Die Frage nach Opfer- und Täterschaft der Frauen im Krieg ist eine nicht besonders häufig behandelte Materie. Die Hamburger Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili wagt sich im Stück Der Herbst der Untertanen an das sensible Thema heran – mit einem beklemmenden und befremdlichen Bild: Seit der General fort ist, sind längst alle Angestellte aus der herrschaftlichen Villa geflohen, vor deren Fenster seit Wochen der Bürgerkrieg tobt. Fast alle. Die dienstälteste Köchin Rina, die zynische Haushälterin Kaela und die überforderte Aushilfe Luci versuchen sich hinter den dicken Mauern vor der chaotischen und grausamen Außenwelt abzuschotten. Aber Krieg ist nicht nur draußen: Zwischen Rina und Kaela bricht ein Machtkampf um die Vorherrschaft im Haus aus, bei dem die unbedarfte Luci zwischen die Fronten gerät. Sie lernt, dass konstruierte Schutzzonen auf Dauer nicht halten und Grausamkeit nicht verschwindet, wenn man sie ignoriert. Die Premiere im Off-Theater Lichthof am 11. April ist bereits ausverkauft, aber Tickets für den 12. und 13. April sind weiterhin verfügbar.
Das Telefon klingelt. Im Display erscheint eine Nachricht: „Bitte nehmen Sie das Gespräch entgegen.“ Man führt den Hörer ans Ohr und eine fistelige Stimme sagt: „Dagobert hier. Es geht um die nächste Geldübergabe …“ Dann lauscht man dem Originaltelefonat zwischen Kaufhauserpresser Arno Funke und dem Polizei-Ermittler. Solche interaktiven Elemente sind die Stärke vom neuen Polizeimuseum Hamburg. Bisher waren die Exponate als Lehrmittelsammlung der Aus- und Fortbildung dem Polizeinachwuchs vorbehalten. Besonders im Dachgeschoss jagt ein Schauer den nächsten: Werkzeuge, Tatwaffen sowie Ton- und Filmaufnahmen der acht spektakulärsten Kriminalfälle der Hansestadt werden präsentiert und die dazugehörigen Geschichten erzählt. In den Vitrinen liegen die Säge des Frauenmörders Honka, die gefälschten Hitler-Tagebücher und auch die Waffen des „St.-Pauli-Killers“. In den Etagen darunter lernt der Besucher die Techniken der Tatort und Spurensicherung kennen. Außerdem zeigt das Museum ausgewählte Exponate aus 200 Jahren Polizeigeschichte – von der Pickelhaube aus der Kaiserzeit über den Nachbau einer originalgetreuen Sechziger-Jahre-Polizeiwache (Foto) bis zum modernen Kampfanzug.
Künstlerin Nadine Wölk ließ sich vom Jugendwort des Jahres 2012 inspirieren: Yolo, ausgeschrieben: You only live once, ist das Motto der Generation Y, also jenen Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden und als „Freizeitoptimierer“ gelten. Nadine Wölk ist selbst Mitglied dieser Altersgruppe, die mit dem Handy groß geworden ist – vielleicht gelingt ihr deshalb in ihren Bildern ein so treffender Blick. Die Künstlerin malte Gleichgesinnte in hipper Streetwear. Auf den Leinwänden sieht man junge Menschen in Kapuzenpullovern, die aus Plastikbechern Bier trinken, Grimassen schneiden, mit besoffenem Blick grölend durch die Nacht streifen – aber auch ruhige Szenerien hielt Nadine Wölk mit Acrylfarbe fest, Frauen mit Turnbeuteln auf dem Rücken, die man so auf jedem Festival treffen würde oder vermummte junge Protestler mit festem Blick. Die Bilder wirken wie Schnappschüsse, wie Fotos, die man aus sozialen Netzwerken kennt.
TEXT: LENA FROMMEYER
Ausstellung: 28. März bis 7. Mai Mi-Fr, 14-18, Sa 12-16 Uhr
Regelmäßig stehen beim Singer Slam zehn Musiker in den Zeise Kinos am Mikro, tragen ihren selbst geschriebenen Song vor und die spontan erwählte Publikumsjury bestimmt einen Sieger. Die Monatsgewinner wollen nun in einer Art Endkampf im Schauspielhaus ermitteln, wer der beste Songschreiber, Sänger und Instrumentalist der aktuellen Saison vom Kampf der Künste ist.
Finalisten-Duo Byebye
Tilman Birr darf seinen Titel verteidigen. Der schwarzhumorige Liedermacher ist ursprünglich Poetry Slammer, veröffentlichte aber 2013 sein erstes Musikalbum Die Gesellschaft verurteilt so was schnell. Im gleichen Jahr erhielt er auch den Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises. Ihn fordern unter anderem die Band Byebye mit lockeren Gitarrenklängen sowie Sängerin Natascha Bell heraus, die viele aus der ersten Staffel der Casting-Show The Voice of Germany kennen. Wie gewohnt führt Entertainer Michel Abdollahi durch den Abend.
Wenn es in Ontario langsam dunkel wird, der Nebel aufzieht und man für diese leicht schaurige Kulisse einen Soundtrack bräuchte, wäre ein Song der Band Timber Timbre ein guter Kandidat. Zum einen, weil das Folk-Kollektiv aus der kanadischen Provinz stammt und die Gegend wie seine Westentasche kennt. Zum anderen, weil Frontmann Taylor Kirk früher Filmstudent war und ein gutes Gespür für Soundtracks hat. Der Meinung waren auch die Macher der US-TV-Serie Breaking Bad, die den Song Magic Arrow in der dritten Staffel verwendeten, um eine wohlig-gruftige Atmosphäre zu erzeugen. Düster und geheimnisvoll ist auch das neue Album Hot Dreams. Taylor Kirk charakterisierte den eigenen Sound mal als „Gothic Rockabilly Blues“ – das trifft die Sache ziemlich gut.
