So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Autoren Archiv von Dieter Wermuth

Marktteilnehmer wünschen expansivere Finanzpolitik

Von 30. Oktober 2014 um 09:54 Uhr

Niemand weiß, was Gott will, und niemand weiß, was die Märkte wollen. Paul Krugman hat kürzlich in der New York Times auf diese Analogie hingewiesen: Die Kreuzritter glaubten zu wissen, dass der liebe Gott von ihnen die Eroberung der heiligen Stätten des Morgenlandes verlange, während jemand wie Alan Greenspan glaubte, die Märkte hätten Angst vor galopierender Inflation und staatlichen Haushaltsdefiziten und würden daher von der Fed höhere Leitzinsen fordern. Umso erstaunter und geradezu genervt war er, dass weder die Inflationsraten noch die Marktzinsen das taten, was er von ihnen erwartete. Wenn politische Kreuzritter unserer Tage behaupten, sie wüssten, was die Märkte wollen, haben sie nach Krugmans Eindruck nur ihr eigenes Wollen im Sinn. In Wirklichkeit hätten sie, wie Alan Greenspan, ebenso wenig eine Ahnung vom Willen des Marktes, wie schon tausend Jahre vor ihnen die Kreuzritter von den Plänen Gottes. Weiter…

Euroland braucht Eurobonds

Von 23. Oktober 2014 um 17:13 Uhr

Öffentliche Defizite abzubauen ist Gift für die Konjunktur, solange es in der Wirtschaft gewaltige ungenutzte Reserven gibt. In der europäischen Währungsunion ist das der Fall: Die Arbeitslosenquote liegt bei 11,5 Prozent, und die Kapazitätsauslastung ist nach meiner Rechnung rund 13 Prozent niedriger als sie sein könnte. Niemand darf sich wundern, dass eine solche prozyklische Politik die Lage verschlimmert und das Risiko einer neuen Rezession zunimmt. Stagnation, abgelöst von Rezessionen ist inzwischen der Normalzustand geworden. Da hilft auch die expansive Geldpolitik nur begrenzt. Wer braucht noch den Euro, wenn die wirtschaftlichen Erfolge ausbleiben? Weiter…

Warum sich grüne Geldanlagen lohnen

Von 25. September 2014 um 19:16 Uhr

Die Zukunft ist grün, möchte man meinen. Der Schutz der Umwelt spielt eine immer größere Rolle in Politik und Wirtschaft und die Energiewende, weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energieträgern schreitet voran. Die “grüne” Wirtschaft ist zweifelsohne eine Wachstumsbranche und interessant für alle, die nach Investitionsmöglichleiten suchen. Aber der Wandel vollzieht sich nicht von heute auf morgen, das sollten die Anleger bedenken. Wie ich in meinem aktuellen Investment Outlook zeige, dürften unter dieser Prämisse Sparer, die nicht allein auf kurzfristige Kursgewinne und hohe Renditen aus sind, mit grünen Anlagen auf Dauer gut beraten sein.
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Immer noch 5,15 Millionen Unterbeschäftigte in Deutschland

Von 10. September 2014 um 17:57 Uhr

Kürzlich war im Figaro unter der Überschrift “La France, ce beau pays aux 6 millions de chomeurs officiels” ein Kommentar zur Lage am französischen Arbeitsmarkt zu lesen. Nicht 3,424 Millionen Menschen, wie gerade offiziell verlautbart, sondern sechs Millionen seien in Wirklichkeit im “schönen Frankreich” ohne Arbeit. Bei den Arbeitsämtern, den pôles d’emploi, waren Ende Juli nämlich tatsächlich 6,0802 Millionen Menschen gemeldet, von denen aber 2,6 Millionen aus unterschiedlichen Gründen nicht bei der Berechnung der offiziellen Arbeitslosenquote berücksichtigt werden, obwohl sie de facto arbeitssuchend seien. Die wahre Arbeitslosenquote in Frankreich läge daher nicht bei 10,2 Prozent, sondern bei 18,1. Wie sieht es in Deutschland aus? Hier wurden im August offiziell 2,9 Millionen Arbeitslose gezählt, was einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent entspricht – so niedrig wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. Zusammen mit dem stetigen Anstieg der Beschäftigung könnte man zum Schluss kommen, es sei alles bestens am deutschen Arbeitsmarkt. Aber auch in der größten Volkswirtschaft der Währungsunion trügt der Schein der offiziellen Zahlen. Tatsächlich ist davon auszugehen, dass mindestens 5,15 Millionen Menschen in Deutschland unterbeschäftigt sind, was einer Quote von 11,9 Prozent entspricht.
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US-Arbeitslosenquote kein guter Indikator für Inflationsgefahren

