Olympia-Splitter III: Die große Kupplungsshow

Es war die erste Panne dieser Olympischen Spiele. Und was für eine. Millionen Menschen weltweit haben zugesehen, als bei der Eröffnungszeremonie in Sotschi die vier olympischen Ringe aufleuchteten. Und eine Schneeflocke. Schon damals munkelte man ja, was wohl mit dem armen Tropf geschehen würde, der diese Schneeflocke auf dem Gewissen hatte.

 

Der Verantwortliche für diese Blamage soll Boris Awdejew gewesen sein. Und heute berichtete das englische Blatt The Daily Currant: Sein Körper sei übersät von Messerstichen in einem Hotelzimmer gefunden worden. Über den Tathergang sei noch nichts bekannt. Ich war schockiert.

Ganz sicher bin ich nicht die Einzige, die dieser Nachricht auf den Leim gegangen ist. Aber ich kann Sie beruhigen: The Daily Currant ist ein Satireblatt. So wie der Postillon, bloß weniger lustig. Die Story ist frei erfunden. Awdejew lebt. Vermute ich mal.

*** *** ***

Für den russischen Snowboarder Alexj Sobolej sind die Olympischen Spiele schon wieder vorbei. Zumindest sportlich. Privat wird er noch eine ganze Weile mit den Nachwirkungen seines Auftritts zu tun haben.

Bei der Qualifikation zu seinem ersten Wettkampf hatte sich der 22-Jährige seine Handynummer auf den Helm geschrieben. Nur wenige Minuten war sie für die Fernsehzuschauer sichtbar. Dann musste er sie mit schwarzem Tape abkleben. Doch der kurze Moment reichte dem russischen Frauenschwarm: 2.000 SMS, viele davon mit Nacktfotos, trudelten auf seinem Handy ein.

Dass er das Finale beim Slopestyle-Snowboarden nicht erreicht hat, ist dabei reine Nebensache. Immerhin hat er jetzt genug Zeit, die vielen Nachrichten zu beantworten.

*** *** ***

Wladimir Putin wird das sicherlich freuen: Olympia als Kupplungsshow. Er möchte, dass seine Kinder fruchtbar sind und sich mehren. An russische Frauen wird derweil recht offen der Wunsch herangetragen, doch gefälligst mehr Kinder zur Welt zu bringen. Es scheint zu wirken. Stolz verkündete die russische Regierung zum Start der Olympischen Spiele, dass die Zahl der Geburten die der Sterbefälle wieder übersteige.

Passend dazu hieß es aus Sotschi nun: Ein neuer Geburtenrekord. Ausgerechnet am Tag der Olympiaeröffnung erblickten 34 künftige Wintersportler das Licht der Welt. So viele wie angeblich seit zehn Jahren nicht mehr. Wir schauen dann in neun Monaten noch mal, ob wir alle die Olympischen Spiele nicht doch irgendwie unterschätzen.

 *** *** ***

Für die Österreicher gab es heute eine besondere Überraschung: Wladimir Putin kam spontan zu Besuch, um den Athleten „Alles Gute“ zu wünschen. Und das sogar auf Deutsch.

 

Lieber O., ich hasse keine Russen

Lieber Edgar O.,

Sie haben sich am Samstagmorgen um 2:51 Uhr die Mühe gemacht, mir in Bezug auf einen Artikel eine private E-Mail zu schicken. Im ersten Satz ihrer Nachricht bezeugen Sie, ich sei zu emotional für einen Journalisten. Sie fordern mich auf, mein Feindbild der Russen zu überdenken. Im dritten Satz behaupten Sie, Wladimir Putin sei zu recht der mächtigste Mann der Welt.

Ich habe mich über Ihre Zeilen gefreut. Anders als viele andere mir unbekannte Menschen, die mich am Wochenende kontaktierten, halten Sie mich nicht für einen „Propagandisten“, „Russenhasser“ oder „Russlandhetzer“, zumindest schreiben sie es nicht wortwörtlich und raten mir nicht, „endlich eine russische Frau in Sotschi zu finden“.

Wissen Sie, als ich am Samstagabend in den Bergen des Kaukasus wanderte, über ihre Worte grübelte, kam ich vom rechten Weg ab. Ich sah ein wolfsähnliches Tier, rannte einige Meter, erreichte einen unbeleuchteten Tunnel und blieb im Schnee stecken. Der Kalte Krieg hat nie ein Ende gefunden, dachte ich. Deshalb halten Sie mich nach einem kritischen Kommentar über Putin für einen Freund Amerikas. Das erklärt, warum OlympicMartin mich auf Twitter beschimpft, Alexje und Dimitru mir auf Facebook drohen. Darum wissen wir vom Fuck-the-EU-Telefonat.

Oben im Kaukasus hätte es passieren können, dass ich nie wieder nach Hause gefunden hätte oder Schlimmeres, eine Falle. Womöglich wäre ich noch in einem der schrecklichen Journalisten-Hotels gelandet, in denen das WLAN nicht geht. Dann kamen zwei kräftige Russen auf mich zu.

Vassili und Andre, beide in der Bergregion rund um Sotschi aufgewachsen, Anfang 20, Angestellte des IOC. Sie zeigten mir den richtigen Pfad, nahmen mich in ihre Mitte und redeten mit mir in drei Sprachen. Kein Wolf kreuzte unseren Weg. Am Ende, nachdem wir noch aufs Finale der buckelpistenabfahrenden Frauen geschaut hatten, umarmten wir uns bei der Verabschiedung.

Schon mein Opa, der in der DDR als bester Traktorist der Landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaft seines Landkreises mehrmals Russland bereisen durfte, hatte mir als Kind erzählt, wie liebenswert, spontan und gesellig viele Russen sind. Und nun, lieber Edgar O., lieber OlympicMartin, kann ich es Ihnen von Herzen auch aus eigener Erfahrung schreiben: Ich hasse gar keine Russen.

Wer die russische Regierung, also Wladimir Putin, kritisiert, meint damit nicht die Menschen, die in Russland leben. Ich dachte, das wäre klar. Übrigens interviewen wir jeden Tag einen von ihnen, Stimmen Russlands heißt die Serie, egal ob Putin-Kritiker (die größten Putin-Kritiker sind übrigens Russen) oder Putin-Anhänger. Seien Sie sicher, wir suchen in der Redaktion ein ausgewogenes Bild.

Und erlauben Sie mir noch einen kurzen Hinweis. Ich glaube, in der Olympia-Kritik und dem Stöhnen einiger Journalisten über ihre Hotels ist noch etwas durcheinandergeraten. Wenn in einem Hotelzimmer zwei Toiletten nebeneinander stehen oder das Laminat nicht gerade verlegt ist, hat das nichts mit den Menschenrechtsverletzungen der russischen Regierung zu tun. Auch über die Verantwortung des Internationalen Olympischen Komitees, das die Winterspiele an einen subtropischen Badeort vergeben hat, sagt ein falsch angebauter Lichtschalter wenig aus.

Wer das miteinander vermischt, überhöht die Lichtschalter und umgeht die Probleme in Russland: eingeschränkte Meinungs- und Demonstrationsfreiheit, Korruption, selektive Justiz, keine freien Wahlen.

Mit herzlichen Grüßen aus Sotschi, wo die Sonne scheint, die Luft voller Liebe ist und das Meer einen mit seinem Blau verzaubert,

Steffen Dobbert

 

Olympia-Splitter II: Sportler und die Menschenrechte

Claudia Pechstein legte sich nach dem Zieleinlauf erschöpft auf eine Bank. Sie war ihr 3000-Meter-Rennen zu schnell angegangen. Ungewöhnlich für die erfahrene Athletin. So verpasste die fast 42-Jährige um einen Platz die Medaillenränge. Pechsteins Auftritt in Sotschi erreicht viel Aufmerksamkeit, ist sie doch die erfolgreichste Wintersportlerin der deutschen Olympia-Geschichte.

Weil das ZDF am Sonntag übertrug, sah man Pechstein im Fernsehen beim Interview. Den Kollegen von der ARD gibt sie selten bis gar keine Interviews. Die waren zu kritisch. Pechstein ist vor gut vier Jahren wahrscheinlich zu Unrecht wegen Dopings gesperrt worden. Doch ob sie wirklich immer sauber war, daran darf man zweifeln.

Es gewann die Holländerin Ireen Wüst, die Favoritin. Ein besonderes Detail: Sie ist bisexuell. Das ist ja eigentlich egal, aber natürlich auch nicht. Bei diesen Spielen (und nicht nur bei diesen) ist das auch ein politisches, ein juristisches Thema. Natürlich nicht bei unseren Nachbarn, die Niederlande gelten als eins der liberalsten Länder in Bezug auf die Rechte von Homosexuellen und deren Gleichstellung. Aber im Putinland sei dieser Hinweis gestattet.

***

Wenn es eine Königsdisziplin bei den Winterspielen gibt, dann ist es das Abfahrtsrennen im Ski Alpin – sowas wie das 100-Meter-Rennen des Winters. Am Sonntag waren die Männer dran. Es gewann: ein Österreicher. Das klingt nicht überraschend, ist es aber. Matthias Mayer hatte vorher nicht zu den Favoriten gezählt, im Weltcup hat er es bislang nur zwei Mal aufs Podest geschafft, jeweils Rang 2 im Super-G, nie in der Abfahrt. In Rosa Chutor, dem Potemkischen Dorf, wohin Putin zum Skifahren bestellt, war der Kärntner aber als Erster unten (also im übertragenen Sinn, denn die fahren ja nicht gleichzeitig runter). Andere Begriffe für Rosa Chutor: Disneyland, Lindenstraße.

© Facebook
© Facebook

Man hatte eher mit dem Norweger Aksel Lund Svindal und dem Amerikaner Bode Miller gerechnet. Doch die blieben ohne Medaillen. Für den Pistenteufel Miller, den vermutlich bekanntesten aktiven Skifahrer der Welt, werden es wahrscheinlich seine letzten Spiele sein.

