Sport-Blog

Blog der ZEIT ONLINE Sportredaktion

Bayern folgt Dortmund nach Wembley

Von 1. Mai 2013 um 23:40 Uhr

Da dachte man, die Bayern hätten im Hinspiel eine Ausnahmeleistung vollbracht. Doch die wahre Demütigung verpassten sie Barca erst im Rückspiel. 3:0 im Camp Nou (diesmal sogar nur reguläre Tore), 7:0 in der Summe beider Spiele. Bayern gewinnt mit kühler Macht, souverän und selbstbewusst. Der Klub zieht zum dritten Mal in den letzten vier Jahren ins Finale der Champions League ein. Welche Leistung!

Barca ohne Chance trotz großem Engagement. Aber sie schieden mit Stil aus, man darf auch nicht vergessen: Messi und Busquets fehlten, zwei der Weltbesten. Manche sprechen von Wachablösung. Aber dieser Verein wird zurückkommen, vielleicht mit einer anderen Mannschaft, vielleicht mit anderem Code, der entschlüsselt scheint. Alle schönen Dinge enden irgendwann.

Seit zwölf Jahren gewann kein Bundesligist mehr einen internationalen Titel, das wird sich in gut drei Wochen ändern. Dann treffen sich tatsächlich zwei deutsche Teams im Champions-League-Finale. Ein historischer Tag für den deutschen Fußball. Aus meiner Sicht ist der FC Bayern leicht favorisiert. Aber wer weiß? Schön jedenfalls, dass sowohl Bayern als auch der BVB mit fairen Mitteln, modernem Fußball und deutschen Talenten so weit gekommen sind.

Uli Hoeneß bekommt jetzt nun den leichten Gegner, den er sich vor dem Halbfinale gewünscht hatte. Sein zweites Finale dahoam hatte er ja schon am 20. März am Tegernsee. Und wenn Dortmund gewinnen sollte, will sich Klopp ein Stück Wembley-Rasen transplantieren lassen (beide Gags geklaut von Harald Schmidt).

Endstand 0:3

82′ Fies von den Gastgebern übrigens, Uli Hoeneß in die 1. Reihe zu setzen.

78′ Dumm von Piqué, sich Gelb an der Eckfahne abzuholen. Wäre im Finale gesperrt.

76′ Tor für Bayern 0:3 Müller Mitleid mit Barca? Geschenkt. Bayern fehlen weniger Tore zum zweistelligen Auswärtssieg als Barca zum Weiterkommen. Schiedsrichter, abpfeifen!

75′ Bayernfans singen: “BVB Hurensöhne!” Vergesst mal nicht Brunos VfB!

„We have to enjoy, what this unbelievable team did.“

72′ Tor für Bayern 0:2 Piqué (Eigentor) Bela Rethy: “Barca ist wie eine Rockband, die alle Charts gestürmt hat, und inzwischen ihre alten Hits nicht mehr hören können.”

67′ Schweinsteiger out, Gelbsperre umgangen. Starke Leistung erneut. Er hat sich für diese Saison was vorgenommen, und es scheint, als würde er es bis zum Ende umsetzen. Das Finale könnte sein Spiel werden.

Ich bleibe dabei: Wenn der Gegner das Tempo um ihn herum verdichtet, verliert er mehr an Qualität als andere, da fehlt es ihm an motorischen Voraussetzungen, siehe Rückspiel Juve (1. Hz.). Andererseits ist er ein Leader, der wahnsinnig gerne Fußballer ist. Ihm traue ich auch zwei Tore im Endspiel zu. Wir werden sehen.

65′ Jetzt sind Xavi und Iniesta ausgewechselt.

Kapitulation.

59′ Zeit für eine semantische Debatte: Warum sprechen einige eigentlich vom “deutsch-deutschen Finale”? Man würde ja auch nicht “spanisch-spanisches Endspiel” sagen. Ist das ein historisches Überbleibsel? Die Mauer ist doch weg, ich kann’s bezeugen, hab vorhin rübergemacht, Kreuzberg/Friedrichshain.

49′ Tor für Bayern 0:1 Robben Ein klassischer Robben, starker Pass von Alaba.

Was läuft denn heute auf Arte?

47′ Während ich mir ein Viertel halbtrockenen Riesling einschenke, schnappe ich irgendwas vom 1. FC Köln auf. Bela Rethy hat Gespür für die Situation.

Screenshot von ZEIT ONLINE in der heute-Sendung (Hoeneß, nicht das Live-Blog) in der Pause des CL-Halbfinals. Nettes Branding.

Halbzeit 0:0 Fußball, wir hatten es in den letzten Wochen fast vergessen, kann auch ganz schön langweilig sein. Barca braucht (mindestens) vier Tore, aber derzeit weiß man nicht, wie sie das hinbekommen sollen. Gegen Ende der ersten Halbzeit kamen sie dem Tor ja durchaus näher, auch mal auf untypische Art: lange Bälle, Schüsse, Flanken. Aber die Angriffe entfachen auf die Bayern-Abwehr eine ähnliche Wirkung, als würde man einem Ochsen ins Horn petzen.

Die Bayern souveränst und selbstbwusstest. Sie wollten das Duell in den ersten fünfzehn Minuten entscheiden, hätten dies auch tun können.

Kommt Messi noch?

32′ Gelb für Robben. Dafür hätte Howard Webb, der Schiri von Madrid, nicht mal mit der Wimper gezuckt.

Wer ihn genauer kennenlernen will:

30′ Iniesta spielt in diesem Halbfinale endlich mal so wie er aussieht: blass wie ein Steuerbeamter aus dem Mittleren Dienst (also, das soll jetzt keine Hoeneß-Anspielung sein).

24′ Doch, Vorsicht vor dem klassischen spanischen Stilmittel: dem Verzweiflungsschuss aus 30 Metern.

20′ Barca ohne Chance, Bayern mächtig stark. Das fühlt sich nicht wie ein Champions-League-Halbfinale an. Die Bayernfans singen schon: “Finale!” In Wembley wartet übrigens das Sparmodell aus Dortmund.

transfergelder

spielererfahrung

10′ Ich glaube, die Bayern wollen schnell Ernst machen: sehr frühes, aggressives Pressing. Barca weiß gar nicht, wie ihm geschieht.

Eine Anspielung auf Ronaldo?

5′ Barca mit einem Rückpass-Reenactment des 19. Mai 2001.

HippoTaine schreibt uns: “Ich war grad in der ersten Mai Andacht. Für die Nordlichter: Maria ist die Patrona Bavariae. Da haben wir am Schluss die Bayern-Hymne geschmettert. Was soll also schief gehen?”

4′ Bela Rethy erwähnt die ZEIT und imitiert Ribery: “Isch abe linke Verteidiger gespielt.” Geht gut los.

20:45 Es geht los!

Vorgeplänkel

Ich sags vorher: Ich finde Gelbsperren in K.o.-Systemen idiotisch. Gibt es was ähnlich Kleinkariertes, tugendhaft Überstrenges in anderen Sportarten? Heute könnte es Lahm, Martinez oder Schweinsteiger treffen, auch die Banksitzer Gustavo und Gomez. Ein Mal zu spät im Zweikampf – und man verpasst das Finale. Das kanns doch nicht sein. Im Sport wird so viel getrickst und betrogen – und dann ist man in dieser Hinsicht so kleinlich.

Christian Spiller, unser Mann in Spanien, sammelt für Sie, liebe Leser, einen Strauß Szenen ein:

Also, ich will ja niemandem den Abend verderben, aber ich rechne mit einem frühen Bayern-Tor (dazu muss man ja kein Experte sein, in dieser Saison). Das wäre ein Stimmungskiller. Oder schafft es Barca tatsächlich, wie Real am Dienstag, die Sache noch mal spannend zu machen?

Und Messi nur auf der Bank? Und Busquets nicht mal im Kader. Wollen wir trotzdem schauen?

So spielen die Bayern:

Kein Dante, kein Dante? No Dante, no Dante? Andante, Andante?

Vor vier Jahren verlor der FC Bayern 0:4 in Barcelona. Mark van Bommel sagte nachher: “Wir wollten sie ja treten, aber wir kamen gar nicht ran.” Das Spiel liegt Äonen zurück. Historiker bringen es mit diesem Mann in Verbindung.

Kategorien: Champions League

Real Madrid gegen Borussia Dortmund 2:0

Von 1. Mai 2013 um 19:04 Uhr

Kurzfazit: “Es gibt kein perfektes Fußballteam”, sagte der manchmal perfekt wirkende Jose Mourinho mal. Nach diesem Sieg gegen den BVB musste er erst einmal schlucken. Auch wenn es am Ende spannend und knapp war: Die Dortmunder haben die Königlichen rausgeworfen und sind ins Finale der Champions League eingezogen. Ein Satz, der nach mehr als einem Ausrufezeichen ruft.

Dieses Rückspiel war extrem temporeich, spannend und besonders in den ersten und letzten Minuten noch temporeicher. Hätte Real zu Beginn des Spiels einen der acht Torschüsse verwandelt, hätte Jürgen Klopp wahrscheinlich mehr als Feuer gespuckt. Doch der BVB hatte Glück. Danach kamen auch noch Können, Reife und gute Konter dazu. Besonders herausragend spielte Mats Hummels in der Defensive und Roman Weidenfeller als letzter Retter auf der Linie. Götze musste mit einer Muskelzerrung schon nach wenigen Minuten vom Platz, machte aber nichts.

Um diesen Erfolg kurz nach Spielende bewerten zu können, hilft auch ein Blick auf die Zahlen (siehe Grafiken unten). Gemessen in internationalen Einsätzen in der Nationalmannschaft und Champions League spielte heute ein Siebtklässler gegen den Schuldirektoren: 1.124 Einsätze (Real) gegen 420 (BVB). Noch erstaunlicher wird es bei einer Gegenüberstellung der Transferausgaben der vergangenen drei Jahre: Es haben 181 Millionen Euro gegen 44 Millionen Euro gespielt. Das alles ist das Hexenwerk des Jürgen Klopp. Der lief nach dem Spiel noch lange über den Rasen der heutigen Niederlage und bedankte sich bei den Fans. “Es gibt Borussia Dortmund nur all inclusive”, sagte er.

Der Kollege Spiller wird Klopp gleich noch zur Pressekonferenz begleiten und Morgen in seiner Reportage auch darüber berichten. Die Dortmunder warten im Champions-League-Finale nun auf die Bayern. Und ich suche Zu Hause mein BVB-Kissen und fliege in die Karpaten. An dieser Stelle geht es am Mittwochabend mit den Mannen des Uli Hoeneß in einem Live-Blog von Oliver Fritsch weiter. Treten Sie nicht in den Schnee.

96. Minute Aus, Schluss, verloren und gewonnen: Der BVB hat es spannend gemacht: 0:2 gegen Real und doch im Finale der Champions League. Freude in Berlin, kurzes Fazit kommt gleich.

90. Minute Mourinho regungslos, ein Tor trennt ihn vom Wunder. Bender verletzt raus, Santana rein.

87. Minute Klopp spuckt wieder Feuer.

87. Minute Toooor! Ramos drischt das Ding über Weidenfeller ins Netz, chancenlos! Zittern in schwarzgelb.

87. Minute Weidenfeller!

86. Minute Kehl kommt für den “angeschlagenen” Lewandowski. Die letzten Minuten Spannung.

82. Minute Weidenfeller geschlagen: 1:0 für Real!

73. Minute Ich bin hin- und hergerissen. Seit drei Stunden habe ich diesen Link geöffnet. Es ist so niveaulos, sexistisch, so wie Fußballer halt manchmal sind. Aber da das Spiel gelaufen ist, wir gleich in den schwarzgelben Freudenhimmel fliegen werden und dann alle Wetteinsätze eingelöst werden, sei diskret auf Mario Balotelli verwiesen. Der Stürmer mit der EM-Jubelpose hat seine Freunde bei Real mit einer Sex-Option motiviert.

60. Minute Gündogan vergibt frei aus fünf Metern vor dem Torwart, das kann nicht nur Gomez. Das ist ein Tor-Chancenspiel ohne Tore.

55. Minute Die beiden besten Dortmunder bilingual beschrieben:

 


49. Minute Lewandowski ballert an die Latte. Der BVB kontert jetzt.

46. Minute Die Mannschaften haben die Seiten gewechselt.

Manchmal fragt man sich ja, wieso das so ist. Ich weiß bis heute nicht, weshalb ich als Halbstarker kurzzeitig einen BVB-Schal um meinen Hals band. Wenn man jung ist, macht man alles mit, außer Bayern München. Läuft diese Identifikation über die Spielweise oder über so coole Typen wie Jürgen Klopp oder Andi Möller, Matthias Sammer? Sei es wie es sei. An dieser Stelle, in diesen fußballverrückten Tagen, in dieser Halbzeit bleibt mir nur noch eines zu sagen. Ich habe eine Kiste mit alten Erinnerungsstücken zu Hause stehen, Sie wissen schon, Liebesbriefe, Urkunden, CDs, etc. Und ein ganz kleines selbstgestricktes BVB-Kissen in schwarzgelb. Als ich die siebte Klasse besuchte, schenkte mir es meine Mitschülerin Maxi, einfach so. Maxi war verdammt gut in der Schule, ich nicht, also hatten wir gar nicht viel zu tun miteinander. Später kamen wir nicht zusammen und haben uns dann auseinandergelebt. Was ich damals nicht sagen konnte: Danke, Maxi, ich habe es noch.

