BenachrichtigungPfeil nach linksPfeil nach rechtsMerklisteAufklappenKommentareAbspielenPauseAbspielenWiederholen
 

Wrestling Bash

Wenn schon einen draufmachen, dann ordentlich. Das „Rock’n’Roll Wrestling Bash“ vereint Musical, Comedy, harte Muskeln und laute Musik.

Ins Weihnachtsmärchen können ja die anderen gehen. Im Gruenspan widmet man sich lieber einem krassen Gegenprogramm: Wrestling zu Rock-’n‘-Roll-Musik. Im Detail heißt das genau das, wonach es klingt. Während sich das Wrestling Bash Orchestra metaphorisch gesprochen die Gitarren und Bassläufe auf der Bühne um die Ohren haut, tun es ihnen die maskierten Herren und Damen der Galactic Trash Wrestling Alliance im Ring völlig unmetaphorisch gleich. Dabei hegen die Akteure noch den Anspruch, dass ihr Kampf nicht einfach möglichst schmerzhaft aussehen und klingen soll, sondern dem Publikum nebenher eine Geschichte vermittelt wird. So entsteht ein Rock-’n‘-Roll-Musical, das Trash zur gewaltigen Kunstform erklärt und neben stählernen Fäusten auch manch Lachmuskel in Bewegung bringen dürfte.

 

Trash im Lichtmess

Filmjournalist Christian Keßler liest aus seinem Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof – 40 Gründe, den Trashfilm zu lieben“ und zeigt Filmausschnitte.

Der wagemutige Filmjournalist Christian Keßler erkundete ein Genre, das andere wohl als den Dreck unterm Fingernagel der Filmindustrie bezeichnen. Er tauchte ein in die Welt des Trashkinos und schrieb ein Buch über seine Recherche mit dem Titel Wurmparade auf dem Zombiehof – 40 Gründe, den Trashfilm zu lieben. „Es gibt eine Welt, in der menschenfressende Kaninchen und Motorradfahrer mit Truthahnköpfen leben. Sie befindet sich auf der anderen Seite der Leinwand, weit jenseits der gewohnten Unterhaltungsstrategien Hollywoods“, heißt es auf der Homepage des Lichtmess Kino. Hier liest der Autor am 18. Dezember aus seinem Werk und illustriert diesen Ausflug mit Filmausschnitten. Übrigens ist Christian Keßler der Meinung, dass der Begriff „Trash“ viel zu oft mit „Schrott“ gleichgesetzt wird. Er schreibt in einem Facebook-Post:

„Das Wort „Trash“ nagt an mir. Ich habe den Begriff im Untertitel meines Buches verwendet, weil ansonsten fast niemand gewußt hätte, wovon das Buch handelt. Absonderliches Kino? Klabauterfilme? (…) Ich fand es ganz passend, dem Begriff gleich im Vorwort zuleibe zu rücken. Trashkino ist Mist. Mit Trashkino putzt man sich den Popo ab. Was wirklich verherrlichenswert und dokumentierenswert ist, ist Schönheit. Schönheit hat ja manchmal eine krumme Nase oder mulmige Angewohnheiten. Aber man weiß sie zu schätzen, denn sie veredelt den Pfad durch das Schnöde.“

Text: Lena Frommeyer

 

Doppelsechs

Der unkonventionelle Fußball-Talk mit den Journalisten Hendrik von Bültzingslöwen und Ole Zeisler geht am 18. Dezember im Knust über die Bühne.

