Sport-Blog

Live-Blog der ZEIT ONLINE Sportredaktion

Europäisches Papiergeld als Dämm-, Dicht-, und Heizmaterial

Von 23. Mai 2012 um 14:22 Uhr

Am Montag haben wir Sie gefragt: Was fällt Ihnen zu diesem Bild ein, das uns am Samstag um 23.30 Uhr zugespielt wurde?

(c) Pete Souza/The White House/Getty Images

(c) Pete Souza/The White House/Getty Images

Uns haben rund 350 Vorschläge erreicht. Unser Sieger ist Max Hoffmann, der dessen wirtschaftspolitische Dimension am besten auf den Punkt gebracht hat: “Die Reportage ‘Europäisches Papiergeld als Dämm-, Dicht-, und Heizmaterial’ löste bei den Zuschauern differenzierte Reaktionen aus.” Er gewinnt eine Ausgabe des Buchs Der Fußballlehrer von Malte Oberschelp aus dem Verlag Die Werkstatt. Wie geht’s hier weiter? Gelegentlich. Achten Sie auf die Aushänge! Vielen Dank fürs Mitspielen.

Kategorien: Allgemeines

Was fällt Ihnen zu diesem Bild ein?

Von 21. Mai 2012 um 11:30 Uhr

Liebe Leser! Ihre Kreativität ist gefragt. Was fällt Ihnen zu diesem Bild ein, das uns während des Champions-League-Endspiels aus Chicago zugespielt worden ist?

Pete Souza/The White House/Getty Images

Pete Souza/The White House/Getty Images

Schreiben Sie Ihre Antwort unten in die Kommentarspalte! Der Leser mit dem originellsten Beitrag gewinnt ein Fußballbuch aus dem Verlag Die Werkstatt. Einsendeschluss ist Dienstag, 16 Uhr. Dann geben wir den Sieger bekannt, den eine redaktionsinterne Jury wählt – natürlich völlig willkürlich. Den Rechtsweg können Sie sich übrigens schenken.

Kategorien: Champions League

Bayern München – FC Chelsea 4:5 n.E.

Von 20. Mai 2012 um 01:43 Uhr

Glückwunsch an Chelsea, sie sind faire Sieger. Aber wie hat es diese Mannschaft geschafft, erst Barcelona auszuschalten und dann dieses Endspiel zu gewinnen? Die Blauen hatten im ganzen Spiel kaum mehr als diese einzige Torchance: Drogbas Ausgleich bei der ersten und einzigen Ecke in der 88. Minute. (Zugegeben, der Kopfball samt Ecke war die beste Offensivaktion des gesamten Spiels.) Torschüsse 35:9, Ecken 20:1. Alle Gesetze außer Kraft, sogar England besiegt Deutschland im Elfmeterschießen. Lahm wird heute unwidersprochen behaupten dürfen, dass Bayern die bessere Mannschaft war.

Drogba, heute ohne Schauspieleinlagen, krönt eine tolle Karriere spät, Lampard, ein echter Sportsmann, und Cech, der bei sechs Elfmetern sechs Mal in der richtigen Ecke war, auch. Das ist diesen Recken zu gönnen. Ist schon seltsam, diese Mannschaft ist lange über den Zenit, sie war mal eine Blue Army, weit besser als heute …

Und die Bayern? Bayern hat aus seiner Überlegenheit zu wenig gemacht, aus seinen Chancen, aus seiner Führung im Spiel und im Elfmeterschießen. Vor allem aus Kontern und Überzahlsituationen, das ist auch eine taktische Frage. Ein Finale dahoam zu verlieren tut weh, sowas kommt ja nicht wieder. Ein weiterer Schmerz in dieser schmerzvollen, obgleich guten Saison. Oder darf man sagen: sehr guten Saison?

Heißt das was für Löw? Der muss die Bayern aufbauen und -fangen. Jetzt verschießt auch noch Schweinsteiger, der Mann mit der Elfmeterpotenz. Ei, ei, ei. Ein Gedanke kam mir heute auch: Hoffentlich ist Klose zur EM fit.

Eine Frage noch: Fand jemand außer mir (Amateur) den Müller-Wechsel seltsam?

Gleich packt sich Abramowitsch den Henkelmann, und das im Wohnzimmer von Uli Hoeneß. Der Fußballgott ist tot, Nietzsche hat Recht. Innerhalb von sechs Tagen gewinnen die Turbokapitalisten aus Manchester und London zwei große Titel. Ist das der Höhepunkt der neoliberalen Fußballepoche?

Beckenbauer über Abramowitsch: “Das ist ein ganz bescheidener Typ.” Was soll man dazu sagen?

Was sagt eigentlich Birgit Homburger?

Eine Reportage und einen Kommentar lesen Sie hier am Sonntag.

4:5 Drogba verlädt Neuer. Der FC Chelsea gewinnt die Champions-League 2012 in München. Gibts nicht.

In Düsseldorf wär das nicht passiert, oder?

Sat1 schaltet knallhart auf Werbung. Ich kanns nicht fassen. Pietätlos, das meine ich nicht ironisch.

Schweinsteiger hat seine Eier diesmal nicht wiedergefunden: Pfosten, von Cech abgelenkt? Aua.

4:4 Cole genauer gehts kaum.

Cech hält gegen Olic. Gar nicht unplatziert, aber irgendwann musste Cech einen halten.

4:3 Lampard mittig, hoch, fest

4:2 Neuer Der Tormann als dritter Schütze? Mutig. Cech fast dran.

3:2 David Luiz

3:1 Gomez Cech ahnte die Ecke schon wieder.

Neuer hält gegen Mata.

2:1 Lahm Der Captian, aber Cech war dran.

Stand nach 120 Minuten 1:1 Chelsea schafft es tatsächlich mit dieser “Leistung” ins Elfmeterschießen.

Spannende Fragen: Was macht Robben? Wer gewinnt, Neuer oder Cech? Schießt der beste Bayer, Lahm? Oder so: Deutschland gegen England im Elfmeterschießen – da kann ich ja ins Bett gehen.

114′ Chelsea nimmt weiterhin nicht an dem teil, was man so landläufig Spiel nennt.

112′ Bayern sucht die Entscheidung. Robben und Lahm im Doppelpass, doch Cahill und Luiz verteidigen Gomez.

108′ Was für ne Chance! Schöne Flanke Lahm, dem besten Bayern, Olic will ihn auf van Buyten quer legen, aber der bleibt stehen. Den konnte van Buyten nicht kriegen, den muss Olic selbst machen.

105′ Seitenwechsel Verlängerung 1:1 Die Bayern bleiben am Drücker, aber das ganze wird nun ungenauer. Ribery ist raus, Robben hängt wohl am verschossenen Elfer. Kroos wird ungenauer im Passspiel.

99′ Was war das für ein Ding mit dem gelben Wasserball beim Elfer? Ein Zeichen? Wofür?

95′ Robben verschießt den Elfer. Warum schießt nicht der Gefoulte? Nein, warum schießt nicht Schweinsteiger? Engländer werden das eh nicht verstehen: Da stehen so viele Deutsche auf dem Platz, und dann lassen die einen Holländer schießen.

Aus der Rubrik Stürmer im eigenen 16er: Drogba knickt Ribery ein, der ausgewechselt werden muss. Richtige Elfmeterentscheidung.

Olic kommt.

90+5′ Stand nach regulärer Spielzeit 1:1 Da stellt sich Chelsea 88 Minuten tot. Und jetzt gehts in die Verlängerung. Soll ich das jetzt clever nennen, zynisch, glücklich, effektiv, minimalistisch? Ist bei Chelsea System dahinter? Den letzten Freistoß gerade, den hat doch Drogba absichtlich drüber geschossen, oder she ich schon Gespenster?

88′ Tor für Chelsea 1:1 Drogba Erste Ecke Chelsea (17 für Bayern) – an den kurzen Pfosten, Drogba mit einem unglaublich wuchtigen Kopfball, Neuer mit den Händen noch dran. Gibts nicht.

Ich hab vorhin die Entscheidung ausgerufen. Zu früh. Ein vorzeitiger Erguss. Nennt mich Düsseldorfer!

99-Vergleiche sind hier verboten. Aber der Müller-Wechsel … remember Matthäus and Fink!

87′ Müller raus, van Buyten rein.

83′ Tor für Bayern 1:0 Müller Flanke Kroos an den langen Pfosten, Müller drückt ihn auf den Boden, er prallt über Cech an die Unterkante der Latte. Die Entscheidung.

Abramowitsch wählt einer Hamburger Nummer. Blohm & Voss muss noch mal an die Säge.

80′ Der Kollege Spiller zwitschert: “Chelsea hat jetzt endgültig die Abramowitsch-Yacht vor dem eigenen Strafraum geparkt.”

Wenn sie nicht zersägt in einem Dock im Hamburger Hafen liegt …

78′ Müller. Kannste mehr draus machen als drei Meter vorbeischießen.

73′ Ok, ich will das Chelsea-Tor mal nicht herbeireden. Plötzlich kommt Drogba links durch. In der Mitte rettet Contento.

Drei Strafraumaktionen von Chelsea in den letzten 2 Minuten. Kommt da jetzt doch noch was?

Bertrand geht, Malouda kommt.

69′ Das kann Chelsea nicht über die Zeit retten, oder? Sie stehen mit elf Mann am Sechzehner, kommen kaum noch mit Ball über die Mittellinie.

60′ Bayern weiterhin die gefährlichere Mannschaft. Chelsea mit zu vielen Spielern über dem Zenit. Vielleicht macht sich der Aderlass zum HSV jetzt doch bemerkbar.

57′ Frage aus der Community: Wie viele Facebook-Aktien hat Abramowitsch gekauft?

54′ Abseitstor Ribery. Entscheidung knapp richtig. Wer Nachhilfe braucht – hier gibts Regelkunde von einem temperamentvollen Hessen.

48′ Abramowitsch soll vor Jahren angeblich seine Yacht, die längste der Welt, von Blohm & Voss auseinandersägen und verlängern haben lassen, weil ein Mexikaner inzwischen eine noch längere Privatyacht gebaut hatte. Das Spiel wiederholte sich dann mit einem Araber. Es geht um den Längsten, stupid.

46′ Es geht weiter. Es kann doch nicht die Taktik einer englischen Fußballmannschaft sein, sich gegen eine deutsche ins Elfmeterschießen zu retten.

21:44 Kommentar freiburger: “Für einen großen Fußballabend fehlen einfach die Dortmunder.” Vorsicht, freiburger, hier sind religiöse Gefühle im Spiel.

Sat1 ohne einen Ansatz von Analyse durch die Halbzeit. Nur Werbung.

Halbzeit 0:0 Ein einseitiges Finale bislang. Bayern sehr aktiv und ballsicher. 16:2 Torschüsse. Robben, Ribery und Müller rotieren viel, kombinieren sich immer wieder bis zum Strafraum. Aber noch ist es zu brotlos, auch weil Gomez zu viel verdaddelt – und von den 16 Schüssen halt 14 nicht aufs Tor gingen.

Hinten alles sicher: Lahm ist sehr stark im Zweikampf, weder Contento noch Tymoshchuk sind Schwachstellen. Robben und Ribery mit Fleißkärtchen. Von Chelsea ist kaum was zu sehen. Ein bisschen Drogba, ein bisschen Mata – das wars. Und Cech im Tor. Die Abwehr macht keinen sattelfesten Eindruck. Man hat den Eindruck, mit einem einzigen Bayerntor wär das Spiel entschieden. Chelsea, ist das alles?

Hoeneß betet auf der Tribüne. Von Abramowitsch’ Reaktion haben wir noch keine Info.

42′ Gomez – noch nicht sein Spiel. Weit drüber mit links, dicke Chance. Zu viel Rücklage, sagt der Jugendtrainer.

40′ Tymoshchuk mit der Strategie, die der TV-Experte Beckenbauer vor dem Spiel angesagt hat: mal mit einem abgefälschten Fernschuss versuchen.

37′ Ok, Chelsea spielt mit. Starke, schnelle Kombination, inklusive Seitenwechsel, findet Kalou. Doch keine Gefahr für Neuer.

36′ Bayern nähert sich. Contento, der weiße Alaba, der sehr gut im Spiel ist, flankt auf Müller, der zentral mit links volley knapp verzieht.

34′ Mata löffelt einen Freistoß aus zwenzig Metern ein halbes Tor drüber. Neuers Hände noch ohne Ballkontakt.

31′ Am fleißigen Abwehrverhalten von Robben und Ribery kann man erkennen: Es ist Champions League. So oft, wie die beiden heute in den ersten dreißig Minuten hinten ausgeholfen haben, haben sie das im DFB-Pokalfinale nicht in neunzig getan.

28′ Chelsea, ist das alles?

21′ Robben, der viel rotiert, kommt über halblinks durch und zieht aufs kurze Eck. Cech, obwohl ihm die Sicht versperrt ist, mit starker Fußabwehr. Beste Chance des Spiels. Es riecht bisher nach einem Bayern-Sieg.

16′ Drogba zum ersten Mal am Boden. Ausgerutscht. Immerhin wisssen wir jetzt: Er spielt mit. Die Kopfballduelle waren bislang kein Problem für Tymoshchuk und Boateng.