***

Einen lesenswerten Beitrag entnehmen wir dem Blog von Jens Weinreich, dem Sportjournalisten des Jahres 2013. Er befasst sich mit der Frage, ob sich Sportler politisch äußern sollen. „Das sind natürlich keine jungfräulichen Themen und Fragen, sondern Dauerbrenner. Derlei Fragen werden diskutiert, seit es Olympische Spiele gibt“, schreibt Weinreich und referiert wichtige Beispiele. Die bekanntesten sind Cathy Freeman, die Aborigine und Goldmedaillengewinnerin über 400 Meter von Sydney 2000, und Tommie Smith, der nach seinem Olympiasieg in Mexiko Stadt 1968 gemeinsam mit John Carlos die schwarzbehandschuhte Faust streckte. Das Symbol der antirassistischen Black-Power-Bewegung.

Ein aktuelleres Beispiel: Der amerikanische Mittelstreckenläufer Nick Symmonds widmete während der Leichtathletik-WM in Moskau 2013 seine Silbermedaille seinen lesbischen und schwulen Freunden. Weinreich zitiert Symmonds, der sagte, er sei „keine seelenlose Maschine, die nur Training und Medaillenziele im Kopf habe“.

Ich habe über die deutsche Fahnenträgerin Maria Höfl-Riesch geschrieben, dass man von ihr wohl keine „politische“ Äußerung hören wird. Ich kann mich Weinreich nur anschließen. Ich verlange gar nicht, dass sich Sportler äußern, und kritisiere auch nicht, wenn sie es nicht tun. Schön fände ich es freilich, wenn sich Sportler mündig geben. Erst recht, wenn sie das dritte Lebensjahrzehnt fast vollendet haben und erst recht, wenn sie die deutsche Fahne tragen. Bei Weinreich heißt es: „Man muss kein Held sein, um für Menschenrechte einzustehen. Nur Mensch. Das gilt auch für Sportler.“

Das Zitat war mir noch im Kopf, als Gerhard Schröder gestern im Beisein des IOC-Präsidenten Thomas Bach im Fernsehen sagte, man solle politischen Konflikte nicht auf dem Rücken von Sportlern austragen. Nichts verstanden, kann ich dazu nur sagen. Wenn jemand etwas auf dem Rücken von Sportlern austrägt, dann das IOC. Traurig, welches Bild der Putin-Buddy Schröder abgibt. Hätte ich 98 doch nur Kohl gewählt.

Siehe dazu auch: „Es gibt niemanden, der seine rigorosen Kommerzinteressen rücksichtsloser auf dem Rücken der Athleten austrägt, als das IOC“, sagt Thomas Kistner, Sportpolitikexperte der SZ, dem Deutschlandfunk.

Ein paar Leseempfehlungen

    Im Economist der Vorwoche finden wir zwei gute Recherchen über die politische Bedeutung Sotschis für Putin und die wirtschafltichen Nachteile, die die Autokratie Putins für Russland nach sich zieht. Wussten Sie, dass sich Putin (angeblich) Juri Andropow, das sowjetische Staatsoberhaupt von 1983 bis 1984, zum Vorbild genommen hat?

    Auf der Website von Play the Game, einer Art Sportpolitik-NGO aus Dänemark, berechnet der holländische Sporthistoriker Jurryt van de Vooren die Kosten der Spiele 2014. Danach sei das Budget von Sotschi höher als alle Winterspiele von 1924 (Premiere in Chamonix) bis 2010 zusammen. An gleicher Stelle fordert der Leiter von Play the Game, Jens Sejer Andersen, die Olympischen Spiele wieder kleiner und handlicher zu machen.

    Auf der amerikansichen Nachrichtenseite dailybeast vergleicht der ehemalige Schachweltmeister und politische Oppositionelle Garry Kasparov die Spiele von 2014 mit denen von 1936: Titel: „Die Liebesgeschichte zwischen Diktatoren und Olympischen Spielen“. Hitler-Vergleiche sind gemäß Godwins Gesetz unausweichlich. Deswegen sind sie aber noch nicht immer falsch. Und, bevor jetzt die geschätzten Kremltrolle wieder aktiv werden: Vergleichen ist etwas anderes als Gleichsetzen. Vergleichen heißt mitunter: Unterscheiden.

    In St. Petersburg, erfahren wir von Human Rights Watch, wurde während der Eröffnungsfeier die russische Menschenrechtlerin Anastasia Smirnova festgenommen. Sie wollte ein olympiakritisches Banner fotografieren. Kurz später ereilte zehn homosexuelle Aktivistinnen und Aktivisten das gleiche Schicksal. Sie hielten eine Regenbogenflagge hoch und sangen am Roten Platz in Moskau die russische Nationalhymne.

 

Olympia-Splitter: Olympia für Fürsten, Künstler und Amateure

Was wären die Olympischen Spiele ohne die Sportler? Und was wären sie ohne ihre Exoten? Die berühmtesten der Sportgeschichte sind Eddy the Eagle, der britische Schieflieger, und die Jungs von Cool Runnings. Das waren die jamaikanischen Bobfahrer, die 1988 in Calgary so viel Aufsehen verursachten, dass sie Stoff für einen (sehr erfolgreichen) Spielfilm lieferten.

In den echten Wettbewerben von Calgary hatten die Jamaikaner keine Chance, verkörperten aber das olympische Prinzip: Dabei sein ist alles.

Doch es darf natürlich nicht jeder dabei sein, auch nicht in Sotschi. Das IOC und die nationalen Fachverbände haben für jede Sportart genaue Nominierungskriterien festgelegt. So ist einerseits die Zahl der Athleten aus einem Land begrenzt. Andererseits qualifiziert sich im Allgemeinen nur die Weltklasse. Olympia ist keine Jedermann-Veranstaltung.

Und: Olympia ist auch gefährlich, gerade auf Schnee und Eis. Vor vier Jahren kam es in der Rodelbahn von Vancouver zu einem tödlichen Unfall. Der Georgier Nodar Kumaritaschwili kam mit über 140 Stundenkilometern von der Bahn ab und prallte gegen ein Betonteil. Daraufhin hat das IOC nicht nur die Bahnen verlangsamt, sondern auch die Qualifikationskriterien verschärft. Abfahrt und Bobsport sind ebenfalls lebensgefährlich, auch da ist das IOC streng. Eine Wiederholung von Cool Runnings ist heute nicht mehr vorstellbar – auch wenn Jamaika in Sotschi mit einem Bob startet, doch die aktuellen Fahrer aus der Karibik sind keine Anfänger mehr.

Allerdings lässt das IOC Lücken für Außenseiter. In solchen Disziplinen, die relativ ungefährlich sind, sind die Hürden niedrig, zum Beispiel Slalom und Riesenslalom im Ski Alpin oder im Langlauf. Da kann man zwar auch hinfallen, aber man holt sich kaum mehr als eine feuchte Hose. Und so kommt es, dass wir in Sotschi Wintersportler aus Afrika, dem Pazifik, der Karibik oder anderen Sonnenregionen sehen werden.

Vanessa-Mae mit Thomas Bach
Vanessa Mae mit Thomas Bach (AFP/Getty Images)

Vanessa-Mae wird bei Olympia wohl nicht die erste Geige spielen. Aber dabei sein ist ja bekanntlich alles. Weil die Stargeigerin die russische Nationalhymne nicht spielen kann, darf sie nicht bei der Eröffnungsfeier auftreten. Stattdessen schnallt sie sich nun Bretter unter die Füße und fährt für Thailand Slalom. Ihre Nummer in der Weltrangliste: 3.166. Ob Vanessa Mae die Stangen im Dreiviertel- oder Sechsachteltakt umkurven wird, will sie noch nicht verraten.

Falls sie während der Spiele mal einen väterlichen Rat braucht, fragt sie am besten den Erfahrensten aller Skirennfahrer: Hubertus von Hohenlohe. Der Adlige mit Vorfahren aus Liechtenstein nimmt schon zum sechsten Mal an Olympia teil, allerdings für Mexiko. Dort wurde er vor 55 Jahren geboren. Dass er der älteste Athlet in Sotschi sein wird, sieht man ihm kaum an. Immerhin hat sich der Lebenskünstler extra in Schale geworfen: Mit seinem Mariachi-Rennanzug, der ein schwarzes Bolero-Jäckchen, ein weißes Hemd und einen roten Kummerbund vereint, gewinnt er auf jeden Fall bei Sotschis Next Topmodel. Und auf dem Siegertreppchen kann er dann auch gleich seine neuesten Schlagerhits zum Besten geben.

Vielleicht gewinnt von Hohenlohe sogar noch einige neue Fans, zum Beispiel aus Paraguay, Simbabwe und Togo oder von Dominica, Osttimor, Tonga und den Britischen Jungferninseln. Denn diese Nationen schicken zum ersten Mal Athleten zu den Olympischen Winterspielen. Wegen des schlechten Zustands ihrer Skipisten hatten sie sich bisher aus dem Wintersport rausgehalten. Aber die einmalige Chance, in der schönsten Stadt Russlands Geschichte zu schreiben, wollten sie sich nicht entgehen lassen.

Der Skiverband von Togo ließ sich dafür etwas ganz Besonderes einfallen: Über Facebook kontaktierten sie die 19-jährige Mathilde-Amivi Petitjean. Die Schülerin wohnt seit ihrem zweiten Lebensjahr in Frankreich und hat sich in den Alpen auf die Spiele vorbereitet. Die jüngste Teilnehmerin in Sotschi ist sie aber nicht. Der Titel geht an die deutsche Skispringerin Gianina Ernst. Am 31. Dezember wurde sie 15. Hätte sie einen Tag später Geburtstag, dürfte sie nur zuschauen.

Deutsches Curlingteam um John Jahr (Getty Images Sport)
Das deutsche Curling-Team um John Jahr (Getty Images Sport)

Die deutsche Curling-Mannschaft setzt lieber auf Altbewährtes und bringt mit seinem 48-jährigen Teamleiter den ältesten Deutschen ins Turnier: John Jahr. Der Enkel des gleichnamigen deutschen Verlegers (Gruner + Jahr) wird in Sotschi die Steine aufs Eis bringen. Aber keine Sorge. Der Mann weiß, was es heißt, schwer zu tragen. Gegen die Millionen in seinem Tresor sind die Curling-Steine ein Klacks.