Noch x Mal schlafen (bitte je nach Datum die verbleibenden Tage einsetzen), und dann ist es soweit: DoppelSechs, die zarteste Versuchung, seit es Fußball-Talk gibt, bittet mal wieder zur alljährlichen Weihnachtsgala. Welche knallharten Themen bringen die zwei Macher, Chefredakteur Hendrik von Bültzingslöwen und Herausgeber Ole Zeisler, wohl diesmal zur Sprache? Enthüllen sie womöglich die Schablone, mit der der DFB-Coiffeur Spielern wie Kroos, Mertesacker, Klose, Lahm und Kramer die Haare rasiert? Oder verraten sie uns die wahren Gründe dafür, warum sich Falko Götzs Trainertraum in Aue ausgeträumt hat? Oder haben die beiden eventuell den Live-Ticker-Volontär der Sportschau mit dabei, der uns seine obsessive Liebe für den RB Leipzig erklärt? Heute gibt’s in gewohnt knallharter Manier die Antworten – mit den Gästen Jan-Philipp Kalla, Patrick Owomoyela und Jeaninne Michaelsen.

 

„Honka“

Die Kriminaloperette über den Altonaer Serienmörder ist ein Mordsspektakel. Weitere Vorstellungen finden am 19., 20., 26. und 27. Dezember statt.

Während im Dezember harmlose Weihnachtsstücke auf den Hamburger Spielplänen stehen, bürstet das Lichthof Theater die allzu besinnliche Stimmung traditionell gegen den Strich. Honka – Frauenmörder von Altona sorgt 2014 dort für die Bescherung. Autor, Regisseur und Bühnenbildner Marcel Weinand bringt bereits zum 13. Mal wenig Märchenhaftes, dafür extrem Unterhaltsames auf die Bühne. Nach Mord nach Spielplan im Jahr 2013 ist Honka nun der zweite Teil einer Trilogie über Serienmörder. 2014 inszeniert er ein Mordsspektakel, zu dem Lichthof-Komponistin Eva Engelbach Songs samt Texten liefert.

Zwischen 1970 und 1975 ermordete Fritz Honka vier Frauen, die nach ihrem Verschwinden niemand vermisste. „Diese Frauen, die ja naturgemäß nie zu Wort kamen, werden wir als Opferchor auftreten lassen“, erläutert Marcel Weinand. Über die Motive des Mörders wurde viel spekuliert, um (verweigerten) Sex soll es gegangen sein. Marcel Weinand zweifelt: „Das ist doch kein Motiv, um eine Frau zu zerteilen, sie in Plastiksäcke zu füllen und hinter eine Gipskartonwand zu packen.“ Dort wurden die Leichenteile 1975 per Zufall in Honkas Wohnung entdeckt. Es folgte ein Medienspektakel enormen Ausmaßes, sogar ein Lied kam auf den Markt: Gern hab‘ ich die Frauen gesägt. Nun wird der historische Kriminalfall zum Musiktheater. Und wenn er nicht 1998 gestorben wäre, dann …

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

James Joyce’s Molly

Selbstbehauptung und Widerstand: Die österreichische Schauspielerin Chris Pichler ist als Molly Bloom im Monsun Theater zu Gast.

Den einen gilt James Joyce’ Roman Ulysses als unlesbares Machwerk, den anderen als geglücktes Experiment, das zu Weltliteratur wurde. Beschrieben wird darin ein gewöhnlicher Tag im Leben des Dubliners Leopold Bloom. Das als Monolog der Molly Bloom berühmt gewordene Schlusskapitel ist Legende, ein Gedankenstrom zwischen Wachsein und Traum. Während sie nachts im Bett liegt, wird Leopold Blooms Frau von einer Nebenfigur zur Hauptperson des Romans, zu einem gnadenlosen Gedankenspeer, und setzt sich im retrospektiven Erleben stolz und unversöhnlich mit der Welt auseinander. Das Gefühl des Seins im Hier und Jetzt, so bewies es James Joyce in seinem Buch, weiß die Literatur durchaus zu vermitteln. Die mit dem ORF-Hörspielpreis als beste Schauspielerin des Jahres ausgezeichnete Österreicherin Chris Pichler ist als Molly Bloom zu Gast im Monsun Theater. Sie gibt dem Monolog Stimme und Gestalt. Mit ihrer Interpretation nähert sie sich der klassischen Vorlage als moderne Frau und zeigt, dass mit ein wenig Humor Weiblichkeit und Selbstbehauptung kein Widerspruch sein müssen.

