niemanden zum Schuldenverzicht bewegen.

Zu 2) Das – viel dramatischere – Problem der Leistungsbilanzungleichgewichte wird nicht einmal erwähnt. Zur Erinnerung: Die Griechen haben es überzogen, Spanien und Irland hatten immer alle Schuldenregeln eingehalten. Dort ist nicht die Staatsverschuldung, sondern die Privatsektorverschuldung das Problem.

Zu 3) Ob die Rettungstöpfe ausreichen, um zu verhindern, dass die Zinsen in den Mitgliedsstaaten außer Kontrolle geraten, ist vollkommen unklar. Die Bundesbank blockiert die zusätzlichen Mittel für den IWF, der EFSF könnte bei einer Ratingabstufung Frankreichs außer Kraft gesetzt werden, der ESM ist nicht groß genug. Und die Europäische Zentralbank weigert sich beharrlich, in die Lücke zu springen.

Dazu kommt, dass die Sparmaßnahmen die Staaten der Peripherie in eine langjährige Rezession stürzen dürften – ohne die Aussicht auf einen rettenden Weltwirtschaftsboom, mit dem sich Deutschland aus der Krise befreite.

Das Problem ist noch nicht einmal richtig beschrieben. Geschweige denn gelöst.

54 Kommentare

  1.   Rebel

    9 neun Ratifizierer von 17 = Mehrheit!
    Wer fertigt als Bundspräsident mit seiner Unterschrift einen deutschen Beschluss aus = Rechtskraft?

  2.   Rebel

    Kaskadenhaftigkeit:

    Erfassungsfehler
    Modellfehler (Ausland)
    Korrekturvermittlungsfehler
    Kontrollfehler (Aufstellung)
    Prüfungsfehler (Nichtentdeckung)
    Nachprüfung – Neuentdeckung
    Neuaufstellung?

    von 55,5 Milliarden bis 6,4 Millionen
    Wie hoch sind die Haftungssummen bei den Verantwortlichen?

  3.   Michael

    Ich wäre ja zu Tränen über unser (farbunabhängig) „unfähige Politik“ gerührt, wenn ich nicht ziemlich genau wüßte, dass die Angloamerikaner, die munter kritisieren, nicht erheblich übler verschuldet sind als das „Alte €uropa“. Was nicht mehr funktioniert, ist das gesamte Geldsystem, den T€uro eingeschlossen. Während Frau Kanzlerin die Sitzenbleiber motiviert, kann man das bei den irren Defiziten der Angloamerikaner nicht erkennen. Einzig Bernanke scheint langsam geschnallt zu haben, dass „Geldverrieseln“ nichts bringen kann.

    Kaum wurde QE2.0 beendet, wurde die „€urokrise“ aus dem Hut gezaubert und wird jetzt täglich auf uns eingeprügelt. Ich würde meinen, es ist an der Zeit große Teile der „Finanzmärkte“ regelrecht abzuschlachten, falls sie weiter putschen.

    Die Griechen haben den T€uro zu verlassen. Sie sind reformunwillig. Wenn noch jemand reformunwillig ist, hat er ebenfalls die Gemeinschaftswährung zu verlassen. Diese klare Ansage vermisse ich. Wenn jemand Hilfe zur Selbsthilfe braucht, ok. Er muss beweisen, dass er die Hilfe zweckgebunden verwendet. Aber ein Selbstbedienungsladen für Schmarotzer darf keine Währung sein.

 

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