Eine anstrengende Olympia-Vorbereitung hat der Rennrodler Fuahea Semi hinter sich. Der 26-Jährige wurde von einer deutschen Agentur im Inselkönigreich Tonga entdeckt. Weil sein Allerweltsname aber bei den Spielen untergehen könnte, bekam er einen, den man sich leichter merken kann: Bruno Banani. Zufällig derselbe Name wie die sächsische Billigunterhosenmarke. Seit Semi so heißt, füllt sich sein Konto auf mysteriöse Weise. Und wenn es ums Geld geht, entdeckt sogar das IOC die Ethik. Präsident Thomas Bach sagt über diese Werbemasche: „Rechtlich haben wir keine Handhabe, ihn bei Olympia nicht starten zu lassen. Wir können nichts machen, wenn dieser Name in seinem Pass steht.“ Ethisch sei das aber nicht in Ordnung. Bleibt nur zu hoffen, dass der Rodler nicht in Boxershorts in den Eiskanal geschickt wird, um die neue Kollektion zu präsentieren.

Bruno Banani geht für Tonga an den Start (Alex Livesey/Getty Images Sport)
Bruno Banani geht für Tonga an den Start (Alex Livesey/Getty Images Sport)

Für Furore wollen in Sotschi aber auch einige alte Hasen sorgen: Ole Einar Björndalen ist schon jetzt der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten. Sechs Mal holte der Norweger bislang olympisches Gold. Doch der 40-Jährige hat noch nicht genug. Genauso geht es Noriaki Kasai, der bereits seit 1991 zur Weltspitze der Skispringer gehört. Obwohl er inzwischen 41 ist, will er an allen anderen vorbeifliegen. Der tschechische Eishockey-Spieler Jaromir Jagr wird in wenigen Tagen 42. Davon will er sich aber nicht vom Toreschießen abbringen lassen. Und auch Claudia Pechstein reiht sich in den Ü-40-Club ein. Die erfolgreichste deutsche Olympionikin im Wintersport trägt auch mit ihren 41 Jahren noch die Favoritenrolle im Eisschnelllauf.

Den jungen Athleten das Feld zu überlassen, kommt für die Alten nicht infrage. Zwischen Stützstrümpfen und Franzbranntwein haben sie in ihren Taschen noch Platz gelassen für ein paar Medaillen. Zwar könnten sie mit den bisher gewonnenen Trophäen schon ganze Museen füllen, aber sie wissen auch, dass man Edelmetall im Alter immer besser brauchen kann. Zum Beispiel für goldene Zähne oder silberne Krückstöcke.

In diesem Blog sammeln wir täglich die Olympia-Splitter: Fundstücke, Kurioses, Tweets und Sweets aus Sotschi. Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen und Ihre Anregungen.

 

Hier noch nicht fertig, dort schon verfallen

Falls das Video nicht lädt, klicken Sie bitte hier.

 

Unsere Olympia-Reporter Steffen Dobbert und Christof Siemes erzählen im Video von Sonnenschein und Baustellen, von ihren ersten Eindrücken in Sotschi also.

In diesem Blog werden die beiden über ihre Erlebnisse in Sotschi berichten. Über Kurioses, Wunderliches und Erzählenswertes abseits des Olympia-Stroms. Ab und zu werden sie auch über ihre Arbeit schreiben. Zusätzlich schreiben sie Texte für DIE ZEIT und ZEIT ONLINE, twittern hier und üben ihr Russisch. Wir freuen uns über Ideen, Anregungen, Fragen und Kritik. Den ersten Text für dieses Blog schrieb Christof Siemes kurz nach seiner Ankunft:

Ein großer Freund dieser Spiele in Sotschi war ich nie. Aber nun, da ich sie live erlebe, bin ich ernsthaft erschüttert. Natürlich kann man es blöd finden, wenn zwei Tage, bevor die Spiele von Sotschi überhaupt losgehen, gut situierte Journalisten rumnörgeln, in ihrem Hotelzimmer liege noch Bauschutt auf dem Bett. Aber inzwischen geht es nicht mehr nur um kleine Macken.

In meinem Zimmer dünsten Farbe und Teppichkleber noch derart giftig-frisch, dass mir Hals und Augen brennen. Die Zusicherung, es würde Internetzugang in jedem Zimmer geben, glauben wir schon lange nicht mehr. Und fragen Sie mal den Kollegen vom Tagesspiegel, wie der es fand, mehr als eine halbe Stunde in einem wackligen Aufzug steckenzubleiben, ohne dass irgendjemand auf seine Hilferufe über den Notfallknopf reagiert hätte. Am Ende musste einer der wenigen freiwilligen Helfer, der überhaupt die Telefonnummer des aus dem Boden gestampften Hauses kannte, aus Sotschi die Rezeption oben in den Bergen anrufen und sagen: Gorki Panorama, Sie haben ein Problem. Die Treppe ist übrigens auch keine Lösung: Die ist allein den Bauarbeitern vorbehalten.

Es hatte eben doch seinen Grund, warum bei unserer Ankunft der Eingang zu dem Komplex noch mit rot-weißem Trassierband abgesperrt war. Das Haus ist einfach nicht fertig – und das wird es in den nächsten drei Wochen bis zum Ende dieser Spiele auch nicht mehr. Und das ist kein Einzelfall. An den verschiedensten Schauplätzen wird zwar noch fleißig gewerkelt und gefegt, verzweifelt versuchen zahllose Bauarbeiter, den Putz, der nie dran war oder schon wieder abblättert, irgendwie noch zu flicken. Aber das ganze Tal vom Meer hinauf in die Bergregion von Krasnaja Poljana sieht immer noch aus wie eine gigantische Baustelle. Das Flussbett der Mzymta sieht nach sieben Jahren Brachialbehandlung aus wie ein Panzerübungsplatz. Verschämt versuchen die Verantwortlichen, die größten Brachen und Dreckslöcher hinter Sichtblenden zu verstecken. Aber die neue Straße und die Eisenbahnlinie liegen auf ihren gewaltigen Stelzen so hoch, dass wir auf unserer Berg- und Talfahrt zwischen den Wettkampfstätten freie Sicht auf jede Sauerei haben, die hier begangen wurde und in Jahren nicht verheilen wird.

Und so summieren sich die Einzelbeobachtungen zu einem ernüchternden Befund: Das ganze Projekt ist derart überdimensioniert, dass es selbst mit all dem Geld, dass Wladimir Putin hineinpumpen ließ, nicht rechtzeitig fertig werden konnte – und vielleicht nie wirklich fertig wird. Bürgersteige enden im Nichts, neu gepflanzte Bäumchen werden mit Stricken mühsam aufrecht gehalten, und wo man die mitunter achtspurige Schnellstraße, die nun das Tal durchschneidet, als Fußgänger gefahrlos überqueren soll, weiß keiner so genau.

Besonders gespenstisch mutet es an, dass manche Bauten, seien es nun Häuser oder Straßen und Wege, am einen Ende bereits zu verfallen scheinen, obwohl sie am anderen noch nicht mal fertig sind. Wie dieser Brutalismus aus der Retorte mit seiner billig gebauten Angeberarchitektur jemals den gewachsenen Skigebieten in den Alpen Konkurrenz machen soll (denn das war ja ein Ziel der Super-Investitionen), weiß der Nachfahr des Zaren allein.

Es stimmt ja, dass auch bei der Zurichtung der Gebirge Mitteleuropas zu alpinen Vergnügungsparks vieles schief gelaufen ist. Aber soviel Pfusch in so kurzer Zeit – das hat man nicht mal in den französischen Mega-Skigebieten fertiggebracht. Natürlich sollen nicht immer unsere westlichen Standards für den Rest der Welt das Maß aller Dinge sein. Aber die Veranstalter haben es auf diesen Wettstreit angelegt. Und kann man nicht mal die Hoffnung haben, dass irgendjemand aus unseren früheren Fehlern lernt? Oder von den obersten Olympiern in seinem Tatendrang etwas gebremst wird?

Selbst der Chef deutschen Delegation, der Ex-Grüne Michael Vesper, der sich zum staatstragenden Allesgutfinder gewandelt hat, musste angesichts der rücksichtslosen Umsetzung einer Profilneurose schwer schlucken. Für seine Verhältnisse erstaunlich unverschlüsselt sprach er auf einer Pressekonferenz im Deutschen Haus von seiner Hoffnung, das IOC möge angesichts dieser Zustände seine Vergabepraxis ändern.

Wie diese Spiele eine, ihre Seele finden wollen, bleibt angesichts der Megatonnen Beton, all der Containerdörfer und Gewerbegebietsästhetik ein Rätsel. Am Ende, so viel ist jetzt schon sicher, werden alle wieder mit leuchtenden Augen von Lillehammer sprechen, dem norwegischen Dorf, in dem 1994 die stimmungsvollsten Winterspiele aller Zeiten stattfanden.

 

Bayern München gegen Borussia Dortmund

Kurzfazit: Haben Sie diese Emotionen gesehen? Auf der einen Seite des Spielfeldes hüpften die Bayern nach dem Abpfiff herum wie junge Welpen. Auf der anderen standen die Dortmunder Arm in Arm vor ihren Fans, klatschten, wurden beklatscht und hatten feuchte Augen. Wobei: Philipp Lahm kullerten vor Freude und vor Erleichterung fast genauso viele Tränen übers Gesicht wie den Dortmundern. Und Arjen Robben. Er feierte sich ganz alleine, abseits der anderen. Sein Ego und seine Geschichte brauchte Platz. „Das ist mit nichts auf der Welt vergleichbar“, sagte Matthias Sammer, der heute mal nichts zu meckern hatte.

So ein Finale gab es in der Champions League noch nicht. Womöglich gab es sowieso nur ganz wenige Finals jemals, die so dynamisch, ausgeglichen und spannend waren. So was macht der Fußball. Deshalb drehen Millionen Menschen wegen 22 Fußballern und einem Ball durch.

Dortmund zeigte eine herausragende Leistung, besonders zu Beginn der Partie überrannten sie den Deutschen Meister. Doch der FC Bayern feiert nach zwei Jahren der CL-Enttäuschung völlig berechtigt den großen Erfolg. Guardiola wird in einigen Wochen die Besten noch besser machen müssen.

Der Mann des Spiels hätte einmal mehr Roman Weidenfeller sein können, neben Gündogan der beste unter allen guten BVB-Spielern. Wenn … ja wenn Arjen Robben, der ewige Zweite, wenige Minuten vor Schluss nicht mit seinem Tor das Spiel entschieden und die Geschichte seiner Karriere gedreht hätte.

