Das NSU-Prozess-Blog

Der tägliche Blick nach München. Was wird verhandelt? Wie berichten die Medien?

„Aus Zschäpe spricht der blinde Hass“ – Das Medienlog vom Montag, 27. Juli 2015

Von 27. Juli 2015 um 07:51 Uhr

Kein Tag ohne neue Manöver in der Krise zwischen Beate Zschäpe und ihren alten drei Verteidigern. Am Freitag wurde bekannt, dass die Hauptangeklagte ihre Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer wegen Geheimnisverrats angezeigt hatte. Thema waren Gespräche, die ihre Rechtsvertreter mit Richter Manfred Götzl geführt hatten. Doch handelt es sich bei der Anzeige womöglich nur um den Versuch, die drei endlich loszuwerden. Für Götzl werde es nämlich "noch schwieriger zu argumentieren, das Vertrauensverhältnis zwischen Zschäpe und den Verteidigern sei nicht erschüttert", analysiert Helene Bubrowski in der Frankfurter Allgemeinen.

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Kategorien: Medienschau

Zschäpe wird die Justiz nicht besiegen

Von 24. Juli 2015 um 18:04 Uhr

Beate Zschäpe hat ihre eigenen Anwälte nur angezeigt, um den NSU-Prozess zu torpedieren. Doch bisher wirbelt sie lediglich Staub auf, das Gericht lässt sich davon zum Glück nicht aus der Ruhe bringen. 

Man muss sich nur anschauen, wie Beate Zschäpe ihre neueste Finte gegen ihre eigenen Anwälte und damit gegen den NSU-Prozess begründet, um zu erkennen, dass sie kaum gute Argumente auf ihrer Seite hat. Sie hat bei der Staatsanwaltschaft München I Anzeige gegen ihre Pflichtverteidiger Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer eingereicht wegen der vermeintlichen Verletzung von Privatgeheimnissen, strafbar nach Paragraf 203 im Strafgesetzbuch. Die drei, so Zschäpe, hätten dem Richter Manfred Götzl mitgeteilt, dass sie Zschäpe nicht verboten hätten, sich in der Verhandlung zu äußern. Das war der Hauptangeklagten im NSU-Prozess schon zu viel.

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Kategorien: Prozesstage

Zschäpe: manipulativ und aussagebereit? – Das Medienlog vom Freitag, 24. Juli 2015

Von um 08:27 Uhr

Die Vertrauenskrise zwischen Beate Zschäpe und ihren Verteidigern schwelt weiter. Was sagen die Scharmützel über die Hauptangeklagte aus? Der Nebenklageanwalt Mehmet Daimagüler erkennt in Zschäpe eine Frau, "die nicht aus einer Laune heraus handelt, sondern sehr durchdacht, ja manipulativ". Das sagt er im Interview mit Miguel Sanches vom Hamburger Abendblatt. Daimagüler schließt dabei nicht aus, dass die Rechtsextremistin sich noch zu einer Aussage entschließt. Dann allerdings werde sie nicht die ganze Wahrheit sagen.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Montag, 27. Juli 2015.

Kategorien: Medienschau

Ablenkung von der Anklage? – Das Medienlog vom Donnerstag, 23. Juli 2015

Von 23. Juli 2015 um 08:22 Uhr

Schon seit Wochen dominiert der Streit zwischen Beate Zschäpe, ihren angestammten drei Verteidigern und ihrem vierten Anwalt Mathias Grasel die Berichterstattung zum NSU-Prozess. Dabei könnte es sich auch um ein Ablenkungsmanöver auf der Anklagebank handeln, kommentiert Peter Nowak auf Telepolis. Es sei nämlich "unklar, ob es sich hierbei um ein echtes Zerwürfnis oder nur ein großes Theaterspiel handelt". Die Berichterstattung über den Prozess habe sich so von den angeklagten Taten auf Formalien verlagert. Sinnvoller sei es möglicherweise, "den Druck auf Zschäpe zu erhöhen, endlich ihr Schweigen zu brechen".

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Kategorien: Medienschau

Zschäpe testet ihre Grenzen – Das Medienlog vom Mittwoch, 22. Juli 2015

Von 22. Juli 2015 um 08:34 Uhr

Der Streit um das Verteidigerteam von Beate Zschäpe ist noch lange nicht beigelegt: Am Dienstag beantragte die Hauptangeklagte, ihrem Anwalt Wolfgang Heer das Mandat zu entziehen – einen Tag, nachdem dieser und seine beiden Kollegen Wolfgang Stahl und Anja Sturm erfolglos um ihre Entpflichtung gebeten hatten. Die Querelen offenbarten viel über Zschäpe, schreibt unter anderem Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung: Sie zeige "offen Genugtuung darüber, wie sie ihren Willen durchsetzt, dem Gericht einen vierten Verteidiger abtrotzt und ihre alten Anwälte behandelt wie Dreck". Dies sei ein Sieg für sie.

