Schicksal, höhere Mächte oder welche Gründe auch immer dazu führen, dass ein Konzert abgesagt wird – die Menschen, bei denen deshalb die Tickets unangetastet am heimischen Kühlschrank hängen bleiben, sind immer traurig. So auch, als die aus Kopenhagen stammende Musikerin MØ im März letzten Jahres ihr Konzert im Uebel & Gefährlich absagte. Aber nun, ein gutes Jahr später, packt die Dänin ihr Debütalbum No Mythologies To Follow in x-facher Ausfertigung in den Koffer und fährt gen Süden nach Hamburg. Textsicher sind wir schon lange bei aufreizend schlängelnden Elektropop-Nummern wie Maiden oder XXX 88 feat. Diplo. Hoffentlich spielt sie auch den Album-Opener Fire Rides, den an Lana del Rey gemahnenden Track Never Wanna Know oder das verführerische Red In The Grey. Und noch hoffentlicher wird das Konzert nicht wieder abgesagt, das wäre ein Stich mitten ins Elektro-Herz.
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Das klingt so schräg, dass es unterhaltsam sein muss: Die Metalband Grailknights – zu Deutsch „Ritter des Grals“ – fordert ihr Publikum (Battlechoir) während des Konzerts zur lautstarken Hilfe bei der Suche nach dem Heiligen Gral auf. Ziel ist es, den Kelch aus den Klauen ihres Erzfeindes, dem dämonischen Dr. Skull, zu entreißen. Die Ritter tragen während ihrer Show bunte Superheldenkostüme und musizieren an der Seite ihrer Bierstute Zapf Beauty. Wer so kreativ ist, wird mit einer wachsenden Fangemeinde belohnt. Grailknights unterhielten schon auf vielen Festivals die Metal-Meute und waren Tour-Support der schwedischen Band Sabaton. Es ist halt nach wie vor eine Freude, Menschen zuzuschauen, die sich selbst und ihre Musik nicht zu ernst nehmen. Am Metal Monday im Knust sind The Pony Hellride Experience und Ivory Tower mit von der Partie.
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Um am Montagmorgen die Augen aufzukriegen, hilft ein Besuch im neuen Café von Argin Keshishian und Veljko Tatalovic. Schon seit einiger Zeit rösten und vertreiben die Freunde als Public Coffee Roasters hochwertigen Espresso und Filterkaffee aus Honduras, Panama und Äthiopien. Argin und Veljko sind Anhänger der Third Wave-Bewegung, die Kaffee, wie Wein, nach Herkunftscharakter bewertet und bei der Verarbeitung verschiedene Geschmacksnuancen herausarbeitet. Kürzlich eröffneten sie ihr Ladencafé in der Wexstraße – ein schöner Ort, um sich vom Barista einen starken Kaffee reichen zu lassen. Außerdem hat man am Tresen die Wahl zwischen Kuchen aus der Tarterie St. Pauli, Croissants und belegten Stullen. Das Café, das im reduzierten Industriedesign eingerichtet ist, soll als Plattform für Ausstellungen von Hamburger Künstlern dienen und bietet immer eine große Auswahl an Coffee Table Mags: hübsch gelayoutete Independent-Magazine wie The Gourmand oder Caffeine. Auch Kaffee und Zubehör sind kaufbar – im Ladencafé, unter anderem bei Hanseplatte oder im Onlineshop.
Kinderlieder treiben Erwachsene mit musikalischem Anspruch oft in die Verzweiflung. Die Songs der Hamburger Band Deine Freunde sind anders. Rapper Florian Sump, DJ Markus Pauli und Sänger Lukas Nimscheck machen Hip Hop – keine weichgespülten Kinderversionen, sondern Beats und witzige Texte für die ganze Familie. Nach dem ersten Album Ausm Häuschen mit dem Hit Schokolade erschien nun die neue Platte Heile Welt, auf der auch mal ein nachdenkliches Stück Platz findet. Ansonsten bleiben die Musiker beim Musik-soll-Spaß-machen-Konzept. Mit dem letzten Album tourten die drei quer durch Deutschland. „Dabei haben wir gemerkt, dass die Kids auch auf härtere Sachen klarkommen“, sagt Florian, der Teilzeit in einer Kita arbeitet. Deshalb ist der Nachfolger noch basslastiger ausgefallen und mit Elektrosounds sowie Hip-Hop-Zitaten aus der erwachsenen Szene gespickt. Die Texte beschreiben aber nach wie vor die Welt von Kindern.