200 bis 300 Millionen Menschen haben auf dieser Erde diese Bilder gesehen. Es war nur ein Fußballspiel, aber ein ziemlich faires, äußerst bewegendes und interessantes. Opa Jochen hätte sich daran erfreut. Der Security-Mitarbeiter, der die ZEIT-ONLINE-Redaktion bewacht, lag mir fast in den Armen.

Mit diesen Emotionen schließen wir das Liveblog, hoffen, Sie kommen mit guten Gefühlen in die Nacht und verweisen auf die Reportagen der London-Reporter, die am Sonntagmorgen folgen.

93′ Schluss in London. Aus für den BVB. Welch ein Spiel, welch ein Ende. Bayern München ist der Jahrhundert-Finalgewinner. Ich freue mich mit dem Security-Mitarbeiter. Wenn wir ausgetanzt haben, kommt noch ein kurzes Fazit.

88′ TOOOOOOOOOOOOR!!!!! ROBBEN ist doch ein MÜLLER 2:1. Welch ein Tor. Er schlängelt sich durch die halbe Abwehr des BVB und spitzelt das Ding an Weidenfeller vorbei. Hut ab!

87′ Weidenfeller, bisher wieder einmal der wichtigste Dortmunder. Jetzt pariert er gegen Schweinsteiger.

78′ Mich haut das Spiel fast vom Stuhl in der Redaktion. Aber der Kollege in London findet noch Zeit, um Freundschaften zu knüpfen. So ist Fußball. Sid heißt der Typ, der neben ihm im Stadion sitzt. Er ist Engländer, Fotograf und hasst Fußball. Ihm ist egal, wer gewinnt. Obwohl: Er war 2002 mal in Rotterdam als Dortmund da gespielt hat. Dort wurde er von BVB-Fans mit Bier beworfen und bespuckt, sagt er. Deshalb möchte er, dass Bayern gewinnt. Außerdem hat München einen Englischen Garten. So sieht es bei den beiden aus:

stadion2

76′ Müller spuckt jetzt Feuerpfeile.

71′ Robben ist kein Müller, 20 Zentimeter vor der Torlinie lässt er sich das Ding von Subotic weggrätschen. Ein Teufelsspiel. Ein Teufelsspiel. Ein Teufelsspiel.

68′ 1:1 GÜNDOGAN Ich umarme gleich den Security-Mitarbeiter, sieht ein bisschen so aus wie mein Opa.

66′ Dante rammt Reus das Knie in den Bauch: Elfmeter für den BVB.

59′ 1:0 TOOOOOOOOR! Für die Roten. Mario! Oh Mann. Mandžukić nach exakter Vorarbeit von Robben, der nicht schon wieder ein Finale verlieren will.

55′ Jetzt grätschen sie hüben wie drüben. Und einige schwitzen. Der Security-Mitarbeiter, der die Redaktion bewachen soll, klärt mich auf: „Wenn ded nech ma Elfmeterschießen gibt.“

49′ Geht los wie nach dem ersten Anpfiff. Ball immer noch rund.

Noch die beiden wichtigsten Nachträge aus Hälfte eins: Erstens: Der Security-Mitarbeiter, der nachts die Redaktion schützen soll, ist Bayern-Fan und mir dennoch sympathisch. Erst hat er unwissend das Licht gelöscht und dann gesagt: „Die Dortmunder waren bisher besser.“ Jetzt guckt er mit. Zweitens: Angela Merkel hat es getan, Steuersünde hin oder her.

45′ Halbzeit, was für eine. Das war Klopp-Fußball. Eine Halbzeit voller Volldampf. In den ersten zwei Dritteln der ersten Halbzeit spielte fast nur der BVB. Doch dann kamen die Bayern zu ihren Chancen. Ribéry mit Glück. Es hätte auch 2:3 stehen können. Tut es aber nicht. Was bisher bleibt: Das Jahrhundert-Finale der Champions League ist bisher schneller und spannender als die WM-Finals, an die ich mich erinnere. Irre ich mich da?

42′ Robben an die Omme des BVB-Torwarts. Neuer – Weidenfeller jetzt 6:3

30′ Weidenfeller! Weidenfeller! Er pariert allein vor Robben. Jetzt ist es langsam wie damals bei den Rittern. Geht ganz hart zur Sache.

30′ 23′ Falls Sie glauben, die von ZEIT ONLINE recherchieren nicht, schauen nur Fußball. Unser London-Reporter hat mal das wichtigste analysiert: die Schuhe der Künstler aus München: Neuer: Eineartschwarz, Alaba: Orange, Dante: Weiß, Boateng: Orange, Lahm: Schwarz, Martinez: Schwarz, Schweinsteiger: Orange, Müller: Grün, Ribery: Hellblau, Robben: Schwarz, Mandzukic: Hellblau

28′ Gelb für Dante, Ribéry hätte zuvor Rot fürs Ellenbogenschlagen bekommen können.

26′ Ohhhhaaa, der ZDF-Reporter gerät in Wallung. Der FC Bayern mit seiner ersten Ecke und einem gefährlichen Kopfball. Das ist hier wie beim Fußball.

21′ Jetzt versucht es mal Bender gegen Neuer. Inzwischen fünf Ecken für den BVB. Aber es macht ja doch nichts: Der FC Bayern hat ja noch das DFB-Pokalfinale. Ich weiß, wer zu früh …

14′ Lewandowski drischt aufs Bayerntor, Kuba schon zum zweiten Mal mit einem Torschuss. Der BVB spielt die Münchner bisher an die Wand.

5′ Breaking News aus London: Schweinsteigers weinerliches Gesicht haben Sie sicher beim Aufwärmen gesehen. Der Guardian will herausrecherchiert haben: Er spielt mit schmerzstillender Spritze.

3′ Der BVB mir gefühlten 78 Prozent Ballbesitz, einem Torschuss und einer Ecke. Der Favorit strauchelt.

20:44 Jürgen Klopp sagte: „Die Sonne scheint.“ Olli Kahn sagte: „Im Finale ist alles möglich.“ Opa Jochen hätte gesagt: „Was soll das? Ruhe jetzt!“ Es geht los, Jahrhundert-Anpfiff.

20:37 Obacht, vor dem Spiel wollte ich noch ein Nickerchen machen. Aber diese Eröffnungszeremonie. Mit einem Pferd mit acht Beinen. Jetzt schießen Bayern- und Dortmund-Flitzebogenschützen aufeinander. Braveheart kam doch aus Schottland. Krieg im Öffentlich-Rechtlichen. Deeskalation sieht anders aus.

20:22 Bevor es losgeht, holen Sie sich noch schnell ein Weißbier, machen Sie es sich auf Ihrer Couch gemütlich und gestehen Sie sich ein, dass Sie nicht zu den ganz Harten gehören. Die ganz Harten heißen Kahn oder machen Sachen wie dieser Kerl auf dem Bild: Helmut Robers, der 500 Kilometer mit dem Fahrrad aus dem Münsterland bis zum Wembley-Stadion radelte. Elf Tage hat er gebraucht und ist dabei dreimal gestürzt.

Freak2

19:56 Der London-Reporter Fritsch liefert die Aufstellungen, diese 22 Männer werden heute spielen und 11 von ihnen danach weinen:

 

19:50 Apropos Götze: Post unseres London-Reporters Spiller. fans2

Das sind eigentlich zwei Bayern-Fans. Für das Spiel und weil doch alle Spaß haben wollen und weil sie Mario Götze toll finden, wollten sie sich „was Besonderes einfallen lassen“. Die Dinger sind selbstgenäht.

19:35 Kurzer TV-Check: Auf Sky versaut sich Harald Schmidt seinen Ruf durch schlechte Fußballerwitze. Im ZDF verklausulieren Watzke und Kahn ihre Meinungen zum Muskelfaser des Mario Götze. Auf Arte kommt ab 20.15 Uhr Auf der Suche nach dem Zarenschatz. Noch haben sie die Wahl.

19:28 @Caesar Steiner: Wir tun gar nicht erst so, als könne man beim Fußball neutral sein. Möge der Bessere gewinnen. transfergelderOder nicht der Wohlhabendere.

 

 

19:15 In Berlin hat das Herbstgruselmärchen die ganze Stadt im Griff. Der Veranstalter der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor hatte trotz schlechter Wetterprognose auf 100.000 Besucher gehofft – bei gutem Wetter wären 250.000 erwartet worden. Eben waren allerdings erst etwas mehr als 100 Menschen da. Inzwischen wären die Partymacher „mit 30.000 bis 40.000 Besuchern glücklich“, sagte der Veranstalter unserem Hospitanten Sören Maunz. Ich habe im Regen eine Eiskugel gegessen. Ja, und von wegen einkaufen: Ich wollte nur schwarze Hosen, gelbe Socken; meine Frau zeigte mir einen Vogel. Ist Ihnen die Lust auf dieses Fußballspiel eigentlich noch geblieben oder geht’s Ihnen wie unserem Leser zerblogger (siehe Kommentare) und fast 60 Prozent der Deutschen? CL-Stellenwert-übertrieben-02

 

Vorbemerkungen: Als mein Opa Jochen noch lebte, buddelte er an Tagen wie diesen seinen ganzen Garten um, setzte sich fünf Minuten vor Anpfiff auf seine Couch, schaltete den Fernseher ein, und wenn meine Oma dann noch was sagte, unterbrach er sie: „Na, nu ist Fußball.“ Das ganze Drumherum war ihm nichts.

Heute kann das Tamtam nicht größer sein. Bayern, Dortmund, Jahrhundertfinale: Fußball auf allen Fanmeilen und -kneipen, Titel- und Webseiten. Ich habe mich heute sogar nass rasiert. Und der Focus warnt seine Leser ernsthaft: Ein spannendes Fußballspiel kann zum Tode führen.

Meinen Bruder hat es noch schlimmer erwischt: Er ist seit Monaten auf der Hochzeit seines guten Freundes eingeladen und konnte deshalb nicht nach London fliegen.

Das Leben ist hart. Auch für meine beiden Kollegen Christian Spiller und Oliver Fritsch. Seit Donnerstag leben sie in einer kleinen Wohnung in Chelsea. Zata, eine nette Londonerin mit polnischen Wurzeln und Tantra- und Kama-Sutra-Büchern im Regal, ist gegen Geld ausgezogen, damit die beiden Reporter zwischen ihren Wänden schlafen, leben, schreiben, twittern unter @zeitonlinesport und essen können.