45. Minute, Halbzeit Dortmund besteht im Feuersturm. Etwa zehn Torschüsse für Real, einen für Dortmund. Das nennt man Glück. Hummels und Weidenfeller sind die Spieler der ersten Halbzeit. Aber trotz aller Aufregung, es steht immer noch 4:1.

39. Minute Fußball ist heute kein Schach oder wie es die Kollegen formulieren:

32. Minute Durchatmen

25. Minute Klopp spuckt Feuer, Lewandowski krümmt sich vor Schmerz, Coentrão bekommt für seinen Tritt aufs Sprunggelenk des Stürmers die Gelbe Karte. Das ist bis jetzt ein Teufelsspiel.

21. Minute Wenn ich BVB-Fan wäre, würde ich mich langsam wärmer anziehen. Mourinho schaut grimmig wie ein 3:0 und seine Spieler spielen so.

15. Minute Drei Großchancen für Real inzwischen, Ronaldo und Özil wollen heute nicht verlieren. Aber Weidenfeller, der Mann der ersten Viertelstunde.

12. Minute Mario Götze, der sein Abschiedsspiel für den BVB in London gegen Bayern geben will, humpelt vom Platz. Schluss für Heute. Großkreutz, der fanatische BVB-Fan, jetzt im Spiel. Aber was passiert da auf dem Platz…

8. Minute Vierte Ecke für Real. Aber Hummels will heute mal in allen Szenen gut aussehen und klärt.

4. Minute Real beginnt im BVB-Volldampf-Modus, Higuain kommt frei vor Weidenfeller zum Schuss, das hätte das 1:0 sein müssen. Wer wettet hier eigentlich auf Real? Und wenn ja, wie viel von was?

2. Minute Sie spielen schon. Alle mit dabei. Erste Ecke für Real, Özil schießt und kein Weißer kommt zum Ball.

20:42 Uhr Jürgen Klopp sagt: “Cool hier.” Auf den Sound im Bernabéu könne man “schon mal abgehen”. Der Kollege Spiller hat auch einen Platz gefunden und die Aufstellung:
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20:30 Uhr Bevor es los geht, kommt immer Werbung. War schon früher so. Damals, vor langer Zeit, als der BVB wirklich mal besser als Bayern München war, gab es einen Sieg in der Champions League und einen Werbespot, der beste, den ich als Semi-Fußballinteressierter je gesehen habe, den Nerv der Zeit getroffen:

 

20:26 Uhr Ein großes Dankeschön an ranapithecus, den Wetter-Experten unter unseren Lesern. Wenn ich ihn richtig verstehe, liegt es an hohen Bergen und Nordwestdeutschland, ist ja klar; Hauptsache in den Karpaten schneit es morgen nicht. Aber vergessen wir meinen Urlaub und den Schnee, die Königlichen sind da. Unser Twitterreporter konnte es kaum fassen ob dieses Bildes:

Madrid-Fans

 

Vorbemerkungen:

Um gleich eines klar zu stellen: Als ich in der sechsten oder siebten Klasse war, ging ich an manchen Tagen mit einem Dortmund-Schal zur Schule. Ich mochte den BVB damals, fast so sehr wie Hansa Rostock oder die Turn und Sport Gemeinschaft Gadebusch. Wenn ich heute entscheiden könnte, wer das deutsch-deutsche Champions-League-Finale gewinnt, würde Uli Hoeneß traurig sein. Aber soweit ist es noch nicht. Erst das Halbfinale: Real gegen Dortmund.

Bei einem 3:0 oder höher werden viele BVB-Schals zu Tränentrocknern. Alles andere wird ein schwarz-gelbes Fest in Madrid. Unser twitternder Reporter Christian Spiller geht davon aus und ist dabei. Als er heute mit AVE, dem spanischen ICE, von Barcelona nach Madrid fuhr, sah er Schnee. Ja, Schnee in Spanien, während wir hierzulande schon halbnackt durch die Straßen rennen. Nichts ist, wie es war. Beim Fußball auch nicht. Wieso der spanische Fußball dem deutschen nichts mehr voraus hat, hat der Kollege, der sich übrigens noch nie als BVB-Fan gefühlt hat, noch am Morgen vor seiner Reise aufgeschrieben. Weitere Lesetipps zur Einstimmung:

  • Stefan Osterhaus in der NZZ über Nuri Sahin, der mal so gehypt wurde wie Götze und heute gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber spielen müsste.

Und weil Fußball ja irgendwie doch was mit Geld zu tun hat, hat unsere Infografikerin Martina Schories nach Zuarbeit von Christian Richard mal aufgezeigt, wie die vier Halbfinalisten in den vergangenen drei Jahren mit Spielertransfers gewirtschaftet haben:transfergelder

Dortmunds Sonderrolle wird ebenso deutlich, wenn man die internationale Erfahrung der Mannschaften vergleicht:spielererfahrung

Haben Sie eigentlich eine Erklärung für all dies? Besonders für den Schnee in Spanien? Dann raus damit. Sie sind eingeladen, ab 20:30 Uhr geht’s hier richtig los. Lesen und kommentieren Sie mit. Egal, ob mit oder ohne BVB-Schal. Aber bitte, erwarten Sie hier keine objektiven Berichte, dafür klicken Sie hier.

Kategorien: Champions League

Borussia Dortmund vs. Real Madrid 4:1

Von 25. April 2013 um 00:16 Uhr

Fazit: Wo soll man nach so einem Spiel anfangen? Wahrscheinlich bei Robert Lewandowski, den nun auch der letzte Bolzplatzkicker Europas kennen dürfte. Vier Tore, davon eines abgezockter und rotziger als das andere. Und das gegen Real Madrid, ist ja keine Laufkundschaft. Doch der Pole war in bester Gesellschaft. Auch seine Teamkollegen liefen Real nieder. Mit ihrem wilden, manchmal auch vogelwilden Fußball konnten die Madrilenen überhaupt nichts anfangen. Durch den Sieg ist ein deutsch-deutsches Champions-League-Finale wahrscheinlich. Ja, ein deutsch-deutsches Champions-League-Finale. Gibts doch gar nicht! Was für eine verrückte Woche für den deutschen Fußball. Was für grandiose Abende für den deutschen Fußball. In Spanien versteht man gerade die Welt nicht mehr. Und auch die Finalgastgeber aus England befürchten Schlimmstes.

Im Angesicht der deutschen Fußballglückseligkeit an dieser Stelle noch ein Programmhinweis: In der Sport-Debatte von ZEIT ONLINE wird am Donnerstag darüber diskutiert, ob es nicht ein wenig zu viel Fußballmanie in diesem Land gibt. Der Sportphilosoph Gunter Gebauer sagt, die Politik überlässt den Fußball die Emotionen. Dadurch verblöden wir ein Stück weit. Der Politiker Wolfgang Bosbach (CDU) hält dagegen. 18.30 Uhr, Askanischer Platz 1 am Anhalter Bahnhof, Berlin. Anmeldung hier.

93. Minute: Madrid nochmal, Varane, Vorbei. Und dann ist auch Schluss. Borussia Dortmund gewinnt tatsächlich 4:1 gegen Real Madrid. So was gibts sonst nur daheim auf der Playstation.

85. Minute: Dortmund hat noch immer nicht genug. Spielt weiter nach vorne, warum auch nicht. Madrid erschreckend schwach. Fürth ginge noch.

79. Minute: Das Ergebnis muss Mourinho auch in dieser Höhe bekannt vorkommen. Hat den BVB ja auch beim 6:1 in Fürth gesehen.

75. Minute: Oli Schmitt machte heute am ZDF-Mikro einen guten Job. Bis er von den Hash-Takes auf Twitter redete. Buy one, tag two. Oder besser:

73. Minute: Vielleicht liegt es der spanische Schlamassel ja an der langen Unterhose des Real-Torwarts Diego Lopez. Eine blitzinvestigative Recherche ergibt folgendes Wetter in Dortmund: 17,8 °C, leicht bewölkt, Westwind 10,8 km/h (2 bft), Relative Feuchte 56 %, Luftdruck 1023,8 hPa, Sicht 45 km, Taupunkt 7.2 °C. Bei so einem Wetter trägt eigentlich nur noch Arjen Robben lange Unterbüx. Und er hier:

@HippoTaine, Späßchen, natürlich, deshalb sind wir doch hier.

Diese Frage stellen wir uns auch gerade.

Elfmeter für Dortmund Xabi Alonso rennt nur halb so starken Marco Reus über den Haufen. Da braucht man nicht diskutieren. Es tritt an: Robert Lewandowski – und trifft. Tooor, 4:1! Genau in die Mitte, macht fast das Netz kaputt. Was für ein Kerl! Lewandowski 4, Madrid 1.

62. Minute: Nächste Chance für den BVB. Gündogan lässt zwei Madrilenen stehen wie sonst nur die Einlaufkinder. Schießt dann nur knapp drüber. Beeindruckende Vorstellung des BVB. Ach so, Deutschland – Spanien 7:1.

55. Minute Toooor für den BVB von Robert Lewandwoksi Und was für eines! Noch ein Tor, noch ein Tanz. Lewandowski zieht sich den Ball mit der Sohle zurück und drischt ihn unter den Giebel. Reals Pepe kanns kaum glauben. Lewandowski dagegen wird mit jeder Minute dieses Spiels teurer. Uli Hoeneß muss erstmal in der Schweiz anrufen.

Da ist sie, die Slomo. Reus knödelt aufs Tor. Lewandowski, der mit dem Ball tanzt, saugt die Kugel an, dreht sich mit ihm in einer einzigen Bewegung herum und vollendet mit dem rechten Außenrist. Doch kein Abseits. Die ungefähr erste richtige Abseits-oder-Nicht-Abseits-Entscheidung der vielen, vielen Uefa-Unparteiischen in diesem Frühjahr.

50. Minute Toooor für den BVB Robert Lewandowski Eine Zeitlupe wäre schön. Sah nach Abseits aus.

Halbzeit Guter Start der Dortmunder. Spielten flott und gut nach vorne, das Tor von Lewandowski war verdient. Dann beruhigte sich das Spiel und leider auch die Dortmunder. So sehr, dass sich Mats Hummels in den Schlaf wog. Sein Fehler ermöglichte den Ausgleich. Es war nicht sein erster in einem wichtigen Halbfinale. Oli Fritsch im Stadion würde jetzt am Liebsten runter in die BVB-Kabine.

43. Minute Tooor für Real Madrid Cristiano Ronaldo trifft nach dickem Patzer von Mats Hummels und macht dann vor der Borussia-Südkurve auf dicke Hose. Vorher noch eine durchaus elfmeterreife Szene im Madrid-Strafraum, als Reus hinfiel. Muss man aber nicht geben.

Magnus Carlsen, kommender Schachweltmeister und Model, outet sich als Real-Madrid-Fan. Ronaldo weiß gar nicht, wie man Schach schreibt.

24. Minute: Sven Bender spielt trotz aktiver Schambeinfugenarthrose, weiß Oliver Schmitt von ZDF. Eine Krankheit, für die es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag gibt. Habe extra nachgeschaut.

20. Minute: Real Madrid fällt nichts ein. Xabi Alonso wird zugestellt, Özil schaut traurig, Ronaldo steht kurz vor dem Hader-Modus. Es läuft für den BVB.

13. Minute: Nur zur Erinnerung für einen gewissen Jogi L. aus Fr. i. Br.: Deutschland – Spanien 5:0

Wir wollen ja nicht…aber doch…eigentlich schon…

8. Minute Tooooor für Borussia Dortmund Als würden die beiden Begehrten hier mitlesen. Götze flankt, Robert Lewandowski macht den Müller und fuhrwerkt den Ball über die Torlinie. Heiterkeit.

7. Minute: Starke Aktion von Reus, Lewandowski lässt den Ball etwas unglücklich an sich vorbeilaufen. Müller hatte ihn reingegrätscht.

5. Minute: Der BVB spielt, als sei Götze schon bei den Bayern. Noch kein Ballkontakt, oder?

20.45 Uhr Los geht es. Madrid bekommt den Anstoß an den Mann. Kein gutes Zeichen für Dortmund.

Unser Mann im Stadion ist Oliver Fritsch. Er träumt allerdings noch immer von gestern, und den Salzletten-Beinen von Thomas Müller.

20.36 Uhr Die Redaktions-Public-Viewing-Gemeinschaft fühlt sich durch den Flaum Mesut Özils an René Weller erinnert. Armer Kerl, der Boxer.