8′ Robben kommt in seiner Position mit seinem starken Linken zum Schuss, doch der geht in den Wolken. Hohes Tempo der Bayern, Chelsea verteidigt.

5′ Eine sehr aktive Anfangsphase der Bayern beschließt Kroos mit einem gefährlichen Schuss aus 20 Metern.

3′ Gelb Schweinsteiger wegen Handspiel in der gegnerischen Hälfte. Nicht gut.

1′ Es geht los. Motto heute von Charlie Harper: Chelsea weghauen!

20:43 Was machen die denn mit der Champions-League-Hymne, was machen die denn mit unserem Händel?

20:30 Das Bild, das Uli seit Wochen in seinen Nächten verfolgt: Vor seinen Augen verschwindet Abramowitsch mit dem silbernen Henkelmann in den Katakomben der Arena Fröttmaning. Dagegen ist Dantes Inferno eine Naturidylle. Das wäre ein Fall für Gerhard Richter (den Abramowitsch dann wiederum ersteigern könnte).

20:20 Jetzt, wo ich den bwin-Werbeclip der Bayern auf Sat1 sehe und an die gestrige Diskussion anschließe – ich hab mal 50 Euro auf Müller als Torschützen gesetzt.

Und ich trage eine rote Krawatte.

Auch live dabei:

    allesaussersport
    11 Freunde
    Christian Spiller, unser Twitterer im Stadion

Wer noch ein bisschen Zeit für Lektüre hat: Der Economist würdigt die wirtschaftliche und sportliche Solidität der Bundesliga.

20:05 Was macht eigentlich Sat1 da seit heute morgen? Ich hab vorhin mal kurz reingeschaltet, da quatschte Reiner Calmund von Tschelsi und Münschen und janz Deutschland. So schnell konnt ich gar nicht wegschalten. Kam noch irgendwas mit Inhalt in den neun Stunden Vorbericht?

19:48 Aufstellungen

Bayern Neuer – Lahm, Tymoshchuk, Boateng, Contento – Schweinsteiger, Kroos – Robben, Müller, Ribéry – Gómez
Chelsea Cech – Cole, Cahill, Luiz, Bosingwa – Lampard, Mikel – Bertrand, Mata, Kalou – Drogba

19:35 In einem weiteren Punkt sind sich Hoeneß und Abramowitsch nicht unähnlich. Sie wollen keinen übermächtigen Trainer unter sich und über der Mannschaft. Hoeneß hat van Gaal gefeuert, weil der sich zu wichtig nahm. Abramowitsch schmiss Mourinho raus, weil Abramowitsch nicht viel von Fußball versteht der ihm zu aufmüpfig wurde. Es spielen heute keine Trainermannschaften gegeneinander, das ist außergewöhnlich in Zeiten Guardiolas und Klopps (die heute alle zugucken). Allenfalls kann man sagen, dass beide Teams von ihren alten Trainern etwas mitgenommen haben. Van Gaal wirkt mit seinem strukturierten Ballbesitzfußball in Bayern nach, Mourinho in Chelsea, obwohl er dort seit fünf Jahren nicht mehr ist. Das hören übrigens nicht alle Bayern gerne.

Wenn auch Trainerhandschriften heute keine große Rolle spielen werden – auf Taktik kommt es natürlich an. Drei Empfehlungen zur Vorbereitung:

    Zonalmarking
    der englische Taktikguru Jonathan Wilson
    und eine neue Dissertation von Spielverlagerung

Da beide Teams auf wichtige Abwehrspieler wegen Sperren verzichten müssen, könnten viele Tore fallen. Zumal das Bayern-Mittelfeld sehr offensiv ausgerichtet ist (Schweinsteiger, Kroos auf der 6). Und man sich fragen muss, wie Chelsea Ribery und Robben verteidigen kann – und die Bayern Drogba. Oder es kommt anders, und beide Teams gehen es eher vorsichtig an.

18:45 Ist das heute wirklich ein Duell der Gegensätze? Ja, in vielerlei Hinsicht, aber auch Nein. Ja, denn es ist Bundesliga gegen Premier League, also Soziale Marktwirtschaft gegen Manchester-Kapitalismus. Hier moderate Ticketpreise und Vereinskultur, dort hohe Preise und Umsatzrekorde. Hier der bodenständige Mittelständler Uli Hoeneß, der Ludwig Erhard des Fußballs, dort Roman Abramowitsch, der neureiche Investor, der im russischen Monopoly der 90er der Glücksjäger war, und heute Luxus und teure Spieler liebt. Hier Vereinstreue und Verwurzelung, dort globalisierter, freier Kapitalverkehr. Hier organisches Wachstum, dort beidhändiges Prassen.

Ein bisschen nein, denn so ganz stimmt dieser Gegensatz natürlich nicht. Die Bundesliga ist nicht immer und überall der Hort der Solidität, für den sie sich ausgibt. Und die Bayern und Hoeneß? In Bayern stinkt Geld auch nicht, und Abramowitsch kann man sicher die Liebe zum Fußball nicht absprechen. Den Schwaben und den Russen eint vielleicht mehr als es auf den ersten Blick scheint.

Und 11 gegen 11 spielen sie übrigens auch …

17:05 “Und ich verspreche euch: Nächstes Jahr holen wir den Europapokal!” Das rief ein euphorisierter Jupp Heynckes vom Balkon den jubelnden Bayernfans auf dem Marienplatz zu. Es war die Meisterfeier 1990, anderthalb Jahre später wurde Heynckes entlassen – ohne Europapokal. Heute, im Finale dahoam, kann Heynckes liefern. Und wenn er liefert, dann wird man ihm die unwesentliche Verzögerung von einundzwanzig Jahren sicher nicht nachtragen.

Heynckes’ damaliger (jugendlicher kann man nicht sagen, denn er war ja schon 45) Übermut fand einen Nachhall. Fans gegnerischer Mannschaften (ich glaube, die Urheber waren Frankfurter) karikierten Heynckes mit folgendem Song, der heute in vielen deutschen Stadien gesungen wird:

16:55 Chelsea war in den 60ern ein sehr angesagter Stadtteil, eine Künstlerszene im Zentrum von London. Der FC Chelsea galt als cooler Verein, schreibt die SZ heute auf Seite Drei. Seine Fußballer ließen es sich gut gehen, feierten mit den Rolling Stones. Das Sexsymbol der später 60er, Raquel Welch, ließ sich in einem Chelsea-Trikot und einem Colt ablichten. Rocken war für den Club wichtiger als gewinnen. Die Band Marillion spielt in “Chelsea Monday” (1983) auf dieses “Glitter Town”-Image des Stadtteils an:

Das ist alles lange her – das Sex-Appeal des Stadtteils und des Fußballvereins. Und Marillion, der Genesis-Abklatsch. Mein Gott, dieser Hall, diese Gitarrenschnörkel, diese klebrigen Synthesizertapeten und diese weinerliche Falsettstimme! Der Sänger, Fish, hat sich immer bunt angemalt, das sollte ein phantastisch-verträumtes Rollenspiel sein. Dabei hatte er von einem Harlekin noch weniger als Pierre Brice von einem Indianer. Trotzdem, ich hab Marillion damals rauf und runter gehört … andererseits, es gibt schlimmere musikalische Jugendsünden.

Kategorien: Champions League

Olympique Lyon – 1. FFC Frankfurt 2:0

Von 17. Mai 2012 um 20:06 Uhr

Endstand Lyon-Frankfurt 2:0 Verdienter Sieg für Lyon, Frankfurt war nur die ersten zehn Minuten dominant. Die Französinnen waren technisch überlegen, passsicherer, zweikampfstärker und schneller.

Die beiden eher kuriosen Tore sind nicht repräsentativ für die Überlegenheit Lyons. Die Frankfurterinnen hatten zwar auch eine Handvoll Chancen, vergaben sie aber recht harmlos.

Die Saison geht für den 1. FFC also titellos zu Ende. Das ist enttäuschend angesichts des Budgets, das der Macher Siggi Dietrich zur Verfügung stellt. Allerdings muss man sagen, dass sich Frankfurt heute gegenüber der Vorwoche, dem Pokalfinale, gesteigert hat. Lyon ist nun mal eine große Nummer im Frauenfußball und verteidigt den Champions-League-Titel souverän.

Nach dem WM-Aus im Viertelfinale 2011 ist das ein weiterer Rückschlag für den deutschen Frauenfußball. Der war lange unangefochten die Nummer Eins in Europa. Die drei Vorgänger von Lyon waren drei deutsche Vereine: Duisburg, Frankfurt und Potsdam. Doch Lyon hat ihnen den Rang abgelaufen.

90′ 4 Minuten Nachspielzeit. Hab ich was verpasst, Unterbrechungen, Tore, Platzstürme?

81′ Freistoß von Abily an die Latte.

74′ Zwei Chancen für Frankfurt, Behringer und Marozsán. Zwei Lebenszeichen. Zeit für die Schlussoffensive.

70′ Offizielle Zuschauerzahl: 50.212. Den alten Europarekord fast verdoppelt. Zum Kölner DFB-Pokal-Finale letzte Woche kamen nur gut 15.000 Leute, das ist ein deutlicher Rückgang zu den beiden Vorjahren (26.000/21.000). Der DFB lässt das Frauenendspiel seit 2010 in Köln austragen.

58′ Le Sommer fast mit einem van Basten 88 (bitte nicht als Frevel auslegen), das war ja auch in München …

… doch es bleibt beim 2:0. Von Frankfurt kommt zu wenig.

Ein Stück in der SZ über die aktuelle Situation des Olympiastadions: “Gerade die Geschichte des Olympiastadions erzählt viel davon, wie schwierig es heute ist, Arenen zu bespielen, die zwar ein wertvolles Denkmal sind, aber nicht mehr so richtig ins Anforderungsprofil eines Unterhaltungsgewerbes passen.”

54′ Gegen Lotta Schelin ist kein Frankfurter Kraut gewachsen. Sehr elegant entwischt sie ihren Häschern, nur an Schumann bleibt sie hängen. Tolle Fußballerin.

Lyon hat, alle drei Wettbewerbe dieser Saison zusammengerechnet, ein Torverhältnis von 180:6.

46′ Spiel geht ohne Wechsel weiter. Frankfurt ist nicht chancenlos, darf aber nicht nor ein Tor kassieren.

Frankfurt ist ja die Traditionsstadt im deutschen Frauenfußball. Früher war’s der FSV, seit 1998 der 1. FFC. Die FAZ befasst sich mit dem : “Über mangelnde Prominenz unter seinen Zuschauern kann sich der 1. FFC Frankfurt nicht beklagen. Regelmäßig sitzen die großen Namen des deutschen Frauenfußballs auf der Tribüne. Steffi Jones, Silvia Neid, Birgit Prinz, auch der dem Frauenfußball schon immer wohlgesinnte Theo Zwanziger ist ein gern gesehener Gast im Frankfurter Stadion am Brentanobad. Jeder von ihnen wird vom Stadionsprecher unter großem Applaus präsentiert. Mit einer Ausnahme: Fällt der Name der Nationaltrainerin, gibt es ein Pfeifkonzert. Der unrühmliche Abschied von Prinz, das frühe Aus bei der WM – beides wird Silvia Neid zur Last gelegt. Etwas ist seitdem kaputtgegangen in der heilen Welt des deutschen Frauenfußballs.”

In der Champions League im nächsten Jahr wird der 1. FFC nur dann spielen, wenn er heute gewinnt.

Halbzeit 2:0 Verdiente Führung, aus Sicht der Frankfurter dennoch ärgerlich. Dem Elfmeter zum 1:0 ging eine schwache Aktion von Behringer voraus. Das Tor zum 2:0 war Pech. Die Frankfurterinnen versuchten es anfangs mit Pressing, das sah gut aus. Aber in der Abwehr ist man zu schläfrig, und auch im Passspiel und in Sachen Technik ist Lyon überlegen.

Nia Künzer sehr diplomatisch über Behringer: “Vielleicht nicht das richtige Schuhwerk.”

45′ Bislang nicht der Tag von Behringer, die, von Garefrekes bedient, frei an der Lyoner Schlussfrau scheitert.

39′ Der Verlierer von heute erhält 200.000 Euro. Momentan sieht alles danach aus, dass das Frankfurt sein wird. Der Sieger bekommt nur 50.000 mehr. Zum Vergleich: Der Gewinner des Champions-League-Endspiels der Männer wird mit 9 Millionen prämiert (wohlgemerkt nur für das Endspiel), der Verlierer muss sich mit 5,6 Millionen abspeisen lassen. Für einen schönen Abend im P1 dürfte es aber für Chelsea reichen.

28′ Tor für Lyon 2:0 Abily Empty net goal. Pech für Frankfurt und ihre Torfrau. Schumann rettet an der Strafraumgrenze mit dem Kopf, Abily verwertet den Rebound volley per Lob aus großer Distanz.

Sagt man eigentlich auch “Schlussfrau”? Bei den Männern schreibt man ja manchmal “Schlussmann” (um genau zu sein: Nur die dpa tut das, kein Mensch redet so.)

Nebenbei, Donna Summer ist tot.