Bevor die Kollegen mit Winterjacken auf nach England sind, hat der eine erstmals seine Gefühle für den FC Bayern niedergeschrieben und der andere in Videoform erklärt, wieso Schweinsteiger und Alaba die Schwächen im Spiel des Deutschen Meisters sind. Auch noch empfehlenswert zur Jahrhundertvorbereitung:

 

 

 

 

Und natürlich der Jahrhunderttrailer der schmerzbefreiten Fußballnerds von 11 Freunde.

Bevor Ihr Herz jetzt schon vor dem Anpfiff stehenbleibt, sagen Sie es laut: „Es ist nur ein Fußballspiel.“

Ich gehe jetzt einkaufen, Unterhosen, Schuhe, Socken. An dieser Stelle wird danach ab etwa 20 Uhr aus Berlin livegebloggt. Wenn Sie es objektiv mögen, klicken Sie lieber auf unseren Live-Ticker. Als Norddeutscher bin ich in der Tradition meines Opas gefangen. Aus Bayern mögen wir höchstens das Weißbier. Okay, und anlässlich dieser Darbietung der Münchener Philharmoniker auch die Töne aus Bayern.

 

Bayern folgt Dortmund nach Wembley

Da dachte man, die Bayern hätten im Hinspiel eine Ausnahmeleistung vollbracht. Doch die wahre Demütigung verpassten sie Barca erst im Rückspiel. 3:0 im Camp Nou (diesmal sogar nur reguläre Tore), 7:0 in der Summe beider Spiele. Bayern gewinnt mit kühler Macht, souverän und selbstbewusst. Der Klub zieht zum dritten Mal in den letzten vier Jahren ins Finale der Champions League ein. Welche Leistung!

Barca ohne Chance trotz großem Engagement. Aber sie schieden mit Stil aus, man darf auch nicht vergessen: Messi und Busquets fehlten, zwei der Weltbesten. Manche sprechen von Wachablösung. Aber dieser Verein wird zurückkommen, vielleicht mit einer anderen Mannschaft, vielleicht mit anderem Code, der entschlüsselt scheint. Alle schönen Dinge enden irgendwann.

Seit zwölf Jahren gewann kein Bundesligist mehr einen internationalen Titel, das wird sich in gut drei Wochen ändern. Dann treffen sich tatsächlich zwei deutsche Teams im Champions-League-Finale. Ein historischer Tag für den deutschen Fußball. Aus meiner Sicht ist der FC Bayern leicht favorisiert. Aber wer weiß? Schön jedenfalls, dass sowohl Bayern als auch der BVB mit fairen Mitteln, modernem Fußball und deutschen Talenten so weit gekommen sind.

Uli Hoeneß bekommt jetzt nun den leichten Gegner, den er sich vor dem Halbfinale gewünscht hatte. Sein zweites Finale dahoam hatte er ja schon am 20. März am Tegernsee. Und wenn Dortmund gewinnen sollte, will sich Klopp ein Stück Wembley-Rasen transplantieren lassen (beide Gags geklaut von Harald Schmidt).

Endstand 0:3

82′ Fies von den Gastgebern übrigens, Uli Hoeneß in die 1. Reihe zu setzen.

78′ Dumm von Piqué, sich Gelb an der Eckfahne abzuholen. Wäre im Finale gesperrt.

76′ Tor für Bayern 0:3 Müller Mitleid mit Barca? Geschenkt. Bayern fehlen weniger Tore zum zweistelligen Auswärtssieg als Barca zum Weiterkommen. Schiedsrichter, abpfeifen!

75′ Bayernfans singen: „BVB Hurensöhne!“ Vergesst mal nicht Brunos VfB!

„We have to enjoy, what this unbelievable team did.“

72′ Tor für Bayern 0:2 Piqué (Eigentor) Bela Rethy: „Barca ist wie eine Rockband, die alle Charts gestürmt hat, und inzwischen ihre alten Hits nicht mehr hören können.“

67′ Schweinsteiger out, Gelbsperre umgangen. Starke Leistung erneut. Er hat sich für diese Saison was vorgenommen, und es scheint, als würde er es bis zum Ende umsetzen. Das Finale könnte sein Spiel werden.

Ich bleibe dabei: Wenn der Gegner das Tempo um ihn herum verdichtet, verliert er mehr an Qualität als andere, da fehlt es ihm an motorischen Voraussetzungen, siehe Rückspiel Juve (1. Hz.). Andererseits ist er ein Leader, der wahnsinnig gerne Fußballer ist. Ihm traue ich auch zwei Tore im Endspiel zu. Wir werden sehen.

65′ Jetzt sind Xavi und Iniesta ausgewechselt.

Kapitulation.

59′ Zeit für eine semantische Debatte: Warum sprechen einige eigentlich vom „deutsch-deutschen Finale“? Man würde ja auch nicht „spanisch-spanisches Endspiel“ sagen. Ist das ein historisches Überbleibsel? Die Mauer ist doch weg, ich kann’s bezeugen, hab vorhin rübergemacht, Kreuzberg/Friedrichshain.

49′ Tor für Bayern 0:1 Robben Ein klassischer Robben, starker Pass von Alaba.

Was läuft denn heute auf Arte?

47′ Während ich mir ein Viertel halbtrockenen Riesling einschenke, schnappe ich irgendwas vom 1. FC Köln auf. Bela Rethy hat Gespür für die Situation.

Screenshot von ZEIT ONLINE in der heute-Sendung (Hoeneß, nicht das Live-Blog) in der Pause des CL-Halbfinals. Nettes Branding.

Halbzeit 0:0 Fußball, wir hatten es in den letzten Wochen fast vergessen, kann auch ganz schön langweilig sein. Barca braucht (mindestens) vier Tore, aber derzeit weiß man nicht, wie sie das hinbekommen sollen. Gegen Ende der ersten Halbzeit kamen sie dem Tor ja durchaus näher, auch mal auf untypische Art: lange Bälle, Schüsse, Flanken. Aber die Angriffe entfachen auf die Bayern-Abwehr eine ähnliche Wirkung, als würde man einem Ochsen ins Horn petzen.

Die Bayern souveränst und selbstbwusstest. Sie wollten das Duell in den ersten fünfzehn Minuten entscheiden, hätten dies auch tun können.

Kommt Messi noch?

32′ Gelb für Robben. Dafür hätte Howard Webb, der Schiri von Madrid, nicht mal mit der Wimper gezuckt.

Wer ihn genauer kennenlernen will:

30′ Iniesta spielt in diesem Halbfinale endlich mal so wie er aussieht: blass wie ein Steuerbeamter aus dem Mittleren Dienst (also, das soll jetzt keine Hoeneß-Anspielung sein).

24′ Doch, Vorsicht vor dem klassischen spanischen Stilmittel: dem Verzweiflungsschuss aus 30 Metern.

20′ Barca ohne Chance, Bayern mächtig stark. Das fühlt sich nicht wie ein Champions-League-Halbfinale an. Die Bayernfans singen schon: „Finale!“ In Wembley wartet übrigens das Sparmodell aus Dortmund.

transfergelder

spielererfahrung

10′ Ich glaube, die Bayern wollen schnell Ernst machen: sehr frühes, aggressives Pressing. Barca weiß gar nicht, wie ihm geschieht.

Eine Anspielung auf Ronaldo?

5′ Barca mit einem Rückpass-Reenactment des 19. Mai 2001.

HippoTaine schreibt uns: „Ich war grad in der ersten Mai Andacht. Für die Nordlichter: Maria ist die Patrona Bavariae. Da haben wir am Schluss die Bayern-Hymne geschmettert. Was soll also schief gehen?“

4′ Bela Rethy erwähnt die ZEIT und imitiert Ribery: „Isch abe linke Verteidiger gespielt.“ Geht gut los.

20:45 Es geht los!

Vorgeplänkel

Ich sags vorher: Ich finde Gelbsperren in K.o.-Systemen idiotisch. Gibt es was ähnlich Kleinkariertes, tugendhaft Überstrenges in anderen Sportarten? Heute könnte es Lahm, Martinez oder Schweinsteiger treffen, auch die Banksitzer Gustavo und Gomez. Ein Mal zu spät im Zweikampf – und man verpasst das Finale. Das kanns doch nicht sein. Im Sport wird so viel getrickst und betrogen – und dann ist man in dieser Hinsicht so kleinlich.

Christian Spiller, unser Mann in Spanien, sammelt für Sie, liebe Leser, einen Strauß Szenen ein:

Also, ich will ja niemandem den Abend verderben, aber ich rechne mit einem frühen Bayern-Tor (dazu muss man ja kein Experte sein, in dieser Saison). Das wäre ein Stimmungskiller. Oder schafft es Barca tatsächlich, wie Real am Dienstag, die Sache noch mal spannend zu machen?

Und Messi nur auf der Bank? Und Busquets nicht mal im Kader. Wollen wir trotzdem schauen?

So spielen die Bayern:

Kein Dante, kein Dante? No Dante, no Dante? Andante, Andante?

Vor vier Jahren verlor der FC Bayern 0:4 in Barcelona. Mark van Bommel sagte nachher: „Wir wollten sie ja treten, aber wir kamen gar nicht ran.“ Das Spiel liegt Äonen zurück. Historiker bringen es mit diesem Mann in Verbindung.

 

Real Madrid gegen Borussia Dortmund 2:0

Kurzfazit: „Es gibt kein perfektes Fußballteam“, sagte der manchmal perfekt wirkende Jose Mourinho mal. Nach diesem Sieg gegen den BVB musste er erst einmal schlucken. Auch wenn es am Ende spannend und knapp war: Die Dortmunder haben die Königlichen rausgeworfen und sind ins Finale der Champions League eingezogen. Ein Satz, der nach mehr als einem Ausrufezeichen ruft.

Dieses Rückspiel war extrem temporeich, spannend und besonders in den ersten und letzten Minuten noch temporeicher. Hätte Real zu Beginn des Spiels einen der acht Torschüsse verwandelt, hätte Jürgen Klopp wahrscheinlich mehr als Feuer gespuckt. Doch der BVB hatte Glück. Danach kamen auch noch Können, Reife und gute Konter dazu. Besonders herausragend spielte Mats Hummels in der Defensive und Roman Weidenfeller als letzter Retter auf der Linie. Götze musste mit einer Muskelzerrung schon nach wenigen Minuten vom Platz, machte aber nichts.