20.30 Uhr Klopp, Welke und Kahn diskutieren noch einmal über die undichte Stelle beim Götze-Transfer, in Fachkreisen auch #pummelleaks genannt. “Wenn wir an Transfers beteiligt waren, ist es immer ein Geheimnis geblieben, bis wir wollten, dass es rauskommt”, sagt Klopp.

20.23 Uhr Liebes ZDF, hatte die “Küstenwache” schon jemals so eine gute Quote wie genau jetzt? Sagt uns bitte morgen Bescheid, ja?

20.20 Uhr Die Aufstellungen sind auch schon da. So geht es los.

Dortmund: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Gündogan, Bender – Reus, Götze, Blaszczykowski – Lewandowski
Real Madrid: Diego Lopez – Coentrao, Pepe, Varane, Ramos – Xabi Alonso, Khedira – Ronaldo, Modric, Özil – Higuain

20.07 Uhr Für alle, die die Wartezeit bis zum Anpfiff sinnvoll überbrücken wollen ein paar Lesetipps:

Die Kollegen vom Tagesspiegel haben noch einmal alle Aspekte zum Wechsel von Mario Götze zusammentragen. Wir stellen uns am Beispiel Götze die Frage, woher nur die ganzen Aggressionen gegen Fußballer kommen. Der Kollege Tobias Escher (11 Freunde) greift zur Taktiktafel und erklärt, wie Dortmund Real schlagen kann.

Und weil auch gestern gespielt wurde. Die ultimative Lobhudelei von Oliver Fritsch auf Thomas Müller. Und Sid Lowe vom Guardian sah gestern in München einen gefühlten Machtwechsel.

19.50 Uhr Man muss sich nur zu helfen wissen.

Vorbemerkungen

Schon wieder Fußball, schon wieder Champions League, schon wieder ein Besser-Geht’s-kaum-Spiel. Man kommt ja gar nicht mehr hinterher. Monatelang, so zwischen August und März muss man vornehmlich mit fußballerischer Bückware Vorlieb nehmen, und dann zwei solche Köstlichkeiten hintereinander. Wer denkt sich das nur aus?

Am Dienstag hat der FC Bayern vorgelegt und einfach mal den FC Barcelona, den vermeintlich besten Klub der Welt, überrannt. Messi und Co. boten dabei kaum mehr Gegenwehr als Nürnberg, Wolfsburg und Hannover, die letzten Bayern-Opfer. Das war so beeindruckend, dass es ein wenig rätseln lässt, was denn bitte Pep Guardiola beim FC Bayern soll. Wurde er nicht geholt, um dem FC Barcelona die Stirn bieten zu können? Wäre es nicht sinnvoller, wenn Jupp Heynckes jetzt nach Barcelona geht?

Doch darum geht es heute nicht. Sondern um den BVB und Real Madrid. Und um Mario Götze, den Dribbler mit dem Babyspeck. Ein wenig schade, dass sein Wechsel vielen Dortmund-Fans ein Stück weit die Vorfreude auf das wichtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte raubt. Gut möglich, dass es auch Pfiffe gibt. Obwohl Jürgen Klopp in einer außergewöhnlichen Pressekonferenz vorsorgte.

Sein Kollege José Mourinho wirkt in diesen Tagen dagegen etwas müde. So richtig Lust scheint er nicht mehr zu haben, vor allem weil er, der Menschenfänger, bei einigen seiner Spieler nicht mehr so richtig ankommt. Szenen wie diese scheinen jedenfalls selbst nach einem gewonnen Champions-League-Finale ausgeschlossen.

Kategorien: Champions League

Bayern München – FC Barcelona

Von 24. April 2013 um 09:35 Uhr

Kurzfazit

Am Ende bleibt eine Frage: Wann war der FC Barcelona, der Verein, der die vergangenen Jahre den internationalen Fußball beliebig dominiert hat, je so chancenlos gegen ein deutsches Team? Selbst sogenannte Bayern-Hasser müssen nach diesem Abend die Leistung des Münchner Teams anerkennen. Was der FC Bayern gegen Hannover, Wolfsburg oder den HSV kann, das kann er auch gegen einen Favoriten auf den Champions-League-Titel. Leider geil!

Herausragender Spieler der Partie war Thomas Müller, der mit Instinkt und Einsatz die Überlegenheit der Münchner verkörpert hat. Insgesamt spielten die Bayern von Beginn an konzentriert, taktisch diszipliniert und deshalb vor allem in der Defensive herausragend. Den Spaniern dürften sie zweidrittel des Ballbesitzes überlassen haben. Aber vor allem wenn es wichtig war, waren sie am Ball. Joachim Löw wird das interessiert verfolgt haben. Auch stark: Das Flügelspiel mit Lahm und Robben. In Barcelona werden sie sich nach diesem Halbfinale ärgern, dass sie Lahm vor Jahren nicht den Bayern weggekauft haben.

Was das Urteil nicht schmälert, aber erwähnt werden muss: Vor dem ersten Tor hat sich ein Bayernspieler beim Kopfball aufgestützt. Das zweite Tor fiel aus Abseitsposition. Und dem dritten Treffer ging ein Foul voraus.

Ansonsten: Ja, dieses Spiel konnte man nicht ohne Hoeneß-Hintergedanken verfolgen. Auch die Spieler nicht. Robben äußerte sich nach Schlusspfiff ehrlich und erschreckend: “Dieser Sieg ist auch für ihn”, sagte der Spieler und meinte seinen auf Kaution freigelassenen Präsidenten. Karl-Heinz Rummenigge ließ in einem kurzen Interview erkennen, wie sehr der Verein in den nächsten Wochen zu Hoeneß stehen werde. Er sagte, er könne sich den FC Bayern nicht ohne seinen Freund Uli Hoeneß vorstellen. Mia san Mia.

Reportage aus München kommt Morgen vom Kollegen Fritsch. Zur Nacht noch eine positive Nachricht, die die ganz ernsten Kollegen recherchiert haben:

 

93′ Schluss, 4:0, ja 4:0 gewinnt der FCB gegen den FCB. Die Rede ist von einem historischen Spiel. In der Redaktion fliegen Pizzastücke durch den Newsroom. Ein kleines Fazit kommt, wenn die Gefühle gebändigt sind.

87′ Ribéry geht, Shaqiri, der andere wandelnde Schrank im Spiel. Was Sie auch wissen sollten: Jordi Alba, Typ linker Verteidiger ist sauer, schmeißt vor dem Einwurf den Ball an die Nase von Robben. #Empörung #Gelbe Karte

84′

 

81′ Toooooooooooooooooooor! Müller! Müller! Müüüüüüüüülllllllller! Flanke von Alaba, dann der Schlitzohrige mit dem Fuß. Ja, sie haben mich, die Bayern begeistern jetzt. 4:0!

79′ Müller, dieser Teufelskerl, ich werde emotional. Die Fans im Stadion auch:

 

75′ Bartra schießt aus zwei Metern in die Wolken. Merke: Der Drops ist noch nicht gelutscht. Der Keks nicht gegessen. Noch nicht Schicht im Schacht, nix Schluss im Bus, kein Ende im Gelände, die Maus noch nicht aus. Es bleibt spannend, bleiben Sie dran.

72′ 3:0! Ich nehme alles zurück: Krasser Konter der Bayern: Ribéry auf Schweinsteiger, der überlegt auf Robben, der mit dem Ball tanzt.

70′ Falls Sie es noch nicht getan haben: Drücken Sie hier. Das Spiel lässt ja Zeit für solche Drückerein. Muss auch nur einmal sein. Gomez geht jetzt vom Platz, Gustavo kommt.

63′ Wundern Sie sich an dieser Stelle bitte nicht, weshalb hier nichts Neues erscheint. Ich könnte bloggen: “Wenn Messi hustet, hat Barcelona Grippe” (Reif) Will ich aber nicht. Kein Klassespiel, aber: Die Bayern spielen tatsächlich besser als Barcelona, das muss ich anerkennen, Opa Jochen täte sich ärgern.

49′ 2:0 für die Bayern: Ecke, Müller wieder mit dem Schlitzohr und Gomez aus einem Meter mit dem linken Latschen ins Tor!

Vor der zweiten Halbzeit: schrieb unsere Leserin Tatjana, sie sei für Bayern. Weil es doch “ein internationaler Wettbewerb ist und jeder Erfolg einer deutschen Mannschaft jedem dt. Team zugutekommt (5-Jahres-Wertung, Uefa). Aber Tatjana! Nach Ihrem Kommentar musste ich mir während der Arbeit ein Bier nehmen, eine Pizza bestellen, schnaufen und zu einem gar nicht so schlechten Fußball-Buch greifen: “Der zwölfte Mann ist eine Frau” von Wiebke Porombka:

“Jetzt komm mir bloß noch einer mit UEFA-Wertung! Ich glaube, es geht los. UEFA-Wertung, wenn ich das schon höre. Nix mit UEFA-Wertung! s gibt wenige Dinge, die mich dermaßen aus er Fassung bringen, wie das Gerede von der UEFA-Wertung oder den “Europa-Punkten”. Und wenn es dafür goldene Euroa-Punkte gäbe, ein Europa-Punkte-Abo, Europa-Punkte auf Lebenszeit: Ich werde niemals zu Bayern München halten. Nicht gegen Barcelona, nicht gegen Kiew, nicht gegen Manchester, gegen keinen Verein der Welt. Und ich kann jeden, der das tut, nur mit einem vernichtenden Blick strafen. Was bliebt mir auch sonst übrig.

Deshalb versuche ich, besonders vernichtend zu gucken, wenn wieder ein Freund oder Kollege mir erklären will, es sei in internationalen Wettbewerben, rein rechnerisch, einfach sinnvoll, deutsche Mannschaften zu unterstützen, wegen der – sag es bitte nicht!

Natürlich verstehe ich die Begründung: Ich kann auch rechnen. Aber: Vielleicht will ich es in diesem Fall gar nicht. Vielleicht muss in den entscheidenden Fragen des Lebens Prinzipientreue über Verstand gehen? Wo kämen wir sonst hin?”

Halbzeit: Das Spiel ist konzentriert angespannt. Eine Halbzeit ohne ganz große Chancen, aber mit schönen Spielzügen. Robben und Lahm stark auf ihrer Seite. Falls Sie es verpasst haben: Messi spielt auch mit. Hoeneß freut sich. In der Redaktion werden wegen all dem selbst Norddeutsche Redakteure zu Bayern-Akzeptanten, -Tollerierer oder gar zu Fans. Und auch unser Kollege im Stadion hat Spaß:

 

36′ Siebte Ecke für die Bayern. Selbst mein Opa hätte nach diesem Spielverlauf zugegeben: Der FC Bayern ist heute gut. Aber, ja Herr Aldi, diese Haltung oder Antihaltung kann ich nicht verbergen.

32′ Zweites (oder drittes) Mal Handspiel im Strafraum der Münchner, Spanier, es war zum zweiten oder dritten Mal nicht der Torwart. Dieses Mal der Kleine mit den dunklen Haaren. Auch dieser Fußballkenner hat es erkannt:

 

25′ Ecke, Lockenkopf von Dante und dann Müller mit seinem Schlitzohr: Doppelkopfball, 1:0 für den FC Bayern. Wow, schöne heile Welt.

15′ Lahm, der wuseligste von allen Bayern schießt, Piqué hält seinen Ellenbogen zwischen Tor und Ball, und der Schiedsrichter pfeift nicht. “Es gibt Schiedsrichter, die …” sagt Marcel Reif, der Sky-Kommentator. Eine schwere Entscheidung. Wahrscheinlich ist es das letzte Tabu in diesem Land, Marcel Reif gut zu finden.

10′ 70 Prozent Ballbesitz für Barcelona, Bayern jedoch leicht überlegen. Ansonsten: Der Platzregen hat im Mittelkreis eine Pfütze hinterlassen. Bayernfans halten ein Riesenplakat hinter dem Bayerntor in die Luft: “Schöne heile Welt”, steht da. Könnte Seehofer bezahlt haben.

2′ Robben eröffnet den Frühlingsabend mit einer Großchance aus sechs Metern, zu flach geschossen fürs Tor.

20:44 Diese 22 Männer stehen auf dem Rasen:

 

 

20:40  Erstes Gebot vor dem Anpfiff: Man darf ein Fußballspiel nicht nur auf Messi reduzieren. Zweites Gebot vor dem Anpfiff: Alle Bayern-Spieler sind total fokussiert, das Thema Hoeneß spielt überhaupt keine Rolle. Drittes Gebot vor dem Anpfiff:


Vorbemerkung

Mario Götze hat früher in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Genau wie seine Brüder Fabian und Felix. Ich habe geschluckt, als ich diese unglaubliche Nachricht heute las. Der Großvater hat es einem Reporter der AZ verraten. Man. Man.

Als mein Opa Jochen noch lebte, schmückte immer ein schelmisches Lächeln sein Gesicht, mindestens wenn er über Fußball sprach. Er verstand viel von diesem Sport, lange Jahre hatte er als Bauer gearbeitet und nach der Ernte als Libero verteidigt, damals in den Fünfzigerjahren für Traktor Dalberg.