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Kategorien: Medienschau

Zschäpes letzter Mann

Von 21. Juli 2015 um 18:06 Uhr

Beate Zschäpes neuer Verteidiger Mathias Grasel sollte Ruhe bringen – das jedenfalls hofften die Richter. Doch seit er mit im NSU-Prozess sitzt, eskaliert die Situation.

Was hätte man am Morgen nicht alles leisten können in diesem teuren, riesenhaft aufgeblähten NSU-Prozess, wo zehn Morde, zwei Anschläge und viele weitere Taten angeklagt sind. Man hätte Zeugen befragen können, Dokumente sichten oder Erklärungen austauschen.

Stattdessen gibt es Stühlerücken. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe hatte per Antrag durchgesetzt, dass sie mit ihrem vierten, erst vor zwei Wochen eingesetzten Pflichtverteidiger Mathias Grasel an den Anfang der Anklagebank rücken darf. Dahinter folgen nun, einer Hackordnung gleich, ihre angestammten Anwälte Wolfgang Stahl, Wolfgang Heer und Anja Sturm.
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Kategorien: Prozesstage

Zschäpes Anwälte wollen nicht mehr, müssen aber – Das Medienlog vom Dienstag, 21. Juli 2015

Von um 08:47 Uhr

Vorläufiger Höhepunkt der Vertrauenskrise zwischen Beate Zschäpe und ihren Verteidigern: Ihre angestammten Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer beantragten am Montag, ihres Mandats entbunden zu werden. Das jedoch lehnte das Gericht ab. Gründe hatten die Anwälte nicht geliefert. Mit der Bestellung des zusätzlichen Verteidigers Mathias Grasel habe es nichts zu tun, sagten sie. "Die Verteidiger haben sich von diesem vermeintlich prestigeträchtigen Verfahren wohl anderes erhofft", kommentiert Reinhard Müller von der Frankfurter Allgemeinen.

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Kategorien: Medienschau

220. Prozesstag – Wer stellte den Bombenkoffer ab?

Von um 07:00 Uhr

Update: Der Zeuge Rene S. wurde auf einen anderen Termin umgeladen.

Es war eine der ersten Taten, mit der die spätere Terrorgruppe NSU in Erscheinung trat: Im September 1997 wurde ein Koffer, in dem sich eine Bombe befand, auf dem Vorplatz des Theaters in Jena gefunden. Der Sprengsatz war zwar nicht mit Zünder versehen, setzte jedoch ein deutliches Signal für die Rechtsextremen. Beteiligt waren damals nicht nur Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, sondern auch weitere Kameraden der Neonazi-Szene – darunter Henning H., der am Dienstag als Zeuge im NSU-Prozess aussagen muss.

Zu einer noch früheren Tat ist der Zeuge Rene S. geladen. Gegen ihn wurde in einem Verfahren ermittelt, das die Staatsanwaltschaft wegen einer Bombenattrappe führte. Dabei handelte es sich um eine Holzkiste mit der Aufschrift "Bombe", die Kinder auf einem Fußballplatz in Jena gefunden hatten. Nebenkläger und Gericht erhoffen sich von den beiden Männern Hinweise auf die Ideologie, der Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt damals folgten. Bald darauf, im Januar 1998, tauchte das Trio auf der Flucht vor der Polizei in den Untergrund ab.

Zudem sagt eine Kommissarin des Bundeskriminalamts aus. Sie wertete Beweise aus, die in der ausgebrannten Zwickauer Wohnung des NSU-Trios gefunden worden waren.

ZEIT ONLINE berichtet aus München und fasst den Prozesstag am Abend auf diesem Blog zusammen. Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Weitere Berichte stellen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.

Kategorien: Prozesstage

Gegenschlag der Anwälte

Von 20. Juli 2015 um 18:18 Uhr

Beate Zschäpes Verteidiger wollten ihre Posten im NSU-Verfahren loswerden, scheiterten jedoch. Dennoch steht der Prozess vor einer Wende.

Gedemütigt, degradiert. Drei Tage lang, die gesamte vorige Woche im NSU-Prozess, saßen die Verteidiger Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer mit ihrer Mandantin Beate Zschäpe auf der Anklagebank. So als ob nichts wäre. Dabei hatte sich Zschäpe zuvor einen vierten Pflichtverteidiger besorgt, den Münchner Mathias Grasel. Sie hält Sturm, Stahl und Heer für inkompetent. Sie glaubt, sie könne das alles besser. Grasel sitzt nun als ihr verlängerter Arm neben der Angeklagten. Weiter…

Kategorien: Prozesstage

Keine Berichte zum NSU-Prozess

Von um 09:06 Uhr

Am Montag, 20. Juli, gibt es keine Berichte in den deutschen oder englischsprachigen Onlinemedien.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, 21. Juli 2015.

Kategorien: Medienschau