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Der brutale Überfall von Arnstadt – Das Medienlog vom Donnerstag, 26. März 2015

 

Es war der vorletzte von 14 Banküberfällen, mit denen sich der NSU finanzierte: Am 7. September 2011 sollen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eine Sparkassenfiliale im thüringischen Arnstadt überfallen haben. Mitarbeiter des Geldhauses berichteten am Mittwoch im Münchner Prozess, wie rabiat die Räuber dabei vorgingen. „Die Brutalität der Täter schockiert – auch uns Reporter“, berichtet Eva Frisch vom Bayerischen Rundfunk. So schlug einer von ihnen einer Angestellten mehrmals einen Telefonhörer auf den Kopf und fügte ihr eine schwere Wunde zu. Im Fall der Zeugin sei zu spüren gewesen, „dass der brutale Banküberfall ihr Leben für immer verändert hat“.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

„Die Frau machte einen geschwächten Eindruck“, beobachtet Kai Mudra von der Thüringer Allgemeinen. Nach der Tat habe sie mit einer Psychologin lernen müssen, „wieder vor die Haustür zu gehen oder beispielsweise einzukaufen, ohne Angst zu haben“.

Die Aufklärung der Banküberfälle betreffe auch die Hauptangeklagte Beate Zschäpe, „da die Angeklagte die mit dem geraubten Geld gefüllte Kasse des NSU verwaltet haben soll“, merkt Frank Jansen im Tagesspiegel an. Für ihre Komplizen Mundlos und Böhnhardt war der Raub „offenbar auch der Anfang vom Ende“ – denn Zeugenaussagen nach der Tat lieferten die Hinweise, mit denen Fahnder die beiden knapp zwei Monate später nach dem Überfall in Eisenach in ihrem Wohnmobil stellten. Nach der missglückten Flucht und dem Selbstmord der Täter flog der NSU auf.

Der NSU-Prozess läuft in den kommenden Monaten weiter auf Sparflamme: Weil Zschäpe an gesundheitlichen Problemen leidet, wird bis Mitte Mai weiterhin nur an zwei statt drei Tagen pro Woche verhandelt, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Unklar ist laut dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl, wie es danach weitergehe.

Der Fall um den möglichen NSU-Zeugen Florian H., der 2013 in seinem Auto verbrannte, beschäftigt weiter die Politik: Nachdem die Polizei offenbar Beweismittel in seinem Wagen übersehen hatte, ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut zu H.s Tod, der Stuttgarter Untersuchungsausschuss zum NSU will zwei Minister als Zeugen laden. „Doch mit seinem Fall wird nun vor allem Politik gemacht“, stellen wir auf ZEIT ONLINE fest. Denn personelle Konsequenzen im baden-württemberger Politikbetrieb sind zwar ruchbar, doch gibt es bislang keine Anzeichen, „dass die Untersuchung diesmal mit einem anderen Ergebnis als Suizid abschließt“.

H. hatte Hinweise zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter von 2007 in Heilbronn gegeben. Die neuen Beweisstücke „offenbaren ein kolossales Versagen“, kommentiert Gabriele Renz im Südkurier. Zudem werfe der Fall erneut ein Licht auf die Merkwürdigkeiten rund um den Kiesewetter-Mord. So gerate die These, die Polizistin sei ein Zufallsopfer des NSU gewesen, „stark ins Wanken“.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 27. März 2015.

7 Kommentare

  1.   Karl Müller

    So ein Unfug! Da wurde niemand „gestellt“ Esgab eine Brandereignis mit einer Auffindungssituation und zwei Geschädigten.

    „Gestellt“ mit Worten wirkt hier nur ein angeblich stattgefundener Ablauf der bisher lediglich die Wunschvorstellung des GBA erhärtet….

    Gerade der Artikel im TS liest sich wie ein vorweggenommenes Urteil das keine Zweifel an der offiziellen Interpretation des Sachverhaltes kennt, oder kennen will.
    Nur gut das solche „Qualitätsberichterstattung“ ausführlich dokumentiert wird.

  2.   josquin

    Es ist unglaublich, was im Zusammenhang mit NSU so nach und nach ans Tageslicht kommt: Vernichtete Akten in allen Landesämtern des Verfassungsschutzes, der VS-Mitarbeiter am Tatort, Aufklärungsverhinderung, geschwärzte Akten, Aussageverbote für VS-Mitarbeiter, jetzt der tote Zeuge und die merkwürdigen Umstände.
    Ich frage mich, wieso sich manche Politiker über das schwindende Vertrauen in den Rechsstaat noch wundern. Mit Pannen und Schlamperei lässt sich das alles nicht mehr erklären.
    Ich selbst weiß nicht, was ich glauben soll, eine schlüssige Theorie habe ich auch nicht. Aber über eines bin ich mir mittlerweile zu 100% sicher:

