Das NSU-Prozess-Blog

Der tägliche Blick nach München. Was wird verhandelt? Wie berichten die Medien?

Peinlichkeiten statt Beweisen – Das Medienlog vom Mittwoch, 1. Juli 2015

Von 1. Juli 2015 um 10:22 Uhr

Wusste die Ehefrau des hessischen Verfassungsschützers Andreas T. mehr als dieser bei der Polizei ausgesagt hatte? T. stand 2006 kurzzeitig in Verdacht, den Mord an Halit Yozgat in einem Kasseler Internetcafé begangen zu haben. Am Dienstag wurden deshalb auf Antrag von Nebenklageanwälten T.s Frau Eva S. und er selbst gehört. Beweisstück war ein abgehörtes Telefonat, das S. mit ihrer Schwester geführt hatte. Das Gespräch "brachte wenig Neues an den Tag – sieht man mal von der Verärgerung der Beamtengattin über ihren Ehemann ab", urteilt Oliver Bendixen vom Bayerischen Rundfunk. Peinliche Details aus der Aufzeichnung hätte man ihr "ruhig ersparen können".

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215. Prozesstag – V-Mann-Führer von Informant Piatto geladen

Von um 07:00 Uhr

Der Rechtsextreme Carsten Sz. ging in den Knast, weil er an der Tötung eines Menschen beteiligt war – und ziemlich schnell wieder heraus, weil er unter dem Decknamen Piatto für den Brandenburger Verfassungsschutz exklusive Informationen aus der Szene lieferte. Darunter befand sich auch ein wertvoller Tipp auf das untergetauchte NSU-Trio. Warum wurde die Information nicht genutzt, blieb das Trio unbehelligt? Diese Frage muss sich heute einer der V-Mann-Führer von Sz. gefallen lassen. N. Görlitz vom brandenburgischen Geheimdienst war dafür zuständig, die Informationen von Piatto aufzunehmen, er ist als Zeuge in die Sitzung geladen.

Ebenfalls als Zeuge tritt ein Polizist auf. Der Kommissar der Polizei Rastatt berichtet über Beweisstücke aus dem Besitz des NSU-Trios, die er ausgewertet hatte.

Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Die Berichte darüber fassen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.

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“Dieser Mann lügt!”

Von 30. Juni 2015 um 19:46 Uhr

Könnte der Verfassungsschützer Andreas T. eine Pistole zum Tatort gebracht haben? Ein Telefonat zeigt, wie dieser Verdacht Zweifel in seiner Familie säte – und Beate Zschäpe rebelliert gegen das Gericht.

Es ist wohl nicht die Schuld des Verfassungsschützers Andreas T., dass der Deutschtürke Halit Yozgat im April 2006 in seinem Kasseler Internetcafé erschossen wurde. Soweit der offizielle Stand der Bundesanwaltschaft. Dass diese Tat beinahe T.s Leben zerstörte, dass sie ihn seinen Arbeitsplatz kostete und das Vertrauen seiner Frau, dass sie peinliche Angelegenheiten aus seinem Privatleben in die Öffentlichkeit schwemmte, das allerdings hat sich T. sehr wohl selbst zuzuschreiben.

Während seine Frau hochschwanger zu Hause war, chattete T. in dem Internetcafé mit einer Fremden. Bevor er ging, fielen zwei Schüsse, sie trafen Yozgat in den Kopf. Abgefeuert haben sollen sie die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. T. behauptet bis heute, er habe weder Geräusche gehört noch den Toten gesehen.

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Extra-Anwalt für Zschäpe: zu wenig Erfahrung? – Das Medienlog vom Dienstag, 30. Juni 2015

Von um 09:25 Uhr

Die Hinweise auf einen Zuwachs in Beate Zschäpes Verteidigerteam verdichten sich: Der Vorsitzende Richter im NSU-Prozess, Manfred Götzl, teilte den Prozessbeteiligten mit, der Münchner Anwalt Mathias Grasel könnte als vierter Rechtsbeistand hinzustoßen. Grasel unterscheidet sich in einigen Punkten vom derzeitigen Anwaltstrio aus Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl – dabei geht es auch um seine Vita: "Man tritt Grasel mit der Vermutung sicher nicht zu nahe, seine Erfahrung als Strafverteidiger eher begrenzt zu nennen", schreibt Gisela Friedrichsen auf Spiegel Online. Er wurde 2011 als Rechtsanwalt zugelassen. Gleichwohl gebe es kaum einen Zweifel, dass das Gericht ihn einsetzen werde.

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214. Prozesstag – Verfassungsschützer Andreas T. und seine Frau

Von um 07:00 Uhr

Es ist bereits sein sechster Auftritt im NSU-Prozess: Der frühere hessische Verfassungsschützer Andreas T. muss erneut als Zeuge aussagen. Auch seine Ehefrau ist geladen. T. war Gast im Internetcafé des Kasselers Halit Yozgat, als dieser am 6. April 2006 erschossen wurde – will die tödlichen Schüsse jedoch nicht gehört haben. Deshalb galt er kurzzeitig als Beschuldigter.