26′Fast das 2:0, doch nur Innenpfosten. Einen Freistoß lenkt irgendeine Lyoner Schulter Richtung Tor. Und so wie ich das sehen, war Schumann mit den Fingerspitzen noch dran.

Lyoner Schulter – das klingt irgendwie nach Metzger. Heute im Angebot: Lyoner Schulter, das Kilo 9,99.

21′ Behringer will ihren Fehler, der zum Rückstand geführt hat, mit einem Punch ausgleichen und schießt aus vierzig Metern.

19′ Was man so hört, sind über 40.000 Zuschauer im Stadion. Das ist Rekord im Vereinsfußball der Frauen. Die Tickets haben 7 bis 10 Euro gekostet. Manche Leute haben auf Ebay angeblich dreistellige Beträge gezahlt – wohl im Glauben, für das Männerfinale zu bieten.

15′ Tor für Lyon 1:0 Le Sommer Foulelfmeter Blöde Aktion von Melanie Behringer im eigenen Strafraum: verliert erst den Ball und foult die Gegenspielerin. Nicht die erste Unachtsamkeit der Frankfurterinnen bei Bällen, die schon verteidigt waren. Schade, der 1. FFC hatte bislang mehr vom Spiel.

4-6′ Eine Serie Eckbälle von Melanie Behringer bringt die Abwehr von Lyon auf verschiedene Weise in Gefahr. Ein Mal versuchte sie es direkt, ein anderes Mal landete der Ball nach einem Klärungsversuch am Außenpfosten.

Aus dem Stadion twittert Christian Spiller: “Ein Bengalo. Beim Frauenfußball. Bereite mich schon mal auf den Platzsturm vor.” Das wird die Debatte um Fans und Sicherheit wieder anheizen.

2′ “Ein Schuss, ein Tor, die Bayern!”, hör ich aus der Kurve. Sehr schön! Das sind wohl die, die für Samstag keine Karte bekommen haben. Gehen Sie halt zum Frauenfinale.

Nie zuvor hat eine Frau den Rasen des Olympiastadions betreten, sagt Bernd Schmelzer von der ARD. Wir erleben ein historisches Ereignis.

Aufstellungen

Frankfurt Schumann – Weber, Bartusiak, Lewandowski, Thunebro – Kumagai, Behringer, Garefrekes – Smisek, Marozsán, Huth
Lyon Bouhaddi – Franco, Renard, Viguier, Bompastor – Cruz Trana , Abily, Necib – Schelin, Le Sommer, Henry

17:50 Huch! Der Expertin Nia Künzer fällt der Name von Homare Sawa nicht ein. “Die Japanerin” war die beste Spielerin der WM 11. Ich gebe zu, den Vornamen musste ich auch googeln.

Für Frankfurt, das teuerste Team des deutschen Frauenfußballs, ist die Champions League die letzte Titelchance in diesem Jahr. Vor zehn Tagen verlor der 1. FFC beim 1:3 in Potsdam den Anschluss an die Turbine und steckt auf Platz 4 fest. Am vorigen Samstag unterlagen die Frankfurterinnen gegen den Außenseiter Bayern München das DFB-Pokal-Finale 0:2. In Frankfurt hängen die Köpfe zurzeit tief.

“Wir glauben an uns und sind überzeugt, dass wir morgen die Chance nutzen, als Sieger vom Platz zu gehen”, sagt Frankfurts Trainer Sven Kahlert vor dem Endspiel. Doch sein Team ist gegen den Titelverteidiger nur Außenseiter. In Lyon spielt ein Großteil der französischen Nationalelf, zudem trifft Schwedens Torjägerin Lotta Schelin für Olympique. Außerdem fehlen dem 1. FFC die Torfrau Nadine Angerer, die Nationalspielerinnen Kim Kulig und wahrscheinlich Fatmire Bajramaj, die zuletzt einen kleinen Eklat verursachte, weil sie dem Trainer eine Verletzung verschwiegen haben soll. Auch die Amerikanerin Alexandra Krieger fällt aus.

Eine Hoffnungsträgerin ist Dzsenifer Marozsán, eine zwanzigjährige deutsche offensive Mittelfeldspielerin mit ungarischen Wurzeln, die die vergangene WM wegen einer Knieverletzung verpassen musste. Wegen ihrer Torgefahr vergleicht man sie in Frankfurt bereits mit Birgit Prinz. “Das ehrt mich zwar sehr, aber ich bin nicht die zweite Birgit, sondern ich bin ich”, sagt Marozsán.

Die Partie, die wir ab 17.45 Uhr live bloggen und die der Kollege Christian Spiller aus dem Stadion twittert, findet im Münchner Olympiastadion statt, einem Ort der Geschichte. Die leichte “Nicht-Architektur” mit der berühmten Zeltdachkonstruktion Frei Ottos, harmonisch eingebettet in die Landschaft, repräsentierte bei den Sommerspielen 1972 die offene Bundesrepublik – der gewollte Gegensatz zu den Nazispielen 1936.

Im Olympiastadion fand seit sieben Jahren, seit dem Auszug der Bayern, kein Fußballspiel mehr statt. Erwartet werden 40.000 Zuschauer, der Rekord im europäischen Vereinsfrauenfußball steht bei 28.000.

Kategorien: Champions League

Bayern München – Borussia Dortmund 2:5

Von 13. Mai 2012 um 00:20 Uhr

Fazit Dortmund hat Bayern national den Rang abgelaufen. Das unterstreicht der erneute Sieg gegen die Bayern, auch durch das Resultat. Allerdings bleibe ich dabei, in der ersten Halbzeit war es ein untypisches Dortmunder Spiel: schwacher Spielaufbau, wenig Pressing, viele Fehlpässe, kaum Chancen, Glück bei den Toren. Dazu noch einen Elfmeter, hat es zuletzt einen Elfmeter für Dortmund gegeben?

Aber: Dortmund gewinnt das Double hochverdient. Der BVB bleibt die spannendste Mannschaft, das spannendste Projekt des deutschen Vereinsfußballs. Ich rechne damit, dass er noch besser wird, da müssen sich die Bayern was einfallen lassen. Ich wüsste auch keinen Grund, warum sich das nicht bald in der Champions League bemerkbar machen sollte. Dieses Jahr sind sie in der Vorrunde ausgeschieden, vermutlich aus Unerfahrenheit. Als die Jungs Robin van Persie sahen, wollten sie wahrscheinlich ein Autogramm, weil sie den von der Playstation kannten. Von Blamage zu reden, halte ich für Stammtisch.

Und die Bayern? Sehr starke erste Halbzeit, da stimme ich Heynckes zu. Aber viele schlimme Fehler in der Abwehr, auch da hat er Recht. Umschalten nach Ballverlust – schon mal gehört? Zweite Halbzeit mit den Gedanken wohl beim nächsten Samstag. Aber man merkte auch, in diesem Finale stand für sie viel auf dem Spiel, vor allem in der Image-Tabelle. Die Bayern haben das Endspiel ernst genommen. Und 2:5 tut weh. A penny for Your thoughts, Uli Hoeneß …

Was heißt das für nächste Woche? Einerseits, ein 2:5 in einem Pokalfinale ist ein Päckchen. Andererseits, das wichtigere Finale steht ihnen noch bevor, wohl auch das leichtere.

Man könnte auch sagen, dass der FC Bayern kein würdiger Finalteilnehmer war, zumal die Spieler die Siegerehrung geschwänzt haben. Miese Laune, verständllich, aber unsouverän.

Noch was: Wie immer ein faires Spiel, keine bösen Fouls, keine Verletzte (außer Weidenfeller), wichtig für EM und Champions-League-Finale.

Immerhin bleibt den Bayern der Titelgewinn der Frauen.

Lesen Sie am Sonntag die Reportage des Kollegen Christian Spiller!

Weitere Eindrücke:

    Philipp Lahm: “Wir waren klar die bessere Mannschaft.”
    Jupp Heynckes: “Dortmund hat in der ersten Halbzeit eine Torchance und macht drei Tore.”
    Watzke in Beckenbauers Spuren?
    Der ehemalige Red-Bull-Manager Helmut Sandrock überreicht die Silbermedaillen.
    User freiburger: “Hoeness kann doch froh sein, dass der BVB international nichts gerissen hat. Sonst wäre Bayern im Halbfinale der CL gegen den BVB rausgeflogen.”
    Hat Gauck schon über die Freiheit des K.o.-Systems geredet oder so?
    Die Bayern stecken ihre Silbermedaillen in die Tasche und verlassen die Siegerehrung.
    Die Dortmunder feiern im Stadion und in der Stadt. Finale dahoam.
    Kahn tappt bei seiner Expertise wie immer im Dunkeln.
    Guack: “Als sich die Bayern einmal angestrengt haben, da war die Latte da.”

Was denkt Hoeneß jetzt, was wird er tun? Ein Treffen mit Klopp, das wir uns so vorstellen:

90′ Gagelmann bleibt sich treu. Abpfiff nach 12 Sekunden Nachspielzeit, also

Endstand 2:5

88′ Schweinsteiger und Hummels, Bayern und Dortmund, unter einen Hut zu kriegen – Löws schwerste Aufgabe im Sommer?

84′ Perisic der Torschützenkönig der nächsten Saison kommt für Kuba. Das heißt, Götze sehen wir erst bei der EM.

Sebsatian Elbe schreibt uns: “Ob Uli Hoeness heute noch versuchen wird, aus Weidenfellers Rippe einen zweiten Klopp zu formen?” Haha!

82′ Tor für Dortmund 2:5 Lewandowski Schlechter Pass von Gündogan, aber Neuer lässt den Ball aus der Hand gleiten. Handlungsschnelle präzise Flanke von Piszczek an den langen Pfosten, wo Lewandowski seinen dritten macht.

80′ Einen von der Hertha hab ich noch: Die Welt drückt Hertha die Daumen.

Bender für Kagawa. Kagawas Abschied?

78′ Interessanter, wenn auch gnadenlos kryptischer Kommentar von User Severolus: “Wenn der BVB in der CL demnächst wiederum versagt, dann werde ich zum Fan von Röttgen.”

Tor für Bayern 2:4 Ribéry Ribéry setzt sich quer zum 16er gegen Schmelzer und Kehl durch, schnippt mit links ins Langeeck von Langerak.

Auswechslung: Contento für Alaba, der fürs CL-Finale gesperrt ist. Gedanklich schon bei Chelsea? Gutes Signal von Heynckes?

68′ Dortmund jetzt mit Lust und Tiki-Taka, die Bayern gucken zu, aber Neuer hält. Im Gegenzug Flanke Ribéry, Gomez’ Kopfball Latte. Das wäre interessant geworden, wenn die Bayern diese versuchte Vorführung mit einem Tor bestraft hätten. Die Temperatur wäre deutlich gestiegen. Fußballpsychologie.

Jemand gesehen, wie schnell Gündogan ist, wie viel schneller als Sahin? Der Mann ist ein 6er.

65′ Apropos Hertha, die neueste Peinlichkeit: Preetz lässt ein Klopp-Lob auf der Website verbreiten. Obwohl … was heißt Lob? Klopp sagte: “Ich finde, dass er jemand ist, der sich alle Mühe gibt.”

Tschuldigung, zurück zur Ersten Liga.

58′ Tor für Dortmund 1:4 Lewandowski Konter Kagawa, Großkreutz, der tunnelt Schweinsteiger, und Lewandowski verlädt Neuer. Munich, are You Hertha in disguise?

Wenn ich etwas über den EM-Kader anzumerken habe, dann: Großkreutz gehört in die Nationalelf, find ich.

57′ Konter Dortmund: Kuba sucht, aber findet Lewandowski nicht. Wo hab ich das gelesen, dass die beiden sich gar nicht so gut verstehen? Die Räume werden größer für den BVB.

53′ “Schwarzer Abend für Ribéry” Na ja, Bela Rethy, das seh ich nicht so. Defensiv ist er aber wieder schwächer als zuletzt.

49′ Langerak stürmt aus dem Strafraum, geht unnötiges Risiko, gibt Robben die Chance, der aber nicht schießt, sondern unsauber passt. Hätten die Bayern besser ausspielen können. Was ähnliches gabs schon mal im Olympiastadion.

Kollege Spiller twittert: “Mitch Langerak aus Melbourne hüpft wie ein tollwütiges Känguruh vor seinem Strafraum rum. Bayern können die Chance aber nicht nutzen.”

46′ Müller kommt für Gustavo, für den die Saison beendet ist. Kroos rückt auf die 6, Müller auf 10.

Vor vier Jahren gab es das gleiche Finale, damals unter anderen Voraussetzungen, damals waren die Dortmunder Leichtgewichte, erreichten aber immerhin die Verlängerung. Es war das letzte Spiel von Thomas Doll, danach kam Jürgen Klopp, und es begann eine neue Geschichte

Halbzeit 1:3 Klingt komisch angesichts des Ergebnisses, aber ich finde die Dortmunder nicht besser. Kaum ein organisierter Angriff, seltenes Pressing, einige Fehlpässe. Die Bayern dagegen sehr stark, allerdings mit ein paar Fehlern, die der Meister kalt ausnutzt. Dortmund führt untypisch. Noch nicht entschieden, schätze ich.

