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Todesfall Florian H.: Zeuge benannte NSU als Täter – Das Medienlog vom Dienstag, 14. April 2015

 

Neue Erkenntnisse im Fall des 2013 verstorbenen Zeugen Florian H.: Im Sommer 2011 soll der ehemalige Neonazi den NSU beschuldigt haben, den Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter begangen zu haben. Das sagte eine Freundin von H. am Montag im Stuttgarter Untersuchungsausschuss, wie unter anderem der SWR berichtet. H. muss den NSU demnach vor dessen Auffliegen im November 2011 gekannt haben. Zudem sagte die Zeugin, sie könne sich nicht vorstellen, dass H. Selbstmord begangen habe. Diese Todesursache hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wie andere brisante Aussagen ist allerdings auch diese mit Vorsicht zu genießen: „Andere Abgeordnete verwiesen auch darauf, dass sich die Zeugin mit dem Zeitpunkt auch geirrt haben könne“, berichtet die Thüringer Allgemeine. H. war im September 2013 in seinem Auto verbrannt, einen Tag bevor das Landeskriminalamt ihn zu dem Fall befragen sollte. Vor gut zwei Wochen verstarb seine damalige Partnerin.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Mittwoch, 15. April 2015.

9 Kommentare


  1. Beobachten wir ab jetzt doch einmal den Werdegang dieser Zeugin. Zuerst eine Aussage vor dem Untersuchungsausschuß, dann eventuell ein angesetzter Termin bei den Polizeibehörden. Schaun`ma`mal ob sich die Reihung von Ereignissen, die nichts miteinander zu tun haben, fortsetzt.

  2.   akomado

    Folgt man den Auszügen aus einem Interview mit jener ehemaligen Freundin, meinte diese tatsächlich, Florian H. habe gesagt, „er wisse, wer die Täter sind, bezog sich auf den NSU, bzw. die in Baden-Württemberg agierenden Personen“ (http://www.jungewelt.de/2015/04-13/014.php?sstr=NSU) – was aus so gelesen werden kann: der NSU wäre in den Mord verstrickt gewesen, die in BW operierende Personnage aber ebenfalls, ohne daß damit schon gesagt ist: „Der NSU war’s!“ – Zurecht verweisen Ausschußmitglieder auch auf einen möglichen Erinnerungsirrtum. – Eigentlich steht doch spätestens seit der gestrigen Ausschußsitzung etwas völlig anderes im Focus: Der Verdacht, daß die Polizei auf staatsanwaltliche Anweisung bei Florian H. nicht auf Mord hin ermittelte, sondern alle Ermittlungen schon nach kurzer einstellte. Also der Verdacht einer Strafvereitelung im Amt. Weiterhin der Verdacht, daß Florian H. und seine letzte Freundin Melissa M. ermordet wurden, weil sie zuviel über den Kiesewetter-Mord wußten. Wenn es aber unmöglich sein sollte, das Leben wichtiger Zeugen bei einem Polizistenmord zu schützen und die Zeugenmorde unter aktiver Mithilfe der Polizei vertuscht werden – dann wäre eine tiefgehende Involvierung von Teilen der Sicherheitsbehörden in die Schwerstkriminalität anzunehmen. – Ich weise darauf hin, daß dies keine Verschwörungstheorie ist, sondern eine logische Deduktion und ich außerdem die Möglichkeitsform gebrauche. – Mir ist jedenfalls schleierhaft, wie man in Sachen NSU nun bereits seit mehreren Jahren derart verharmlosend – und Wichtigstes auslassend – berichten kann.

  3.   gorgo

    Hier gibt es soviele Ungereimtheiten und erschreckende „Zufälle“, dass mich sehr wundert, warum nicht eine Zeitung wie die Zeit (oder andere Blätter) sich zu richtigem investigativen Journalismus verpflichtet (!) sehen.
    Die Vierte Gewalt sollte sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

  4.   tacheles

    Wir haben hier eine Zeugin vom „Hörensagen“.
    Werden sehen wie belastbar das Ganze ist.