Um diesen Erfolg kurz nach Spielende bewerten zu können, hilft auch ein Blick auf die Zahlen (siehe Grafiken unten). Gemessen in internationalen Einsätzen in der Nationalmannschaft und Champions League spielte heute ein Siebtklässler gegen den Schuldirektoren: 1.124 Einsätze (Real) gegen 420 (BVB). Noch erstaunlicher wird es bei einer Gegenüberstellung der Transferausgaben der vergangenen drei Jahre: Es haben 181 Millionen Euro gegen 44 Millionen Euro gespielt. Das alles ist das Hexenwerk des Jürgen Klopp. Der lief nach dem Spiel noch lange über den Rasen der heutigen Niederlage und bedankte sich bei den Fans. „Es gibt Borussia Dortmund nur all inclusive“, sagte er.

Der Kollege Spiller wird Klopp gleich noch zur Pressekonferenz begleiten und Morgen in seiner Reportage auch darüber berichten. Die Dortmunder warten im Champions-League-Finale nun auf die Bayern. Und ich suche Zu Hause mein BVB-Kissen und fliege in die Karpaten. An dieser Stelle geht es am Mittwochabend mit den Mannen des Uli Hoeneß in einem Live-Blog von Oliver Fritsch weiter. Treten Sie nicht in den Schnee.

96. Minute Aus, Schluss, verloren und gewonnen: Der BVB hat es spannend gemacht: 0:2 gegen Real und doch im Finale der Champions League. Freude in Berlin, kurzes Fazit kommt gleich.

90. Minute Mourinho regungslos, ein Tor trennt ihn vom Wunder. Bender verletzt raus, Santana rein.

87. Minute Klopp spuckt wieder Feuer.

87. Minute Toooor! Ramos drischt das Ding über Weidenfeller ins Netz, chancenlos! Zittern in schwarzgelb.

87. Minute Weidenfeller!

86. Minute Kehl kommt für den „angeschlagenen“ Lewandowski. Die letzten Minuten Spannung.

82. Minute Weidenfeller geschlagen: 1:0 für Real!

73. Minute Ich bin hin- und hergerissen. Seit drei Stunden habe ich diesen Link geöffnet. Es ist so niveaulos, sexistisch, so wie Fußballer halt manchmal sind. Aber da das Spiel gelaufen ist, wir gleich in den schwarzgelben Freudenhimmel fliegen werden und dann alle Wetteinsätze eingelöst werden, sei diskret auf Mario Balotelli verwiesen. Der Stürmer mit der EM-Jubelpose hat seine Freunde bei Real mit einer Sex-Option motiviert.

60. Minute Gündogan vergibt frei aus fünf Metern vor dem Torwart, das kann nicht nur Gomez. Das ist ein Tor-Chancenspiel ohne Tore.

55. Minute Die beiden besten Dortmunder bilingual beschrieben:

 


49. Minute Lewandowski ballert an die Latte. Der BVB kontert jetzt.

46. Minute Die Mannschaften haben die Seiten gewechselt.

Manchmal fragt man sich ja, wieso das so ist. Ich weiß bis heute nicht, weshalb ich als Halbstarker kurzzeitig einen BVB-Schal um meinen Hals band. Wenn man jung ist, macht man alles mit, außer Bayern München. Läuft diese Identifikation über die Spielweise oder über so coole Typen wie Jürgen Klopp oder Andi Möller, Matthias Sammer? Sei es wie es sei. An dieser Stelle, in diesen fußballverrückten Tagen, in dieser Halbzeit bleibt mir nur noch eines zu sagen. Ich habe eine Kiste mit alten Erinnerungsstücken zu Hause stehen, Sie wissen schon, Liebesbriefe, Urkunden, CDs, etc. Und ein ganz kleines selbstgestricktes BVB-Kissen in schwarzgelb. Als ich die siebte Klasse besuchte, schenkte mir es meine Mitschülerin Maxi, einfach so. Maxi war verdammt gut in der Schule, ich nicht, also hatten wir gar nicht viel zu tun miteinander. Später kamen wir nicht zusammen und haben uns dann auseinandergelebt. Was ich damals nicht sagen konnte: Danke, Maxi, ich habe es noch.

45. Minute, Halbzeit Dortmund besteht im Feuersturm. Etwa zehn Torschüsse für Real, einen für Dortmund. Das nennt man Glück. Hummels und Weidenfeller sind die Spieler der ersten Halbzeit. Aber trotz aller Aufregung, es steht immer noch 4:1.

39. Minute Fußball ist heute kein Schach oder wie es die Kollegen formulieren:

32. Minute Durchatmen

25. Minute Klopp spuckt Feuer, Lewandowski krümmt sich vor Schmerz, Coentrão bekommt für seinen Tritt aufs Sprunggelenk des Stürmers die Gelbe Karte. Das ist bis jetzt ein Teufelsspiel.

21. Minute Wenn ich BVB-Fan wäre, würde ich mich langsam wärmer anziehen. Mourinho schaut grimmig wie ein 3:0 und seine Spieler spielen so.

15. Minute Drei Großchancen für Real inzwischen, Ronaldo und Özil wollen heute nicht verlieren. Aber Weidenfeller, der Mann der ersten Viertelstunde.

12. Minute Mario Götze, der sein Abschiedsspiel für den BVB in London gegen Bayern geben will, humpelt vom Platz. Schluss für Heute. Großkreutz, der fanatische BVB-Fan, jetzt im Spiel. Aber was passiert da auf dem Platz…

8. Minute Vierte Ecke für Real. Aber Hummels will heute mal in allen Szenen gut aussehen und klärt.

4. Minute Real beginnt im BVB-Volldampf-Modus, Higuain kommt frei vor Weidenfeller zum Schuss, das hätte das 1:0 sein müssen. Wer wettet hier eigentlich auf Real? Und wenn ja, wie viel von was?

2. Minute Sie spielen schon. Alle mit dabei. Erste Ecke für Real, Özil schießt und kein Weißer kommt zum Ball.

20:42 Uhr Jürgen Klopp sagt: „Cool hier.“ Auf den Sound im Bernabéu könne man „schon mal abgehen“. Der Kollege Spiller hat auch einen Platz gefunden und die Aufstellung:
Share photos on twitter with Twitpic

20:30 Uhr Bevor es los geht, kommt immer Werbung. War schon früher so. Damals, vor langer Zeit, als der BVB wirklich mal besser als Bayern München war, gab es einen Sieg in der Champions League und einen Werbespot, der beste, den ich als Semi-Fußballinteressierter je gesehen habe, den Nerv der Zeit getroffen:

 

20:26 Uhr Ein großes Dankeschön an ranapithecus, den Wetter-Experten unter unseren Lesern. Wenn ich ihn richtig verstehe, liegt es an hohen Bergen und Nordwestdeutschland, ist ja klar; Hauptsache in den Karpaten schneit es morgen nicht. Aber vergessen wir meinen Urlaub und den Schnee, die Königlichen sind da. Unser Twitterreporter konnte es kaum fassen ob dieses Bildes:

Madrid-Fans

 

Vorbemerkungen:

Um gleich eines klar zu stellen: Als ich in der sechsten oder siebten Klasse war, ging ich an manchen Tagen mit einem Dortmund-Schal zur Schule. Ich mochte den BVB damals, fast so sehr wie Hansa Rostock oder die Turn und Sport Gemeinschaft Gadebusch. Wenn ich heute entscheiden könnte, wer das deutsch-deutsche Champions-League-Finale gewinnt, würde Uli Hoeneß traurig sein. Aber soweit ist es noch nicht. Erst das Halbfinale: Real gegen Dortmund.

Bei einem 3:0 oder höher werden viele BVB-Schals zu Tränentrocknern. Alles andere wird ein schwarz-gelbes Fest in Madrid. Unser twitternder Reporter Christian Spiller geht davon aus und ist dabei. Als er heute mit AVE, dem spanischen ICE, von Barcelona nach Madrid fuhr, sah er Schnee. Ja, Schnee in Spanien, während wir hierzulande schon halbnackt durch die Straßen rennen. Nichts ist, wie es war. Beim Fußball auch nicht. Wieso der spanische Fußball dem deutschen nichts mehr voraus hat, hat der Kollege, der sich übrigens noch nie als BVB-Fan gefühlt hat, noch am Morgen vor seiner Reise aufgeschrieben. Weitere Lesetipps zur Einstimmung:

  • Stefan Osterhaus in der NZZ über Nuri Sahin, der mal so gehypt wurde wie Götze und heute gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber spielen müsste.

Und weil Fußball ja irgendwie doch was mit Geld zu tun hat, hat unsere Infografikerin Martina Schories nach Zuarbeit von Christian Richard mal aufgezeigt, wie die vier Halbfinalisten in den vergangenen drei Jahren mit Spielertransfers gewirtschaftet haben:transfergelder

Dortmunds Sonderrolle wird ebenso deutlich, wenn man die internationale Erfahrung der Mannschaften vergleicht:spielererfahrung

Haben Sie eigentlich eine Erklärung für all dies? Besonders für den Schnee in Spanien? Dann raus damit. Sie sind eingeladen, ab 20:30 Uhr geht’s hier richtig los. Lesen und kommentieren Sie mit. Egal, ob mit oder ohne BVB-Schal. Aber bitte, erwarten Sie hier keine objektiven Berichte, dafür klicken Sie hier.

 

Borussia Dortmund vs. Real Madrid 4:1

Fazit: Wo soll man nach so einem Spiel anfangen? Wahrscheinlich bei Robert Lewandowski, den nun auch der letzte Bolzplatzkicker Europas kennen dürfte. Vier Tore, davon eines abgezockter und rotziger als das andere. Und das gegen Real Madrid, ist ja keine Laufkundschaft. Doch der Pole war in bester Gesellschaft. Auch seine Teamkollegen liefen Real nieder. Mit ihrem wilden, manchmal auch vogelwilden Fußball konnten die Madrilenen überhaupt nichts anfangen. Durch den Sieg ist ein deutsch-deutsches Champions-League-Finale wahrscheinlich. Ja, ein deutsch-deutsches Champions-League-Finale. Gibts doch gar nicht! Was für eine verrückte Woche für den deutschen Fußball. Was für grandiose Abende für den deutschen Fußball. In Spanien versteht man gerade die Welt nicht mehr. Und auch die Finalgastgeber aus England befürchten Schlimmstes.

