Anleger schwören auf nahezu zinslose Bundesanleihen

Gestern war die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief von 0,18 Prozent gesunken, heute liegt sie bei 0,22 Prozent. Bis zu Laufzeiten von acht Jahren bezahlen die Anleger den Schuldner “Bund” inzwischen dafür, dass sie seine Verbindlichkeiten kaufen, ihm also Geld schenken dürfen. Sie würden zwar gerne Zinsen bekommen, aber wenn es nicht geht, ist es auch gut. Sicherheit hat ihren Preis. Nicht mehr lange, so scheint es, bis Deutschland nach der Schweiz und Japan das dritte Land sein wird, in dem lang laufende Staatsanleihen eine negative Rendite haben und damit aus Anlegersicht ein Zuschussgeschäft sind. Weiter“Anleger schwören auf nahezu zinslose Bundesanleihen”

 

“Helicopter Money” wird gesellschaftsfähig

Geld fällt vom Himmel, von einem Helikopter abgeworfen, Mario Draghi am Steuerknüppel, immer wieder neue Flüge – bis die Leute so viel geschenkt bekommen haben, dass sie ihre Schulden fühlbar abbauen können und anfangen, endlich mal mehr Geld auszugeben. Dadurch würde die Konjunktur stimuliert und die Inflationsrate da hingebracht werden, wo sie hingehört, auf knapp zwei Prozent. Wenn es bisher an Geld gefehlt hat, na ja, dann lassen wir es doch einfach vom Himmel regnen. Wofür hat man schließlich eine Notenbank? Weiter““Helicopter Money” wird gesellschaftsfähig”

 

Flüchtlinge zwingen den Staat zu einem Konjunkturprogramm

Jeder darf mal rechnen! Auf ZEIT ONLINE gab es heute früh eine viel kommentierte Nachricht mit der Überschrift “Flüchtlinge kosten Deutschland 50 Milliarden Euro”. Der Artikel bezog sich auf eine Berechnung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die auf den folgenden Annahmen beruhte:

1. Im Jahresdurchschnitt wird es 2016 insgesamt 1,5 Millionen, im Jahr 2017 dann 2,2 Millionen Flüchtlinge geben, die versorgt werden müssen. Nur etwa jeder Vierte von denen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wird einen Job finden. Weiter“Flüchtlinge zwingen den Staat zu einem Konjunkturprogramm”

 

Bankenkrise, dritte Runde

Erstaunlich, der Internationale Währungsfonds erwartet, dass das reale BIP der Welt in diesem Jahr um 3,4 Prozent höher sein wird als 2015. Das ist zwar eine etwas kleinere Zuwachsrate als in der Herbstprognose, aber immer noch ein sehr beachtlicher Wert angesichts der Katastrophenstimmung, die an den Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkten herrscht. Was die größeren Länder betrifft, wird es laut IWF richtige Rezessionen nur in Russland und Brasilien geben, die übrigen erfreuen sich dagegen bester Gesundheit. Mindestens drei Viertel der Weltwirtschaft profitieren vom Einbruch der Rohstoffpreise – die Realeinkommen nehmen stärker zu als erwartet –, und da die Sparquoten dort im Durchschnitt deutlich niedriger sind als in den Rohstoffländern, kommt es global zu einem Nachfrageschub. Per Saldo verbessert sich die Konjunktur. Weiter“Bankenkrise, dritte Runde”

 

Internationaler Währungsfonds erwartet kräftigen Anstieg des Ölpreises

Die Kommentatoren, die sich bislang zu den am Dienstagmorgen veröffentlichten Prognosen des IWF geäußert haben, schreiben durchgängig, dass der Ölpreis im Jahr 2016 sinken werde, nämlich um 17,6 Prozent. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Der IWF erwartet einen Anstieg! Das kommt so:

Im Jahr 2015 kostete ein Fass der Sorte Brent im Durchschnitt 52,40 Dollar, nach 98,94 Dollar im Jahr 2014. Das war ein Rückgang um rund 47 Prozent. Wenn der Preis 2016 noch einmal zurückgehen soll, um die besagten 17,6 Prozent, ergibt sich ein durchschnittlicher Preis von 43,18 Dollar.

Nur: Der heutige Ölpreis liegt bereits bei 28,16 Dollar. Um auf den Durchschnittspreis von 43,18 Dollar zu kommen, muss er – einen linearen Verlauf unterstellt – am Jahresende bei 59,58 Dollar landen. Mit anderen Worten, er würde von heute bis Sylvester um 111,6 Prozent steigen. Ich habe dabei berücksichtigt, dass der Durchschnittspreis in den ersten 19 Tagen des Jahres bei 31,44 Dollar lag.

Es wird nichts mit noch billigerem Öl, wenn der IWF mit seiner Prognose recht hat. Bitte nachrechnen!