    1. Das Kapitel NSU ist zu max. 30% aufgeklärt
    2. Dahinter steckt eine Riesensauerei.

    Anders ist diese Faktenfülle an Ungereimtheiten/Widersprüchen/sogenannten Pannen nicht zu erklären

  3.   Paul

    „da die Angeklagte die mit dem geraubten Geld gefüllte Kasse des NSU verwaltet haben soll“

    Wenn man beweist, dass die Herkunft des Geldes der Z. bekannt war, dann hätten wir es mit dem Delikt Bankraub und die Z betreffend mit Mitwisserschaft bis Beihilfe zu tun.
    Nicht ganz der Schwerpunkt des NSU-Prozesses.


  4. „Für ihre Komplizen Mundlos und Böhnhardt war der Raub „offenbar auch der Anfang vom Ende“ – denn Zeugenaussagen nach der Tat lieferten die Hinweise, mit denen Fahnder die beiden knapp zwei Monate später nach dem Überfall in Eisenach in ihrem Wohnmobil stellten. Nach der missglückten Flucht und dem Selbstmord der Täter flog der NSU auf.“

    „Stellten“ ist deutlich übertrieben, dafür, dass in Eisenach nur eine Streifenbesatzung bei einem verdächtigen WoMo vorbeischaute bis – da waren die PVB gerade beim Wohnmobil angekommen und wussten nichtmal wer oder was da drin sitzt – die beiden Uwes Suizid begangen haben sollen…
    Das hätte natürlich auch anders laufen können, immerhin sollen das ja kaltblutige, Serienmörder sein, die sogar schon Erfahrung in der Ermordung von Polizisten hatten:
    Die Uwes steigen aus und erschießen die beiden Polizisten einfach und flüchten dann. Die Uwes hatten Mengen an Bargeld, Waffen, Munition, ihre Identittät war nicht bekannt. Sie hätten zumindest versuchen können, zu flüchten. Bei Erfolglosigkeit hätten sie sich dann immernoch töten können…

    Und das ist in meinen Augen der größte Knackpunkt an der ganzen NSU-Sache: Das glaubhafte Motiv für den Blitz-Suizid der beiden Uwes.
    Ist ja nicht so, dass die sich Jahre davor den ganzen Tag lang auf irgendwelchen Dachböden verstecken mussten weil der Fahndungsdruck so hoch war und die einfach psychisch fertig waren, der Polizei wegzulaufen.
    Es passt nicht zu Leuten, die fürs nächste Jahr einen Campinplatz zum Ostsee-Urlauben mieten…


  5. „Wenn man beweist, dass die Herkunft des Geldes der Z. bekannt war, dann hätten wir es mit dem Delikt Bankraub und die Z betreffend mit Mitwisserschaft bis Beihilfe zu tun.
    Nicht ganz der Schwerpunkt des NSU-Prozesses.“

    Jedem halbwegs unvoreingenommenem Beobachter ist klar, dass die „offizielle Version“ der Tathergänge keinen Deut plausibler ist als alles, was ich mir aus den finstersten Ecken des Webs dazu durchlesen kann.
    ___________________________
    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik.

  6.   Heinz_K

    aus dem Suedkurier zum Tod der Polizistin : „…..merkwürdige Lücken. So wurden etwa drei Jahre lang Videobänder aus Heilbronn nicht ausgewertet, die Kontrolllisten aus der Ringfahndung fehlten ebenso, der E-Mail-Account von Kiesewetter wurde gelöscht……. “

    Hier fehlt ein Michael Moore der aus dem NSU Skandal einen neuen 9/11 Kinofilm macht und dabei alle Fakten (auch verbrannte Akten , Verfassungsschutzbeamte zeitgleich zu Morden am Tatort usw . ) konzentriert zusammfasst und damit das Bild von unglücklichen Zufällen ,schlechter Koordination und menschlichem Versagen entlarvt als das was es ist :
    kein Zufall – keine gewollte Koordinaton und kein Versagen sondern Absicht !

  7.   tacheles

    Eine bessere Gelegenheit an Polizeiwaffen zu kommen und eventuell noch mittels einems Polizeiwagens zu flüchten hätte es für die beiden als überaus kaltblütig und rücksichtslos beschriebenen mutm. Bankräuber und Serienkiller, welche zudem reichlich bewaffnet und munitioniert waren, nicht geben können?
    immerhin sollen die beiden Beschuldigten Böhnhardt und Mundlos ja mehrere hundert Kilometer durch D gefahren sein um die Polizeiwaffen der Polizistin Kiesewetter und ihres Kollegen durch Mord zu erbeuten?
    Komplizenmord und anschließender Suizid erscheinen unter diesen Umstände äusserst unwahrscheinlich?

 

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