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Zehn Wetten für 2014

 

Ein beliebter Spruch von Wertpapierhändlern lautet: If in trouble, double! Frei übersetzt, wenn Du mit Deiner Wette hinten liegst, verdoppele einfach den Einsatz. Die Wahrsage-Hirten des Herdentriebs, Dieter Wermuth, Lucas Zeise und Robert von Heusinger, versuchen indes aus Erfahrung klug zu werden. Sie gelobten bei ihrem traditionellen Glaskugelgucken für 2014 etwas weniger pessimistisch zu sein als im Vorjahr. Denn die Wetten für 2013 waren für das erfolgsverwöhnte Trio eine herbe Enttäuschung. Deshalb wählten die drei Volkswirte mal keine Kneipe und kein Bier, sondern legten die Kugel auf ein weißes Tischdeckchen eines berühmten Frankfurter Cafés und schlürften Tee. Herausgekommen sind – wen wundert‘s – zehn nüchterne Wetten.

Unser großes Bild zeigt den Fortgang der weltwirtschaftlichen Erholung, angetrieben durch vernünftige, pragmatische keynesianische Geld- und Fiskalpolitik in den USA. Amerika, Du hast es besser! Wir stellten uns vor, wie es um die Weltwirtschaft stünde, wenn auch die USA so wie Euroland das Maastricht-Defizitkriterium erfüllen würde, wenn auch die Bilanz der US-Notenbank Fed wie die der Europäischen Zentralbank (EZB) schrumpfen würde, wenn auch die USA die Welt mit Leistungsbilanzüberschüssen quälten wie es Euroland seit zwei Jahren tut. Und wir hatten absolutes Verständnis für EZB-Chef Mario Draghi, der den Deutschen perverse Ängste vorwirft. Ja, diese Ängste resultieren aus den Denkmustern der hierzulande noch immer tonangebenden Ökonomen, die die Saldenmechanik ausblenden, das Trauma der Hyperinflation am Leben halten, Keynes einfach nicht verstehen wollen – den Zusammenhang zwischen Staat und Privatwirtschaft vermittelt über die Finanzmärkte. Aber okay, das ist das HERDENTRIEB-Mantra. Damit sich das Verständnis des Kapitalismus in Deutschland mal ändert, dafür haben wir den HERDENTRIEB 2005 gegründet. Deshalb schreiben wir dieses Blog!

Mit Blick auf die Eurokrise sind wir ebenfalls optimistischer als im Vorjahr. Seit die EU-Kommission Anfang des alten Jahres still und leise das Sparparadigma etwas gelockert hat und anerkannt hat, dass der von den Deutschen verlangte scharfe Sparkurs die Staatsverschuldung nach oben treibt, seither bessert sich die konjunkturelle Lage in Euroland. Und weil es fast überall auf der Welt besser läuft, gibt’s 2014 endlich auch in Euroland wieder Wachstum. Dadurch verbessern sich die Bilanzen der Banken, wird die Pleite einer Großbank unwahrscheinlich. Diese Sorge hatte uns die 2013er Wetten vermasselt. Davon gehen wir nicht mehr aus.

Aber natürlich ist Euroland immer noch auf dem besten Weg, das neue Japan zu werden. Und das aus drei Gründen: Erstens, weil wie in Japan die Krise nicht entschlossen genug bekämpft und das aggregierte Staatsdefizit übermäßig rasch auf drei Prozent des BIP zurück geführt wurde. Das war enorm verlustreich. Die Amis liegen bei dem Doppelten. Die Fiskalpolitik tut zu wenig, was dazu führt, dass Euroland vom Ausland, dem Export abhängt – wie Japan in den 90er Jahren. Die schwache Binnennachfrage, eine Arbeitslosenquote von mehr als 12 Prozent, rückläufige Bankkredite und real sinkende Löhne deuten weiterhin auf Deflation. Nur wegen der auch in dieser Wirtschaftskrise bislang kaum beeinträchtigten Preissetzungsmacht einiger Unternehmen ist es dazu noch nicht gekommen. Zweitens wertet der Euro wegen der Leistungsbilanzüberschüsse auf, was zusätzlichen Druck auf Wachstum und Löhne ausübt. Auch das ist eine Parallele zu Japan. Und drittens werden Zombiebanken hier wie dort immer noch vor dem Tod gerettet: Keine Regierung ist bereit, „ihre“ nationalen Banken zu schließen. Mancher mag glauben, die Bankenunion könne ein entschlosseneres Vorgehen gegen den überdimensionierten Bankensektor zur Folge haben. Das ist vermutlich eine Illusion. Wir fürchten, dass die vielen Köche, die bei der Abwicklung und Rekapitalisierung der Banken mitentscheiden, den Brei verderben werden. Die Bankenunion ist darauf gerichtet, den Finanzsektor möglichst unversehrt zu lassen. Tatsächlich wurde 2013 ein Bankenkrach verhindert und – ganz wie einst in Japan – die Lage vorübergehend stabilisiert.

