Nachrichten aus dem Zentrum

Volkskanzler vs. “Wer wenn nicht Er”.

Von Andrea Maria Dusl 3. Oktober 2006 um 10:26 Uhr

An Alfred Gusenbauer, dem König von Ybbs und Gewinner der Wahl wird sich der Altbundeskanzler in den anstehenden Koalitionsverhandlungen noch die Zähne ausbeissen. Gusi, wie ihn sogar seine Lebensgefährtin nennt, ist in einer win-win-Situation. Als gewiefter Schnapser* ist er dem gfeanzten** Schüssel verhandlungstechnisch ebenbürtig. Aus Koalitionsverhandlungen wird er besser aussteigen, als sein Vorgänger Viktor Klima, Schüssels letzter ernstzunehmender Verhandlungspartner. Und der war kein Kartenspieler, sondern Kammbläser.

Nun zum zweiten win. Schüssel hat mit der Option auf eine Koalition mit den Haiderparteien nur scheinbar gute Karten. Wiederholt er seinen Trick von 2000 und verhandelt ernsthaft mit den rechten Rabauken, zerreisst es die ÖVP. Die Messer der Aspiranten auf den ÖVP-Chef-Sessel sind schon gewetzt.

Auch wenn es dazu käme, die Koalition aus dezimiertem Kanzler und den beiden Ausländerfeinden wäre stabil wie ein Kartenhaus. Abblendlichtgestalten wie Grasser hat Schüssel diesmal keine. Eine Neuwahl nach Zerbrechen einer rechts-rechtsrechten Koalition aus Knallchargen und Volksdeppen würde die ÖVP marginalisieren. Das wissen die Länderfürsten der Volkspartei. Das ahnt die Entourage.

Aus Neuwahlen nach diesem Szenario würde Gusenbauer, der sich jetzt schon geschickt als Volkskanzler gibt, gestärkt hervorgehen. Auch die Grünen würden profitieren. Das BZÖ würde den Einzug nicht mehr schaffen.

Schüssel ist am Arsch, wie die Deutschen sagen würden. Und das ist gut so.

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* Ösi-Kartenspiel
** Ösi für hinterlistig

Kategorien: Standard
Leser-Kommentare
  1. 1.

    am boden, wie ich sagen würde, ist meiner bescheidenen einschätzung nach meine lieblingswochenzeitung respektive dieses blog meiner solchen. meine wunderbare zeit. die vor wenigen monaten – ich dachte zuerst noch, ‘endlich, beinah ein buch ganz für österreich, das ist was’ und musste dann feststellen, dass ich für lediglich binnenösterreichisches geschreibsel meine mir vertraute inhaltsseite (auf der letzten des ersten buches nämlich; das ist der richtige ort dafür; falte ich die zeit lesegerecht nach meinem – besten – system, bleibt übersicht gewahrt) geopfert sehen musste – vor wenigen monaten also eine “österreich-mutation” herausgebracht hat.

    eine “österreich-mutation”, deren ersten zehn, fünfzehn wochen in “nationalsozialistischerinnerlichen geburtswehen” ich ja noch gerne, jedenfalls aber wohlwollend mitgeschnauft habe. (ich habe sie gesammelt; keine ausgabe konnte ohne einen österreich-und-NS-hinweis ihren weg zu meinem kiosk, pardon, in meine trafik finden.)

    schwamm drüber. durchtauchen, den giovanni doch nicht mit solch kleinkarierten lächerlichkeiten wie einen leserbrief belästigen. dacht ich mir. und werd da auch “bei” bleiben. (exkurs: alleine ihre unwerten “Ösi-Fussnoten” gehen etwa mir auf “dem Allerwertesten”, um auch den Spiegel einzuflechten, das einzige zu lesende wochenmagazin in österreich.)

    nicht mehr durchtauchen kann (ich zumindest) durch dieses “ösiblog”. nicht, ohne zumindest diese kritik hier online werden zu lassen. nicht, weil ich es ja einfach nicht lesen bräucht, sondern weil es eben ein blog der “Zeit” ist! und in dieser form etwas zu peinlich, als dass es diese grosse zeitung verdient hätte.

    quod licet …

    wenn sie es schon nicht verstehen, und das gilt – nach der ersten, ich gesteh, noch oberflächlichen, durchschau – für wohl alle hier (politisch) schreibenden, ihre persönlichen ideologien etwas dezenter zur schau zu stellen, dann sollten sie das ganze wenigstens mit ein bisschen mehr niveau machen. ein bisschen. wenigstens. ich danke für ihre aufmerksamkeit.

    ps. weil es mir wichtig ist: ich lese ab und an und vor allem recht gerne ihr persönliches weblog. diese kritik richtet sich ausschliesslich an diese art beiträge hier.

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