“Eigentlich”, sagte er oft zu mir, nachdem er von seinen schönsten Toren und Gegentoren geschwärmt hatte, sei das mit dem Fußball alles nicht so schlimm: “Hauptsache die Bayern gewinnen nicht!”

Irgendwann habe ich rausgefunden, dass es andere Menschen als meinen Opa gibt, Menschen, wie Mario Götze, Uli Hoeneß, Menschen, die für den FC Bayern sind. Ich habe dafür inzwischen Verständnis. Es geht ja “eigentlich” nur um Fußball. An Tagen wie diesen, nachdem Hoeneß verhaftet und Götze verkauft wurde, muss das in der Vorbemerkung eines Live-Blogs erwähnt werden. Also: FC Bayern gegen den FC Barcelona. Ab 20:30 Uhr stehen wir mit Oliver Fritsch, unserem twitternden Reporter im Stadion, im steten Austausch, verfolgen das Fernsehsignal und bloggen aus der Redaktion live – lesen und kommentieren Sie mit, erst Recht, wenn Sie trotz allem für den FC Bayern sind.

Kategorien: Champions League

Kurz dachte Löw, die Kasachen wären Schweden

Von 23. März 2013 um 05:50 Uhr

Fazit Deutschland verlässt die “asiatische Steppenlandschaft” (Rethy) als Sieger. Doch auch das Spiel war eine Öde. Die Kasachen konnten in der ersten Halbzeit nicht ihr gewohntes Flügelpiel aufziehen. In der zweiten erweckten sie plötzlich ein paar Minuten lang den Eindruck, sie wären Schweden. Doch die Deutschen hatten zwar keinen Stürmer, aber einen Torwart und eine Torlatte. Der Rest war klares deutsches Übergewicht. Die falsche 9 – spannendes Thema, aber Antworten lassen sich heute nicht geben. Zwei Höhepunkte: die Parade Neuers und der Assist Wolfgang Amadeus Özils vor dem 3:0. Mehr gibt es nicht zu sagen. Doch: Am Dienstag gibt es die Neuauflage in Nürnberg. Puh!

Großer Sieger des Abends: der Kahn-Ersatz Michael Ballack. Gute Analyse, wieder verstärkt sächselnd, verbindlicher Auftritt, spricht sich für den Stürmer aus, sagt noch 2008-mäßig “Schweini”, souverän im Duett mit Löw. Sollte wiederkommen, aber das ist wohl vergebliche Hoffnung.

“Sie in den Medien wollen immer eitel Sonnenschein.” (Ballack über die Frage nach der Versöhnung mit Löw)

Quizfrage: Welchen Versfuß hat der Blog-Titel?

Endstand 0:3

82′ Khedira und Müller raus. Rein Schürrle und Gündogan.

An Gündogan soll ja Barca dran sein. Hä? Was wollen die denn mit dem?

Wie? Xavi ersetzen? Ach so, ok, das hat natürlich Sinn.

E-Jugend

E-Jugend

Weil einige gefragt haben: Das Teil (siehe links) hat schon einige Sportplätze gesehen, der Mantel der Geschichte sozusagen. Rechts Trainer Fritsch senior. Und dazu auch der Junior im Trikot des Kreismeisters TSV Laufdorf (1981).

Keine Frage, wir standen damals im Licht, wir waren Rock’n'Roller.

74′ Tor für Deutschland Müller 0:3 Eine mozarthafte Vorlage Özils findet Müller zentral im Strafraum.

69′ Denkt hier jemand an Schweden? Innerhalb von drei Minuten ein Lattenkracher der Kasachen und ein Schuss aus kurzer Entfernung, den Neuer sportlich aus dem Winkel holt. Haben sich die Kasachen bislang totgestellt? Die Mine Löws verzieht sich. Und Schweinsteiger weiß, wann man sich die Gelbsperre abholt.

62′ “Die Nacht von Astana”, “Kasachenzipfel” (echte Rethys).

don_king

Ich stand früher mit diesem Stück (links) am Spielfeldrand, Erbstück aus den 60ern, bekam von meinen Spielern den Spitznamen “Don King”. Damit könnt ich aber mal locker Kasachstan trainieren.

Und in Charlottenburg fällt man damit auch nicht auf.

Ich hab das Teil auch in Weiß.

54′ karl-ton fragt in den Kommentaren: “Wo issn der Olli? Ist der auch verletzt oder hat der jetzt Konkurrenz auf seiner Position bekommen und muss jetzt auch auf die Kritik erstmal reagieren?”

Der Mischa vertritt ihn richtig stark. Kahn ist aber auch kein Gegner für Ballack.

52′ Salzletten statt Beine: Thomas Müller.

49′ Ah, es geht weiter. Ich wurde von einem Ächzer Bela Rethys geweckt.

Halbzeit 0:2 Mein Kommentar:

Das spannendste an diesem einseitigen “Spiel” ist: Wird Schweinsteiger das Tor aberkannt, zu Gunsten Müllers, der mit dem Bauch noch dran war? Ich fänd das fast schon respektlos.

42′ Eine Nachricht aus dem internationalen Fußball:

36′ Nutzen wir die Gelegenheit, um auf Neuigkeiten bei der Fifa hinzuweisen. Sepp Blatter hat eine Scheinreform inszeniert. Ok, das ist nicht unbedingt eine Neuigkeit, aber jetzt ist es sozusagen amtlich. Fast alles, was der Chefreformer Mark Pieth gefordert hatte, wurde vom Exekutivkomitee abgelehnt. Ich empfehle die Blogs von:

Und mittendrin Theo Zwanziger, der die ganzen Gaunereien verteidigt. Appeasement.

32′ Kasachstan lässt jetzt mit seinem Pressing ein wenig nach.

27′ Herr Mertesacker beliebt zu scherzen und schickt Lahm mit einem Lupfer in ein Kopfballduell.

20′ + 22′ Tore für Deutschland 0:1 Schweinsteiger, 0:2 Götze Podolski drin und schon läufts.

18′ Hätte Gomez den gemacht? Der falsche 9er Götze verzieht freistehend. Draxler muss leider schon raus, nachdem er mit einem echten kasachischen Schädel Bekanntschaft machte. Aber bis zum Sportstudio-Termin nächste Woche ist er wieder fit.

9′ Konterchance für Kasachstan. Aber Gott sei Dank, es war ein Fürther.

Wer sehen will, was Balotelli gestern fabriziert hat, schaue hier. Ich dachte erst: Wow, der kanns auch mit links. Dann sah ich: ist spiegelverkehrt, damit die Youtube-Zensur nicht greift. Aber immer noch wow.

5′ Die Deutschen haben sichtlich Anpassungsprobleme an den Kunstrasen, eine kasachische Spezialmischung aus Мәңгдай und досынілік.

18:58 Eigentlich eine berechtigte Frage: Was der Kollege aber nicht weiß, der Kasache an sich ist eher eher der mediterrane Typ.

Oh du mein Land, oh du mein Land,
Ich bin die von dir gezogene Blume,
Ich bin das auf deinen Lippen klingende Lied, oh Land!
Meine Heimat ist mein Kasachstan!

Schön.

Vorbemerkung

Eigentore sollte die deutsche Nationalmannschaft heute in Kasachstan nicht nötig haben. Die Kasachen sind Außenseiter, haben noch nichts gerissen, da dürften ein paar Tore den deutschen Stürmern leicht fallen.

Doch halt, ähhh Stürmer, die gibts ja nicht mehr. Joachim Löw hat diese Woche in einem Impulsreferat festgehalten, dass die Zeit der physisch starken Stürmer zu Ende gehe. Er hat ein Herz für die Kleinen. Das war ein Gruß an Mario Gomez. Der ist allerdings ohnehin verletzt, er hat eine Zerrung. Eine Verletzung die, wie Gomez, ein wenig angeblich aus der Mode geraten ist. Heute hat man ja eher Adduktoren.

Das ist die Elf: Neuer – Lahm, Mertesacker, Höwedes, Schmelzer – Khedira, Schweinsteiger – Müller, Özil, Draxler, Götze (gleich zwei Schalker)

Für das Spiel in Astana hat der DFB eine Art Zeittunnel gegraben. Den Zeitunterschied von fünf Stunden will er schlicht ignorieren. So isst die Delegation mitternachts Ortszeit zu Abend, geht um 3 Uhr ins Bett und frühstückt um 12. Oliver Bierhoff hat zudem für alles gesorgt: Damit der Biorhythmus der Nationalspieler nicht durcheinander gerät, hat er die Zimmer verdunkeln lassen, eine künstliche Sonne ist im Einsatz, zudem hat der Service Manager des DFB einen Hahn in zweijähriger Feinarbeit so dressiert, dass er, der Hahn, auf Befehl krähen kann.

Um 24 Uhr Ortszeit ist Anstoß, dem deutschen Fernsehen wird es nicht unrecht sein. Vorher müssen wir Miesepeter natürlich auf die Situation der Menschenrechte in Kasachstan hinweisen. Justizwillkür und Korruption sind wohl weit verbreitet. Apropos, auf das Thema Fifa werden wir im heutigen Live-Blog auch hinweisen. Diskutieren Sie mit!

Kategorien: Nationalmannschaft

FC Bayern – Borussia Dortmund 1:0

Von 28. Februar 2013 um 00:15 Uhr
  • Robben macht das Tor
  • Revanche geglückt
  • Dortmund fehlte Hummels

Fazit Chapeau, FC Bayern, das war großer Sport. Wie die Münchner diesen Pokalsieg gegen den BVB herunterspielten, ist nicht hoch genug einzuschätzen: unaufgeregt und ruhig, gleichzeitig aber auch aggressiv und leidenschaftlich. In der Abwehr standen mit van Buyten und dem nicht nur wegen seines Afros alles überragenden Dante zwei Holzschränke im Weg. Vorne fielen den Offensiven die vielen Diagonalbälle vor die Füße, mit denen die Münchner geschickt das Dortmunder Pressing aushebelten. Die BVB-Innenverteidigung um Subotic und Santana schien mit diesen Bällen überhaupt nichts anfangen zu können, Mats Hummels fehlte an alle Strafraumecken und -enden. Auch im Aufbauspiel, dort wirkten die Dortmunder einfallslos wie lange nicht. “Mit diesem Spiel haben wir die Vormachtstellung im deutschen Fußball zurück, die deutschen Verhältnisse sind geklärt”, tönte Uli Hoeneß nach der Partie. Ach, wie haben wir es vermisst.

Vorbei, Schluss, Aus! Der FC Bayern steht nach einem souveränen Sieg im DFB-Pokalhalbfinale. Und hat einiges fürs Selbstwertgefühl getan.

92. Minute Doch noch einmal die Dortmunder. Flanke auf Schieber, der aber nunmal Schieber heißt und nicht Köpfer. Er köpft den Ball deshalb drüber.

91. Minute Der FC Bayern wechselt noch einmal. Wetten, dass das nicht jedem Münchner gefällt?

85. Minute Der FC Bayern spielt die Veranstaltung hier sehr souverän runter. Völlig nochchalant, sie verlieren nie die Ordnung, große Klasse. Wer soll die eigentlich noch schlagen? Real Madrid? Verlor gegen den heutigen Gegner. Barcelona? Verlor gegen Real Madrid. Ach, wie ich Überkreuz-Überkreuz-Vergleich liebe.

80. Minute Reus geht raus, Schieber kommt. Dortmund hat das Spiel also aufgegeben.

76. Minute Nach einen van-Buyten-Kopfball wieder mal eine Chance für Borussia Dortmund. Gündogan aber zieht vorbei. Das Spiel jetzt in einer seltsamen Phase. Sieht eher nach 116. Minute aus, als nach der 76. Die Bayern führen, sie soll es nicht stören. Dem BVB scheint aber heute auch der letzte Biss zu fehlen (siehe Kahn-Herrlich-Bild unten).

Zeit für ein wenig unnützes Wissen: Heute vor genau 113 Jahren wurde der FC Bayern gegründet. In einem Restaurant namens “Gisela”.

66. Minute Jetzt, wo der BVB will, merkt er: Viel mehr als in der Defensive, fehlt Mats Hummels im Aufbauspiel.

Große FCB-BVB-Szenen der Vergangenheit. Teil 2:

"Biss zum Abwinken" Foto: Bongarts/Getty Images

“Biss zum Abwinken” Foto: Bongarts/Getty Images

56. Minute Der BVB kommt etwas besser ins Spiel. Gleich drei Bälle flogen in Richtung Manuel Neuer. Der muss zum ersten Mal in dieser Saison mitspielen. Die Bayern jetzt in akuter Lätschert-Gefahr. Apropos: Folgendes soll Jürgen Klopp mal über Matthias Sammer gesagt haben: “Nach der Meisterschaft mit Stuttgart hat Matthias Sammer als einziger in der Dusche gesessen und sich nicht gefreut. Da hab ich mir gedacht: Wenn sich das so Scheiße anfühlt, will ich das nicht haben.”