Im Angesicht der deutschen Fußballglückseligkeit an dieser Stelle noch ein Programmhinweis: In der Sport-Debatte von ZEIT ONLINE wird am Donnerstag darüber diskutiert, ob es nicht ein wenig zu viel Fußballmanie in diesem Land gibt. Der Sportphilosoph Gunter Gebauer sagt, die Politik überlässt den Fußball die Emotionen. Dadurch verblöden wir ein Stück weit. Der Politiker Wolfgang Bosbach (CDU) hält dagegen. 18.30 Uhr, Askanischer Platz 1 am Anhalter Bahnhof, Berlin. Anmeldung hier.

93. Minute: Madrid nochmal, Varane, Vorbei. Und dann ist auch Schluss. Borussia Dortmund gewinnt tatsächlich 4:1 gegen Real Madrid. So was gibts sonst nur daheim auf der Playstation.

85. Minute: Dortmund hat noch immer nicht genug. Spielt weiter nach vorne, warum auch nicht. Madrid erschreckend schwach. Fürth ginge noch.

79. Minute: Das Ergebnis muss Mourinho auch in dieser Höhe bekannt vorkommen. Hat den BVB ja auch beim 6:1 in Fürth gesehen.

75. Minute: Oli Schmitt machte heute am ZDF-Mikro einen guten Job. Bis er von den Hash-Takes auf Twitter redete. Buy one, tag two. Oder besser:

73. Minute: Vielleicht liegt es der spanische Schlamassel ja an der langen Unterhose des Real-Torwarts Diego Lopez. Eine blitzinvestigative Recherche ergibt folgendes Wetter in Dortmund: 17,8 °C, leicht bewölkt, Westwind 10,8 km/h (2 bft), Relative Feuchte 56 %, Luftdruck 1023,8 hPa, Sicht 45 km, Taupunkt 7.2 °C. Bei so einem Wetter trägt eigentlich nur noch Arjen Robben lange Unterbüx. Und er hier:

@HippoTaine, Späßchen, natürlich, deshalb sind wir doch hier.

Diese Frage stellen wir uns auch gerade.

Elfmeter für Dortmund Xabi Alonso rennt nur halb so starken Marco Reus über den Haufen. Da braucht man nicht diskutieren. Es tritt an: Robert Lewandowski – und trifft. Tooor, 4:1! Genau in die Mitte, macht fast das Netz kaputt. Was für ein Kerl! Lewandowski 4, Madrid 1.

62. Minute: Nächste Chance für den BVB. Gündogan lässt zwei Madrilenen stehen wie sonst nur die Einlaufkinder. Schießt dann nur knapp drüber. Beeindruckende Vorstellung des BVB. Ach so, Deutschland – Spanien 7:1.

55. Minute Toooor für den BVB von Robert Lewandwoksi Und was für eines! Noch ein Tor, noch ein Tanz. Lewandowski zieht sich den Ball mit der Sohle zurück und drischt ihn unter den Giebel. Reals Pepe kanns kaum glauben. Lewandowski dagegen wird mit jeder Minute dieses Spiels teurer. Uli Hoeneß muss erstmal in der Schweiz anrufen.

Da ist sie, die Slomo. Reus knödelt aufs Tor. Lewandowski, der mit dem Ball tanzt, saugt die Kugel an, dreht sich mit ihm in einer einzigen Bewegung herum und vollendet mit dem rechten Außenrist. Doch kein Abseits. Die ungefähr erste richtige Abseits-oder-Nicht-Abseits-Entscheidung der vielen, vielen Uefa-Unparteiischen in diesem Frühjahr.

50. Minute Toooor für den BVB Robert Lewandowski Eine Zeitlupe wäre schön. Sah nach Abseits aus.

Halbzeit Guter Start der Dortmunder. Spielten flott und gut nach vorne, das Tor von Lewandowski war verdient. Dann beruhigte sich das Spiel und leider auch die Dortmunder. So sehr, dass sich Mats Hummels in den Schlaf wog. Sein Fehler ermöglichte den Ausgleich. Es war nicht sein erster in einem wichtigen Halbfinale. Oli Fritsch im Stadion würde jetzt am Liebsten runter in die BVB-Kabine.

43. Minute Tooor für Real Madrid Cristiano Ronaldo trifft nach dickem Patzer von Mats Hummels und macht dann vor der Borussia-Südkurve auf dicke Hose. Vorher noch eine durchaus elfmeterreife Szene im Madrid-Strafraum, als Reus hinfiel. Muss man aber nicht geben.

Magnus Carlsen, kommender Schachweltmeister und Model, outet sich als Real-Madrid-Fan. Ronaldo weiß gar nicht, wie man Schach schreibt.

24. Minute: Sven Bender spielt trotz aktiver Schambeinfugenarthrose, weiß Oliver Schmitt von ZDF. Eine Krankheit, für die es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag gibt. Habe extra nachgeschaut.

20. Minute: Real Madrid fällt nichts ein. Xabi Alonso wird zugestellt, Özil schaut traurig, Ronaldo steht kurz vor dem Hader-Modus. Es läuft für den BVB.

13. Minute: Nur zur Erinnerung für einen gewissen Jogi L. aus Fr. i. Br.: Deutschland – Spanien 5:0

Wir wollen ja nicht…aber doch…eigentlich schon…

8. Minute Tooooor für Borussia Dortmund Als würden die beiden Begehrten hier mitlesen. Götze flankt, Robert Lewandowski macht den Müller und fuhrwerkt den Ball über die Torlinie. Heiterkeit.

7. Minute: Starke Aktion von Reus, Lewandowski lässt den Ball etwas unglücklich an sich vorbeilaufen. Müller hatte ihn reingegrätscht.

5. Minute: Der BVB spielt, als sei Götze schon bei den Bayern. Noch kein Ballkontakt, oder?

20.45 Uhr Los geht es. Madrid bekommt den Anstoß an den Mann. Kein gutes Zeichen für Dortmund.

Unser Mann im Stadion ist Oliver Fritsch. Er träumt allerdings noch immer von gestern, und den Salzletten-Beinen von Thomas Müller.

20.36 Uhr Die Redaktions-Public-Viewing-Gemeinschaft fühlt sich durch den Flaum Mesut Özils an René Weller erinnert. Armer Kerl, der Boxer.

20.30 Uhr Klopp, Welke und Kahn diskutieren noch einmal über die undichte Stelle beim Götze-Transfer, in Fachkreisen auch #pummelleaks genannt. „Wenn wir an Transfers beteiligt waren, ist es immer ein Geheimnis geblieben, bis wir wollten, dass es rauskommt“, sagt Klopp.

20.23 Uhr Liebes ZDF, hatte die „Küstenwache“ schon jemals so eine gute Quote wie genau jetzt? Sagt uns bitte morgen Bescheid, ja?

20.20 Uhr Die Aufstellungen sind auch schon da. So geht es los.

Dortmund: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Gündogan, Bender – Reus, Götze, Blaszczykowski – Lewandowski
Real Madrid: Diego Lopez – Coentrao, Pepe, Varane, Ramos – Xabi Alonso, Khedira – Ronaldo, Modric, Özil – Higuain

20.07 Uhr Für alle, die die Wartezeit bis zum Anpfiff sinnvoll überbrücken wollen ein paar Lesetipps:

Die Kollegen vom Tagesspiegel haben noch einmal alle Aspekte zum Wechsel von Mario Götze zusammentragen. Wir stellen uns am Beispiel Götze die Frage, woher nur die ganzen Aggressionen gegen Fußballer kommen. Der Kollege Tobias Escher (11 Freunde) greift zur Taktiktafel und erklärt, wie Dortmund Real schlagen kann.

Und weil auch gestern gespielt wurde. Die ultimative Lobhudelei von Oliver Fritsch auf Thomas Müller. Und Sid Lowe vom Guardian sah gestern in München einen gefühlten Machtwechsel.

19.50 Uhr Man muss sich nur zu helfen wissen.

Vorbemerkungen

Schon wieder Fußball, schon wieder Champions League, schon wieder ein Besser-Geht’s-kaum-Spiel. Man kommt ja gar nicht mehr hinterher. Monatelang, so zwischen August und März muss man vornehmlich mit fußballerischer Bückware Vorlieb nehmen, und dann zwei solche Köstlichkeiten hintereinander. Wer denkt sich das nur aus?

Am Dienstag hat der FC Bayern vorgelegt und einfach mal den FC Barcelona, den vermeintlich besten Klub der Welt, überrannt. Messi und Co. boten dabei kaum mehr Gegenwehr als Nürnberg, Wolfsburg und Hannover, die letzten Bayern-Opfer. Das war so beeindruckend, dass es ein wenig rätseln lässt, was denn bitte Pep Guardiola beim FC Bayern soll. Wurde er nicht geholt, um dem FC Barcelona die Stirn bieten zu können? Wäre es nicht sinnvoller, wenn Jupp Heynckes jetzt nach Barcelona geht?

Doch darum geht es heute nicht. Sondern um den BVB und Real Madrid. Und um Mario Götze, den Dribbler mit dem Babyspeck. Ein wenig schade, dass sein Wechsel vielen Dortmund-Fans ein Stück weit die Vorfreude auf das wichtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte raubt. Gut möglich, dass es auch Pfiffe gibt. Obwohl Jürgen Klopp in einer außergewöhnlichen Pressekonferenz vorsorgte.

Sein Kollege José Mourinho wirkt in diesen Tagen dagegen etwas müde. So richtig Lust scheint er nicht mehr zu haben, vor allem weil er, der Menschenfänger, bei einigen seiner Spieler nicht mehr so richtig ankommt. Szenen wie diese scheinen jedenfalls selbst nach einem gewonnen Champions-League-Finale ausgeschlossen.

 

Bayern München – FC Barcelona

Kurzfazit

Am Ende bleibt eine Frage: Wann war der FC Barcelona, der Verein, der die vergangenen Jahre den internationalen Fußball beliebig dominiert hat, je so chancenlos gegen ein deutsches Team? Selbst sogenannte Bayern-Hasser müssen nach diesem Abend die Leistung des Münchner Teams anerkennen. Was der FC Bayern gegen Hannover, Wolfsburg oder den HSV kann, das kann er auch gegen einen Favoriten auf den Champions-League-Titel. Leider geil!