  5.   Grau

    Wie wollen wir die Diskrepanz zwischen Überschrift und Inhalt nennen?
    „Zeuge benannte NSU als Täter“
    oder
    soll der ehemalige Neonazi den NSU beschuldigt haben, … sagte eine Freundin

    Und wenn wir die Erinnerungen der Freundin schon für belastbar halten, wie wäre es mit dem Inhalt des Volltextes aus http://www.jungewelt.de/2015/04-13/014.php?sstr=NSU , übrigens nicht ganz richtig ztiert in Kommentar Nr.2
    „Ja, er sagte, dass Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und diese Beate Zschäpe auch mit drinnen hängen würden, er bezog sich jedoch auf die weitere Gruppe, er sagte, er weiß, wer Michèle Kiesewetter umbrachte. Er meinte, ich würde eh schon zu viel wissen und wollte mich nicht in Gefahr bringen. (…) Flo sagte, dass Michèle Kiesewetter etwas mit einem aus der Gruppe hatte, als es in Zeitung und Fernsehen war, wo die zwei Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sich ermordet haben, wunderte er sich wegen der Waffen. Er sagte auch, die beiden wurden erschossen.“

    Das sagt uns eben micht, dass er den NSU für die Täter hielt, die hingen nur mit drin, getan hat es wohl die andere Gruppe auf die er sich jedoch(!) bezog.
    Und was ist mit dem Schlußsatz? Ist der der medialen Rosinenpickerei zum Opfer gefallen oder wird das „er sagte“ von Satz auf Satz unglaubwürdig?

    Ich finde die modernen Zeiten gut, in denen es relativ leicht möglich ist, Zitate und deren Wiedergabe zu vergleichen. Nur schlecht für mediale Tendenzbetriebe, die kommen einfach nicht mehr durch mit dem was via Papier noch vor 10 Jahren als Wahrheit verkündet werden konnte.

  6.   Karl Müller

    @ 5,

    ja die Widersprüche in den „Würdigungen“ lassen sich durchau leichter dokumentieren.

    Fehlt halt nur noch das der Zeuge auch benennt, wer die Uwes erschossen habe.


  7. @6 <<< Fehlt halt nur noch das der Zeuge auch benennt, wer die Uwes erschossen habe. <<<

    Ich vermute, das wäre dann aber nicht verfahrensrelevant…

  8.   deBeers

    Wurden jetzt Betäubungsmittel in seinem Körper nachgewiesen oder nicht ? Womit hat er sich angezündet ? Benzin ? Wo hat er es besorgt, Tankstelle oder woanders ? Wo bliebt sein Kanister ?
    Für mich ganz einfache überprüfbare Fakten, die eine Suizidtheorie untermauern. Falls auf diese Fragen keine Antworten gibt, hat niemand Interesse daran etwas aufzuklären. Ausgerechnet an Abend davor will er sich umbringen. Kann ein Mensch solche Schmerzen überhaupt bei Bewusstsein ertragen, dass man auf eine Stelle(im Auto) sitzen bleibt.?
    Immer mehr Fragen bringt dieser Fall von Anfang an mit sich. Zuerst die Verschleierungstaktik 2 Jahre lang der 50 Mann Sonderermittler bei der Jagt nach einem Phantom. So dumm konnten sie doch nicht sein.
    Fragen über Fragen. Und jetzt noch eine Zeugin gestorben. Nichts ist so wie es scheint !

  9.   Karl Müller

    @ 8,

    es ist ja bisher nicht einaml möglich gewesen aufgrund der chemisch-analytischen Untersuchung des zwickauer Brandbeschleunigers eine Übereinstimmung mit den KW-Rückständen an der Socke der Z. nachzuweisen.

    bechtlich, wenn man bedenkt das selbst aus raffineirten KW-Proben oft noch das Lagerstättenmuster rückgeschlossen werden kann!

 

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