Nun zu unseren zehn konkreten Wetten:

  1. Die US-Notenbank wird bis Ende 2014 ihre Anleihekäufe auf null zurückfahren. Das Tapering funktioniert ohne allzu große Verwerfungen an den Kapitalmärkten und die US-Wirtschaft wächst mit rund drei Prozent. Die Notenbankzinsen werden auch Ende 2014 auf dem gegenwärtigen Niveau liegen, bei fast null Prozent (Zielband 0,0 bis 0,25 Prozent). Sollte sich die Arbeitslosigkeit rascher zurückbilden und die Rate von 6,5 Prozent in greifbare Nähe rücken, dann wird die neue Fed-Chefin Janet Yellen nicht zögern, den Zielwert auf sechs Prozent zu senken, damit sie nicht die Zinsen erhöhen muss. Warum das alles gerechtfertigt ist, hat Dieter Wermuth hier schön argumentiert (weil nämlich die US-Arbeitslosenrate das wahre Ausmaß der Arbeitsmarktprobleme untertreibt).
  2. Eurolands Wirtschaft wächst wieder – und zwar mit 1,0 Prozent, angeführt von Deutschland, dessen Sozialprodukt real um 2,0 Prozent zulegen dürfte. Damit enden zwei hässliche Rezessionsjahre, die die Arbeitslosigkeit in Euroland auf den traurigen Rekord von 12,2 Prozent getrieben hatten.
  3. Trotz der Erholung wird die EZB die Geldpolitik weiter lockern. Das kann über einen weiteren Zinsschritt auf null Prozent passieren, über negative Einlagezinsen, damit die Banken die Liquidität endlich in die Realwirtschaft pumpen und/oder über die Ausgabe neuer LTROs, zu deutsch: längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte. Während 2014 die amerikanische Notenbank die Zügel anzieht, wird die europäische Geldpolitik expansiver – das ist unsere Wette.
  4. Die lockere Geldpolitik der EZB wird auch deshalb notwendig sein, weil sich die Inflation weiter auf dem Rückzug befindet. Wir tippen auf 0,6 Prozent Preissteigerung für Euroland, womit die EZB ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent krass verfehlen wird! Deutschland dagegen dürfte auf 1,2 Prozent kommen.
  5. Der Euro wird zum Dollar weiter aufwerten. Und zwar auf 1,45 Dollar. Mit dieser Wette stellen wir uns gegen den Mainstream, der den Euro schwächer bei 1,25 Dollar je Euro zum Jahresende erwartet. Warum glauben wir, dass der Euro trotz höherer amerikanischer Zinsen und Wachstumsraten steigen wird? Weil wir davon ausgehen, dass die Leistungsbilanzsalden den Wechselkurs im laufenden Jahr bestimmen werden. Länder mit Überschüssen werten auf, Länder mit Defiziten ab. Und da sich das Leistungsbilanzdefizit in den USA wieder ausweitet, Euroland jedoch Überschussland bleibt, klettert der Euro weiter. Das ist schlecht für die Exportindustrie des Kontinents: Anders als die deutschen Ausfuhren werden die Ausfuhren der anderen 17 Länder stärker von einer Aufwertung beeinträchtigt – sie sind „preiselastischer“.
  6. Im Jahr 2014 bekommt Griechenland einen weiteren Schuldenschnitt. Diese Wette rollen wir aus dem vergangenen Jahr weiter. Wir waren 2013 einfach nur zu früh dran. Diesmal wird es ein Schnitt, der das Geld der Steuerzahler direkt tangiert, weil fast nur noch öffentliche Stellen und Banken Griechenlands Schulden halten.