Hintergrund der neuen Ladung ist eine Detailfrage: Zeugen hatten sich erinnert, dass T. bei seinem Besuch eine Plastiktüte mit sich führte, in der sich ein schwerer Gegenstand abzeichnete. Anwälte der Nebenklage wollen abklären, ob es sich dabei um die Tatpistole gehandelt haben könnte – was zu dem Schluss führen würde, das T. in die Tat verwickelt gewesen wäre. Seine Frau erinnerte sich in einem abgehörten Telefonat, dass er mit einer Tüte unterwegs war. Heute muss der ehemalige Geheimdienstler dazu auch selbst sein Gedächtnis bemühen.

Ein weiterer Zeuge ist Aleksander H., ein Schulkamerad des NSU-Mitglieds Uwe Mundlos. Es ist sein dritter Termin in München. Bei den ersten beiden Vernehmungen hatte er Fragmente von Mundlos' Weg in die rechte Szene nachgezeichnet, auch über die Hauptangeklagte Beate Zschäpe sprach er. Dabei beschrieb er sie als selbstbewusst, teils auch aggressiv.

ZEIT ONLINE berichtet aus München und fasst den Prozesstag am Abend auf diesem Blog zusammen. Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Weitere Berichte stellen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.

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Ein vierter Verteidiger für Beate Zschäpe? – Das Medienlog vom Montag, 29. Juni 2015

Von 29. Juni 2015 um 09:45 Uhr

Ein neuer Name könnte im NSU-Prozess sehr wichtig werden: Mathias Grasel. Der Münchner Anwalt könnte als vierter Pflichtverteidiger zum Anwaltsteam der Hauptangeklagten Beate Zschäpe dazukommen, wie Frank Jansen im Tagesspiegel berichtet. Zuvor war bekannt geworden, dass Zschäpe mit ihrem Antrag auf Abberufung ihrer Anwältin Anja Sturm beim Gericht gescheitert ist. Die Entscheidung könne bereits am Dienstag fallen, sagte der Jurist der Zeitung.

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Keine Berichte zum NSU-Prozess

Von 26. Juni 2015 um 08:17 Uhr

Am Freitag, 26. Juni, gibt es keine Berichte in den deutschen oder englischsprachigen Onlinemedien.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Montag, 29. Juni 2015.

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Verfassungsschützer liefert keine Aufklärung – Das Medienlog vom Donnerstag, 25. Juni 2015

Von 25. Juni 2015 um 08:39 Uhr

Gut einen Monat nach dem Mord an Halit Yozgat in Kassel rückte ein Telefonat den hessischen Verfassungsschutz ins Zwielicht: Der Quellenführer Andreas T., der innerhalb der Behörde den Kontakt zu V-Männern hielt, stand unter Mordverdacht und der Geheimschutzbeauftragte der Behörde, Gerold Hess, riet ihm: "Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, bitte nicht vorbeifahren." Ein Hinweis auf die Verwicklung der Behörde in den Fall? Am Mittwoch sagte Hess dazu vor Gericht aus. Er lieferte "mehrere Erklärungsversuche, sonderlich überzeugend klangen sie allerdings nicht", urteilt Björn Hengst auf Spiegel Online.

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Überfall in Chemnitz: Zeuge beschreibt dritten Täter – Das Medienlog vom Mittwoch, 24. Juni 2015

Von 24. Juni 2015 um 08:36 Uhr

Der 212. Prozesstag war kurz: Nach anderthalb Stunden beendete Richter Manfred Götzl die Sitzung, weil die Hauptangeklagte Beate Zschäpe an Zahnschmerzen litt. Zuvor sagte der Zeuge Falco K. aus, der 1998 Zeuge des ersten NSU-Überfalls auf einen Chemnitzer Supermarkt geworden war. Einer der Täter schoss mehrmals auf den damals 16-Jährigen, verfehlte ihn jedoch.

Vor Ort waren laut Anklage damals Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt – nun brachte K. jedoch einen weiteren Täter ins Spiel: Drei Menschen seien aus dem Geschäft gerannt, berichtete der Zeuge. Damit erscheine es auch möglich, "dass Beate Zschäpe selbst an einem Tatort ins Geschehen eingriff", schreibt Frank Jansen vom Tagesspiegel.

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213. Prozesstag – Hessischer Verfassungsschützer soll Antworten liefern

Von um 07:00 Uhr

Es war eine weitere, eine sehr mysteriöse Volte im Fall des Kasseler Verfassungsschützers Andreas T.: Nach dem Mord an Halit Yozgat von 2006 unter Verdacht geraten, telefonierte er mit dem Geheimschutzbeauftragten beim Verfassungsschutz, Gerald Hasso Hess. Der raunte ihm in dem abgehörten Gespräch einen merkwürdigen Satz zu: "Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, bitte nicht vorbeifahren." Ein Hinweis, dass die Behörde in das Tötungsdelikt verwickelt war und nun die Wahrheit vertuschen wollte – oder ein harmloser Spruch am Rande? Heute erklärt sich Hess zu seinen Äußerungen im NSU-Prozess, er ist als Zeuge geladen.

Zuvor hört das Gericht zwei Opfer des Anschlags in der Kölner Keupstraße von 2004, Meral K. und Yavuz S. Beide Zeugen nehmen auch als Nebenkläger am Prozess teil. Die Sachverständigen Oliver Peschel und Rüdiger Mölle beurteilen im Anschluss mit Gutachten, wie schwer die Verletzungen der beiden gewogen haben.

ZEIT ONLINE berichtet aus München und fasst den Prozesstag am Abend auf diesem Blog zusammen. Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Weitere Berichte stellen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.

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