Kleine Aussprachehilfe für Steffen Simon und andere.

50. Minute Das Spiel geht weiter. Eine Frage bleibt: Spielt Robert Lewandowski heute Abend noch bei Dortmund oder schon bei Bayern?

Halbzeit Der FC Bayern führt verdient mit 1:0. Die Bayern sind, von einem Verschnaufer gegen Mitte der Halbzeit abgesehen, beständig und engagiert angerannt. Die wollten hier etwas beweisen. Der Dortmund-Stachel aus den vergangenen Jahren muss wirklich sehr tief gesessen haben. Es ging vor allem über außen und lang auf die Dortmunder Innenverteidigung. Santana und Subotic wirken da sehr unsouverän. Der BVB noch ohne echte Torchance.

43. Minute: Tooor für den FC Bayern, Arjen Robben. Santana versucht einen Brustpass im Strafraum, Schmelzer pennt. Robben schnappt sich den Ball und zirkelt ihn wie früher mit links oben links in den Winkel.

41. Minute: Der FC Bayern macht jetzt gehörig Dampf. Der Dortmunder Abwehr geht Mats Hummels doch mehr ab als vermutet. Subotic und Santana wackeln heftig.

35. Minute: Bester Mann auf dem Platz ist Bayerns Dante. Ihm möchte man ja sowieso immer die Perücke vom Kopf zerren und rufen: “Lucio, ich weiß, dass du es bist!!!”

Das Spiel nimmt sich jetzt eine kleine Auszeit. Deswegen erinnern wir an große FCB-BVB-Szenen der Vergangenheit. Teil 1:

"Meine Augencreme ist eine Wucht" Foto: picture alliance/dpa

“Meine Augencreme ist eine Wucht” Foto: picture alliance/dpa

25. Minute Kreuz in den Kalender: Marco Reus springt ein Ball vom Fuß.

Drüben in Stuttgart hat der VfB sein Viertelfinale übrigens gewonnen. 2:0 gegen den VfL Bochum.

19. Minute Der Dortmunder Spielaufbau ist bis jetzt so mangelhaft, dass das sogar Steffen Simon erkennt.

Auch der Kollege im Stadion sieht zunächst nur fußballerische Basisfähigkeiten.

14. Minute: Sehr seltsame Szene von Santana und Weidenfeller, die Kroos den Ball schön auflegen. Der aber tändelt den Ball so unmotiviert am Tor vorbei, als sei er im Urlaub.

10. Minute: Erster (?) Zweikampf zwischen Gündogan und Schweinsteiger. Strichliste, irgendjemand? Und wo ist eigentlich Busquets?

5. Minute Nach nicht viel passiert beim, Achtung!, deutschen Clásico wie heute immer wieder zu lesen war. Gibt es eigentlich auch einen spanischen Klassiker? Oder einen chinesischen кла́ссик?

Es geht dann los. Endlich.

20.29 Uhr Großes Rätselraten ob der Farben der Südkurven-Choreografie. Doch der große Weltenerklärer Steffen Simon hilft aus. Sind die Münchner Stadtfarben.

20.27 Uhr Robben also wie erwartet für Ribéry in der Startelf. Roman Weidenfeller frohlockt schon.

20.21 Uhr Frage Delling: “Haben Sie heute auch eine Taktik?” – Klopp: “Ich hoffe, man sieht sie.”

20.13 Uhr Unser Mann in München ist heute Oliver Fritsch. Er hat erst vor wenigen Stunden die bayerische Landesgrenze überquert, aber ist schon im München-Modus.

20.00 Uhr Noch eine halbe Stunde bis zum Anpfiff. Zeit für etwas Lesestoff:
The Swiss Ramble hat mal die Dortmunder Finanzen durchforstet und stellt fest, dass der BVB auch in dieser Hinsicht “back in the game” ist.
Felix Magath erklärt der Welt (also der Zeitung) das Dortmund-Trauma der Bayern. Der Mann scheint gerade sehr viel Zeit zu haben. Seine Fans beglückt er mittlerweile fast täglich mit einem Facebook-Posting. Bestimmt lädt er bald zum Farmville-Daddeln ein.
Die taz schreibt, dass es nicht unbedingt gut sein muss, wenn zwei Vereine den nationalen Fußball dominieren.
Und die Taktiknerdsgurus von spielverlagerung.de haben ihre Vorschau auf das Spiel in einen Podcast gepackt.

19.50 Uhr Der BVB darf natürlich auch mitspielen. Und zwar so: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Santana, Schmelzer – Gündogan, Bender, Großkreutz – Götze, Reus – Lewandowski

19.42 Uhr Guck an. Markus Hörwick twittert persönlich (und mit digitaler Unterschrift) die Bayern-Aufstellung.

19.35 Uhr Der Hummels-Ausfall muss nicht mal eine Schwächung sein. Der Kerl hat doch in diesem Jahr aus Übermut durchaus den ein oder anderen Gegentreffer verschuldet. So jedenfalls muss er sich nach dem Spiel nicht für die längst vergessen geglaubte Jugendsünde rechtfertigen, die uns heute in die Hände fiel.

19:12 Uhr Mats Hummels fällt dann also wirklich aus. So schreibt er zumindest auf seiner Facebook-Seite. Die bisher schon gut 3.000 4.200 6.000 Likes sind wohl den Bayern-Fans zuzuschreiben.

Vorbemerkungen:

Die Bundesliga ist langweilig, oben und unten. Die Champions League wird sowieso erst ab März spannend. Aber jetzt kommt eines der sonst immer etwas faden DFB-Pokalviertelfinals: Bayern gegen Dortmund. Mehr geht nicht. Das Spiel des Jahres. Ein Spiel wie ein Spiegel, vor dem sich Uli Hoeneß und Jürgen Klopp wie die böse Märchenkönigin versammelt haben: Wer ist sie denn nun, die beste Fußballmannschaft im ganzen Land?

Dass man beim FC Bayern trotz 17 Punkten Vorsprungs in der Liga, trotz der besten, souveränsten, tollsten, beeindruckendsten, großartigsten Über-Bundesliga-Saison aller Zeiten am Ergebnis dieser Antwort zweifelt, liegt an der bajuwarischen Fußball-Seele, die noch immer traumatisiert ist. Zu oft wurden die Münchner in den vergangenen Jahren von den (aus ihrer Sicht) elf Fußballzwergen aus Dortmund gedemütigt. Unvergessen die 2:5-Pokalfinal-Niederlage aus dem Mai, nach der ganz Deutschland über die Bayern lachte und über Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, die doch wirklich behaupteten, der FC Bayern sei die bessere Mannschaft gewesen.

Dieses Trauma soll heute überwunden werden. Die Münchner wollen zeigen, dass sich ihre Maßnahmen gelohnt haben: Die 70 Millionen Euro, die in den Kader gesteckt wurden, die Verpflichtung des Aufpassers Matthias Sammer und der Reputationsgewinn rund um den Coup mit dem Märchenprinzen Josep Guardiola. Entscheidungen, die ohne die Dortmunder Überflieger wohl kaum getroffen worden wären. Selbst spieltaktisch haben die Bayern den BVB plagiiert, teilweise zumindest. Sie spielen aggressiver und besonders in der Sturmspitze laufintensiver. Fragen Sie nach bei Mario Gomez.

Der BVB dagegen kann ganz gut mit der Deutung leben, der Rückstand in der Liga komme nur daher, weil man es auf den Bundesliga-Feldern ein wenig schleifen lässt, um sich ausgeruht auf die europäischen Topklubs zu stürzen. Sie haben mit Real Madrid und Manchester City in dieser Spielzeit immerhin schon zwei Big Player geschlagen, was man vom FC Bayern nicht behaupten kann.

“Bis hierhin ist es für die Bayern eine perfekte Saison”, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp in den Tagen vor dem Spiel. Natürlich nicht, ohne die ersten Worte des Satzes genüsslich zu betonen. “Angstgegner können Sie vergessen”, schickte Jupp Heynckes an die Adresse des BVB. Ein echtes, auch verbales, Spitzenspiel also, bei dem zudem fast alle Stars an Bord sind. Beim FC Bayern muss nur Franck Ribéry noch für seine Rote Karte im Achtelfinale gegen Augsburg büßen. Für ihn wird Heynckes einen glatzköpfigen Niederländer namens Arjen Robben aufs Feld schicken. Und die Dortmunder bangen um Mats Hummels, der hat Husten-Schnupfen-Heiserkeit.

Los geht es um 20:30 Uhr. Wir sind gespannt, ob am Ende noch alle erhobenen Hauptes in den Spiegel gucken können und bloggen ab 20:00 Uhr an dieser Stelle live.

Kategorien: DFB-Pokal

Frankreich – Deutschland 1:2

Von 7. Februar 2013 um 00:08 Uhr
  • Erstes Länderspiel des Jahres
  • Gündogan top
  • Löw ist doch kein “romantischer Verlierer”

Kurzanalyse Alors, was für ein unterhaltsamer Fußballabend! Die deutsche Mannschaft gewinnt mal wieder und Joachim Löw kann durchpusten, kein 4:4 weit und breit. Die Franzosen taten den Deutschen den Gefallen und griffen fröhlich an, das bot Raum für die Umschaltspezialisten Gündogan, Müller und Özil, die allesamt einen großen Tag erwischten. Vor allem an dem so unwirklich ballsicheren Gündogan wird Löw in Zukunft nicht mehr vorbeikommen. Mängel gab es vor allem in der Defensive. Mats Hummels gab ab und an den Bruder Leichtfuß, Philipp Lahm erfuhr auch einmal, wie es ist, gegen Franck Ribéry spielen zu müssen. Das Highlight des deutschen Spiels: Der Pass von Mesut Özil vor dem 2:1 auf Khedira. Ein Kunstwerk, ab in den Louvre damit!

"Le Tor, c'est moi" Foto: Andreas Gebert/dpa

“Le Tor, c’est moi” Foto: Andreas Gebert/dpa

C’est fini. Deutschland gewinnt in einem tollen Spiel 2:1 in Paris.

90. Minute: Özil auch zu fortgeschrittener Stunde noch leichtfüßig wie eh und je. Hat nachher noch einen Autritt im Moulin Rouge.

Bei unser Kommentatorin Frau Ke hat diese Woche sichtbare Spuren hinterlassen: “Wer schaut noch diese Sportart? Korrupte Möchtegernjungmillionäre hoppeln lustlos übers satte Grün und wussten wahrscheinlich heute Morgen beim Nutellabrot schon den Endstand.”

84. Minute: Die deutsche Elf lässt Ball und Gegner laufen. Die Franzosen traben müde hinterher, halten es wohl schon mit Sartre: “Les jeux sons faits”

74. Minute: 1:2, Tooor für Deutschland. Olé statt oh la, la. Ein Zauberpässchen von Mesut Özil auf seinen madrilenischen Vereinskollegen Sami Khedira. Der hält nur noch den Außenrist hin. Zum Niederknien! Traumhaft! Tolles Tor!

71. Minute: Joachim Löw hackt auf dem eingewechselten Toni Kroos rum. Der wirkt heute, wie auch sonst manchmal, seltsam apathisch. Fast leidend. So wie er hier.

"Bitte gebt mir heute nicht den Ball", picture alliance/dpa

“Bitte gebt mir heute nicht den Ball”, picture alliance/dpa

66. Minute: Aus gegebenem Anlass zwei Tweets über Mats Hummels.

57. Minute: Toni Kroos kommt für Gomez. Ein Wechsel, der für Schnappatmung bei vielen Taktikfreaks sorgen wird. Deutschland jetzt wieder ohne Stürmer, mit falscher Neun, echtem Hasen, original verpackt. Jetzt sind die kognitiven Fähigkeiten der französischen Innenverteidigung gefragt.

51. Minute: 1:1, Tooor für Deutschland. Die Passmaschine Gündogan erobert den Ball und legt quer auf Müller. Der schießt an Lloris Kopf vorbei. Angela Merkel ballt die Fäuste, selbst Hollande klatscht.

Merkel und Hollande sind auch da.

REUTERS/Charles Platiau

“Und der da macht die besten Crêpes des Landes” REUTERS/Charles Platiau

Jens Lehmann gibt derweil Rätsel auf. Er twittert, scheint aber doch kein Internet zu haben.

Halbzeit Für einen Testkick ein ziemlich flottes Fußballspiel mit leichten Vorteilen für die deutsche Mannschaft. Wir halten es mit Godard und sind alle noch etwas “Außer Atem”. Beim Gegentor träumt Mats Hummels vor sich hin. Ansonsten noch auffällig: Per Mertesacker, der mit seinen langen Gaken alles wegputzt. Was heißt “big fucking german” auf französisch?

44. Minute: 1:0, Tooor für Frankreich. Benzema nagelt einen Ball an die Latte. Hummels geht nicht zum Kopfball und ein Mann namens Valbuena, kaum größer als Philipp Lahm, köpft ein.