  7. Die Anleihezinsen steigen am langen Ende noch etwas. Für zehnjährige Bunds sagen wir in der Spitze 2,3 Prozent voraus, was noch Kursverluste von etwas mehr als 3,5 Prozent bedeutet. Und für US-Treasuries tippen wir auf drei Prozent Rendite, was dem aktuellen Niveau entspricht. Trotz des Auslaufens der US-Anleihekäufe durch die Fed erwarten wir unveränderte langfristige Zinsen? Ja, weil es eine „natürliche Grenze“ gibt für den Abstand gegenüber den Zinsen am ganz kurzen Ende, wo die Notenbanken sie bei null Prozent halten. Denn die Banken können sich ja zu nahe null Prozent verschulden und dann den schönen Zehnjahreszins einstreichen. Dieser Mechanismus sollte dafür sorgen, dass es zu keinem Kollaps am Bondmarkt kommt, so lange jedenfalls nicht, wie die Inflationserwartungen nicht steigen. Danach sieht es nämlich nicht aus. (Wer mehr zu dieser These lesen möchte, klicke hier auf Dieters Beitrag)
  8. Die Rohstoffpreise, gemessen am GSCI, werden gen Süden tendieren. Das liegt vor allem am deutlichen Rückgang des Ölpreises. Wir erwarten für die Öl-Sorte Brent einen Preis von nur noch 75 Dollar zum Jahresende 2014 (im Dezember 2013 lag er noch bei 112 Dollar). Es gibt zum einen dank des Frackings in den USA ein großes Angebot an Öl und Gas, das die Preise drücken wird. Zudem kommen Iran und Irak als Lieferanten langsam zurück. Diese Erwartung ist ein wichtiger Grund, weswegen wir mit einer besseren Konjunktur und noch niedrigeren Inflationsraten in den westlichen Ländern rechnen. Der Rückgang des Ölpreises wirkt wie ein großes Konjunkturprogramm. Er macht die Ölkonsumenten reicher, indem er deren Kaufkraft erhöht.
  9. Mit deutschen Aktien wird aufs Jahr gesehen kein Geld zu verdienen sein. Der Dax dürfte zwar die 10.000-Punkte-Marke knacken, aber zum Jahresende 2014 bei 8500 notieren. Denn Aktien sind keineswegs mehr billig, weder in den USA noch in Deutschland. Wir glauben, dass zurückgebliebene Märkte wie Italien, Spanien und selbst Frankreich mehr Potenzial bieten! Gestützt werden die teuren Aktien von den nach wie vor mangelnden Alternativen, vor allem den niedrigen Zinsen der festverzinslichen Wertpapiere und dem Verfall der Rohstoffpreise.
  10. Unsere letzte Wette: Das Thema Wechselkurszielzonen wird eines der großen Makro-Themen des neuen Jahres. Dafür werden nicht nur Turbulenzen in den Schwellenländern mit Leistungsbilanzdefiziten sorgen (etwa Türkei, Indonesien, Südafrika, Indien) – sie leiden unter der restriktiveren Geldpolitik der USA. Auch in Euroland wird die Debatte beginnen, weil die weitere Aufwertung des Euro überhaupt nicht in die konjunkturelle Landschaft passt. Nachdem die Regulierung der Banken halbwegs vorangekommen ist, dürfte es immer mehr klugen Ökonomen dämmern, dass es ohne eine Regulierung der Kapitalmärkte nicht gelingen wird, die extreme Stimulierung des Finanzsektors zurück zu nehmen. Wechselkurszielzonen, die auf globaler Ebene unter der Schirmherrschaft des IWF verhandelt werden? So weit wird es zwar 2014 noch nicht kommen, aber die Debatte wird auflodern.

Mit diesen schönen Aussichten wünschen wir allen Lesern des HERDENTRIEB ein glückliches Neues Jahr!