 

Deutschland geht’s gut

Das Statistische Bundesamt hat am Donnerstag die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts und seiner Komponenten für 2015 bekannt gegeben. Sowohl die Dynamik als auch die Struktur des Aufschwungs sind höchst erfreulich. Das reale BIP ist gegenüber 2014 um 1,7 Prozent gestiegen, die Inlandsnachfrage hat endlich die Exporte als Wachstumstreiber abgelöst, die Investitionen, das verfügbare Einkommen und die Beschäftigung haben allesamt kräftig zugelegt.

Einziger Schwachpunkt ist die langsame Zunahme der Produktivität – aber das ist schon seit Jahren so. In einer alternden Gesellschaft, die ohne eine jährliche Nettozuwanderung von 500.000 bis 800.000 Menschen auskommen möchte, lassen sich die Lasten für die Erwerbstätigen nur in Grenzen halten, wenn der Output pro Stunde deutlich rascher steigt als mit den Raten von nur etwa einem halben Prozent, bei denen sich der jährliche Produktivitätsanstieg inzwischen eingependelt hat. Es wird immer noch zu wenig investiert. Weiter“Deutschland geht’s gut”

 

Investment Outlook: Globale Rezessions- und Deflationsrisiken

Die Wirtschaftsprognosen der letzten Monate waren durchgängig recht positiv. Ich argumentiere hier, dass sie nach unten korrigiert werden müssen. Selbst das Risiko einer neuen globalen Rezession ist nicht auszuschließen.

Der wichtigste Indikator dafür, dass es nicht so gut läuft, ist der Welthandel. Wenn ich mir die Außenhandelspreise, den Containerumschlag in den wichtigsten Häfen oder die internationalen Frachtraten ansehe, hat er offenbar seit einigen Quartalen stark an Dynamik eingebüßt, vielleicht schrumpft er inzwischen sogar. In den vergangenen Jahrzehnten ist es immer dann zu einer globalen Rezession gekommen, wenn er rückläufig war. Weiter“Investment Outlook: Globale Rezessions- und Deflationsrisiken”

 

Eine Rezession der Weltwirtschaft ist nicht unwahrscheinlich

Von den Ökonomen des Internationalen Währungsfonds, der EU-Kommission, der OECD, des Sachverständigenrats oder der deutschen Forschungsinstitute wurde in den vergangenen Monaten wieder einmal vorhergesagt, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessern wird, und zwar sowohl international als auch im Inland: Das Wachstum beschleunigt sich, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Haushaltsdefizite der Staaten vermindern sich, und da die Inflation wieder anzieht, gibt es kein Deflationsrisiko mehr. Wie üblich, sind die Analysten der Banken in dieser Jahreszeit besonders optimistisch; sie sagen voraus, dass die Gewinne der Unternehmen im kommenden Jahr um rund zehn Prozent steigen werden und die Anleger daher nicht viel falsch machen können, wenn sie ihre Aktienbestände aufstocken. Ich möchte noch einmal erleben, dass sie einen Rückgang der Gewinne und Kurse prophezeien. Sie sind offenbar strukturell dazu gar nicht in der Lage. Weiter“Eine Rezession der Weltwirtschaft ist nicht unwahrscheinlich”

 

Energie muss teurer werden

Nicht der Preis für Rohöl sollte steigen, sondern der Preis, den die Endverbraucher für Benzin, Diesel, Heizöl und andere Erdölprodukte zu entrichten haben. Er ist viel zu niedrig. Zuletzt wurden in Europa trotz der eher lahmen Konjunktur 13,7 Prozent mehr Autos zugelassen als vor einem Jahr, bei einem stark gestiegenen Anteil benzinfressender SUVs. Da auch die Preise für Heizöl im freien Fall sind, wird zudem wieder großzügiger geheizt. Kohle ist so billig geworden, dass sie das vergleichsweise saubere Gas bei der Stromproduktion zunehmend verdrängt. Weiter“Energie muss teurer werden”

 

Gott lebt nicht mehr in Frankreich

“Leben wie Gott in Frankreich” war einmal. Der Lebensstandard ist zwar immer noch einer der höchsten der Welt, im Vergleich zu Großbritannien, Italien und Spanien, vor allem auch im Vergleich zu Deutschland hat er aber in den vergangenen Jahren nur sehr langsam zugenommen. Die Bevölkerung hat den Eindruck, dass ihr Land wirtschaftlich auf der Stelle tritt und ständig an Einfluss verliert. Vor allem deswegen hat der populistische, fremden- und europafeindliche Front National am Wochenende in der ersten Runde der Regionalwahlen so außerordentlich stark zugelegt. Es kann nicht mehr ausgeschlossen werden, dass Marine Le Pen die nächsten Präsidentschaftswahlen gewinnt. Weiter“Gott lebt nicht mehr in Frankreich”