Seltsam ist der Fußball manchmal und schwer zu erklären. Zufall, Glück, Würfelspiel, Alea (sagt der Grieche). Vielleicht auch kein Wunder, wenn Füße und was Rundes im Spiel ist.

Tor für Dortmund 1:3 Lewandowski Kagawa nimmt einen herrenlosen Ball auf der 10er-Position auf und steckt auf Lewandowski diago durch, der ihn Neuer durch die Hosenträger steckt. Dritte Chance, drittes Tor für die Dortmunder, die jeden Fehler ausnutzen.

Gagelmann holt die Spielzeit aus Nürnberg heute nach: 5 Minuten Nachspielzeit.

41′ Tor für Dortmund 1:2 Hummels Elfmeter Zweite Chance, zweites Tor für Dortmund. Boateng holt Großkreutz von den Beinen. Neuer ist dran. Seltsamer Angriff des BVB, ein Schuss von Schmelzer wird zur Vorlage.

Man weiß gar nicht, wer bei Dortmund die Elfmeter schießt. Wie viele haben sie in dieser Saison bekommen?

34′ Bayern erneut im Strafraum, Ribéry legt zurück auf Lahm, Hummels wehrt ab. Gute Chance. Weidenfeller im Pech. Er muss wegen der frühen Carambolage mit Gomez’ Knie raus. Mitchell Langerak aus Melbourne jetzt im Dortmunder Tor.

Wie geht es eigentlich Jürgen Klopps Hund? Hat er noch Durchfall?

Tor für Bayern 1:1 Elfmeter Robben Weidenfeller holt Gomez von den Beinen, vorausgegangen ein guter Pass von Schweinsteiger. Elfmeter und Gelb – beides richtige Entscheidungen. Kein Tor, denn Gomez hätte den Ball vielleicht nicht mehr geholt. Robben hat die Eier, trotz Vorgeschichte. Verdienter Ausgleich.

Lesestück von Christian Eichler (FAZ): Robben, der Giftige, hat seit Ende der furiosen Debüt-Spielzeit mit den Bayern keinen Titel mehr gewonnen

19′ In Berlin lässt sichs gut shoppen. Alex Ferguson beim Kagawa-Watching. Indiz auch für die gestiegene Bedeutung der Bundesliga.

Kagawa ist ein ganz starker Spieler. Aber ein noch größeres Problem würden die Dortmunder kriegen, wenn sie Piszczek abgeben müssten, oder?

15′ Dortmund führt, hat aber eigentlich noch keinen vernünftigen Angriff hingebracht. Viele Fehlpässe und Stockfehler schon im Mittelfeld.

8′ Nach Ballverlust Hummels kontert Bayern über Robben. Doch Weidenfeller riskiert gegen Gomez Kopf und Frise. Wird 3 Minuten an den Rippen behandelt, es geht aber weiter.

3′ Tor für Dortmund 0:1 Kagawa Zwei Ballverluste von Gustavo bringen Kuba in den Strafraum, der quer legt. Kagawa schiebt ins leere Tor ein. Dabei fing Bayern stark an.

19:57 Peter Gagelmann leitet das Spiel. Ob er heute wieder früher abpfeift, wie vor Wochen Nürnberg-HSV, ein Spiel, dass Herrn Gagelmann nicht behagte?

Vielleicht lässt er zur Abwechslung auch mal länger spielen.

19:52 Wer ist das, der da singt? Klärt mich wer auf?

19:40 Der Druckexperte Kahn redet von Druckdruckdruck. Kann Klopp das bisschen Fernsehheinisein nicht mitmachen?

Mädel, druck druck druck an meine grüne Sei-hi-te.

Vorhin hat der FC Bayern schon den Pokal gewonnen. Die Frauen. 2:0 gegen den 1. FFC Frankfurt, den FC Bayern des Frauenfußballs. Verstanden?

Hübsche Sache. Trainer der Bayern ist Thomas Wörle (30), er hat die Sensation geschafft. Ohne ihn und seine Arbeit näher zu kennen, mal eine theoretische Frage – ist das eigentlich völlig undenkbar, dass Bundesligavereine (Männer) mal über einen Frauentrainer nachdenken? Es suchen doch derzeit so viele. Oder fällt denen dann doch wieder Doll und Völler ein?

Aufstellungen

Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez
Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Hummels, Subotic, Schmelzer – Kehl, Gündogan – Kuba, Kagawa, Großkreutz – Lewandowski

Rekordmeister gegen Meister. Champions-League-Finalist gegen Punkterekordler. Selten, nein noch nie war ein DFB-Pokal-Finale so gut besetzt wie in diesem Jahr. Wir sind live dabei, also Christian Spiller twittert aus dem Stadion (“Schön auch: Das Berliner Olympiastadion einmal ohne die Hertha. Endlich Fußball.”), und ich blogge aus einem chicen Wohnzimmer in einem Hamburger ungentrifizierten Viertel.

Bis zum Anpfiff unterhalten wir Sie mit ein wenig Lokalkolorit. Erst, aus gegebenem Anlass, ein bayerischer Gruß von 703 Meter über dem Meeresspiegel:

Dann ein paar Takte Musik aus westfälischem (Sou-)Terrain:

Kategorien: DFB-Pokal

Real Madrid – Bayern München 2:1, 1:3 n.E.

Von 26. April 2012 um 09:46 Uhr

Verdienter Sieg und Finaleinzug für die Bayern, vor allem wenn man den schnellen 0:2-Rückstand in Rechnung stellt. Großartiger Kampf, die Bayern haben sich reingebissen, die Abwehr in Ordnung gebracht. Am Ende hatten alle Spieler beider Teams ihre Milch gegeben, ein episches Duell. La bestia negra hat wieder zugeschlagen, heldenhafter Sieg in Bernabéu, die Bayern kann man schicken. Und beide spanischen Vereine raus. Wo findet das Spiel um Platz 3 statt?

Ein weitergehender Kommentar folgt morgen.

Beste Bayern? Neuer, Kroos und Robben, oder?

Aus einem englischen Forum: “Kaka: 65 million euros, Ronaldo: 94 million euros. Being German in a penalty shootout: Priceless.”

Zitat Schweinsteiger: “Auf dem Weg zum Elfmeter hab ich meine Eier kurz verloren, aber dann rechtzeitig wiedergefunden.”

Huch, Robben ist gegenüber Beckenbauer unversöhnlich, verweigert den Gruß und nimmt ihm die Kritik von neulich noch übel: “Ich bin nicht immer zufrieden mit dem, was er sagt.”

Mourinho soll in der Bayern-Kabine jedem Spieler gratuliert haben. Ein “Chapeau” von Heynckes.

Dämlich bloß, dass die Uefa (wie die Fifa) an der fraglichen moralinsauren Gelbsperrenregel festhält. Nun fehlen Alaba, Badstuber und Gustavo bei den Bayern. Chelsea muss auf Ramires, Ivanovic und Meireles verzichten. Will man im Finale nicht die Besten sehen? Muss man Fußballern einen solchen Karrierehöhepunkt nehmen? Rotsperren müssen sein, ok, aber Gelbsperren in einem K.o.-System?

1:3 Schweinsteiger kühl bis ans Herz München fährt nach München. Das Finale der Champions League 2012 heißt: Chelsea gegen Bayern. Hat das jemand getippt?

Ramos rutscht leicht weg und drüber.

Casillas hält mit einer Hand gegen Lahm. Eieiei.

1:2 Xabi Alonso

Casillas hält gegen Kroos.

Neuer hält gegen Kaka.

0:2 Gomez

Neuer hält gegen Ronaldo.

0:1 Alaba Der Junge hat Nerven.

Abpfiff 2:1 Es hatte sich in der Verlängerung angedeutet, es geht ins Elfmeterschießen.

120. Boateng sitzt, wird fast vom Mitspieler angeschossen, hat einen Krampf auf offener Szene.

116. Erste Aktion Granero: Schwalbe, Gelb. Hat noch irgendjemand dort auf dem Platz eine letzte Patrone im Colt?

Ja, Marcelo, er spielt die halbe Bayern-Elf aus, und wenn Higuain (?), der im Abseits steht, die Füße vom Ball lässt, ist Ronaldo durch.

111. Özil geht raus, Granero rein. Ja, ist denn Mourinho verrückt, einen Deutschen kurz vor dem Elfmeterschießen auszuwechseln?

107. Beide Teams hängen in den Seilen. Spannend, aber inzwischen höhepunktarm, da sich die Mannschaften aufs Verteidigen konzentrieren. Gomez zum Beispiel hat heute einige sehr gute Szenen in der Abwehr, teilweise am eigenen 16er. Müllers Einwechslung ohne Wirkung bislang.

Ronaldo rutscht ein Schuss über den Außenrist gegen die Mastercard-Werbebande. Au weia!

105. Noch mal Seitenwechsel in der Verlängerung

104. Zu wüst von Badstuber gegen Benzema. Gelb für ihn, bedeutet auch: Sperre. Diese dämliche Gelbsperrenregel …

102. Gelb Gustavo für ein Allerweltsfoul, allerdings sein siebtes oder achtes. Geht in Ordnung, bedeutet aber: Sperre. Diese dämliche Gelbsperrenregel …

97. Wer unter der Maske des Chelsea-Trainers di Matteo steckt, weiß der Fußballexperte spätestens seit gestern: Mourinho, man hat ihn gegen Barca an seiner taktischen Handschrift erkannt. Aber wer steckt unter der Maske desjenigen, der sich heute für Mourinho ausgibt? Real wirkt schlapp, anfällig, schon seit 45 Minuten.

Müller jetzt für Ribéry, der aber einsichtig scheint, also eher geringe Backpfeifen- oder Handschlagverweigerungsgefahr. Müller geht nach rechts, Robben nach links.

91. Würde mir jetzt mehr Risiko von den Bayern wünschen, denn selbst wenn sie dabei ein Gegentor kassieren, hätten sie wieder 30 Minuten Zeit. Wenn sie eins schießen, sind sie so gut wie durch. Sesselweisheiten.

Stand nach 90 Minuten 2:1 Das Spiel geht tatsächlich in die Verlängerung, nach der ersten Halbzeit hätte ich alles dagegen gesetzt. Real enttäuscht hinten wie vorne, das Beste für sie wäre Elfmeterschießen. Bayern war dem Sieg deutlich näher, aber Gomez hat noch den Blues. Heynckes im Vorteil, hat noch drei Wechsel, zum Beispiel Müller.

86. Gomez hats auf dem Schlappen, aber er zögert wieder mal statt zu schießen. Was ist denn los mit ihm? Scheint Sedativa genommen zu haben – und zwar keine pflanzlichen.

85. Real tut wenig, um zu gewinnen. Ob Mourinho der Triumph gestern genügt?

77. Kommt mir das nur so vor, oder verweigern Reals Defensive aufzurücken und die Vorderleute beim Pressing (wenn man das so nennen kann) zu unterstützen?

70. Jupp Heynckes ist noch nie in der Champions League ausgeschieden. Noch kein Gastgeber hat es ins Champions-League-Endspiel geschafft. Noch kein Champions-League-Gewinner konnte seinen Titel im nächsten Jahr verteidigen. Jeder Freistoß von Ronaldo ist gefährlich.

Welcher dieser Sätze stimmt nicht?

65. Die Temperatur des Spiels ist die letzten zehn Minuten gesunken. Bayern schafft im Mittelfeld oft Überzahl, und die Madrilenen gewinnen immerhin mal ein paar Zweikämpfe.

56. Benzema läuft quer ein, Bayern-Abwehr nicht wach, doch auf den langen Neuer ist Verlass.

50. Mein Gott, hat der Neuer Nerven! Legt den Ball mal eben ziemlich nah am Stürmer vorbei. Wer erinnert sich noch daran, wie er gegen Dortmund den Ball hinter dem Rücken abspielte?

48. Kopfball Gomez nach Flanke Kroos (?) knapp vorbei. Die Abwehr von Real nach wie vor so stabil wie das Material eines südeuropäischen Autofabrikanten.

46. Kaum angepfiffen fliegt der Ball schon wieder quer durch den Bayern-Strafraum.

Halbzeit 2:1 So viele Chancen in einem Champions-League-Halbfinale, kaum zu fassen! So viel Raum auf beiden Seiten vor der Abwehr, also dort, wo im Fußball die Gefahr entsteht. Die Abwehrreihen haben nicht viel im Griff. Der Gipfel war, als sich Real von einem stinknormalen Robben-Einwurf fast übertölpeln ließ. Das soll Mourinho-Fußball sein? Von Taktik braucht man hier nicht groß reden. Auffällig aber, dass es Real wieder mit langen Diagonalpässen auf die rechten Flügel versucht.

Aber warum beschweren? Der Dramatik schadet es nicht, man kommt ja kaum zum Luft- geschweige denn Bierholen. Verlängerung kann es eigentlich nicht geben. Für die zweite Halbzeit sehe, nein: spüre ich Vorteile für Bayern. Die wirken immerhin in den letzten zehn Minuten, als könnten sie die Wege zum Tor versperren.

Und dann diese fußballhafte Kuriosität: Trotz so vieler Chancen fielen die drei Tore durch zwei Elfmeter und ein hauchdünnes Abseitstor.