Ihre Hirten

15 Kommentare

  1.   alterego

    An der Wette möchte ich mich zwar nicht beteiligen. Aber folgende Äußerung

    „Auch in Euroland wird die Debatte beginnen, weil die weitere Aufwertung des Euro überhaupt nicht in die konjunkturelle Landschaft passt“

    verlangt Widerspruch.

    Als Volkswirtschaft existiert Euroland nicht!

    Weil die Euroländer über sehr verschiedene leistungs- und wettbewerbsfähige Volkswirtschaften verfügen, passte eine Aufwertung des Euro sehr wohl in die konjunkturelle Lage des einen Eurolandes, des anderen aber nicht.

    Wer eine dermaßen unsinnige Währungsunion bastelt, wie es die Euroländer miteinander taten, darf sich nicht wundern, wenn diese ihnen immer wieder schmerzhaft auf die Füße fällt. Die Eurozonenkrux ist auch nicht durch Wechselkursmanipulationen von welcher Seite auch immer zu beheben oder auch nur zu lindern. Die Wettbewerbsfähigkeit der Euroländer im Handel miteinander beeinflussen diese nicht.


  2. Zunächst mal ein Gesundes Neues Jahr an alle Autoren hier im Blog. Zwar sind hier selten alle einer Meinung, aber das ist ja gerade das Spannende.

    Zu den Wetten: da fällt mir auf, das im einführenden Text lang und breit sowohl über Keynes als über die Parallelen zu Japan philosphiert wird, dann gibts aber keine Wette zu den „Abenomics“?
    Wollt ihr da nicht noch vielleicht noch eine 11. Wette nachlegen?

    Ansonsten habe ich mir dieses Jahr vorgenommen, auf alle Wetten meine eigene Gegenwette niederzuschreiben. Nur so zur Dokumentation.. allerdings können wir auch gerne drüber diskutieren.

    1. QE wird maximal auf 80% des aktuellen Volumens zurückgefahren, die (FED-)Zinsen bleiben nahe 0%.
    2. D wächst mit 1%, die Eurozone mit 0.4%
    3. die EZB lockert die Geldpolitik weiter, indem sie ebenfalls QE einführt. Das wird möglich, weil nach der Europawahl das Bundesverfassungsgericht mit einem bekannt salomonischen Urteil den Weg frei macht.
    4. die Inflation in der Eurozone bleibt bei „knapp unter 2%“ . Falls dem nicht so wäre, werden die Statistiken schon passend gemacht. In D wird die offizielle Zahl irgendwo bei 2.2 bis .2.6% liegen.
    5. EUR/USD Kurs bleibt nach kurzem Einbruch in etwa gleich. Ich tippe auf 1: 1.30$
    6. Schuldenschnitt für GR kommt nicht, stattdessen werden im Rahmen des QE der EZB überproportional viele griechische Anleihen gekauf.
    7. Anleihezinsen für Bunds steigen am langen Ende auf 3.5 bis 4% , weil aufgrund des QE der EZB Deutschland kein sicherer Hafen mehr ist. US-Treasuries bleiben auf 3%.
    8. Die Rohstoffpreise werden sinken, da die BRICs schwächeln und vor allem Chinas Wirtschaft nicht mehr die Wachstumsraten schaffen wird wie bisher. Zumindestens real nicht, denn die offizielle Zahl von 7.5% wird schon „erreicht“ werden.
    9. DAX: 11000
    10. Der entscheidende Wechselkurs EUR/USD bleibt annähernd gleich. Die durch die Abenomics hervorgerufene 30%ige Yen-Abwertung wird Japan allerdings von China sowie USA eine gelbe Karte einbringen.
    11. Abenomics wird scheitern – aber noch nicht 2014. Noch ist genug Geld da zum Vertuschen.