Herausragender Spieler der Partie war Thomas Müller, der mit Instinkt und Einsatz die Überlegenheit der Münchner verkörpert hat. Insgesamt spielten die Bayern von Beginn an konzentriert, taktisch diszipliniert und deshalb vor allem in der Defensive herausragend. Den Spaniern dürften sie zweidrittel des Ballbesitzes überlassen haben. Aber vor allem wenn es wichtig war, waren sie am Ball. Joachim Löw wird das interessiert verfolgt haben. Auch stark: Das Flügelspiel mit Lahm und Robben. In Barcelona werden sie sich nach diesem Halbfinale ärgern, dass sie Lahm vor Jahren nicht den Bayern weggekauft haben.

Was das Urteil nicht schmälert, aber erwähnt werden muss: Vor dem ersten Tor hat sich ein Bayernspieler beim Kopfball aufgestützt. Das zweite Tor fiel aus Abseitsposition. Und dem dritten Treffer ging ein Foul voraus.

Ansonsten: Ja, dieses Spiel konnte man nicht ohne Hoeneß-Hintergedanken verfolgen. Auch die Spieler nicht. Robben äußerte sich nach Schlusspfiff ehrlich und erschreckend: „Dieser Sieg ist auch für ihn“, sagte der Spieler und meinte seinen auf Kaution freigelassenen Präsidenten. Karl-Heinz Rummenigge ließ in einem kurzen Interview erkennen, wie sehr der Verein in den nächsten Wochen zu Hoeneß stehen werde. Er sagte, er könne sich den FC Bayern nicht ohne seinen Freund Uli Hoeneß vorstellen. Mia san Mia.

Reportage aus München kommt Morgen vom Kollegen Fritsch. Zur Nacht noch eine positive Nachricht, die die ganz ernsten Kollegen recherchiert haben:

 

93′ Schluss, 4:0, ja 4:0 gewinnt der FCB gegen den FCB. Die Rede ist von einem historischen Spiel. In der Redaktion fliegen Pizzastücke durch den Newsroom. Ein kleines Fazit kommt, wenn die Gefühle gebändigt sind.

87′ Ribéry geht, Shaqiri, der andere wandelnde Schrank im Spiel. Was Sie auch wissen sollten: Jordi Alba, Typ linker Verteidiger ist sauer, schmeißt vor dem Einwurf den Ball an die Nase von Robben. #Empörung #Gelbe Karte

84′

 

81′ Toooooooooooooooooooor! Müller! Müller! Müüüüüüüüülllllllller! Flanke von Alaba, dann der Schlitzohrige mit dem Fuß. Ja, sie haben mich, die Bayern begeistern jetzt. 4:0!

79′ Müller, dieser Teufelskerl, ich werde emotional. Die Fans im Stadion auch:

 

75′ Bartra schießt aus zwei Metern in die Wolken. Merke: Der Drops ist noch nicht gelutscht. Der Keks nicht gegessen. Noch nicht Schicht im Schacht, nix Schluss im Bus, kein Ende im Gelände, die Maus noch nicht aus. Es bleibt spannend, bleiben Sie dran.

72′ 3:0! Ich nehme alles zurück: Krasser Konter der Bayern: Ribéry auf Schweinsteiger, der überlegt auf Robben, der mit dem Ball tanzt.

70′ Falls Sie es noch nicht getan haben: Drücken Sie hier. Das Spiel lässt ja Zeit für solche Drückerein. Muss auch nur einmal sein. Gomez geht jetzt vom Platz, Gustavo kommt.

63′ Wundern Sie sich an dieser Stelle bitte nicht, weshalb hier nichts Neues erscheint. Ich könnte bloggen: „Wenn Messi hustet, hat Barcelona Grippe“ (Reif) Will ich aber nicht. Kein Klassespiel, aber: Die Bayern spielen tatsächlich besser als Barcelona, das muss ich anerkennen, Opa Jochen täte sich ärgern.

49′ 2:0 für die Bayern: Ecke, Müller wieder mit dem Schlitzohr und Gomez aus einem Meter mit dem linken Latschen ins Tor!

Vor der zweiten Halbzeit: schrieb unsere Leserin Tatjana, sie sei für Bayern. Weil es doch „ein internationaler Wettbewerb ist und jeder Erfolg einer deutschen Mannschaft jedem dt. Team zugutekommt (5-Jahres-Wertung, Uefa). Aber Tatjana! Nach Ihrem Kommentar musste ich mir während der Arbeit ein Bier nehmen, eine Pizza bestellen, schnaufen und zu einem gar nicht so schlechten Fußball-Buch greifen: „Der zwölfte Mann ist eine Frau“ von Wiebke Porombka:

„Jetzt komm mir bloß noch einer mit UEFA-Wertung! Ich glaube, es geht los. UEFA-Wertung, wenn ich das schon höre. Nix mit UEFA-Wertung! s gibt wenige Dinge, die mich dermaßen aus er Fassung bringen, wie das Gerede von der UEFA-Wertung oder den „Europa-Punkten“. Und wenn es dafür goldene Euroa-Punkte gäbe, ein Europa-Punkte-Abo, Europa-Punkte auf Lebenszeit: Ich werde niemals zu Bayern München halten. Nicht gegen Barcelona, nicht gegen Kiew, nicht gegen Manchester, gegen keinen Verein der Welt. Und ich kann jeden, der das tut, nur mit einem vernichtenden Blick strafen. Was bliebt mir auch sonst übrig.

Deshalb versuche ich, besonders vernichtend zu gucken, wenn wieder ein Freund oder Kollege mir erklären will, es sei in internationalen Wettbewerben, rein rechnerisch, einfach sinnvoll, deutsche Mannschaften zu unterstützen, wegen der – sag es bitte nicht!

Natürlich verstehe ich die Begründung: Ich kann auch rechnen. Aber: Vielleicht will ich es in diesem Fall gar nicht. Vielleicht muss in den entscheidenden Fragen des Lebens Prinzipientreue über Verstand gehen? Wo kämen wir sonst hin?“

Halbzeit: Das Spiel ist konzentriert angespannt. Eine Halbzeit ohne ganz große Chancen, aber mit schönen Spielzügen. Robben und Lahm stark auf ihrer Seite. Falls Sie es verpasst haben: Messi spielt auch mit. Hoeneß freut sich. In der Redaktion werden wegen all dem selbst Norddeutsche Redakteure zu Bayern-Akzeptanten, –Tollerierer oder gar zu Fans. Und auch unser Kollege im Stadion hat Spaß:

 

36′ Siebte Ecke für die Bayern. Selbst mein Opa hätte nach diesem Spielverlauf zugegeben: Der FC Bayern ist heute gut. Aber, ja Herr Aldi, diese Haltung oder Antihaltung kann ich nicht verbergen.

32′ Zweites (oder drittes) Mal Handspiel im Strafraum der Münchner, Spanier, es war zum zweiten oder dritten Mal nicht der Torwart. Dieses Mal der Kleine mit den dunklen Haaren. Auch dieser Fußballkenner hat es erkannt:

 

25′ Ecke, Lockenkopf von Dante und dann Müller mit seinem Schlitzohr: Doppelkopfball, 1:0 für den FC Bayern. Wow, schöne heile Welt.

15′ Lahm, der wuseligste von allen Bayern schießt, Piqué hält seinen Ellenbogen zwischen Tor und Ball, und der Schiedsrichter pfeift nicht. „Es gibt Schiedsrichter, die …“ sagt Marcel Reif, der Sky-Kommentator. Eine schwere Entscheidung. Wahrscheinlich ist es das letzte Tabu in diesem Land, Marcel Reif gut zu finden.

10′ 70 Prozent Ballbesitz für Barcelona, Bayern jedoch leicht überlegen. Ansonsten: Der Platzregen hat im Mittelkreis eine Pfütze hinterlassen. Bayernfans halten ein Riesenplakat hinter dem Bayerntor in die Luft: „Schöne heile Welt“, steht da. Könnte Seehofer bezahlt haben.

2′ Robben eröffnet den Frühlingsabend mit einer Großchance aus sechs Metern, zu flach geschossen fürs Tor.

20:44 Diese 22 Männer stehen auf dem Rasen:

 

 

20:40  Erstes Gebot vor dem Anpfiff: Man darf ein Fußballspiel nicht nur auf Messi reduzieren. Zweites Gebot vor dem Anpfiff: Alle Bayern-Spieler sind total fokussiert, das Thema Hoeneß spielt überhaupt keine Rolle. Drittes Gebot vor dem Anpfiff:


Vorbemerkung

Mario Götze hat früher in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Genau wie seine Brüder Fabian und Felix. Ich habe geschluckt, als ich diese unglaubliche Nachricht heute las. Der Großvater hat es einem Reporter der AZ verraten. Man. Man.

Als mein Opa Jochen noch lebte, schmückte immer ein schelmisches Lächeln sein Gesicht, mindestens wenn er über Fußball sprach. Er verstand viel von diesem Sport, lange Jahre hatte er als Bauer gearbeitet und nach der Ernte als Libero verteidigt, damals in den Fünfzigerjahren für Traktor Dalberg.

„Eigentlich“, sagte er oft zu mir, nachdem er von seinen schönsten Toren und Gegentoren geschwärmt hatte, sei das mit dem Fußball alles nicht so schlimm: „Hauptsache die Bayern gewinnen nicht!“

Irgendwann habe ich rausgefunden, dass es andere Menschen als meinen Opa gibt, Menschen, wie Mario Götze, Uli Hoeneß, Menschen, die für den FC Bayern sind. Ich habe dafür inzwischen Verständnis. Es geht ja „eigentlich“ nur um Fußball. An Tagen wie diesen, nachdem Hoeneß verhaftet und Götze verkauft wurde, muss das in der Vorbemerkung eines Live-Blogs erwähnt werden. Also: FC Bayern gegen den FC Barcelona. Ab 20:30 Uhr stehen wir mit Oliver Fritsch, unserem twitternden Reporter im Stadion, im steten Austausch, verfolgen das Fernsehsignal und bloggen aus der Redaktion live – lesen und kommentieren Sie mit, erst Recht, wenn Sie trotz allem für den FC Bayern sind.