34. Chance Gomez, der sich wohl im Abseits wähnt, aber Casillas pariert wie Peppi Heiß mit der Kelle.

30. Benzema knapp vorbei. Wie hoch stehen die Quoten auf ein 8:7?

27. Tor für Bayern 2:1 Robben Foulelfmeter Gomez wird bei einer Flanke geschubst, gedrückt. Robben trifft wie Netzer Wembley 72, Casillas ist mit den Fingern dran. Der Schütze wurde konform der Beckenbauer-Regel gewählt.

 

20. Sehr, sehr offenes Spiel. Viel Raum vor den Abwehrreihen. Es riecht auf beiden Seiten ständig nach Tor.

Ich trage heute übrigens keine weißen, das wär ja unpassend, sondern meine schwarz-rot-goldenen Shorts. Das mache ich normalerweise nur am 3. Oktober, dann aber gebügelt.

Nein, sugarboy88, blau-weißes Karo besitze ich nicht.

14. Tor für Real Ronaldo 2:0 Bayern öffnet das Abwehrzentrum, Lahm zu weit außen. Özil spielt Ronaldo frei, der schiebt mit der breiten Seite rein. Klingt komisch, aber Bayern ist bislang nicht schlechter. Allerdings fataler Abwehrfehler.

Özil, heb Dir das doch für den Juni auf, bitte!

Die FAZ vom Sonntag schreibt über Ronaldo: “Man kann ins Schwärmen geraten über diesen Spieler. Viele geraten lieber ins Schmähen. Weil sie ihn nicht an der Brillanz am Ball messen, sondern am Brillanten im Ohr und der Brillantine im Haar.” Ja, ja, diesen Schuh ziehe ich mir auch an.

12. Noch eine Chance für Bayern. Gomez schießt (ausnahmsweise) aus der Distanz, Casillas lässt nach vorne abprallen, Khedira kann in letzter Sekunde vor Ribéry die Sache bereinigen.

8. Starke Antwort von Bayern und Alaba, der auf links an allen vorbeizieht. Seine scharfe Hereingabe erwischt Robben in leichter Rücklage, daher drüber.

6. Tor Ronaldo 1:0 Handelfmeter Was für eine Fehlentscheidung! Das war nie und nimmer ein absichtliches Handspiel von Alaba, der zudem noch Gelb sieht. 1 Spiel Sperre, man weiß noch nicht, für welches Spiel.

3. Khedira fast mit dem 1:0 auf Grundlinienrückpass di Maria. Schwach gedoppelt auf der linken Abwehrseite der Bayern.

Grundlinienrückpass = GLRP hat das mein ehemaliger Trainer abgekürzt.

20:45 “Das erste Mal seit Langem, dass ich nachts an ein Fußballspiel denke”, sagte Uli Hoeneß. Anpfiff, Champions-League-Halbfinale, Leute.

20:32 Ich wollte, aus Gag, eine typische Sat1-Quizfrage imitieren. Doch Sat1 im Original ist besser als jede Parodie: Wer spielt bei Real Madrid: a) di Maria b) der Josef?

Das sollten Sie gesehen haben.

Aufstellungen (voraussichtlich)

Real Casillas – Arbeloa, Pepe, Ramos, Marcelo – Alonso, Khedira – di Maria, Özil, Ronaldo – Benzema

Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Schweinsteiger, Gustavo – Robben, Kroos, Ribéry – Gomez

(geklaut by dogfood)

Müller wieder auf der Bank. Mourinho stellt den offensiveren der beiden linken Außenverteidiger auf, Marcelo. Der ja eigentlich heute gar nicht spielen sollen dürfte, aber von Howard Webb letzte Woche mit Gelb verschont wurde. In der spanischen Presse wurde gemutmaßt, dass sich Marcelo eine Rote Karte abholen wollte, um Mourinho den Dienst zu verweigern. Krude These. Aber wer weiß schon genau, was in den Köpfen von Fußballern vorgeht.

Zwischendurch ein kleiner Gruß nach Amsterdam zum heutigen 65. Geburtstag von Johan Cruyff:

Weil er so ein Großer ist – hier noch ein Glückwunschvideo.

19:50 Ich muss mal was klarstellen. Wir wurden hier neulich als BVB-Fanmagazin betitelt. “Herr Fritsch trägt wohl schwarzgelbe Unterwäsche”, mutmaßte ein User (aus dem süddeutschen Raum?). Bloß weil ich geschrieben hatte: Gott ist Klopps Sohn, alle anderen sind Erdenwürmer (sinngemäß). Heute trete ich den Gegenbeweis an, damit hier unter meinen weiteren kommenden objektiven Urteilen ein für alle mal Ruhe ist:

Classic White

Classic White

 

 

 

 

 

 

 

17:15 Zunächst ein Blick zurück. Unabhängig davon, wie man das nun findet, dass Chelsea im Finale steht und Barcelona nicht, ob man also Ästhet ist oder Utilitarist, Spiller oder Hugendick – welch Spektakel hat der Fußball uns gestern geboten! Wer dieses Spiel gesehen hat, wer die beiden Spiele Chelsea gegen Barca gesehen hat, wird sie nicht mehr vergessen. Großes Drama. Das ist Champions League. Begeisterung nicht nur in England.

Auch heute ist Zeit für Helden. Und da kommen einige in Frage. Philipp Lahm zum Beispiel, der unter Fußballfans inzwischen einen schweren Stand hat. Erstaunlich, er ist nach wie vor einer der technisch besten Abwehrspieler der Welt, immer fair obendrein. Im Hinspiel nahm er Cristiano Ronaldo fast jede Wirkung. Na gut, beim Gegentor sah auch Lahm nur zu, wie sich drei Madrilenen den Ball im Strafraum tagelang zupassten. Andererseits bereitete Lahm den Siegtreffer vor. Auf den Kapitän der Bayern und der DFB-Elf wird es heute wieder ankommen, der 42-Tore-Mann Ronaldo hat seinen Colt schon gezückt. Wie dieses Duell ausgeht, ist ja vielleicht auch nicht ganz uninteressant im Hinblick auf diesen Sommer.

Ohnehin kann man dieses Champions-League-Halbfinale daraufhin abklopfen, was es für die EM heißen könnte. Gestern waren die Spanier dran, und siehe da, sie können verlieren. Heute werden zehn deutsche Nationalspieler im Einsatz sein. Acht bei den Bayern, die in der Bundesliga zurzeit nicht die Nummer eins sein mögen, international aber über jeden Zweifel erhaben sind. Auch weil sie die deutsche Nationalmannschaft seit Jahren mit Qualität bestücken (anders übrigens als in der Hitzfeld-Ära).

Toni Kroos war im Hinspiel mit kluger Laufarbeit an der Hoheit im Mittelfeld beteiligt. Mario Gomez kniete sich im Wortsinn rein, bis er traf. Holger Badstuber gewann viele Zweikämpfe und Kopfbälle. Thomas Müller, dieses Jahr bislang eher ein Underperformer, trieb mit seinem Wechsel die Mannschaft nach vorne. Schade, dass Bastian Schweinsteiger im letzten halben Jahr zu oft verletzt war, um momentan in Topform zu sein. Bis Juni kann das ja noch werden.

Mehr als erfreulich aus deutscher Sicht auch, dass Mesut Özil und Sami Khedira eine so wichtige Rolle bei Real spielen. Den Schleicher Özil lieben die Fans, er hat die meisten Tore in der Primera Division vorbereitet. Khedira stört sie immerhin nicht, dafür steht er beim Trainer umso höher im Kurs.

Sind wir uns einig darüber, dass der Sieger von heute am 19. Mai in München als Favorit ins Endspiel gegen Chelsea gehen wird?

Noch mal zu gestern und meiner Lieblingsszene: Drogba, der Häuptling der Blauen, ergrätscht sich am eigenen Strafraum als rechter Verteidiger den Ball, spielt zwei Mann aus, sucht, aber findet keinen Mitspieler, der mitangreifen will oder kann. Was macht er? Abwinken, mosern, rückpassen, zaudern? Nein, er schießt, bevor er von den vielen kleinen Spaniern erjagt wird und noch bevor er die Angriffshälfte überschreitet, aus sechzig Metern aufs Tor – Keeper Valdes muss sogar hechten, um den Schuss zu fangen. Was ist das nur für ein Kerl, dieser Drogba! Welch’ Entschlossenheit! Dieser Schuss war gefährlicher als vieles von dem, was der verspielte Gegner so vor sich hin gedrechselt hat. Und gerade im Kontrast zu Barca wird klar: Drogba ist Tat.

Kategorien: Champions League

Bayern München – Real Madrid 2:1

Von 18. April 2012 um 06:16 Uhr

Er ist und bleibt international die deutsche Nummer Eins. Durch einen 2:1-Sieg gegen Real Madrid vergrößert der FC Bayern, in der Bundesliga von Dortmund besiegt, seine Chance auf den Finaleinzug.

Bis zur 70. Minute war es ein ausgeglichenes, offenes und schnelles Spiel, auch sehr unterhaltsam für ein Hinspiel. Der Rest gehörte den Bayern, am Ende steht ein verdienter Sieg, denn mit der Einwechslung Müllers läutete der FCB eine schwungvolle Schlussphase ein, war im Gegensatz zu Real auf Sieg aus. Großartiges Finish! Gomez hat sich dabei sukzessive dem Ziel genähert, seine letzte Chance nutzte er. Sein zwölftes Tor in dieser CL-Saison, und es muss ja nicht das letzte sein. Außergewöhnlich.

Die Bayern wurden, das soll nicht verschwiegen werden, durch eine günstige Entscheidung beim 1:0 begünstigt. Das war wohl Abseits. Auf der anderen Seite hätte Gomez einen Elfer kriegen können und Marcelo in der 94. Minute Rot. Von ausgleichender Gerechtigkeit kann man nur bedingt sprechen, denn es war halt das Führungstor. Was solls? Schiri Webb mit sehr angenehmer Spielleitung, aber er lag doch das eine oder andere Mal zu oft daneben, um sich eine sehr gute Note zu verdienen.

Real Madrid hat ein wenig enttäuscht. Die Mannschaft ist individuell sehr gut besetzt, aber Klopp hat Recht: Dortmund, in der Champions League längst ausgeschieden, verteidigt besser. Insbesondere über die Flügel war Real zu knacken. Auch in Sachen Engagement war sie den Bayern unterlegen (sieht man von den Fouls ab), vor allem am Ende. Ronaldo wird nie ein Messi. Nie, nie. Aber wer wird das schon? Bloß, er dürfte der Einzige sein, dem die Unterlegenheit in diesem Vergleich etwas ausmacht.

Mir kommt das so vor, als würde Mourinho seinen Stil in Madrid nicht durchsetzen können. Er ist ja für taktische Geniestreiche bekannt, für Verteidigungsmaschinerien und dafür, dass er das Maximum aus seinen Spielern rausholt. Davon kann man aber heute nicht reden. Vielleicht stößt der Fußballmacchiavelli bei diesem großen Verein mit seinen Mätzchen an Grenzen.

Andererseits, Real Madrid verliert ja eigentlich immer in München. Oder haben sie sich für Barca am Wochenende geschont? Und man ist natürlich nur so gut wie es der Gegner … Sie wissen schon.

Beste Spieler: Ribery, Alaba, Badstuber / Ramos, Benzema, Özil. Oder was sagen Sie, liebe Leser?

Heynckes bei der TV-Analyse sehr souverän. Darf sich auch bestätigt fühlen, Schweinsteiger ausgewechselt zu haben. Der aber noch immer ne Fresse zieht das sicher einsieht.

Endstand 2:1

94′ Glück für Marcelo, dass Webb pfeift. Das war eine Gelbe Karte in der Tradition von de Jong und van Bommel. Eigentlich finde ich seine Spielleitung gut, vor allem seine kommunikative Art. Das ist ja in Deutschland unüblich, dass Schiedsrichter reden. Aber hier muss Webb Rot zeigen.

90′Tor für Bayern 2:1 Gomez Lahm setzt sich über rechts durch, passt scharf und flach in die Mitte. Gomez rutscht mit einem Doppel-Touch rein. Endlich mal wieder ein Assist von Lahm.

87′ Zwei Abwehrspieler nehmen Gomez in die Zange. Der eine spielt den Ball, der andere foult ihn, wie es scheint. War am ehesten von den drei Situationen Elfer.

85′ Wie kommen eigentlich Mourinho und Ronaldo aus? In England hat sich “The Special One” immer über Ronaldos Schwalben aufgeregt. Ronaldo ist doch gar nicht der Spielertyp für Mourinho.

“Gomez führt in der Champions League die Torschützenliste der Sterblichen an.” (W.C. Fuss)

82′ Bayern seit der Müller-Einwechslung wieder sehr aktiv. Gerade eben auch beim Elfmeterfordern.

71′ Gomez, warum machst Du den nicht? Wäre das zweite Abseitstor gewesen.

70′ Özil muss raus, Marcelo rein. Schade. Übrigens, zehn deutsche Nationalspieler heute aktiv. Es gab schon Achtelfinals ohne deutsche Beteiligung (sag ich jetzt mal so aus dem Bauch). Leider ist Alaba Österreicher, denn der Junge ist ganz stark und ganz selbstbewusst.