Text: Reimar Biedermann

 

The Buttshakers

Soul, Rock, Rythm und verdammt viel Stimme – die französische Band bringt das Molotow zum Beben.

„Bei Oma in der Küche liefen früher Aretha Franklin und Tina Turner“, erzählt The-Buttshakers-Sängerin Ciara in Interviews und man kann sich gut vorstellen, dass Oma alle Hände voll zu tun hatte mit einer Enkelin, die laut singend durch die Küche hopste. Chiara Thompson ist ein Energiebündel mit Soulstimme, eine Musikerin, die ihr Publikum um den Finger wickelt. Vielleicht kommt daher der Name der französischen Formation, in dem weniger die Aufforderung als mehr die unweigerliche Konsequenz eines energetischen Konzertabends mitschwingt. Oder eben mitshaket. Die musikalische Grundlage bildet dabei Rythm ’n‘ Blues, der Mal zum Nothern Soul und Mal zum Garage-Rock abgleiten, aber im Kern ungehobelt und zielsicher den Hintern in Bewegung versetzt. The Buttshakers vollführen live eine dreckig-rockige Ehrung der großen Soul-Stimmen der letzten Jahrzehnte.

 

„Spirit“

Brüder im Geiste: Sidi Larbi Cherkaoui und Seburo Teshigawara präsentieren ihre Tanzstücke „Noetic“ und „Metamorphosis“ auf Kampnagel.

Der eine hat multikulturelle Wurzeln und begann seine Tanzkarriere mit Hip-Hop von der Straße. Der andere genoss eine traditionelle Ballettausbildung samt künstlerischer Allround-Bildung. Dennoch erscheinen der flämisch-marokkanische Sidi Larbi Cherkaoui und der Japaner Seburo Teshigawara wie Brüder im Geiste: Spirit heißt der Doppelabend übergreifend, für den die beiden Weltstars des zeitgenössischen Tanzes unterschiedliche Beiträge liefern. Cherkaouis Noetic überträgt das kosmische Ordnungsprinzip auf bewegte Individuen; in Metamorphosis legt Teshigawara eine Bühnenlandschaft aus tanzenden Menschenkörpern an, die als Metapher für das Leben schlechthin gesehen werden kann. Gemeinsamer Nenner der beiden ist die schwedische Göteborgs Operans Danskompani, ein fortschrittliches Ballettensemble, mit dem die zwei Werke in sehr unterschiedlichen choreografischen Handschriften entstanden.

Text: Dagmar Ellen Fischer

Metamorphosis, a part of Spirit (2014) from GöteborgsOperan on Vimeo.

Noetic, a part of Spirit (2014) from GöteborgsOperan on Vimeo.

 

Graphic Novel

Max Mönch, Alexander Lahl und die Illustratorin Kitty Kahane stellen ihr neues Buch „Treibsand“ vor. Moderation: Friederike Moldenhauer und Tina Uebel.

Weniger ist mehr – der Yachtclub konzentriert sich in seiner Dezember-Ausgabe auf ein einziges Werk, das umso mehr zu sagen hat. Diesmal an der Reihe: Treibsand: Eine Graphic Novel aus den letzten Tagen der DDR von Max Mönch, Alexander Lahl und der Illustratorin Kitty Kahane. Der Protagonist Tom Sandman kommt 1989 aus China zurück, wo er als Korrespondent Zeuge eines Massakers wurde. Zu Hause in New York verlässt ihn seine Freundin, sein Aquarium wird zum Kriegsschauplatz, und sein Chef, überzeugter Antikommunist, schickt ihn direkt ins nächste Krisengebiet: Berlin. Begleitet von üblen Zahnschmerzen und wüsten Träumen reist Sandmann in ein untergehendes Land. „Die Dramaturgie ist packend und fantasievoll, die Bildsprache tiefgründig und allegorisch, die sensible Farbgebung trägt zur Wirkung bei,“ urteilte Tip Berlin. Skipper an diesem Abend sind, wie immer bei Yachtclub-Events, Lektorin Friederike Moldenhauer und Schriftstellerin Tina Uebel.

