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Neue Spekulationen um eine Aussage Zschäpes – Das Medienlog vom Mittwoch, 21. Oktober 2015

 

Im NSU-Prozess beschäftigt sich das Gericht weiter mit Beweisstücken. Möglich ist aber, dass unerwartet noch eine Wendung den Lauf des Verfahrens bestimmt: „Zum wiederholten Mal kursieren Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Aussage der Hauptangeklagten Beate Zschäpe“, berichtet Gisela Friedrichsen auf Spiegel Online. Genährt werden diese offenbar aus einer Erklärung, die ihr neuer Anwalt Mathias Grasel im November vortragen soll. Unklar sei allerdings, ob der Verteidiger überhaupt etwas zu ihren Gunsten beitragen könne, ob er in ihrem Namen ein Geständnis ablegen soll oder ob er erneut versuchen soll, den Prozess zu torpedieren.

In der Verhandlung vom Dienstag beschäftigte sich das Gericht mit Videomaterial von Überwachungskameras, die der NSU in seiner Zwickauer Wohnung installiert hatte. Die Bänder zeigen: Das Leben der rechtsextremen WG verlief langweilig – „die perfekte Tarnung für ihre Verbrechen“, kommentiert Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung.

Bei der Auswertung der Beweise ging es auch um einen Kinderschuh, der im letzten von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt genutzten Wohnmobil gefunden wurde. An diesem haftete DNA von Mundlos, Böhnhardt und eines unbekannten Mädchens. Möglich ist, dass das genetische Material von einem bislang unbekannten Kind stammt, zu dem wiederum Erwachsene gehören – mögliche Unterstützer des NSU.

Unterdessen hat Richter Manfred Götzl zum siebten Mal einen Befangenheitsantrag von der Anklagebank überstanden – in diesem Fall den der Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben. Andere Richter hatten das Gesuch für unbegründet erklärt. Der Vorsitzende „thront wie ein Monolith im Jahrhundertverfahren“ und scheine unangreifbar, schreibt Frank Jansen vom Tagesspiegel. Die Kehrseite seiner Dominanz über das Prozessgeschehen sei allerdings Selbstherrlichkeit, wie vor Verfahrensbeginn beim Streit um die Journalistenakkreditierung deutlich geworden sei.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 22. Oktober 2015.

6 Kommentare

  1.   S.Müller2

    „Bei der Auswertung der Beweise ging es auch um einen Kinderschuh, der im letzten von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt genutzten Wohnmobil gefunden wurde. An diesem haftete DNA von Mundlos, Böhnhardt und eines unbekannten Mädchens.“

    Warum ist der Autor so sicher, dass es sich um ein Mädchen handelt? Meines Wissens kann zwar das Geschlecht ohne weiteres bestimmt werden, nicht aber das Alter des DNS-Spenders. Es könnte sich hier also auch um eine Jugendliche oder eine erwachsene Frau handeln.

  2.   izquierd

    „Die Bänder zeigen: Das Leben der rechtsextremen WG verlief langweilig – “die perfekte Tarnung für ihre Verbrechen”, kommentiert Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung.“
    Ich vermute mal, egal wie das Leben der rechtsextremen WG verlief, es wäre auf jeden Fall für die Hobbypsychologin Ramelsberger verdächtig und ihrer Meinung nach die „perfekte Tarnung ihrer Verbrechen“ gewesen. Normalität ist also verdächtig. Im Prinzip sagt das nichts anderes aus, als dass jedes Verhalten verdächtig ist. Das lässt tief blicken. Es ist offensichtlich, dass für Fr. Ramelsberger die Beweisaufnahme im Prozess komplett überflüssig ist, ihr Urteil steht bereits fest. Das ist um so erstaunlicher, da die GBA im Prozess bisher ja keine wirklichen Beweise für die Mitäterschaft bzw. Mitwisserschaft von Zschäpe hat präsentieren können. Okay, es gibt ein paar Indizien, aber auf der anderen Seite gibt es auch (sehr) viele Indizien, die Zschäpe entlasten.
    Was Fr. Ramelsberger hier treibt ist unseriös und wirklich schlechter Journalismus!

  3.   Lignite

    Lieblingsanwalt. Jedem Angeklagten steht ein Anwalt seiner Wahl zu. Wollen sie mit solche süffisanten Bemerkungen hier den Rechtsstaat ausser Kraft setzen? In einem Verfahren, das sowieso schon den Rechtsstaat karikiert.

  4.   nunja-ninja

    Jugendliche oder erwachsene Frauen tragen selten Kinderschuhe.

  5.   Lebeding

    S.Müller2, schauen Sie mal hier, da wird es deutlicher beschrieben, worum es geht:
    >>Auch die Herkunft der DNA-Spur P66 konnte bislang nicht geklärt werden. Gefunden wurde sie auf einer Kindersandale, die hinter dem Fahrersitz des Wohnmobils lag. Die Experten ordnen die Spur einem weiblichen Kind zu – aber wer ist dieses Mädchen? Eine Arzthelferin konnte sich erinnern, dass Zschäpe zweimal in Begleitung eines Mädchens in ihrer Praxis war. Und die Angestellte einer Autovermietung erzählte der Polizei, dass einer der beiden Uwes im Oktober 2011 bei der Anmietung eines Wohnmobils in Begleitung einer Frau und eines blonden Mädchens gewesen sei. Das Kind habe Mama zu der Frau gesagt.<<
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/spuren-ins-nichts

    Wenn Sie danach, DNA Mädchen NSU, googeln, finden Sie mehr Infos

  6.   bx16v

    nunja-ninja@
    Das die DNA in einem Kinderschuh gefunden wurde bedeutet nicht unbedingt das sie dem eventuellem Träger des Schuhs zugeordnet werden muss.
    Es kann auch eine erwachsene Frau mit dem Schuh in Berührung gekommen sein?
    Aus dem Text geht nicht hervor ob es sich um neue oder gebrauchte Schuhe handelt.

 

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