  3.   Paragon

    Sowas lädt natürlich ein zum schwadronieren:-)
    1) QE wird zurückgefahren aber nicht auf 0.
    2) stimme zu
    3) QE wird es bei der ECB nicht geben. Ich erwarte wenig Aktivität ausser der gebetsmühlenartig vorgetragenen Forward Guidance die Zinsen unten zu lassen. Vielleicht nochmal eine LTRO aber keine grosse.
    4) tippe auf eine Inflation von über 1pc in der EZ und knapp 2pc in D unter der Annahme dass der Ölpreis stagniert.
    5) Stimme den Autoren zu. Euro steigt, zumindest solange die kurzfristigen Zinsen in USA nicht steigen.
    6) No comment zu GR
    7) Treasuries +0.8pc Bunds +0.5pc
    8) Rechne mit Stagnation
    9) Stimme grundsätzlich zu, erwarte zusätzlich nur geringe Korrektur beim DAX aber signifikante Korrektur beim S&P500
    10) Stimme nicht zu. Wechselkurse sind immer ein Thema aber wir werden kein Bretton Woods 2 sehen. Ich denke eher dass globale Steuerthemen, Informationsaustausch und weiter die Bankenregulierung starke Themen sein werde.

    Schau mer mal!

    Gutes 2014


  4. Nur ein paar halb-geordnete Gedanken:

    Wenn es wahr ist, daß „Euroland immer noch auf dem besten Weg [ist], das neue Japan zu werden“, und die Zinsen in Euroland niedriger bleiben als in USA, könnte dann eine carry-trade Dynamik in Gang kommen wie seinerzeit zwischen Japan und USA?

    Wenn der Euro laufend aufwertet (Wette 5) und das Zinsdifferential USA-Euroland so klein bleibt eher nicht. Wenn aber die USA schneller aus der Rezession kommen und die Fed die Zinsen eher steigen lässt oder der Euro aber eine Zeitlang stabil bleibt oder gar abwertet, wie andere erwarten, dann könnten carry-trades sehr attraktiv sein.
    Implizit glauben die Hirten in Wette 5, dass die fundamentals die Wechselkurse bestimmen. Man sollte die Rechnung aber nie ohne die Finanzmärkte machen.
    Wenn ein Euro-Dollar carry-trade in Gang käme, würde das zunächst den Euro weiter verbilligen, ein export-led-recovery erleichtern und den carry traders hübsche Gewinne ermöglichen. Ein sich erstmal selbst verstärkender Prozeß in dem sich neue finanzielle Risiken aufbauen, die uns allen um die Ohren fliegen können, wenn die trades rückabgewickelt werden.

    Da kann man nur hoffen, dass sich der Wunsch(traum?) aus Wette 10 „dürfte es immer mehr klugen Ökonomen dämmern, dass es ohne eine Regulierung der Kapitalmärkte nicht gelingen wird, die extreme Stimulierung des Finanzsektors zurück zu nehmen.“ erfüllt.


  5. „vernünftige, pragmatische keynesianische Geld- und Fiskalpolitik in den USA“

    Ich weiß, dass die Fiskalpolitik in den USA nicht so restriktiv ist und war als in Euroland, aber die Worte „vernünftig“, „pragmatisch“ und „Fiskalpolitik in den USA“ in einem Satz zu lesen ist schon hart.


  6. „wenn auch die USA die Welt mit Leistungsbilanzüberschüssen quälten wie es Euroland seit zwei Jahren tut.“

    Nicht immer nur auf die Veränderung schauen, sondern auch auf die absoluten Werte. Und nur weil in der aktuellen Situation die massiven Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands ein Problem sind, sind sie das nicht immer und überall.

    Euroland ist immer noch Netto-Schuldner mit -13,8% GDP (2013 Q2) sdw.ecb.europa.eu/reports.do?node=100000215

    Euroland hat sich bis 2008 immer mehr beim Rest der Welt verschuldet Ende 2008 war es -18% GDP.

    Euroland quält nicht die Welt, Euroland baut Ungleichgewichte ab.

    Und das ist gut so.


  7. „Und weil es fast überall auf der Welt besser läuft, gibt’s 2014 endlich auch in Euroland wieder Wachstum. Dadurch verbessern sich die Bilanzen der Banken, wird die Pleite einer Großbank unwahrscheinlich.“

    Wette 2 „Eurolands Wirtschaft wächst wieder – und zwar mit 1,0 Prozent, angeführt von Deutschland, dessen Sozialprodukt real um 2,0 Prozent zulegen dürfte.“

    Das klingt ja alles ganz super.