67′ Mir sind gerade Bilder des jungen Ronaldo zugespielt worden.

64′ An wen erinnert mich Xabi Alonso, an irgendeinen Schauspieler? Kevin Bacon vielleicht? War Alonso mal in der 11-Freunde-Rubrik “Bei der Geburt getrennt”?

Apropos, jemandem schon mal aufgefallen, dass Olli Pocher aussieht wie der junge Honecker? Verblüffende Ähnlichkeit.

61′ Schweinsteiger muss raus, Müller rein. Schweinsteiger not amused.

53′ Tor für Real 1:1 Özil Ronaldo schnippelt zunächst Neuer an, als trüge er Skischuhe. Real bekommt den Rebound. Benzema auf Ronaldo, der zurück auf Özil, der schon fast im Tor steht.

Boateng verteidigt bei Benzemas Querpass Luft.

52′ Robben versucht seinen Trick. Trippel, trappel, trippel, trappel, Pony!

Darf man sich eigentlich ein Bier aufmachen oder ist das zu prollig? Ist ja schließlich Champions League. Halbfinale. Bayern. Real.

Zwei weitere Live-Blogs:

Halbzeit 1:0 Verdiente Führung für die Bayern, aber auch glücklich, weil Abseits. Schnelles, abwechslungsreiches Spiel, beide Teams gelangen häufig mit Tempo und Pässen in die gefährlichen Zonen. Spricht vielleicht gegen die defensiven Ordnungen, aber für Engagement. Besonders Ribery und Robben wirken höchst motiviert, auch beim Verteidigen. Xabi Alonso, der tiefe Spielmacher Reals, ist durch das Pressing des Bayern-Dreiecks Kroos/Schweinsteiger/Gustavo aus dem Spiel. Real mit mehr Schüssen, gefährlich durch schnelle Steil- und lange Diagonalpässe. Badstuber stark. Ronaldo auch, vor allem im Close-Up.

Wo ich Ronaldo sehe – ich mache jetzt ein paar Liegestütze. Muss an meinem Bizep arbeiten.

In der Pause eine musikalische Würdigung für jemanden, der es verdient hat:

40′ Chance Benzema. Neuer fängt den Ball und leitet den Konter ein, bei dem Gomez Casillas prüft. Bezeichnende Szene für ein schnelles Spiel.

39′ Der Ronaldo-Counter: 1 Tunnel (für Boateng)

36′ Robben foult Ronaldo überflüssigerweise und dann Contrao, sieht Gelb. Ist ja immer gut gemeint von Robben, wenn er mitverteidigen will. Aber das ist bekanntlich das Gegenteil von gut gemacht.

31′ Danke an die Regie für die Ronaldo-Cam, die den Westernhelden vor dem Freistoß von unten nach oben abtastet.

28′ Das Mittelfeld gehört jetzt den Bayern. Schweinsteiger, Gustavo und Kroos pressen gut, gewinnen Zweikämpfe. Wie das Tor das Spiel geändert hat!

17′ Tor für Bayern 1:0 Ribery Eine Ecke von Kroos prallt an Badstuber ab und Ribery knallt das Ding rein. Großer Aufschrei in der Arena. Allerdings war Gustavo beim Schuss im Abseits. Senor Mourinho, Ihr Part!

15′ Ribery will einen Elfmeter. Hm, nun ja … aber die Kombination vorher über Robben, Lahm und Ribery war gut. Webb musste zum zweiten Mal kommunikativ schlichten.

10′ Der Ronaldo-Counter: 2 Übersteiger, 2 Hackentricks.

7′ Neuer muss zum ersten Mal ran. Khedira fängt einen Pass ab, Vertikalpass auf Özil, Vertikalpass auf Benzema, Schuss. Das ging schnell. Benzema war schon links, rechts, zentral gefährlich.

2′ Erster Hackentrick von Ronaldo. An ihm gefällt mir, dass er so unverstellt, unmaskiert, offensiv eitel ist.

Howard Webb, der englische Polizist, ist heute Schiedsrichter. Das letzte WM-Finale hat er so geleitet, dass es mit “großzügig” verharmlosend umschrieben wäre. Hier kann man mehr über ihn erfahren:

 Aufstellungen

Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Real Casillas – Arbelos, Pepe, Sergio Ramos, Fabio Contrao – Xabi Alonso, Khedira – Di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo – Benzema

Müller auf der Bank. Und eine wichtige Frage vorab: Darf ich CR7 schreiben? Oder ist das dummdeutsches Marketingsprech?

Aus der Real-Kabine wurden unter anderem drei Paar Schuhe von Ronaldo gestohlen, meldet die Abendzeitung. Wie viele hat er denn mit? Das ist doch guter Stoff für Mourinhos Weltverschwörung.

Noch was anderes: die ARD-Doku von gestern über sechzig Jahre Bild.

Vorbemerkungen

Was für ein Spiel! Bayern gegen Real im Champions-League-Halbfinale – das ist ein Klassiker, den wir aber lange nicht mehr hatten. Hoffentlich sind die Bayern durch die verlorene Titeljagd nicht im Blues. Gegen Real haben sie nur eine Chance, wenn Mannschaft und Trainer in Topform sind.

Ein paar Lektüreempfehlungen vorab:

Christian Eichler (FAZ) widmet sich Holger Badstuber. Guter Mann.
Der FAZ-Korrespondent Spanien will Mesut Özil wecken. Der wohl spielen wird. Ein Vorabstück von Andreas Burkert in der SZ. Ein Mourinho-Porträt unsere Kulturkollegen David Hugendick. Ein SZ-Interview mit dem Real-Legende Manuel Sanchis mit einem leisen Zwischentönchen über Heynckes. Und das liegt auf meinem Schreibtisch:

Noch ein paar Lektionen aus München:

Kategorien: Champions League

Borussia Dortmund – Bayern München 1:0

Von 12. April 2012 um 00:41 Uhr

Endstand 1:0 Dem Epos folgte das Drama. 75 Minuten lang sahen wir ein Duell, in dem sich beide mehr oder weniger auf Distanz hielten. Dann erlebten wir eine Schlussphase, die den Kommentatoren und Fans Worte und Luft nahm. Das Elfer-Duell Weidenfeller/Robben hat seinen Eintrag in die Geschichtsbücher sicher. Was für ein cooles Finish!

Das Spiel hielt zwischendurch nicht ganz, was es versprach, allenfalls taktisch. Aber Taktik ist nicht alles. Strafraumszenen eher selten, ein Primat der Vorsicht. Dortmund war in der ersten Halbzeit überlegen, in der zweiten gab der BVB aber die Initiative ab. Das Tor fiel unvermittelt.

Die Bayern hatten wegen Dortmunds sauberer Defensive bis zum Elfmeter keine Großchance, hätten aber den Ausgleich verdient gehabt. Es hätte mich interessiert, ob die Bayern das Spiel noch gewonnen hätte, falls Robben getroffen hätte. Die Bayernfans können sich immerhin mit zwei weiteren Titelchancen trösten. Mal abgesehen davon, dass die Meisterschaft noch nicht entsch… Aber wer glaubt daran?

Eine längere Analyse am Donnerstag hier auf Zeit Online.

Der Zirkelschluss des Tages kommt von Kaiser Franz, dem schwächsten Bayern an diesem Tag: “Es hat noch nie einen unverdienten Meister gegeben, denn wer Meister wird, hat es verdient.”

Wer hat Trost für die HSV-Fans neben mir?

Hier die Berichte von den anderen Mittwoch-Spielen

91′ Die Schlussphase, vorsichtig ausgedrückt, sehr ereignisreich, entschädigt für viele Längen. Die Latte verhindert ein Eigentor von Subotic. Im Gegenstoß lupft Lewandowski an die andere Latte.

Und Schiri Kirchner zitiert Merk 2001.

86′ Drama, Baby! Weidenfeller verschuldet einen Elfer an Robben, Robben schießt, und Weidenfeller hält ihn fest. Erinnert ein wenig an Kutzop 86. Lauter fußballhistorische Anspielungen heute, intertextuell sehr anspruchsvoll heute.

Subotic disst Robben, der aber sehr cool reagiert.

77′ In der Premier League sind im Gegensatz zur Bundesliga die Spitzenspiele oft die Highlights … wollte ich grad schreiben. Da fällt das 1:0 für Dortmund durch Lewandowski Großkreutz schießt einen abgewehrten Ball vom 16er, das wird zur Vorlage, Lewandowski lenkt den Ball mit der Hacke ins Tor.

Das Tor sieht ein wenig so aus wie Sheringham 99 (Schuss vom 16er wird zur Vorlage, die Offensiven rücken zu langsam raus und heben die Hand). Fühlt es sich auch so an? Der Gag kam hier nicht bei allen gut an.

74′ Dortmund ist noch da. Kagawa knapp vorbei. Wechsel Dortmund: Perisic für Gündogan, Leitner für Kagawa. Großkreutz darf draufbleiben. Wechsel Bayern: Olic (der beim HSV sehr vermisst wird, wie hier betont wird) für Gomez.

70′ Die klassischen Reporterphrasen “Die Bayern-Führung ist inzwischen verdient”, und “Die Dortmunder haben um das Gegegentor gebettelt” liegen nur einen Angriff von uns entfernt.

68′ Dortmund hat seit 15 Minuten jede Gefährlichkeit eingebüßt. Was lässt sich Klopp jetzt einfallen?

60′ Chance Ribéry, mit links vorbei. Bayern macht das Spiel. Schweinsteiger für Müller, Kroos rückt auf 10.

57′ 4:0 Hoffenheim. Hängende Köpfe. “Was soll nur werden?” Jetzt kann man sich hier wenigstens auf Dortmund konzentrieren.

54′ Das Spiel verlagert sich zunehmend in die Dortmunder Hälfte. Bayern aber im ganzen Spiel noch ohne Chance im Strafraum.

48′ 3:0 Hoffenheim gegen Hamburg. Das verursacht hier nur noch einen letzten Zucker Enttäuschung.

21:07 Bananen in Neuers Strafraum – welch subtiles fußballhistorisches Zitat der BVB-Fans.

20:59 Die anwesende schwarz-gelbe Fraktion übererfüllt die Frauenquote.

Fun Facts zur Halbzeit: In der Rubrik “Angekommene Pässe” ist unter den ersten 7 nur ein Dortmunder, Gündogan auf 5.

Nein, severolus, auch nicht Blankenese.

Halbzeit 0:0 Dortmund überlegen, aggressiver, mit einer Handvoll guter bis sehr guter Chancen, zögert aber hamletgleich, die Bayern in den Abgrund zu stoßen. Im Mittelfeld, vor allem zentral, sind sie stärker durch bessere Raumaufteilung und geschickteres Laufverhalten gegen den Ball.

Die Bayern haben zu viele Zonen auf dem Feld, in denen sie den Dortmundern zu viel Raum lassen müssen. Sie spielen ungewohnt defensiv und verhalten, aber auch nicht so schlecht, wie der Kaiser Franz tut. Alles drin, zumal Schweinsteiger am Spielfeldrand grinsend gesichtet wurde.

42′ Endlich was zu jubeln für die HSV-Fans: Pauli liegt 4:0 bei Holzbein Kiel hinten, also die Zweite.

40′ Nein, severolus, nicht Eppendorf. Komme ich so neureich rüber?

37′ Die #Dortmunder können #nichts. Lewandowksi mit dem Kopf nur an den Pfosten.

31′ Chance für Kroos, Fernschuss mit links, knapp vorbei.

30′ Ungewöhnlich wenig Ballbesitz für Bayern. Jemand die Statistik zu Hand? Liest mich eigentlich jemand außerhalb des Wohnzimmers in diesem bürgerlichen Hamburger Viertel, in dem ich mich befinde? Hallo Welt?

25′ Starkes Dribbling Kagawa in den Strafraum. Doch bei seinem Schüsschen möchte man ein Stück Brot hinterherwerfen.

24′ BVB-Fans bejubeln mitten im Dortmunder Angriff das Gegentor für Schalke in Nürnberg. Mit dieser Konsequenz wird man Meister.

21′ Debatten hier über verweigertes Pflichtgelb für Robben wegen taktischen Fouls.

20′ Aber nicht, wenns 3:0 für Hoffenheim steht, heißt es. Fehlen nur noch zwei übrigens. Nein, nur noch eins. 2:0 Hoffenheim.

19′ Wenn es in der 75. hier noch 0:0 steht, wird zum HSV umgeschaltet. Sagt der Hausherr gerade.

17′ Aber ich habe einen Pultplatz mit W-Lan. Hab ich bei der Akkreditierung drauf bestanden.

15′ Beide Teams nehmen in Ballbesitz das Tempo raus. Oder kommt mir das aus meiner Perspektive nur so vor? Ich schaue schräg auf den Fernseher, das Wohnzimmer ist gut besucht.

10′ Meldung aus dem Stadion: Neuer führt im Pfiffe-Ranking. Meldung aus Hoffenheim: 70 Prozent Ballbsitz für den HSV.