Von 28. August 2014 um 21:42 Uhr

Wann erhöht die Fed die Zinsen? Sie liegen seit Dezember 2008 bei knapp über Null, also seit fast sechs Jahren. Das war wieder einmal das Hauptthema der Jackson Hole-Konferenz der Zentralbanker in Wyoming. Ursprünglich sollte es zur Zinswende kommen, sobald die Arbeitslosenquote auf etwa 6,5 Prozent gefallen war. Jetzt hat sie 6,2 Prozent erreicht – seit dem zyklischen Hoch von 10 Prozent Ende 2009 befindet sie sich im Abwärtstrend -, aber es gibt keine Anzeichen, dass die Löhne rascher steigen und eine neue Lohn-Preis-Spirale ins Haus steht. Die Stundenlöhne nehmen seit Jahren stetig mit Raten von rund zwei Prozent zu und haben nicht im Geringsten auf den rapiden Rückgang der Arbeitslosenquote reagiert. Real bewegen sich die Zuwachsraten in der Nachbarschaft von Null.
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Schlechte Zahlen zwingen die EZB zum Handeln

Von 25. August 2014 um 19:51 Uhr

Der Handlungsdruck auf die EZB nimmt zu. Am Montag früh kam die Nachricht, dass der ifo Geschäftsklimaindex für August gegenüber Juli stark zurückgegangen war. Der Index ist ein Frühindikator für die deutsche Konjunktur. Da er in dieselbe Richtung weist wie die realen Auftragseingänge, sind die kurzfristigen Aussichten für Industrieproduktion und Sozialprodukt nicht gerade gut. Während die eine Komponente des Index, die Beurteilung der Lage, dem allgemeinen Eindruck entsprechend noch ganz erfreulich ist, sind die Erwartungen im Keller. Was ist los? Die Weltkonjunktur hat sich in den vergangenen Monaten etwas abgekühlt, auch wenn sie nach wie vor die wichtigste Stütze der Nachfrage nach deutschen Produkten und Dienstleistungen ist. Es ist immer noch realistisch, dass der reale Welthandel in diesem Jahr gegenüber 2013 um knapp vier Prozent zunehmen wird. Starker Gegenwind bläst der Wirtschaft jedoch neuerdings aus dem Inland und weiterhin aus den Ländern der Währungsunion entgegen.
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Mehr Geld drucken!

Von 21. August 2014 um 13:24 Uhr

Monatlich 500 Euro für jeden in der Währungsunion, bis Konsum, Beschäftigung, BIP-Wachstum und Inflation wieder anspringen! Wie wäre es? Die Bilanz des Euro-Systems schrumpft seit zwei Jahren und die Leitzinsen von nunmehr nur noch 0,15 Prozent haben bislang nichts daran ändern können, dass die Haushalte keine neuen Schulden machen wollen. Der sogenannte Transmissionsmechanismus von der EZB zur Endnachfrage funktioniert nicht mehr. Vielleicht ist der Umweg über die Banken einfach zu lang: Sie geben die Impulse der Geldpolitik wegen ihrer Bilanzprobleme, sprich ihrer vielen faulen Kredite, nicht an ihre Kunden weiter.
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Warum es im Euroland so schlecht läuft

Von 15. August 2014 um 18:52 Uhr

Der Unterschied zu den USA ist frappierend: Dort hat das Wachstum im zweiten Quartal Fahrt aufgenommen, um ein Prozent stieg die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal und die Anzahl der neuen Jobs nimmt mit einer Jahresrate von fast zwei Prozent zu. Im Euroland dagegen stagniert das reale BIP nach zwei Jahren Rezession schon wieder; am Arbeitsmarkt hat sich die Lage bisher kaum gebessert und ist daher nach wie vor katastrophal. Woher kommt‘s?
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Die deutsche Wirtschaft stottert schon wieder

Von 7. August 2014 um 17:54 Uhr

Alle Welt denkt, dass Deutschland zurzeit eine Art Lokomotive für den Rest Europas ist. Davon kann keine Rede mehr sein. Nach den jüngsten Zahlen – nicht nur den Auftragseingängen und den Statistiken zur Industrieproduktion, die am Mittwoch und Donnerstag veröffentlicht wurden – ist der Lokomotive der Strom ausgegangen. Fragt sich, wer sie wieder in Gang bekommt oder ob sie vielleicht sogar von anderen ersetzt werden muss – oder kann.
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Mit höheren Löhnen gegen Deflation

Von 29. Juli 2014 um 00:49 Uhr

Bei den europäischen Notenbankern herrscht Panik – wie sonst könnten die Chefvolkswirte der Bundesbank und, weniger überraschend, der EZB plötzlich vorschlagen, dass die deutschen Löhne stärker steigen sollten als bisher? Es sieht danach aus, als ob die Inflationsrate Euro-Lands im Juli auf 0,3 Prozent (gg. Vj.) gesunken sein könnte. Wenn es wenigstens Anzeichen dafür gäbe, dass wir vor einer Trendwende stehen. Die fehlen aber bislang.
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