42. Minute: Unser Mann im Stadion hat eine Fachfrage:

37. Minute: Nächste unglückliche Aktion von Höwedes. Daher: Liebe Leser, wenn Sie jemanden kennen, der schon mal mit jemanden gesprochen hat, dessen Schwager mal was von einem guten Linksverteidiger gehört hat; schreiben Sie an: Deutscher Fußball-Bund, Stichwort: Lahm II, Otto-Fleck-Schneise 6, 60528 Frankfurt/Main. Die Fußball-Nation wird es Ihnen danken.

33. Minute: Im Gegensatz zu Özil und Gündogan wirkt dieser Khedira im Mittelfeld so beweglich wie der Eiffelturm.

27. Minute: Benzema läuft auf Adler zu, Adler hält gut. Dass Benzema zwei Meter im Abseits stand, sah der Linienrichter nicht. Wo ist Europol, wenn man es braucht!?

25. Minute: Den Franzosen scheinen in den direkten Duellen etwas schwach auf der Brust. Kein Wunder, wenn sie ihren besten Zweikämpfer an Putin verscherbeln.

Römer?

Römer? Wo? Foto: Concorde Film

20. Minute: Sehr schönes Fußballspiel bis hierhin. Die Franzosen tun der deutschen Elf den Gefallen, sehr aktiv am Spiel teilzunehmen. Das gibt Platz und Zeit für das deutsche Umschaltspiel. Könnte ein netter Abend werden. Bon!

12. Minute: Podolski zeigt, was er in England gelernt hat. Huscht durchs Mittelfeld und legt dann raus auf Höwedes. Der zeigt, was er auf Schalke gelernt hat. Flankt in Richtung Sacre Coeur.

Oliver Fritsch im Stadion schwelgt noch immer in Erinnerungen.

6. Minute: Erste Torchance für die Deutschen. Özil zeigt, dass er in der Kniescheibe mehr Gefühl als andere im ganzen Körper, nimmt den Ball mit eben dieser mit, Frankreichs Torwart Lloris aber bekommt den Fuß an die Kugel.

21.00 Uhr: Le coup d’envoi (sagt Leo)

20.57 Uhr: Allons enfants…es läuft die Marseillaise. Die inoffizielle französische Hymne trauen sie sich nicht. Nichts für enfants.

20.45 Uhr: Wir sich noch ein wenig einlesen möchte: Die Süddeutsche Zeitung hat sich um Franck Ribéry gekümmert. Bei der FAZ gibt es ein Video-Interview mit René Adler. Und bei den 11 Freunden gibt es ein Interview mit Willy Sagnol, dem ehemaligen Halbfeld-Flankengott des FC Bayern und aktuellem Sportdirektor des französischen Verbandes.

20.35 Uhr: Oliver Fritsch ist unser Mann in Paris. Allerdings ist er eine knappe halbe Stunde vor Anpfiff noch besorgniserregend fußballfern unterwegs. Muss an der Stadt liegen.

 

20.30 Uhr: Lobenswerte Geste des DFB. Daniel Nivel, der bei der WM 1998 von deutschen Hooligans ins Koma geprügelt wurde, ist heute DFB-Ehrengast.

20.25 Uhr: Kommentator Thomas gefällt es bei uns, allerdings behauptet er, Löw seien bei der Frage nach den “romantischen Verlierern” mitnichten die Gesichtszüge entglitten wie in unseren Vorbemerkungen beschrieben. Wir haben das Video dazu noch mal rausgesucht. Urteilen Sie selbst! (ab etwa -4:20)

20.10 Uhr: Die Füchse von spox kennen mittlerweile die komplette deutsche Aufstellung.

20.05 Uhr: Sky-Uli weiß Bescheid. Hoffentlich müssen die Vier nicht alleine spielen.

 

20.01 Uhr: Ein paar Worte zum Gegner: Die Franzosen sind in den vergangenen Jahren eher durch präpubertäre Plänkeleien als durch sportliche Heldentaten aufgefallen. 2010 meuterten sie gegen ihren Trainer Domenech. Auch Laurent Blanc hatte seine Truppe zwei Jahre später nur bedingt um Griff. Es kam zu kleinen und größeren Meinungsverschiedenheiten im Team, Samir Nasri flippte nach der bedeutungslosen Vorrundenniederlage gegen Schweden aus und forderte einen Journalisten auf, sexuelle Handlungen an seiner Mutter zu vollziehen. Ein Spiel später, im Viertelfinale gegen Spanien, war Endstation.

Nasri ist nun nicht mehr dabei, dafür hat Didier Deschamps gesorgt. Der neue Trainer, den nur ein Schnurrbart vom perfekten Asterix-Double trennt, räumte auf und hatte bisher Erfolg. Er schaffte zwei Achtungserfolge, ausgerechnet gegen den Deutschland-Schreck Spanien (ein 1:1 in Madrid) und den Deutschland-Schreck Italien (2:1).

Vorbemerkungen:

 

Paris! Die Stadt der Liebe, des Existenzialismus, das Fest fürs Leben. Sehnsuchtsort aller Romantiker, Kunstliebhaber und japanischer Blitztouristen. Sehnsuchtsort eigentlich aller. Nur ein paar deutsche Fußballer scheinen der Metropole nichts abgewinnen zu können. Die Kleingeister bleiben lieber im öden München (Schweinsteiger), bröckeligen Rom (Klose) oder, oh weh, in Dortmund (Götze, Reus, Schmelzer). Dabei würde besonders den Jungspunden aus dem Pott ein wenig Hochkultur guttun.

Natürlich ist die Länderspiel-Absenz des Quintetts durch mehr oder weniger hartnäckige Verletzungen zu erklären. Vielleicht aber hat auch ein Blick in den Fußballkalender eine Rolle gespielt. Es startet ja nur das Nationalelf-Jahr 2013. Ein Jahr, in dem die DFB-Männer mal wieder keinen Titel gewinnen werden, einfach weil es keinen zu gewinnen gibt. Keine WM, keine EM, nur ein wenig Testgekicke und ein paar Qualispiele.

Der Bundestrainer Joachim Löw hat 2013 daher als “Jahr der Weiterentwicklung und Konzentration” ausgerufen. Dabei wird in den kommenden Monaten am Spannendsten sein wie er selbst mit dem meist doch arg populistisch daherkommenden Argwohn ihm und seinem System gegenüber umgeht, mit dem er sich seit dem EM-Aus gegen Italien herumschlagen muss. Löw wirkte Ende des Jahres etwas angefasst, das groteske 4:4 gegen Schweden im Oktober half nicht gerade, die Debatte zu versachlichen. Ein französischer Journalist erdreistete sich am Dienstag sogar, den deutschen Team den Titel “romantische Verlierer” zu verpassen. Löw entglitten kurzzeitig die Gesichtszüge.

Einer der sich auf das Nationalelf-Jahr 2013 freut wie die fabelhafte Amélie auf ihr nächstes Crème brûlée ist René Adler. Unser Kolumnist wird in Paris erstmals seit 2010 wieder im deutschen Tor stehen. Sein Konkurrent Manuel Neuer aus München gab sich prompt beleidigt und stichelte in Richtung des HSV-Torwarts (“Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele”). René Adler aber hat in den vergangenen drei Jahren zuviel erlebt, um sich auf solche Kindereien einzulassen. Er blieb cool und will einfach nur Frankreichs Bälle halten. Zudem hat er ja seit kurzem auch eine fesche, neue Brille und interessiert sich für Kunst. Ein Leipziger Bohemien, der perfekt nach Paris passt.

Kategorien: Nationalmannschaft

“Der Fußball darf nicht mehr elitär sein”

Von 16. April 2013 um 17:49 Uhr
Jerome Champage (Archivbild 2007)

Jerome Champagne (Archivbild 2007) — Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: In einem Brief an alle 209 Fußballverbände verlangen Sie von der Fifa Entwicklungshilfe. Wie kann man Missbrauch verhindern, wie in der Vergangenheit zu beobachten?

Jerome Champagne: Seit 1998 hat sich die Fifa der Entwicklungshilfe verschrieben. Man denke an die Programme “Goal” und “Win in Africa with Africa”. Ein Erfolg wie der Einzug der Kapverden ins Viertelfinale des Afrika Cups ist der beste Beweis dafür. Das gilt auch für viele andere Länder. Aber wir müssen noch mehr tun, zum Beispiel: mehr Sportplätze bauen, ein Programm entwickeln, wovon kleinere Klubs profitieren, ein System entwickeln, das junge Spieler und lokale Talente fördert. Der Fußball darf nicht mehr elitär sein.

Tatsächlich gab es Missbrauch, das ist angesichts des Umfangs dieser Programme unausweichlich. Es gibt fast 600 Projekte von “Goal”, da ist es unvermeidlich, dass mancher Geldschein nicht für das verwendet wird, wofür er vorgesehen ist. Deswegen muss strenger und öfter kontrolliert werden. Ich habe mit Befriedigung gelesen, dass das Fifa-Exekutivkomitee letztens beschlossen hat, ihre finanzielle Entwicklungshilfe von den Nationalverbänden und Konföderationen verstärkt kontrollieren lassen wird. Das kann aber nur der erste Schritt sein.

Champagne: Fußball ist so wichtig im Leben vieler Menschen, es ist in vielen Ländern eine nationale Angelegenheit. Zwangsläufig fällt er damit in den Aufgabenbereich vieler Politiker. Die Fifa muss sicherstellen, dass die Sportpolitik in den Händen der Nationalverbände bleiben, etwa der Ligabetrieb oder die Entscheidung, ob man sich für eine Weltmeisterschaft bewirbt.

Aber in Europa ist die EU verantwortlich für die gewichtigste politische Einmischung in den Sport. Weil sie Sport als eine wirtschaftliche Tätigkeit wie alle anderen betrachtet, weil sie den nationalen Charakter des Fußballs zugunsten einer künstlichen europäischen Dimension aufgegeben hat und weil sie ihr deregulierendes Primat für den freien Warenverkehr verteidigen wollte, hat die EU dem Fußball ein hyperkapitalistisches Element eingeschrieben: das Bosman Urteil. Es herrscht große Einigkeit darüber, dass es negative Folgen für den Fußball hatte: Elitismus und Konzentration auf wenige wichtige Spieler und Vereine. Jedenfalls haben die Sportverbände Europas eine Intervention akzeptiert, die sie in anderen Zusammenhängen und Regionen vehement abgelehnt hätten.

Man muss sich zudem vor Augen führen, dass in den EU-Staaten die Quote an ausländischen Spielern vier bis fünf Mal so hoch ist wie der Durchschnitt (8 %). In Zypern liegt sie gar bei 80 %.

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie die Reform der Fifa?

Champagne: Angesichts der vielen Vorwürfe, Gerüchte, offensichtlichen Interessenkonflikte und Kontroversen nach den Vergaben der Weltmeisterschaften an Russland und Katar war dieser Prozess notwendig. Manche Entscheidungen waren sehr wichtig, etwa die Präsenz von Frauen im Exekutivkomitee und die Installation eines unabhängigen Ethikkomitees. Aber die Fifa muss viel weiter gehen, muss mehr Demokratie wagen. Beispielsweise sollte sich das Exekutivkomitee vom Kongress wählen lassen. Und der Präsident braucht die Macht, um die Politik durchzusetzen, für die er sich hat wählen lassen. Ich wünsche mir auch eine aktivere Fifa im Umgang mit Ungleichheiten und -gewichten zwischen Kontinenten, Ländern und Klubs. Derzeit bildet die Fifa noch die Machtstrukturen der Welt ab, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg war. Der Fußball wird immer elitärer, wird zunehmend NBAisiert. Er braucht eine starke Kontrollinstanz, die demokratisch legitimiert ist.

Jerome Champagne war Fifa-Manager und Mitstreiter von Joseph Blatter. Inzwischen gilt er manchen als Kandidat für dessen Nachfolge.

Kategorien: Bundesliga

Holland – Deutschland 0:0

Von 14. November 2012 um 23:26 Uhr

Endstand Holland–Deutschland 0:0 Ein Spiel mit Niveau: Man kann stundenlang darüber philosophieren, welche Halbzeit langweiliger war. Vor einem Jahr schlugen die Deutschen die Holländer 3:0, das war eine Ode an den Fußball (und hat vielleicht die Deutschen zu Träumereien verleitet). Heute hat man gemerkt, dass alle Spieler in Gedanken woanders waren. Testspiel halt. So vorsichtig sah man die Holländer selten, und die Deutschen waren aufgrund der Schwedengeschichte auf Defensive aus. Dat waaren 90 Minoeden Doorststrekk, Voetbal totaal langwijl.

Da hätte ich doch lieber das Buch von Zwanziger gelesen.

cb81 wirft ein: “Übrigens, Schweden führt 4:2 gegen England. Das Spiel hätte man stattdessen übertragen sollen.”
penpirate ergänzt: “Was bleibt zu tun? Die Bandenwerbung müsste dringend angepasst werden: Beruhigungs-, Blasen- und Nierentee, Heizdecken, Angorawickel. Und am Ende des Spiels müsste ein akustischer, aber nicht zuuu schriller Weckton erschallen.”

