Nachrichten aus dem Zentrum

Alltagsallergie

Von Werner Perger 23. November 2006 um 10:24 Uhr

Eva Menasses Ortstafel-Notiz – und den ersten Kommentar dazu – habe ich letzte Nacht gelesen, mir ist immer noch schlecht. Danke. Manchmal frage ich mich, ob wir Ausland-Ösis unter den grotesken Zuständen in Österreich noch mehr leiden als die Freunde daheim, für die das der Alltag ist? Hallo, wie haltet ihr das aus? Neulich sagte Senta Berger in einem FAZ-Interview (18. Nov.), es ging da unter anderem um politischen Stil bzw. um Stillosigkeit (in Deutschland): “Aber das alles ist nichts im Vergleich zu Österreich. Der Wahlkampf dort war eine so unglaubliche Verluderung der Sprache und Sitten, dass es mir als Österreicherin richtig weh tut.” Stimmt genau, sie hat das nur milde ausgedrückt. Ein paar Tage vor der Wahl habe ich die Elefantenrunde im ORF gesehen, also auch mit diesen beiden von BZÖ und FPÖ. Ich erinnere mich nicht an Details, aber umso besser daran, dass mir das unglaublich peinlich war und ich mich danach ziemlich geniert habe. Ist das eine Allergie? Freunde in Wien habe ich gefragt: Wie haltet ihr das aus? Die amüsierten sich ein bissel über mich: Wir sind das doch gewohnt. Mein Beileid. Aber auch die Bitte: G’wöhnts euch nicht.

Kategorien: Standard
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Sehr geehrter Herr Perger,

    ich stimme Ihnen voll zu. Seit einiger Zeit studiere ich Journalismus und Verlagswissenschaften in Schottland. Ich bin an einer Uni, an der man sich manchmal unter den ganzen Indern und Chinesen als Weißer fast in der Minderheit fühlt. Wunderbar. Wenn ich dann erzähle, dass ich aus Österreich komme, dann hört man nichts von Strache, Stadler u. Co., sondern nur positives. Oft schäme ich mich dann innerlich, wenn ich an diese Saufbrüder mit ihren Schmissen im Gesicht vorstelle. Ich überlege mir dann, ob ich etwas sagen soll, um mein Land so darzustellen, wie es wirklich ist. Meistens sage ich nichts. Meistens beruhige ich mich dann damit, dass es ja “nur” Söhne ehemaliger Nazis sind (Lingens vom Profil), die mit ihrem Erbe nicht zurechtkommen. Außerdem beruhige ich mich, in dem ich mir sage, dass es zwar oft eine ungustiöse Stimmung in Österreich gibt, diese aber – anders als in Teilen Ostdeutschlands – nur selten in Gewalt ausbricht; da haben wir Gott sei Dank Angst vor unserer eigenen Courage. Zum Dritten beruhige ich mich damit, dass die meisten Österreicher, anders als viele Briten, schon einmal in Prag oder in Bibione waren, und deshalb selbst einmal erlebt haben wie es ist, Gast zu sein. Denn so offen, wie die Schotten auch sind, so wenig wissen viele doch von der Welt da draußen. Danach geht es mir besser, aber nur kurz: bis zum nächsten Besuch bei Standard.at.

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    • 23. November 2006 um 13:58 Uhr
    • —MB
  2. 2.

    Sehr geehrter Herr Perger,
    auch ich bin perplex, was sich Jörg Haider einfallen lässt um zweisprachige Ortstafeln zu verhindern. Diese Geschichte zieht sich ja ewig dahin. Meine Theorie ist, dass durch die Anhäufung von vielen Ereignissen (Wahlen in der Niederlande, Koalitionsverhandlungen …) Haider glaubt, diese Aktion ohne großes Aufsehen durchzuführen. Was mich aber besonders stört, ist das ein Priester der ein neues Gemeindeamt eingeweiht hat und das Haus auch auf slowenisch segnete, von Haider als Provokateur diffamiert wurde.
    Stimmt, der Wahlkampf ist wirklich aggressiv gewesen. Und die braunen Rülpser der beiden Rechtsparteien (BZÖ und FPÖ), die ich bis dato vom Parteiprogramm nicht auseinanderhalten kann, sind zum Schämen.

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  3. 3.

    Das traurige ist, dass sich das “Problem” innerhalb Kärntens auch ohne Haider&Co nicht ändern wird. Hier ist die Bundespolitik gefragt, aber die ist anscheinend auch zu feige :-(

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    • 27. November 2006 um 14:23 Uhr
    • Lesr
  4. Leserbrief zum Thema

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