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Bulgarische Gedichte sichtbar machen – dieser Herausforderung stellten sich Illustrationsdesign-Studierende der Hamburger Technischen Kunstschule. In einem Seminar setzten sie ausgewählte Lyrik junger bulgarischer Autoren und Autorinnen visuell um. In den bearbeiteten Gedichten, eines davon trägt den Titel Hiesiger Blues, geht es oft um Liebe und Freundschaft, Abschied und Tod. Neben dem Inhalt sollte bei der optischen Übersetzung auch der visuelle Rhythmus der Werke erspürt und in eine eigene Bildstruktur übersetzt werden. Die Zeichnungen werden im Rahmen einer Ausstellung und Lesung unter dem Titel Hiesiger Blues. Bulgarische Lyrik trifft Hamburger Illustration an der Hochschule vorgestellt. Unter anderem ist die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft Hamburg e.V. an der kulturübergreifenden Veranstaltung beteiligt.
Wenn Sympathieträger aufeinandertreffen: Die Hasenschaukel in der Silbersackstraße hat sich mit ihren grünen Stofftapeten, den Lampen aus Puppen-Reifröcken und einem ausgewählten Livemusikprogramm zur Lieblingsbar vieler Hamburger gemausert. Der kanadische Singer-Songwriter Craig Bjerring alias Oldseed macht wohlig-warme Folkmusik, plaudert bei Konzerten gerne mit dem Publikum und erfindet Geschichten. Am 9. April macht es sich der bärtige Musiker in der Hasenschaukel gemütlich, packt seine Gitarre und sein Akkordeon aus und stellt den Reiserucksack in die Ecke. Es ist nicht das erste Mal, dass Craig Bjerring in der Bar auftritt, jedoch wohl das letzte Mal. Im Mai schließt die Hasenschaukel. Die Betreiber sagen, dass ihre Gäste diese Gratis-Konzerte lieben, aber kaum Geld für Getränke ausgeben und sich der Betrieb nicht rentiert. Ein Grund, das Konzert besonders zu genießen.
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Alleine vor dem Fernseher mit Stricknadeln zu hantieren, macht einen trutschigen Eindruck. Mit seiner Wolle in den Strickklub zu gehen, ist hingegen ziemlich cool. Einmal im Monat (jeden zweiten Mittwoch) trifft sich die Handmade-Szene im Konsumkulturhaus Lokal e.V., um sich auszutauschen und gemeinsam an Strickprojekten zu arbeiten. Masche für Masche entstehen Schals, Pullover oder auch mal eher untypische Entwürfe – etwa eine umstrickte Vase als Wohnaccessoire. Willkommen sind sowohl Anfänger als auch Profis. Am 9.4. öffnet die Bar ab 19 Uhr und man verbringt einen netten Abend inmitten von Wollknäueln. Und wer lieber häkelt, darf auch zum Strickklub kommen.
Wer A sagt, muss auch B sagen. Wer ein Theaterstück über den Striptease inszeniert, muss auch in einem Tabledance-Laden auftreten – das Off-Theaterfestival 150 % Made in Hamburg hält sich daran. Das Regie-Duo Monika Truong und Thom Reinhard erklärt in Watch me Strip! den erotischen Tanz zur ernsten Kunstform und zeigt, dass er mehr kann, als bloß sexy zu sein. Sie arbeiteten dafür mit vier Künstlern zusammen, deren Biografien vom Schauspiel über Bewegungs- und Tanztheater bis zur bildenden Kunst reichen. Die gemeinsam konzipierte Striptease-Nummer zeigen sie in Susis Show Bar auf dem Kiez. Anders als beim üblichen Blankziehen wird vor den Augen des Publikums der Striptease analysiert, dekonstruiert und neu erfunden. Wichtiger Hinweis: Der Zutritt ist ab 18 Jahren, Karten gibt es nur an der Abendkasse im Kulturwerk West und wer keine Festivalkarte vorweisen kann, zahlt normale Susis-Show-Bar-Preise!
Vom ästhetischen Experiment bis zur großen Erzählung – rund 50 Beiträge werden im Rahmen der 11. Dokumentarfilmwoche gezeigt. Im Fokus steht 2014 das Thema Migration. Besonders sticht die historische Recherche von Eva Knopf im Programm heraus, welche die Existenz von schwarzen Komparsen in der deutschen Filmgeschichte thematisiert. Die Filmemacherin zeigt das bedrückende Leben von Mohamed Husen (1904–1944), der in „Deutsch-Ostafrika“ zur Welt kam, als Kindersoldat gegen die Briten im Ersten Weltkrieg kämpfte, auf einem Hamburger Schiff anheuerte, sich aus Geldnot heraus als Eingeborener in der Deutschen Afrika-Schau vorführen ließ, kleine Rollen in kolonialpropagandistischen Spielfilmen besetzte und schließlich wegen „Rassenschande“ bei den Dreharbeiten 1941 verhaftet und ins KZ gebracht wurde. Majubs Reise wird am 12. April im Lichtmeß Kino gezeigt. Der Festivalmarathon selbst startet am 9. April mit dem Eröffnungsbeitrag Souvenir: Aus Hunderten von Stunden Filmmaterial eines durch Entwicklungsregionen reisenden – und sehr mitteilungsbedürftigen – Journalisten hat Regisseur André Siegers seinen Beitrag zusammengestellt.
Dokumentarfilmwoche: 9. bis 13.4. im Metropolis, 3001 Kino, B-Movie, Lichtmeß, Centro Sociale
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