Hier noch eene andere Qaal:

Das Stenogramm der dpa:

Holland: Vermeer (Ajax Amsterdam/26 Jahre/1 Länderspiel) – van Rhijn (Ajax Amsterdam/21/5 – 46. de Vrij/Feyenoord Rotterdam/20/2), Heitinga (FC Everton/28/85 – 46. Janmaat/Feyenoord Rotterdam/23/3), Vlaar (Aston Villa/27/14), Bruno Martins Indi (Feyenoord Rotterdam/20/6) – Nigel de Jong (AC Mailand/27/67) – Afellay (FC Schalke 04/26/44 – 59. van Ginkel/Vitesse Arnheim/19/1), van der Vaart (Hamburger SV/29/103 – 72. Emanuelson/AC Mailand/26/17) – Schaken (Feyenoord Rotterdam/30/2), Kuyt (Fenerbahce Istanbul/32/92), Robben (Bayern München/28/63 – 46. Elia/Werder Bremen/25/28)

Deutschland: Neuer (Bayern München/26/36) – Höwedes (FC Schalke 04/24/10), Mertesacker (FC Arsenal/28/85), Hummels (Borussia Dortmund/23/23), Lahm (Bayern München/29/95) – Lars Bender (Bayer Leverkusen/23/11 – 82. Sven Bender/Borussia Dortmund/23/3), Gündogan (Borussia Dortmund/22/4) – Müller (Bayern München/23/38 – 87. Schürrle/Bayer Leverkusen/22/20), Holtby (FC Schalke 04/22/3 – 87. Neustädter/FC Schalke 04/24/1), Reus (Borussia Dortmund/23/14 – 90.+2 Draxler/FC Schalke 04/19/3) – Götze (Borussia Dortmund/20/20 – 72. Podolski/FC Arsenal/27/106)
Schiedsrichter: Proença (Portugal)
Zuschauer: 51.000
Gelbe Karten
: – / –
Beste Spieler
Bruno Martins Indi / Höwedes, Gündogan

***

87′ Debüt für Roman Neustädter, noch einen Schalker. Jetzt reichts aber.

84′Müller geht, Schürrle kommt, dem hätte Löw wirklich 2 Minuten mehr geben können. Oder wollte Löw Müller ärgern?

77′ Oopjepaas! Gefährlicher Schuss der Holländer, doch Manuel Neuer lässt seine Elf nicht im Hemde stehen.

 

69′ Übrigens, kein Deutscher aus dem Osten heute auf dem Feld. René Adler hat uns ja ein Kolumneninterview dazu gegeben und seine ostdeutsche Identität betont. (“Meine Muttermilch ist aus dem Osten.”) Ihm war deutlich anzumerken, wie wichtig ihm das Thema ist. Ich hatte damit gerechnet, dass er mehr Widerspruch erhält. Aber der hielt sich in Grenzen. Bloß auf Facebook gab es ein paar Kommentare, die waren aber eher Frotzeleien. Etwa so: “Als Tormann muss man ein Fan der Mauer sein.”

64′ Ein Stürmer würde dem deutschen Spiel vielleicht gut tun. Doch Gomez ist noch verletzt und Klose hat den Snuppen.

55′ Puh, was ein Kick. Ich glaub, ich werd auch gleich krank.

46′ Weiter gehts! Wie hoffe, de tweete Halvzijt weerd niet so langzaam.

Print vs TV:

Aus gegebenem Anlass: der große Ernst Happel in der NDR-Talkshow im Mai 1987, kurz vor seinem Abschied aus Hamburg.

45′ Da war der Keeper schon geschlagen, doch Heitinga klärt Gündogans Schuss auf der Linie. Pause. Eine Halbzeit ohne Aufreger. Ich geh mal zum Tagesspiegel-Buffet.

Hier ein paar Takte Musik:

41′ Die DFB-Elf spielt ja heute ohne Neun. Die Herbstgrippe, Sie wissen schon. Schlimme Sache. Hatschi! Hat denn Löw ein Attest gefordert? “Das letzte Mal, dass sich neun Deutsche geweigert haben, aufs Spielfeld zu gehen, war die zweite Halbzeit gegen Schweden.” (Harald Schmidt)

39′ De Reus kerkt et Ballje en ze Posten.

36′ Ein Augenzeuge berichtet: “Das Blasorchester, das offizielle für die Hymne, war hier. Das lassen sie jetzt leider nicht mehr spielen. Und im Fanblock haben sie hier wie drüben von Tuten und Blasen keine …”

Was ist denn Tuten?

30′ Arjen van Stolperen – Chance vertan. Wat e draama!

26′ Wat e scheen Passje von Gündogan op Höwedes!

20′ Erster Torschuss Oranje. Das Spiel hat ein sehr moderates Temperament. Ganz wohltuend nach den beiden Heißrednern Zwanziger & Roth.

9′ Die deutschen Schlachtenbummler singen das Weltmeister-Lied der Ach so Böhsen Onkelz, das ist eine Art Kreuzung aus den Toten Hosen und Ralph Siegel. Musikalisch geben uns also nur die Holländer Hoffnung. Ist das Blasorchester da?

4′ Spiel läuft, und ich bin jetzt auch da. Theo Zwanziger signiert im Foyer Bücher.

Im Stadion von Amsterdam twittert der Kollegen Steffen Dobbert:

 

Zwischenschub Theo Zwanzigers Buchvorstellung

19:58 Ende Teil 1 der Veranstaltung. Zwanziger ist weiter angriffslustig, verteidigt sich in allen Punkten, ist noch immer leicht reizbar. Inhaltlich wirkt er an einigen Stellen nicht überzeugend, vor allem in Sachen Fifa.

Teil 2 folgt nun: Fußballgucken in großer Runde.

19:50 Publikumsrunde. Erste Wortmeldung: ein weißhaariger Claqeur aus dem Berliner Fußballverband für Theo.

Dann eine gute Frage an Zwanziger, den angeblichen Präsidenten der Amateure: “Warum haben Sie als Präsident zugelassen, dass es sonntags, dem Tag der Amateure, Live-Spiele bei Sky gibt?” Zwanziger antwortet, ohne etwas zu sagen.

Zwanziger erzählt, dass er sich mit einer Protestgruppe (gegen die Sonntagsspiele der Bundesliga) der Amateure im Jahr 2009 getroffen habe, um sich im gleichberechtigten Dialog auszutauschen. Ich hab mich damals mit Vertretern der Protestgruppe unterhalten. Reiner Grundmann (SC Schaffrath), einer von ihnen, stellt das anders dar:

Die Treffen mit Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Harald Stenger fanden insgesamt in angenehmer Atmosphäre statt. Doch inhaltlich sind wir uns nicht näher gekommen. Zwanziger könne uns verstehen, hat er gesagt, doch er hat den neuen Spielplan als alternativlos hingestellt. Der DFB habe auf die Entscheidung keinen Einfluss, und es gebe wirtschaftliche Zwänge. Außerdem flossen ja Millionen an die Amateure zurück. Doch was, frage ich mich, bleibt denn davon für den einzelnen Verein übrig?

Zwanziger hat zudem versucht, den Spieß umzukehren: Wenn wir nämlich unseren Protest durchsetzen würden, wären wir schuld daran, wenn Stars wie Franck Ribéry nicht mehr in der Bundesliga spielen würden. Selbst einen möglichen Niedergang der Nationalmannschaft wollte er uns anlasten. Das ist zu viel der Ehre für uns. Vor allem war es hanebüchen.

19:45 Jens Weinreich zu verklagen, sei ein Fehler gewesen, sagt Zwanziger. “Ich habe überdreht. Ich wollte juristisch vorgehen, ich hätte das kommunikativ lösen sollen. Inzwischen haben wir uns mehrfach getroffen und gemerkt, dass wir ganz gut miteinander können.”

Sein größter Fehler als DFB-Präsident sei die gescheiterte Vertragsverlängerung mit Joachim Löw vor etwa drei Jahren gewesen.

19:28 Zwanziger stellt sich wieder auf die Seite Joseph Blatters, der in Deutschland einen ungerechtfertigten schlechten Ruf habe. “Ich erlebe es in jeder Sitzung, dass Blatter den Reformprozess der Fifa vorantreibt.” Zwanziger sagt auch: “Blatter ist ein starker Förderer des Frauenfußballs.”

Zwanziger spricht einen wahren Satz: “Manchmal leben wir in einer Scheinwelt.” Damit will er beschreiben, wie einseitig die deutsche Öffentlichkeit Blatter angeblich verurteile. Ist er der einzig Sehende unter Blinden?

“Ich bin ein halber Privatmensch”, sagt der Fifa-Reformer Zwanziger.

Aufstellung Deutschland

 

19:20 Schätzungsweise 150 Gäste hier, darunter (noch mehr geschätzt) etwa 30 Journalisten. Vom DFB dabei: Horst Schmidt (DFB-Schatzmeister), Hans-Georg Moldenhauer (alias Kurt Straube, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands), Walter Desch (Präsident des Fußballverbands Rheinland-Pfalz).

19:10 Zwanziger wirkt sehr aufgewühlt, redet sich in Rage, schlägt einen missionarischen Ton für seine Politik an: soziales Engagement, Antirassismus, Kampf gegen Rechts. Schon mehrfach Applaus aus dem Publikum, ein Bravo-Ruf, aber auch Kopfschütteln und genervte Seufzer. Dem eindringlichen Zwanziger zuzuhören, kann schnell anstrengend werden.

Ide spricht die heiklen Punkte der Debatte an, hakt nach. Das ist keine Gute-Laune-Veranstaltung.

19:00 Auch Claudia Roth verteidigt Zwanziger. “Ich kenne Uli Hoeneß gut. Ich verstehe nicht, warum er sich so aufregt.” Sie habe das Buch fast zu Ende gelesen, sagt sie. Zu mehr sei sie nicht gekommen, weil sie in den letzten Tagen noch mit anderen Dingen beschäftigt gewesen sei.

18:55 Der Sportchef des Tagesspiegels, Robert Ide, moderiert und konfrontiert Zwanziger mit den jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß, Matthias Sammer und Wolfgang Niersbach. Zwanziger verteidigt engagiert sein Buch. “Ich lobe Hoeneß mehrheitlich, nur an wenigen Stellen kritisiere ich ihn.” Dass das zu einer solchen Debatte geführt habe, sei auf selektives Zitieren zurückzuführen.

18:50 Claudia Roth, das Maskottchen die Umweltbeauftragte des DFB, ist auch da. Günter Netzer, der zugesagt hatte, hat abgesagt, er hat eine “diskursive Grippe”, sagt der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt. Theo Zwanziger sagt, Netzer habe ihm per Fax abgesagt.

18:45 Tagesspiegel-Gebäude, Askanischer Platz, Berlin: Theo Zwanziger stellt sein Buch vor. Ich bin dabei, ein paar Eindrücke gibts hier im Blog.

Vorbemerkung zum Spiel

Der Bundestrainer hat ein paar schwere Momente hinter sich: EM-Aus, Schweden, der Kreditverlust bei vielen Fans. Sehen wir Jogi Löw wieder mal lachen? Heute ist nur ein Testspiel, zudem sind einige Spieler spontan erkrankt. Doch gegen Holland kann man immer was gewinnen (und verlieren), da kann man ein bisschen was gutmachen.

Frotzeleien lieferte er sich mit “King Louis” van Gaal, dem Trainer der Holländer. Als Trainer braucht man Titel, sagte van Gaal in Richtung Löw. Als Trainer musst Du Dich für ein Turnier qualifizieren, entgegnete Löw. Van Gaal schied vor elf Jahren in der WM-Qualifikation aus und ermöglichte den deutschen Fans den Schmähsong “Ohne Holland fahrn wir zur WM”. So angriffslustig darf es heute gerne auch auf dem Platz zugehen.

Doch der 14. November 2012 ist vor allem deswegen ein denkwürdiger Tag, weil es der 20. Todestag von Ernst Happel ist. Um es mal deutlich untertrieben zu sagen: Happel war einer der bedeutendsten Trainer der Bundesliga-Geschichte. Mit dem HSV gewann er 1983 sensationellerweise den Europapokal der Landesmeister. Mit Holland wurde Happel 1978 Vize-Weltmeister.

Hier ein Clip einer seiner legendären Siege als Vereinstrainer, dem 4:3-Sieg nach 1:3-Rückstand in München, April 1982, der Grundlage für die folgende Meisterschaft des HSV:

Happel kommt kurz zwei Mal zu Wort – und verursachte jeweils lautes Lachen unter den Journalisten. Auch im Beitrag: Rainer Werner Fassbinder als Bayern-Fan und (ganz finster) der Hamburger Walther Leisler Kiep.