6′ Doppelchance für Großkreutz und Lewandowski. Doch Neuer wächst ein drittes Bein (wie prophezeit).

2′ Kleines Hallo-wach an die Bayern-Abwehr. Langer Pass von Gündogan, schlechte Tiefenstaffelung, doch Kuba legt am Tor vorbei, das Neuer verlassen hat.

20:02 Wir sind spät dran. Schnell noch eine ganz kleine taktische Vorschau gefällig?

19:57 Hier in Hamburg schauen viele auch Dortmund-Bayern und nicht HSV in Hoffenheim. Das spricht für hanseatischen Geschmack. Der Hamburger fährt ja auch nicht auf der Autobahn langsamer, um den Unfall auf der Gegenfahrbahn zu beglotzen.

19:49 Markus Merk fasst das Duell zusammen: “Leichtigkeit gegen Routine”. Ich finde das unzulässig zugespitzt.

Aufstellungen

Dortmund Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Kehl – Kuba, Kagawa, Großkreutz – Lewandowski
Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Kroos – Robben, Müller, Ribéry – Gomez

Schweinsteiger auf der Bank. Gündogan spielt, Klopp setzt wohl auf Offensive.

Vorbemerkung

Es ist heute ein besonderes Spiel. Das merkt man schon daran, dass ich mir den kicker gekauft habe. Das erste Mal seit 1994, glaube ich. Damals wollte ich nachschauen, ob Uwe Bein in der Elf des Tages ist. Ich muss sagen, dass ich, als ich mir die aktuelle Ausgabe durchblätterte, die Stecken- und Stabreime der Schlagzeilen von früher vermisse. Da hieß es noch: “Bärenstarke Borussen bieten Bammel-Bayern die Stirn” oder “Frost und Frust in Frankfurt”. Ich glaube, die hatten in Nürnberg im Keller von Karl-Heinz “Mister Kicker” Heimann eine Stanze stehen, die Schlagzeilen maschinell hergestellt hat. Wär die nicht was fürs DFB-Museum?

Damit bin ich in Dortmund. Heute steht das Spiel der Spiele (kicker) auf dem Programm. Ich muss seit einiger Zeit daran denken, dass ein Bekannter von mir vor dieser Saison in Anwesenheit eines BVB-Fans prohezeite, dass seine Bayern spätestens am 28. Spieltag Meister sein werden. Und Borussia Dortmund, damals frischer Titelträger, die nächsten zehn Jahre kein Meister mehr wird. Als ich ihn neulich vorsichtig darauf ansprach, konnte oder wollte er sich gar nicht daran erinnern und wurde wirsch. Was ich damit sagen will: Mir ist klar, dass heute viel auf dem Spiel steht, zum Beispiel sehr viele religiöse Gefühle. Die will ich natürlich nicht provozieren.

Zur Vorbereitung: Im Stadion twittert für uns der Potthopper Jens Uthoff, hier ist sein bislang gesammeltes Werk. Charmant finde ich das Pärchen-Blogging auf allesaussersport. Rechtzeitig fertig wurde die neue Kluger-Kopf-Klopp-Kampagne der FAZ (kicker-würdig?). Sehr kreativ auch die 11 Freunde:

Übrigens, natürlich war Uwe Bein damals in der Elf des Tages.

Kategorien: Bundesliga

Gladbach – Bayern 2:4 n.E.

Von 22. März 2012 um 09:10 Uhr

Fußballdeutschland erlebt am 12. Mai sein Traumfinale: Borussia Dortmund gegen Bayern München. Meister gegen Vizemeister oder umgekehrt – das verspricht, ein Höhepunkt zu werden. Wobei man anmerken muss, dass auch ein Endspiel Borussia gegen Borussia ein solches Etikett verdient gehabt hätte.

Gladbach, das muss man nicht weiter ausführen, spielt eine tolle Saison. Auch heute erwies sich die Borussia als erwartet abwehrbereit, kam auch zu ein paar Chancen, spielte aber zu viele Fehlpässe und musste sich oft am Strafraum verbarrikadieren.

Für einen dritten Saisonsieg gegen die Bayern hat es daher nicht gereicht. Bayern war die aktivere Mannschaft, vor allem in der ersten Halbzeit und in der Schlussphase der Verlängerung. Der Ex-Meister hatte mehr Chancen, vor allem weil Ribéry seine Mitspieler in Szene setzte. Man merkte, dass diese Mannschaft die Kurve gekriegt hat. Es ist daher ein verdienter Sieg, auch wenn ein Elfmeterschießen nur in (geschätzt) der Hälfte der Fälle die bessere Mannschaft belohnt.

Sonst waren in diesem guten Spiel Defensivkräfte die Auffälligen: beide Tormänner, Badstuber, Daems, Stranzl. Der große Pechvogel war der Fehlschütze Dante. Erstens weil er einer der Besten war. Zweitens weil er durch seinen wahrscheinlichen Wechsel nach München nun dauerhaft mit Lothar-Matthäus-Vergleichen leben müssen wird.

Einen Tieftieftiefpunkt erleben die ARD-Zuschauer nach dem Spiel bei Anne Will, wo über Geld im Fußball auf einem Niveau debattiert wird, dass einem jede Kuhhaut Leid tun muss. Lesen wir dazu morgen bei den Kollegen von faz.net eine Frühkritik?

Der Spielverlauf

Nordtveit verschießt, Neuer lässt sich anschießen, Bayern ist im Finale
2:4 Kroos
Dante verschießt, does it the Matthäus-way
2:3 Lahm
2:2 Herrmann (Neuer erläuft die Ecke, aber die falsche)
1:2 Ribéry
1:1 Daems (Neuer mit der Hand dran)
0:1 Alaba

Zwischenstand nach 120 Minuten 0:0 Ein 0:0 ist kein überraschendes Ergebnis zwischen diesen beiden abwehrstarken Mannschaften. Allerdings hatte Bayern mehr Chancen als erwartet, vor allem, weil Ribéry derzeit in Vorbereiterlaune ist. Bestnoten verdienen sich auch Daems, Dante, Stranzl und ter Stegen. Und Badstuber.

120′ Petersen hätte seine Ablöse (2,5 Mio) doppelt reinspielen können, rutscht aber vor dem Siegtor am Fünfmeterraum aus.

Wir bekommen ein Elfmeterschießen.

116′ Wenn Robben mal nicht von seiner Seite, der rechten, kommt, ist er erstaunlich hilflos.

113′ Gladbach hängt in den Seilen, hält aber die Deckung.

Erstaunlich, wie oft die Schiris heute bei Abseitsentscheidungen daneben liegen. Und soeben auch bei einer Beinschere von Daems an Lahm an der Grundlinie.

109′ Oooh, da darf sich Gladbach wieder mal bei ter Stegen bedanken, der Robbens Pfeil übers Ziel lenkt.

0:0 nach 105 Minuten Das Spiel hat an Fahrt verloren, eigentlich schon nach dem ersten Durchgang. Die Bayern seit etwa vierzig Spielminuten mit gedrosselter Geschwindigkeit.

Petersen für Müller

102′ Gegen alle ist Badstuber heute Sieger geblieben, aber an Schiri Kinhöfer ist für ihn kein Vorbeikommen.

100′ Olic für Gomez. Ein Signal der Offensive?

93′ Vielleicht mal nebenan bei den 11 Freunden reinschauen? Als ein Bekannter die noch aktuelle Ausgabe am Kiosk sah, fragte er sich erst: Müssen wir uns Sorgen Käßmann machen, trinkt sie wieder?

0:0 nach 90 Minuten Auch das zweite Halbfinale geht torlos in die Verlängerung. Bayern hat mehr Chancen, vergibt sie aber, und zuletzt werden sie weniger. Gladbach setzt auf Konter, spielt aber viele Fehlpässe, wirkt stärker bei Standards.

Ausgeglichenes Spiel inzwischen, Elfmeterschießen nicht ausgeschlossen. Ich gönne mir nun ein Astra.

84′ Arango öffnet mit einem Traumpass die Abwehrreihe der Bayern, Reus schießt dem herauseilenden Neuer fast durch die Beine. Das war ein Matchball für Gladbach.

77′ Interessanter Programmhinweis: Geld oder Leidenschaft – wer regiert die Fußballwelt?, diskutiert Anne Will im Anschluss. Und wen lädt die ARD zu diesem spannenden Thema ein? Udo Lattek, Waldi Hartmann, Toni Schumacher. Da wären mir ein paar andere eingefallen, vielleicht ein paar Kriminologen.

75′ Letzter Wechsel Favre: de Camargo für Hanke. De Camargo, der Mann für die wichtigen Tore wie am Samstag in Leverkusen.

Das 1:0 im Viertelfinale von Berlin hat er immerhin vorbereitet.

66′ In den Kommentaren ist wieder ein Radikalkritiker aufgetaucht: “Sport ist Opium für’s Volk”, warnt mulliman in marxistischem Tonfall. “Wahnhafte Teilhabe am Glück (Geld) anderer und Ablenkung von den Ketten an Händen und Füßen.”

62′ Doppelwechsel Borussia: Brouwers für Stranzl, Herrmann für Wendt. Ob Favre sich den dritten für den Keeper und die 118. Minute aufspart?

60′ Mördergrätsche von Stranzl, sehr wichtig für Gladbach. Denn wenn Gomez im Strafraum Platz hat, klingelts meist kurz später. Offenbar Stranzls letzte Aktion, er muss verletzt raus.

54′ Zu Hertha-Zeiten soll sich Favre ab und an, wenn es ihm zu bunt wurde, in sein Auto gesetzt haben, um vor Dieter Hoeneß und den Berliner Verhältnissen Richtung Schweizer Heimat zu flüchten. Ich kann aber nicht sagen, wie weit Favre je gekommen ist.

49′ Oh, das geht fein los. Erst Chance für die Bayern: Robben im Doppelpass mit der Hacke Müllers (die zwei lieben sich ja), aber er zieht am kurzen Eck vorbei. Dann Chance für die Preußen: Arango hat keine freie Schussbahn und zielt drüber. Fast ein echter Gladbach-Neuer.

Halbzeit 0:0 Gutes Spiel, Vorteile für Bayern im Ballbesitz, aber auch bei den überraschend vielen guten Chancen. Bayern ist stärker als beim 1:3 vor zwei Monaten. Gladbach verteidigt stärker als die Gegner, auf die die Bayern zuletzt trafen.

Man merkt beiden Mannschaften an, dass sie in der Defensive auf der Hut sein müssen. Bayern greift variabler an, auch mal dribbelnd. Gladbach schneller und steiler. Trotz gewisser Pausen im Spiel, hat man stets den Eindruck, dass jederzeit etwas passieren kann.

Auffällig: Schiedsrichter bekommt auf den Kanälen der digitalen Elite Kritik dafür, dass er Robben Gelb gibt. “Da kann der doch nix für, der arme Robben.”

41′ Zwei Mal spielt Ribery Mitspieler brillant frei, aber Robben schießt den scharfen Pass knapp drüber, danach reißt ter Stegen gegen Alaba den Unterarm rechtzeitig hoch.

37′ Gladbach setzt wie schon im Januar den Rückpass zum Tormann als Mittel ein. Ich hab nicht mitgezählt, aber zehn dürften es bislang gewesen sein. Zweck: Tempo rausnehmen, Pressing unterbinden.

Ich finde ja, man sollte mal überlegen, eine Passregel wie im Handball einzuführen, sprich: Der Tormann darf nur dann angespielt werden, wenn er außerhalb des Strafraums steht, sonst gibts indirekten Freistoß. Das würde das Spiel noch schneller machen. Oder übersehe ich etwas? Andere Meinungen?

28′ Da hab ich den Fehler von ter Stegen wohl herbeigeredet, was?

21′ Erste Großchance für Gladbach. Neustädter schickt Reus diagonal in den Strafraum. Der Winkel ist zu klein, um einen Keeper wie Neuer zu überwinden.

Für einen, der vor ein paar Tagen mit 39 Fieber im Bett lag, hat Heynckes aber gut Farbe im Gesicht.

18′ Hab ich das schon mal gesagt, dass ich ter Stegen für den kommenden Nationaltorhüter halte? Er spielt noch besser mit als Neuer, agiert noch weiter weg von seiner Linie. Ist dem Jungen eigentlich schon mal ein nennenswerter Fehler unterlaufen? (Ach ja, letzten Samstag in Leverkusen)

15′ Zweite Chance für die Bayern. Die Gladbacher lassen am linken Flügel zu viel Platz, Lahm kann ohne Gegnerdruck flanken, Gomez drückt einen Kopfball an den kurzen Pfosten, aber ter Stegen ist unten.

6′ Bayern spielt sich in den Strafraum, Dante schafft nur eine Verlegenheitsabwehr, Kroos nimmt den Rebound mit der breiten Seite und trifft den Innenpfostens.

4′ Gladbach versucht es heute über die Flügel, fordert schon in den ersten Minuten beide Außenverteidiger der Bayern mehrfach. Lahm einmal nicht auf dem Posten.

Aufstellungen

Gladbach Ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Wendt, Arango – Reus, Hanke
Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Gustavo, Kroos – Robben, Müller, Ribery – Gomez

Mehmet Scholl sagt, Bayern ist komplett. Schweinsteiger vergessen?