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Anna F. mag Camping, im Tourbus feiern, Henne im Korb sein, Fußball und Jimmy Page (Led Zeppelin). Anna F. hasst das Wort „Humankapital“, das Geräusch von platzenden Luftballons, Lakritz und Raumspray. All das erfährt man beim Lesen des Frage-Antwort-Spiels zwischen der österreichischen Popsängerin und dem Tagesspiegel. Die Liste klingt sowohl nach dem Mädchen von nebenan, als auch nach einer Frau, die gerne auf den Putz haut. So in etwa kann man auch das neue Album der 28-Jährigen beschreiben. Poppig und eingängig klingen die Melodien auf King In The Mirror – sie treffen aber auf unartige Texte, wie beim Song DNA, in dem Anna F. die Zeile „It’s ok, I just wanna fuck your friends“ singt, während ihr im Musikvideo geschmolzene Eiscreme von der Waffel über die Hand läuft. Böse, böse. Mittlerweile lebt Anna F. in Berlin, tourte im März als Opener mit dem britischen Singer-Songwriter James Blunt durch Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie Italien, und steigt – weil’s so schön war – im Anschluss direkt wieder mit ihrer Band in den Tourbus. Nächster Halt: Nochtspeicher.
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Ramschige Neuware ist beim Kulturflohmarkt vom Museum der Arbeit tabu. Der Fokus liegt auf echtem Trödel von Privatpersonen und Antikem mit Sammlerwert, Büchern, Möbeln, Second-Hand-Kleidung und Hausrat. Hier kaufen und verkaufen Menschen, weil sie den Recycling-Gedanken gut finden und an nachhaltigen Konsum glauben. In diesem Jahr dürfen die Verkäufer erstmals nicht nur auf dem Hof des Museums, sondern auch auf dem umgestalteten Barmbeker Stadtplatz ihre Tische aufbauen. So entsteht eine Flohmarktfläche von insgesamt 7.500 Quadratmetern. Wer richtig schwere Dinge von A nach B transportieren muss, darf auf das neue Lasten-E-Bike vom Museum zurückgreifen. Während zwischen Wiesendamm und Osterbekkanal in alter Fabrikkulisse gefeilscht wird, trifft man auch auf den einen oder anderen Kulturbeitrag – Stelzenläufer und Osterhasen unterhalten die Kids und verteilen Schokolade, außerdem ist das Museum geöffnet und alle Ausstellungen sind zugänglich.
Warum sollte man als Hamburger an einer Stadtführung teilnehmen? Weil Sven Amtsberg und Katrin Seddig pikante Details über ein Viertel wissen, die bei normalen Rundgängen unausgesprochen bleiben. Das Literatur-Entertainment-Duo spricht diesmal die ungeschönte Wahrheit über das Portugiesenviertel und seine Entstehung aus. Das war ihrer Meinung nach so:
Der Portugiese hatte alles, was sich ein Hamburger wünschte: dichtes Haar, das ihm auch bei einer leichten Prise keck ins Gesicht weht, das Talent, aus Fisch mehr zu machen als nur Fischbrötchen, und ein sonniges Gemüt ohne den Hang zum Plaudern. Der Hamburger verbrachte also seinen Urlaub oft in Portugal und war ganz traurig, wenn er wieder nach Hause musste. Deshalb entschloss sich der Senat Anfang der siebziger Jahre viel Geld in die Hand zu nehmen, um Portugiesen nach Hamburg zu holen und die Hanseaten glücklich zu machen. Das klappte prima, sie wurden lebensfroher und die Portugiesen bekamen ihr eigenes Viertel – einige fuhren wieder in die Heimat, andere blieben und brühen noch heute tollen Kaffee und kochen leckere Fischgerichte.