 

„Patong Girl“

Eine Mittelstandsfamilie verbringt das Weihnachtsfest in Thailand. Der Sohn verliebt sich … Regisseurin Susanna Salonen und Darsteller kommen zur Vorführung.

So hatte sich Mutter Schröder (Victoria Trauttmansdorff) den Weihnachtsurlaub in Thailand nicht vorgestellt: Statt im Sterne-Hotel wird die Familie in einer Pension untergebracht, dann stellt sich heraus, dass es in Phuket auch außerhalb der Regenzeit ganz ordentlich gießen kann, der sexuell entwöhnte Gatte starrt den schlanken Thai-Mädchen hinterher, und schließlich schleppt Sohn Felix auch noch eine thailändische Freundin an. Klar, dass für Mutter Schröder das Mädchen eigentlich nur eine Prostituierte sein kann. Patong Girl führt in ein interessantes – weil vertrautes – Milieu, in einen gebildeten, sich vorurteilslos wähnenden Mittelstand, dessen Angehörige sich auf Reisen nicht mit dem Resort begnügen, sondern auch Land und Leute kennenlernen wollen, und dort schrecklich deplatziert sind. So wie es Kataloge für alle Destinationen gibt, existiert auch ein informeller Katalog der interkulturellen Missverständnisse. Genüsslich und nicht ohne Komik blättert Patong Girl ihn auf. Die Regisseurin Susanna Salonen, in Finnland geboren und aufgewachsen in Lübeck, kommt vom Dokumentarfilm. Sie hat in Tokio als Hostess gearbeitet, auf Phuket war sie Tauchlehrerin. Das kommt ihrer deutsch-thailändischen Co-Produktion sehr zugute. Bei allem Sinn für Exotik entsteht ein Eindruck von Authentizität. Das macht Patong Girl zu einem Film, der in jedes Reisenecessaire gehört.

 

Wie wird das Jahr 2071?

Klimaforscher Chris Rapley wirft einen Blick in die Zukunft. Für seine Prognosen inszenierte Regisseurin Katie Mitchell einen Performance-Vortrag.

Das Jahr 2071 liegt noch exakt 57 Jahre in der Zukunft. Die meisten von denen, die diesen Text hier lesen, werden dann wohl nicht mehr leben – im Gegensatz zu unseren Kindern und Enkelkindern. Der britische Wissenschaftler Chris Rapley hat als Professor für Klimaforschung am University College London die Zukunft der Erde fest im Blick. Er rechnete aus, dass im Jahre 2071 sein erster Enkel so alt sein wird wie er jetzt selbst jetzt. Und die Welt mit Sicherheit eine andere. Toller Stoff für die Bühne. Die britische Regisseurin Katie Mitchell entwickelte dafür gemeinsam mit dem Autor Duncan Macmillan eine Präsentationsform – eine Mixtur aus Performance und Vortrag. So erhält Chris Rapley einen Rahmen, um Fragen zu beantworten, die wir uns wohl alle stellen: Was macht der Klimawandel mit der Erde? Wie und wann wird sich die Welt verändern? Was können oder müssen wir heute tun? Oder ist es bereits zu spät? Nach der Uraufführung am Royal Court Theatre London ist die Inszenierung nun im Schauspielhaus zu Gast. Die Vorführung ist in englischer Sprache, wird aber mit deutschen Übertiteln für ein breites Publikum verständlich gemacht.

Text: Miriam Mentz