Die Formationen als Grafik auf spielverlagerung.de

Vorbemerkung

Die schlechte Nachricht vorweg: heute kein Poschmann.

Zwei Mal hat Lucien Favre mit Gladbach die Bayern bereits geschlagen, 1:0 in München im August, 3:1 zuhause im Januar. Ist drei Mal Schweizer Recht? Zwei Mal hat Manuel Neuer den Gladbachern gut mitgeholfen, ein Mal durch eine Abstimmung mit Boateng, das andere Mal mit einem Querschläger auf Reus. Was lässt er sich heute einfallen?

Das zweite Pokalhalbfinale führt die drittbeste Mannschaft dieser Saison mit der zweitbesten zusammen, da darf man von einem Highlight sprechen. Durch die jüngste (Börsianer würden sagen) Seitwärtsbewegung in der Liga gehen die Gladbacher als Außenseiter ins Spiel – trotz des Siegs in Leverkusen. Die Bayern haben sich von den Rückschlägen in Leverkusen und in Basel zwischenzeitlich erstaunlich gut erholt.

Nach 20 (in Worten: zwanzig) Toren in der letzten Woche werden die Bayern heute mit breiter Brust antreten, aber auch auf ein Team treffen, das besser verteidigen kann als Hoffenheim, Basel und Hertha zusammen. Unter Favre hat Gladbach nie mehr als zwei Gegentore bekommen, zwei Mal sogar erst überhaupt zwei in einem Spiel.

Bin gespannt, wie wir nach dem Spiel über die Qualität der Bayern reden, denen Börsianer eine hohe Volatilität attestieren würden.

Ein paar Nachbetrachtungen zum Halbfinale gestern:

Wie bitter für die tapfer kämpfenden Fürther, mit der letzten Aktion den Gegentreffer hinnehmen zu müssen. Sicher, im Elfmeterschießen auszuscheiden wäre auch unglücklich gewesen. Doch was ihnen gegen Dortmund widerfahren ist, fühlt sich noch mieser an.

Und dann auch noch von einem Ex-Nürnberger rausgeschmissen zu werden. Und dann auch noch mit der Nürnberger Taktik zu scheitern. Wir erinnern uns, Hans Meyer hat vor fünf Jahren Raphael Schäfer vor dem Elfmeterschießen aus- und Daniel Klewer eingewechselt. Das hat funktioniert. Was lernen wir daraus? Mike Büskens ist nicht Hans Meyer. Da lacht der Cluberer. So viel Derby-Kolorit darf an dieser Stelle sein.

Doch die Kindereien von Kevin Großkreutz nerven. Wenns denn überhaupt Kindereien waren und nicht gar rassistische Sprüche (was Großkreutz bestreitet). Erst das homophobe Banner auf der Südtribüne am Samstag, jetzt der Kevin – wäre schön, wenn Jürgen Klopp mal dazu Stellung beziehen würde.

Kategorien: DFB-Pokal

FC Bayern – FC Basel 7:0

Von 14. März 2012 um 00:49 Uhr

Mia san mia! Überragende Bayern ließen nie einen Zweifel daran aufkommen, wer trotz Hinspielniederlage ins Viertelfinale einziehen würde. Vor allem die beiden Flügelstürmer rissen große Löcher in den allerdings ohnehin löchrigen Verbund des FC Basel. In der ersten Halbzeit zerstörte Robben die linke Abwehrseite, in der zweiten Ribéry die rechte. Auch die beiden Basler Innenverteidiger erlebten einen Albtraum.

Zudem schoss Mario Gomez vier Tore. Zwei davon hätte auch Marcel Reif reingemacht, die zwei anderen waren gehobene Klasse. Es war Gomez’ elfter Hattrick in den vergangenen anderthalb Jahren. Bemerkenswert: Fünf der sieben Tore wurden mit links vorbereitet, vier von sieben mit links geschossen. Die Bayernfans machten von den bereit gelegten Klatschpappen ausgiebig Gebrauch. Wenn es sich nicht um ein Champions-League-Achtelfinale gehandelt hätte, hätte einem die Abwehr der Gäste Leid tun können.

Vor dem Spiel waren die Bayern unter Druck. Es war schwer vorhersehbar, wie sie sich gegen den lange ungeschlagenen David aus der Schweiz schlagen würden. Von Basel hatte man selbstbewusste Töne gehört. Der deutsche Trainer Heiko Vogel hatte vor dem Spiel vorausgesagt, dass sein Team keineswegs so viele Gegentore bekommen würde wie Hoffenheim am Samstag.

Am Beginn war auch zu sehen, dass es die Schweizer mit Pressing versuchen wollten. Doch heute war für sie nichts, aber auch gar nichts zu holen. Das Ergebnis fiel kein bisschen zu hoch aus. Ein zu unrecht aberkanntes Tor wollen wir zwar nicht unterschlagen. Es wäre das 5:1 gewesen, doch vermutlich hätte das die Deutschen noch mehr gereizt.

Allerdings bleibt den Bayern der Ruf, störanfällig zu sein. Finden Sie ins Spiel, gehen sie in Führung, legen sie Feuer. Dann gewinnen sie mal eben so hoch wie Barca (sogar noch eins höher), so wie Gomez fast so viele Tore schoss wie Messi letzte Woche. Entschlüsselt der Gegner den FCB-Code, wie einige Male in der Bundesliga erlebt, ist das Heynckes-Team oft nicht mal zu knappen Siegen fähig.

Für das deutsche Titelrennen verspricht die heutige Performance der Roten Spannung. International glauben sich die Bayern auf dem Weg nach München, wo im Mai das Finale stattfinden wird. Wenn das Los ihnen bis dahin die beiden spanischen Teams erspart, stehen ihre Chancen gut. Die Position des Trainers ist jedenfalls gefestigt. Übrigens, Henyckes ist noch nie in der Champions League ausgeschieden, er war nie schlechter als Erster. Eine interessante Bilanz.

Endstand FC Bayern – FC Basel 7:0

81′ Tor für Bayern 7:0 Arjen Robben Glückliches Händchen von Heynckes! Der eingewechselte Schweinsteiger steckt wunderbar durch in die Gasse, Robben läuft quer, den Keeper ausspielend und schiebt rein. Jetzt darf er gehen, für Tymoschtschuk. Und klatscht sogar ab.

80′ Die Arbeitssoziologie kennt das Peter-Prinzip: In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen. Das kann man leicht in diese Champions-League-Saison übertragen – und zwar auf den FC Basel und Bayer Leverkusen.

70′ Schweinsteiger, den die Bayernfans bislang weniger vermisst haben als vielleicht erwartet, kommt für Müller. Jetzt will Heynckes es zweistellig machen.

67′ Tor für Bayern Mario Gomez 6:0 Zum dritten Mal nacheinander die Kombi Ribéry/Gomez, diesmal nach GLPR (Grundlinienrückpass). Gomez=Messi-1.

Für alle die es nicht im TV sehen können: Ja, sie stoßen wirklich immer von der Mitte an.

61′ Tor für Bayern 5:0 Mario Gomez Eine gelupfte Zehnmeterflanke von Ribéry nickt Gomez simpel ein. Noch zwei bis Messi. Und einen bis lupenrein.

55′ Die Gäste verteidigen heute, als wären sie noch auf der Basler Fasnacht. Müsste mit dem Teufel zugehen, wenn hier kein Tor mehr für die Bayern fällt. Schwache taktische Leistung, wird sich auch der deutsche Trainer Heiko Vogel fragen und fragen lassen müssen. Immerhin nimmt man in Hamburg das Geschehen mit ein wenig Erleichterung zur Kenntnis, denn man hat sich hier zu fragen begonnen, ob man nicht den falschen der beiden Basler Trainer verpflichtet hat.

50′ Tor für Bayern 4:0 Mario Gomez Ribéry setzt sich durch und flankt mit links, Gomez schaufelt ihn mit links ins kurze Eck rein. Sehr guter Abschluss. Marcel Reif sagt: “Jetzt braucht Basel nur noch drei Tore.” Vorsicht, Ironie!

Halbzeit Bayern – Basel 3:0 Der Sack ist wohl schon zu. Die Bayern sind sehr ballsicher, greifen variabel an, schießen auch mal aus der zweiten Reihe, proben viele Flanken, auch wenn sie noch genauer kommen sollten. Basel ist chancenlos, über die gesamte Spielzeit unterlegen. Die linke Abwehrseite der Schweizer erlebt einen schwarzen Tag.

Bayern könnte noch höher führen, hätte zumindest schon früher das zweite Tor nachlegen dürfen. Nicht zu erkennen, wie noch mal Spannung in das Spiel kommen sollte.

44′ Tor für Bayern 3:0 Mario Gomez Freistoß Kroos hinter den langen Pfosten, Badstuber legt quer, und Gomez nimmt aus einem Dreiviertelmeter Entferung Maß.

42′ Tor für Bayern 2:0 Thomas Müller Robben flankt und Müller steht am kurzen Pfosten. Der xte Angriff über die linke Abwehrseite der Schweizer.

40′ Ein Torschuss von Basel und zwar kein schlechter. Streller flankt auf Frei, der einen Drop-Kick knapp drüber spreizt. Zwei ausgemusterte Bundesligarecken erschrecken Neuer.

34′ Neuer spielt auch mit, jetzt haben wir es alle gesehen. Er pflückt eine Ecke. Drei Minuten später noch mal dasselbe in Grün.

27′ Robben versucht eine Kopie von Manchester 2010, einen Eckball als Volley von der Strafraumkante. Doch der Ball eiert wie eine alte Schellack-Platte hoch, immer höher in den Strafraum. Dennoch Szenenapplaus für den Holländer.

22′ Müllers Kopfball nach einer Ecke kratzt der Schweizer Keeper von der Linie. Das sieht nach einem baldigen 2:0 aus. Aber wie sagte Heribert Faßbender im EM-Finale 92 in der 78. Minute: “Die Dänen werden müde.”

12′ Zwei große Chancen für Gomez. Das sieht nicht so aus, als wüsste Basel, wie man sich dem FC Bayern in den Weg stellt. Wird’s wieder ein 7:1?

10′ Tor für Bayern 1:0 Arjen Robbben Ein verunglückter Schuss von Kroos fällt Robben auf den linken Schlappen, und der staubt aus elf Metern ab.

8′ Bayern sehr aktiv und willig, aber auch Basel steht nicht nur hinten drin. Erstaunlich viel Freiraum für beide.

3′ Erstes Highlight: Gomez bekommt den Ball auf den kleinen Torero. Mit dem hat er schon mal ein Tor geschossen.

Aufstellung

FC Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Gustavo, Kroos – Robben, Müller, Ribery – Gomez

Schweinsteiger auf der Bank

FC Basel Sommer – Park, Abraham, Dragovic, Steinhoffer – F. Frei, Xhaka, Cabral, Shaqiri – Streller, A. Frei

Vorbemerkung

Uli Hoeneß stellte sich nach dem Sieg gegen Harmlos Hoffenheim hinter seinen Trainer und Freund: “Es werden sich viele noch wundern, wie lang Jupp Heynckes hier arbeiten wird.” Damit hat er Zeitungsberichte über angebliche Trennungsgerüchte gekontert, die niemand sonst gelesen hatte. Da nahm es einer mit Windmühlen auf. Das 7:1 (die übliche Klatsche für ein Babbel-Team) hat die Stimmung gedreht, doch nicht alle lassen sich davon blenden, Christian Eichler von der FAZ etwa zählt zu den Skeptikern.

Noch gilt der FC Basel als Außenseiter, aber durch seinen 1:0-Sieg im Hinspiel nicht mehr ganz so dolle wie zuvor. Sollten sich die Bayern heute schwertun, sollten sie gar in Rückstand geraten, könnte die Partie zur Nervensache werden. Ruhe kommt ohnehin erst dann rein, wenn sie 3:0 führen. Für die Bayern und Heynckes steht also viel auf dem Spiel, denn Hoeneß sagte auch: “Wenn wir gegen Basel nicht weiterkommen, kann die Saison nicht mehr gut werden.”

Das Achtelfinalrückspiel, das die letzte Champions-League-Partie dieser Saison mit deutscher Beteiligung werden könnte, wird bedenklicherweise im Bezahlfernsehen versteckt. Denn solange mehr als ein deutscher Verein im Wettbewerb ist, darf Sat1, der Inhaber der Free-TV-Rechte, nur die Begegnungen am Mittwoch übertragen. Nun könnte man sich blöd stellen und einwenden, dass Bayer Leverkusen schon letzte Woche rausgeflogen ist. Rein vom Ergebnis her dürfte es daran wenig Zweifel geben, auch ist ein Ausscheiden kein bürokratischer Akt, der erst nach Ablauf einer Einspruchsfrist vollzogen ist. Doch der Haken ist: Das war ebenso Achtelfinale. Bei der Entzerrung des Champions-League-Kalenders kann man schon mal den Überblick verlieren.

Wie auch immer, wir sind ja für Sie da. Ab etwa 20.30 Uhr bloggen wir aus einem bürgerlichen Hamburger Stadtteil live und freuen uns auf Ihren Sermon in den Kommentaren.

Kategorien: Champions League