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Ich, du, der grüne Ball und die quietschende Tür in deiner Brust

Wer sich jemals etwas eingehender mit Tapeten beschäftigen durfte, hat eine wesentliche Tangente der Liebe schon erfasst: Es geht um wiederkehrende Muster. Verlieben, Endorphine, Alltag, Ernüchterung, Streit, Versöhnung. Repeat. Der vielfach prämierte Animationskurzfilm The Gift von Julio Pot erzählt diese Geschichte vom Auf und Ab einer Liebe in einfachen, anrührenden Federzeichnungen.

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Warum der Februar nur 28 Tage hat

Februar-Monat-Cäsar

Es ist kompliziert. Das dürfte die treffende Beschreibung sein, warum gerade der zweite Monat des Jahres weniger Tage hat als alle anderen. Die vielschichtigen historischen Gründe beschreibt anschaulich dieses rund vierminütige Video.

Streng genommen aber sind die Römer an allem schuld. Ihr Kalender hatte zunächst nur zehn Monate und das Jahr damit deutlich weniger als 365 Tage – bis Julius Cäsar eine tiefgreifende Kalenderreform anstieß.

Die wirkt sich bis heute aus. Mit der Umstellung ist neben den ungleichen Monaten ein weiteres Phänomen aufgetreten: Der vermeintliche Unglückstag Freitag der 13. ist kein Zufall, sondern die Regel.

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Wie unser Leben nach der Uhr begann

Wir sind im Zeitalter des Selbstvermessungswahns: Mit Fitnessarmbändern protokollieren wir Schritte, Blutdruck, Kalorienverbrauch und Schlafgewohnheiten. Kulturgeschichtlich begonnen hat das alles mit dem mechanischen Messen der Zeit.

In diesem Video-Essay dreht Adam Westbrook für uns noch einmal die Uhr zurück: Wie hat das mechanische Messen der Sekunden, Minuten und Stunden uns Menschen verändert?
Als 1657 der niederländische Astronom und Mathematiker Christiaan Huygens die Unruh entwickelte, war das die mechanische Voraussetzung für den Bau von Armband- und Taschenuhren.
Die Einteilung unserer Lebenszeit in gleiche Zeiteinheiten hat Westbrook zufolge dazu geführt, dass wir essen und schlafen, wenn Zeit dafür ist – nicht wenn wir das Bedürfnis danach haben.

Leben optimiert auf die Uhr ist uns offenbar so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir die Uhr selbst nicht mehr infrage stellen. Stattdessen wählen wir einen Zeitmesser, der uns in unserem sozialen Status vermeintlich bestätigt.

 

 

 

Fahrradparken im Hightech-Modus

Wessen Fahrrad bereits mehrfach in einer deutschen Großstadt geklaut wurde, wird diese Art des Parkens genial finden: In Japans Metropolen gibt es bereits etliche Parkhäuser, die den Drahtesel auf unterirdischen Stellplätzen lagern und Schlösser im Wert von mehreren Hundert Euro überflüssig machen.

Ein vollautomatisches Robotersystem nimmt das Fahrrad entgegen und befördert es auf einem Schienensystem zu seinem Platz. Bis zu 200 Räder können so eingelagert werden. Der Besitzer bekommt eine computerlesbare Mitgliedskarte, mit der er später sein Rad wieder auslösen kann. Systeme wie dieses gibt es mittlerweile mehrere in Japan.

In Deutschland sind Radstationen eine Alternative, kostenpflichtige Parkhäuser mit Service. Oder Bike-Sharing, das das beliebige Abstellen gestattet.

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Den Seemöwen auf der Spur

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In einer kleinen Küstenstadt zieht sich langsam, aber sicher ein schwarzer Schleier über den Horizont. Die Möwen sind da. Was aussieht wie die Invasion eines Möwenschwarms, ist keine Naturkatastrophe, sondern Kunst mit dem Bearbeitungsprogramm.

In seinem Video zeigt Parker Paul die Flugroute von Seemöwen. Entstanden ist der fliegende Datenstrom, indem mehrere Zeitpunkte eines Möwenflugs zeitverzögert sichtbar werden. Die einzelnen Sequenzen stapeln sich fortlaufend übereinander. Den „Echo-Effekt“ hat Paul in der Postproduktion getrickst.

Die veranschaulichten Flugkoordinaten können durchaus wertvoll für die Ornithologie sein. In Kalifornien wird mittlerweile sogar mit einer App experimentiert, die anhand der Vermittlung von Datensätzen eine Vogelzugstrecke wiederbeleben soll. Vogelliebhaber sollen durch die App melden, wo sie gerade welche Vögel beobachten. Ein Institut für Vogelforschung wertet entsprechende Daten aus und ermittelt so, wo es noch mehr Landbedarf für die Vögel gibt.

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Deep eye contact, Baby!

Gibt es eine Methode, wie man sich garantiert ineinander verliebt? Reichen vielleicht vier Minuten aus, um Fremde zu Liebenden zu machen? Das Video ist ein Feldversuch.