    Was mich aber wundert ist, dass sich keine der Wetten (außer Wette 6) mit den Ungleichgewichten innerhalb der Eurozone beschäftigt. Wie die sich abbauen sollen, wenn Deutschland, das grob gerechnet 25% des Euroland17 BIP hat, doppelt so schnell wächst wie der gesamte Euroraum ist mir ein Rätsel. Das läuft darauf hinaus, dass vom Gesamtwachstum der Eurozone in absoluten Zahlen die Hälfte auf Deutschland entfällt.

    Und die Staatsschuldenquoten in den Krisenländern steigen immer noch unverdrossen weiter.

  8.   Dietmar Tischer

    >…vernünftige, pragmatische keynesianische Geld- und Fiskalpolitik in den USA.>

    Die Geldpolitik ist den UMSTÄNDEN entsprechend als vernünftig anzusehen.

    Zur „vernünftigen keynesianischen Fiskalpolitik“ in den USA und anderswo:

    Sehen wir einmal davon ab, ob angesichts der politischen Situation in den USA überhaupt eine vernünftige Fiskalpolitik möglich ist.

    Unabhängig davon ist zu fragen, was unter „keynesianischer Fiskalpolitik“ zu verstehen ist und ob diesem Verständnis entsprechend eine derartige Politik für die USA und evtl. Europa angemessen ist.

    Wenn man unter keynesianischer Fiskalpolitik NUR Maßnahmen versteht, die lediglich KONJUNKTURELLE Nachfragausfälle, also temporäre Defizite bei nachhaltigen Angebotsstrukturen zu kompensieren haben, dann mag dies das richtige Verständnis der Lehre von Keynes und das Mainstream-Verständnis von Fiskalpolitik bei Nachfrageausfällen in der Privatwirtschaft sein, aber keinesfalls ein (automatisch) richtiges Verständnis für ANGEMESSENE Fiskalmaßnahmen angesichts der Lage in USA oder Europa.

    Wenn wir davon ausgehen (müssen), dass in USA und Europa (wie auch in Japan) STRUKTURPROBLEME bestehen, d. h. Dysfunktionen, die auf der Nachfrage- wie auch auf der ANGEBOTSSEITE zu suchen sind, dann ist eine wie oben verstandene „vernünftige keynesianische Fiskalpolitik“ möglicherweise nicht nur nicht hilfreich (nicht nachhaltig), sondern auch kontraproduktiv.

    Es muss nicht auf Fiskalpolitik verzichtet werden, sondern es muss darüber nachgedacht werden, wie sie dazu beitragen kann, nicht nur Nachfragedefizite, sondern AUCH Angebotsdefizite zu kompensieren.

    Bevor man mit Rezepten wie „vernünftige keynesianische Fiskalpolitik“ herumfuchtelt, ist jedenfalls prüfen, was die Probleme sind, denen wir uns konfrontiert sehen.

    Die Hirten dieses Blogs blenden dies notorisch aus.

  9.   Christian

    Café Laumer? Cafe Hauptwache? Opernplatzcafe? Oder irgendwo im hippen Ostend?

  10.   Tiefenwahn

    Wenn man sich etwa Spanien ansieht, dann erhält man für 2012 eine Neuverschuldung von 15% des BSPs und für 2013 von 13% des BSPs. So richtig sparsam klingt das für mich nicht. Ich frage mich, wo da die Austeritätspolitik aufhören soll. Soll sich Spanien etwa mich 25% des BSPs neu verschulden? Am besten wir erhöhen dafür bei uns auch gleich die MWSt. um 10%, um das dann zu finanzieren.

    Das Problem ist doch wo das viele Geld hingeht, eben nicht in deren eigene Wirtschaft, sondern hin zu den Gläubigern, die sich verspekuliert haben, etwa den Banken der Wallstreet und der Londons. Irgendwie müssen die halt ihre Handelsdefizite ausgleichen, am besten mit den Geldern der europäischen Steuerzahler.

    Die viel kritisierten deutschen Banken machen in den Krisenländern ja nur einen Teil der Gläubiger aus.

 

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