TEXT: LENA FROMMEYER
Anmeldung zur Stadtführung vor Ort, Treffpunkt: S-Bahnstation Landungsbrücken, Eingang Hafentor
Wirklich greifbar ist das Thema „Flüchtlinge in Deutschland“ erst, wenn es ein Gesicht bekommt, oder gleich mehrere, wie im Dokumentarfilm Land in Sicht – Willkommen im Asyl von den Berliner Filmemacherinnen Judith Keil und Antje Kruska. Sie begleiteten ein Jahr lang drei Flüchtlinge mit der Kamera und zeigen so einen Alltag, der manchmal durch seine Tragik schon fast komisch wirkt. Die Regisseurinnen waren ganz nah dran am neuen Leben von Brian aus Kamerun und Farid aus dem Iran, die beide im Flüchtlingsheim Bad Belzig untergebracht sind, und sie begleiteten den jemenitischen Soldaten Abdul, der eine Wohnung in Bad Belzig bezog. Sie zeigen, wie die drei Männer versuchen, die „deutsche Kultur“ zu begreifen und sich im Diesseits ein Leben aufzubauen. Der Zuschauer ist dabei, wenn sie auf Spielmannszüge, eine Bauchtanzgruppe, die Zeugen Jehovas und eine Jobberaterin treffen – diese Begegnungen sind skurril, dadurch auch unterhaltsam, und illustrieren gut, wie obskur die deutsche Vereinslandschaft, religiöse Gruppierungen und die Sprache der Behörden tatsächlich sind, was nicht nur auf Flüchtlinge völlig fremd wirken dürfte. Die Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska sind bei der Hamburger Premiere zu Gast.
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Das martialische Make-Up der vier Musiker gibt einem das Gefühl, dass da tatsächlich Untote an Kontrabass, Schlagzeug und Co. hantieren. Die Horrorpunk- und Psychobilly-Band Bloodsucking Zombies From Outer Space aus Wien spielt im Hafenklang. Ihr attitüdenreiches Auftreten und ihre Texte, die sich bei Horror-Filmklassikern wie Freitag der 13. oder Der Exorzist bedienen, bilden ein gruseliges Gesamtpaket. Ähnlich dramatisch klingen auch die Namen jener drei Bands, die ab 20 Uhr im Grünen Jäger angekündigt sind: Declare Your Funeral stehen für Metalcore aus Hamburg, Cry My Name spielen melodischen Hardcore und auch We Need Guns aus Lübeck sind musikalisch den Genres Metal und Hardcore zugeneigt. Letztere distanzieren sich übrigens von jeglicher Waffengewalt, die ihr Bandname suggeriert. Der entstand, als der kleine Bruder des Gitarristen ihre erste Jam-Session stürmte und aufgeregt „Wir brauchen Waffen!“ rief, um mit seinen Freunden Indianer und Cowboy spielen zu können. Süß.
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„Kimchi ist die Seele der koreanischen Kultur“, heißt es in der Graphic Novel Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen. „Und wer genug Kimchi eingemacht hat, der fühlt sich reich, hat keine Sorgen mehr – schließlich kann man damit alle möglichen Gerichte zubereiten“, erklärt Sohyun Jung. Die 32-jährige Südkoreanerin kam vor sechseinhalb Jahren nach Hamburg, wo sie an der Hochschule für Bildende Künste studierte. In ihrem Buch, das mit dem Hamburger Graphic-Novel-Förderpreis AFKAT ausgezeichnet wurde, spielt das koreanische Nationalgericht die Hauptrolle. Und Hana, die in einer deutschen Großstadt lebt und aus lauter Sehnsucht nach ihrem koreanischen Zuhause versucht, Kimchi zuzubereiten. In zarten Tusche-Zeichnungen erzählt Jung die Geschichte von Heimat und Heimweh, von Familie und vom Erwachsenwerden. Manchmal macht Sohyun Jung ebenfalls Kimchi – so wie ihre Titelheldin schneidet sie den Chinakohl in vier Viertel, legt ihn ein, streut Salz zwischen jedes Blatt und lässt das Ergebnis acht Stunden lang stehen. Wenn ihr dazu die Geduld fehlt, geht sie zum Kimchi-Essen ins Restaurant Hanmi in der Rentzelstraße. Am 17. April präsentiert Sohyun Jung ihre Graphic Novel im Club 20457 in der HafenCity – mit Kimchi-Verkostung und einem Konzert des Krachkisten Orchesters.