Zwölf Frauen und Männer, Paare und Nicht-Paare, schauen sich vier Minuten lang tief in die Augen. Manche sind ruhig, andere sprechen miteinander oder berühren sich. Ein verheirateter Mann sagt danach: „Es war so schön, nicht über die Arbeit oder das Geschäft reden zu müssen.“

Blicke als Auszeit vom Alltag, erste Bindung oder Erneuerung eines Gelöbnisses – inspiriert war das Video von einem Artikel von  Mandy Len Catron, die an der University of British Columbia in Vancouver lehrt. Sie berichtet von einer Studie, in der das vierminütige Anblicken der Probanden in einem Fall zur späteren Ehe führte.

Liebe als Gefühl oder Verkettung von Botenstoffen – Wissenschaftler haben sich dem Phänomen als Forschungsgegenstand von vielen Seiten genähert.

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Klangkunst vom U-Bahn-Gleis

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Komponist Lew ‚Ljowa‘ Schurbin dirigiert neun Laptops: Darauf zu sehen sind Straßenmusiker, die neun verschiedene New Yorker U-Bahn-Stationen bespielen. Dazwischen stehen eine Skype-Verbindung und ein Wifi-Signal mit Durchhaltevermögen. Fertig ist die Symphonie.

Damit das in einer Stadt, die niemals schläft gelingt, musste das Team um Regisseur Chris Shimojima an einem Sonntag früh aufstehen. Wie Shimojima in einem Interview erklärt, hat die 40-Mann-Crew gegen sechs Uhr morgens auf- und knapp vier Stunden später abgebaut. Währenddessen wurde Signal Strength acht Mal aufgenommen. Die Skype-Verbindung sei kein einziges Mal unterbrochen worden. Bei der Suche nach geeigneten Standorten achtete Shimojima auf ein beständiges WiFi-Signal. Um Verzögerungen entgegenzuwirken, streamte jeder Künstler parallel einen Click-Track, eine Serie von Audiosignalen.

Ljowa, der Dirigent des Schauspiels, hat für das U-Bahn-Konzert ein eigenes Lied komponiert, das nicht den klassischen Formeln der Popmusik folgt. Ein Hit ist es trotzdem – vielleicht gerade weil es dem Schema des Musikwissenschaftlers Volkmar Kramarz nicht gerecht wird. Originell ist Signal Strength schon allein wegen der Konzeption.

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Brennball mit Teepause

„Wann beginnt das Spiel denn?“, fragte Groucho Marx. Da hatte er schon drei Stunden Cricket auf der Tribüne hinter sich. Kommt man nicht aus England, Sri Lanka oder Bangladesch, kann man nicht viel anfangen mit dem Sport mit den drei Stangen, zwei Hölzchen und einem Ball. In Deutschland spielen es nur ein paar Verirrte aus Berlin. Es gibt genau ein Buch in deutscher Sprache über Cricket, auf Amazon hat es null Rezensionen. Bewegungsarm, laaangweilig, Brennball mit Teepause – das ist der Ruf dieses Sports.

Doch als Pakistan und Indien diese Woche die Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland eröffneten, sahen geschätzt eine Milliarde Menschen zu, vornehmlich aus den Ländern des Commonwealth. So viele wie im letzten Jahr das Finale der Fußball-WM in Rio de Janeiro. Wenn am 29. März das Finale ausgetragen wird, dürften es noch mehr werden. Und wer jetzt noch immer gähnt, dem sei gesagt: In Indien sind die besten Cricketspieler Stars, mit denen junge Frauen schlafen wollen.

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Die Simpsons auf Pixel

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Während einige auf High Definition aufrüsten, verstehen es andere, einen Klassiker neu aufzulegen – in Retro-Optik. Die Animationskünstler Paul Robertson und Ivan Dixon haben dem Vorspann der Simpsons einen eigenen Anstrich verpasst.

Pixelwütig haben Robertson und Dixon Matt Groenings Vorlage in ein eigenes Kunstwerk übersetzt. Skurril bis schrill endet das Pixelspektakel. Doch wahre Fans der Kultserie werden die Referenzen erkennen. Schließlich ist die Popularität der Serie, die Simpsonologie, seit 25 Jahren ungebrochen.

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Zeit zum Sternegucken

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Hecklichter huschen durch die Straßen von Los Angeles, auf den Hügeln jagt eine Sternschnuppe die nächste. Michael Shainblum zeigt die zwei Gesichter der kalifornischen Metropole im Zeitraffer – das düstere Downtown und die landschaftliche Schönheit jenseits des urbanen Dschungels.

Shainblum selbst erklärt, er habe das Projekt innerhalb von vier Monaten umgesetzt. Währenddessen habe er einige schlaflose Nächte an unerwarteten Orten verbracht, Geduld wurde ihm abverlangt. Das Video stehe als Statement für Zeit und Fortschritt, eine Symbiose zweier Extreme.

Um wie Shainblum den therapeutischen Nebeneffekt beim Bestaunen der Milchstraße zu genießen, muss man kein Astronom sein. Es hilft jedoch manchmal näher hinzusehen, etwa wenn es über 700 neue Planeten zu finden gibt. Auch wenn das Nasa-Weltraumteleskop Kepler noch keine Erde 2.0 entdeckt hat, beschert es uns zumindest einen schönen Ausblick.

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