Kategorien: Nationalmannschaft

Deutschland – Schweden 4:4

Von 17. Oktober 2012 um 00:07 Uhr

Toni Kroos gegen Andreas Granqvist Foto: Boris Streubel/Getty Images

Toni Kroos gegen Andreas Granqvist Foto: Boris Streubel/Getty Images


Fazit

So, durchatmen, nachdenken, und mal ganz langsam. Spieler und Trainer waren nach diesem Spiel völlig ratlos. “So etwas habe ich noch nicht erlebt”, war am Häufigsten zu hören. Das trifft es. An dieses Spiel wird man sich noch lange erinnern, steht es doch für die zwei Seiten der derzeitigen Nationalelf. Für großartigen Fußball und für Kopflosigkeit, Verzagtheit. Nach 60 Minuten führte die DFB-Elf mit 4:0, spielte besser als je zuvor in diesem Jahr, berauschte, kombinierte, doppelpasste – ach, wie war das schön. Dann fiel das erste Gegentor, dann das Zweite und es ging dahin. Die deutsche Mannschaft bekam es mit der Angst zu tun, machte einfache Fehler, gewann keine Zweikämpfe mehr, fing das dritte Tor und in der Nachspielzeit fast folgerichtig den Ausgleich. Viermal schossen die Schweden aufs Tor, viermal trafen sie. Punktetechnisch tut das nicht weh, die Mannschaft wird sich sicher für Brasilien qualifizieren, dafür ist sie einfach zu gut. Aber das 4:4 wird die Charakterdiskussion wieder anheizen, so viel ist sicher.

Selbst der große Gary Lineker fühlt sich genötigt, seinen berühmten Satz zu modifizieren.

Schluss, vorbei, aus 4:0 ein 4:4. Ein Spiel, das in die Geschichtsbücher eingehen wird.

93. Minute Es kommt wie es kommen muss. Tor für Schweden. Rasmus Elm macht das 4:4. Kann völlig frei aus elf Metern abschließen. Und die deutsche Abwehr schaut zu, bevor sie verstört zu Boden sinkt. Ich glaub das nicht, ich kann nicht mehr.

88. Minute So schlimm steht es schon. Philipp Lahm bekommt eine Gelbe Karte wegen eines verzögert ausgeführten Einwurfes. Zittern nach einer 4:0-Führung. Wie absurd.

85. Minute Riesenchance für die Schweden. Neuer bekommt den Ball im Strafraum nicht zu fassen, Sana kommt frei zum Schuss, haut aber übers Tor. Glück.

83. Minute Die deutsche Elf scheint sich wieder zu fangen. Kroos schießt an den Außenpfosten, Özil trifft auf das Tor. Herr Bartels von der ARD weiß, dass eine deutsche Mannschaft noch nie einen Vier-Tore-Vorsprung hergegeben hat. Aber was ist in diesem DFB-Jahr schon normal?

76. Minute: Tor für Schweden, 4:3, kaum zu glauben. Boateng steht schlecht, Mertesacker eskortiert seinen Gegenspieler nur und Johan Elmander macht den Anschlusstreffer. Die werden doch nicht… Ich wollte ihn ja heute echt nicht bringen, aber jetzt geht es nicht anders: Alter Schwede!

71. Minuten Bei schwedischen Ecken geht es im deutschen Strafraum zu wie in der Villa Kunterbunt.

68. Minute Gerade wollte ich die große Eloge auf das deutsche Spiel schreiben, da fällt fast das dritte Gegentor innerhalb von vier Minuten. So etwas wäre einer alten deutschen Mannschaft nicht passiert. Die vier Tore davor allerdings auch nicht. Also alles kein Problem. Noch. Götze kommt.

64. Minute: Wieder Tor für Schweden, 4:2, Lustig, der Rechtsverteidiger. Alles sehr seltsam hier. Der zweite schwedische Torschuss dieser Halbzeit, das zweite Tor. Badstuber unterschützt einen langen Ball. Lustig trifft, Mikael, nicht Peter – Neuer kann gar nicht lachen.

62. Minute: Tor für Schweden, 4:1, natürlich Zlatan Ibrahimovic. Müller verliert den Ball im Mittelfeld, sah es wie ein Foul, und dann geht es schnell. Flanke aus dem Halbfeld, Ibrahimovic, bis dahin abwesend, köpft ihn rein. Das obligatorische Gegentor der deutschen Mannschaft. Reicht dann auch.

56. Minute: Tooor für Deutschland, 4:0, Mesut Özil. Die Schweden sind nun etwas aufgerückt, aber Deutschland kann auch kontern. Müller flankt auf Özil, der im Strafraum Zeit hat, sich den Ball runter zu nehmen, den Torwart zu fragen, in welche Ecke er den Ball haben will, um ihn dann neben den langen Pfosten zu setzen.

50. Minute Es geht dann mal weiter. Wieder beginnt die Hälfte mit einer Müller-Chance. Deutschland also bestimmt die Partie, Schweden sucht noch immer nach der Aufbauanleitung für das eigene Spiel. Und dann haben sie scheinbar auch noch die kleinen Inbusschlüssel aus ihren Möbelhäusern vergessen.

Lukas Podolski macht sich einen Spaß und drischt die Pausenbälle auf den kommentierenden Mehmet Scholl. Mario Gomez ist noch nicht dabei.

Halbzeit Ja, hallo! Die deutsche Elf macht da weiter, wo sie in Dublin vor allem in der zweiten Hälfte aufgehört hat. Sie spielt nach vorne, sie spielt schön, sie trifft. Ein großartiger Marco Reus bereitet Kloses Tore vor, dann trifft auch noch Per Mertesacker. Die Schweden etwa so brav wie Tommy und Annika. Kleiner Schönheitsfehler: Klose scheint vor dem 3:0 den Ball mit dem Arm berührt zu haben. Ausgerechnet heute. Wird ihm der Fair-Play-Preis gleich wieder weggenommen?

39. Minute: Da ist es! Tooor für Deutschland, 3:0, Per Mertesacker, was?, ja, Per Mertesacker! Der lange Ball kommt auf Müller, also Thomas, der legt ab und Mertesacker prügelt den Ball ins Netz. Sein zweites Länderspieltor im 84. Länderspiel. Ja hier ist ja was los! Trifft nachher noch der Busfahrer?

Der Kollege im Stadion ist reif für das nächste Tor.

32. Minute Schweden hat nun erkannt, dass sie so hier keinen Blumenkasten gewinnen, wenn sie so weitermachen. Sie greifen jetzt früh an, und schon muss die deutsche Abwehr den langen Ball auspacken. Nur Ibrahimovic presst nicht mit, kratzt sich lieber am Kopf.

25. Minute Und nun klärt Klose an der eigenen Eckfahne. Als Stürmer! Was passiert als nächstes? Özil grätscht? Badstuber verliert einen Zweikampf? Ballack wird eingewechselt?

23. Minute Die deutsche Mannschaft bislang fast fehlerlos. Sie spielt so gut, dass selbst Boateng sich in die Offensive einschaltet. Schon gegen Irland lungerte er öfters vorne am gegnerischen Strafraum rum. Er will sein ersten Länderspieltor.

15. Minute: Wieder Toooor für Deutschland, 2:0, wieder Miroslav Klose. Und was für eines. Reus-Kroos-Reus-Müller-Reus-Klose. Ein doppelter Doppelpass und dann wieder Reus’ Rückpass auf Klose. Fußball wie aus dem Lehrbuch. Schweden staunt. Und nur noch ein Tor bis Gerd Müller.

12. Minute Schönes Zusammenspiel von Lahm und Reus da vor dem Tor. Wenn der Hoeneß-Uli das gesehen hat, muss ihm doch das Herz geblutet haben. Und dann trifft auch noch Klose, obwohl es gar nicht gegen Liechtenstein geht.

8. Minute: Tooor für Deutschland, 1:0, Miroslav Klose. Reus kommt völlig blank über links, spielt zum Elfmeterpunkt auf Klose. Der macht sein 66. Länderspieltor. Noch zwei bis Gerd Müller.

2. Minute Gleich einmal eine dicke Chance für das DFB-Team. Müller mit der Hacke an den Torwart, dann noch mal richtig an den Pfosten. Vorarbeit übrigens von Boateng.

Gedenkminute für Helmut Haller.

Unser Mann im Stadion ist Oliver Fritsch, und er scheint in guter Gesellschaft:

20.44 Uhr Gottseidank. Die Hymnen doch heute wieder von der üblichen Militärmusikkapelle. Keine Dudelsäcke, keine Alphörner, keine Schifferklaviere.

20.42 Uhr Nun wird Miroslav Klose geehrt. Er bekommt den Fair-Play-Preis dafür, dass er zugab, ein Tor mit der Hand erzielt zu haben. Was macht eigentlich Thierry Henry gerade?

20.37 Uhr Heute hat Mehmet Scholl Geburtstag. 42 Jahre alt, alles Gute! Aber ihr Löws, Lahms und Schweinsteigers! Falls Mehmet nach dem Spiel wieder etwas zu schlau daherredet, fragt ihn einfach, was da los war vor kurzem gegen den VfL Frohnlach.

20.15 Uhr Wer sich die Zeit bis zum Anpfiff etwas verkürzen will, kann etwas über den Gegner lesen, ein paar Schwedenhappen sozusagen:

Die 11 Freunde versuchen elf wissenwerte Dinge über Schweden zusammentragen, ohne Ikea zu sagen und scheitern schon im Untertitel.

Hier ein Stück aus der Frankfurter Rundschau über Zlatan Ibrahimovic, in dem sogar seine Rektorin zitiert wird: „„Er war der Prototyp eines Jungen, mit dem es böse endet. Er war einer der unruhigsten Schüler, die ich je hatte, einfach ein Krawallbruder.“

Es wird Ibrahimovic egal sein, solange sie weiter Lieder für ihn singen.

Auch ganz nett, wenn auch unschwedisch, das Interview heute mit Philipp Lahm in der Süddeutschen Zeitung (leider nicht online). Er sagt, die Mannschaft muss sich wieder an die Basis, die Spielkontrolle nämlich erinnern. Er sagt, die Stimmung im Team war schon mal besser als bei der EM und räumt aber mit dem Vorurteil auf, Dortmunder und Bayern könnten sich nicht riechen. “Bayern- und Dortmund-Spieler sitzen hier sogar gemeinsam am Katzen Kartentisch.”

Noch ohne Karte? Gibt noch Tickets, twittert der DFB. Wer in Berlin-Charlottenburg wohnt, schafft es auch noch bis zum Anpfiff um 20.45 Uhr.

20.03 Uhr So wollen sie spielen. Deutschland: Neuer – Lahm, Badstuber, Mertesacker, Boateng – Schweinsteiger, Kroos – Reus, Özil, Müller – Klose

Schweden: Isaksson, Lustig, Olsson, Granqvist, Elm, Larsson, Ibrahimovic, Elmander, Wernblom, Safari, Holmen

#19.50 Uhr Kleiner Exkurs in die Welt der Jüngeren: Die U21 hat gerade in der Schweiz 3:1 gewonnen und sich damit für die EM 2013 in Israel qualifiziert. Die Torschützen: Lewis Holtby (8.), Lasse Sobiech (20.) und Sebastian Polter (45.).

Vorbemerkungen:

Zum ersten Mal seit dem Märchensommer 2006, residiert die Nationalelf wieder im Grunewald, Schlosshotel, Brahmsstraße. Damals herrschte im noblen Südwesten Berlins Ausnahmezustand, in diesen Tag verirren sich nur ein paar Fans in die Gegend, wie der Tagesspiegel zu berichten weiß. Es hat sich eben einiges geändert in den vergangenen sechs Jahren. Nicht nur personell, damals war Joachim Löw ja nur zweiter Mann hinter dem Motivatorentrainer Jürgen Klinsmann.

Wunderschönen Fußball hat die Mannschaft in der Zwischenzeit gespielt, blieb in den drei Turnieren unter Löw aber stets ohne Titel. In Brasilien 2014 folgt der nächste Anlauf, vielleicht ja sogar Joachim Löw letzter? Es wurde viel geredet und geschrieben in den vergangenen Wochen über die Nationalelf. Jeder durfte mal, und wenn Beobachter über eine eventuelle Amtsmüdigkeit des Bundestrainers schrieben, dann konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass Löw spätestens amtsmüde werden musste, wenn er alle Aussagen und Berichte gelesen hat.

Es wird also Zeit für Fußball. Gegen Irland ging es ja nach den dürftigen Auftritten gegen Färöer und Österreich wieder aufwärts. Auch wenn die Iren spielten wie Guinessglas leer. Nun also geht es gegen Schweden (Anpfiff: 20.45 Uhr), ein Team, dass schon nach der EM-Vorrunde nach Hause fahren musste. Es gibt einen neuen Trainer, Erik Hamren, und die alten fußballerischen Probleme. Die Siege gegen Kasachstan (2:0) und Färöer (2:1) waren ein ziemliches Gewürge. Ihre Hoffnungen ruhen auf der vielleicht letzten Diva des Weltfußballers, dem Hochbegabten Zlatan Ibrahimovic. Laut Süddeutscher Zeitung ähnelt er dem Italiener Mario Balotelli. Was insbesondere für den deutschen Kapitän Philipp Lahm keine gute Nachricht sein dürfte.

Kategorien: Nationalmannschaft