Deutschland geht’s gut

Das Statistische Bundesamt hat am Donnerstag die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts und seiner Komponenten für 2015 bekannt gegeben. Sowohl die Dynamik als auch die Struktur des Aufschwungs sind höchst erfreulich. Das reale BIP ist gegenüber 2014 um 1,7 Prozent gestiegen, die Inlandsnachfrage hat endlich die Exporte als Wachstumstreiber abgelöst, die Investitionen, das verfügbare Einkommen und die Beschäftigung haben allesamt kräftig zugelegt.

Einziger Schwachpunkt ist die langsame Zunahme der Produktivität – aber das ist schon seit Jahren so. In einer alternden Gesellschaft, die ohne eine jährliche Nettozuwanderung von 500.000 bis 800.000 Menschen auskommen möchte, lassen sich die Lasten für die Erwerbstätigen nur in Grenzen halten, wenn der Output pro Stunde deutlich rascher steigt als mit den Raten von nur etwa einem halben Prozent, bei denen sich der jährliche Produktivitätsanstieg inzwischen eingependelt hat. Es wird immer noch zu wenig investiert. Weiter„Deutschland geht’s gut“

 

Eine Rezession der Weltwirtschaft ist nicht unwahrscheinlich

Von den Ökonomen des Internationalen Währungsfonds, der EU-Kommission, der OECD, des Sachverständigenrats oder der deutschen Forschungsinstitute wurde in den vergangenen Monaten wieder einmal vorhergesagt, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessern wird, und zwar sowohl international als auch im Inland: Das Wachstum beschleunigt sich, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Haushaltsdefizite der Staaten vermindern sich, und da die Inflation wieder anzieht, gibt es kein Deflationsrisiko mehr. Wie üblich, sind die Analysten der Banken in dieser Jahreszeit besonders optimistisch; sie sagen voraus, dass die Gewinne der Unternehmen im kommenden Jahr um rund zehn Prozent steigen werden und die Anleger daher nicht viel falsch machen können, wenn sie ihre Aktienbestände aufstocken. Ich möchte noch einmal erleben, dass sie einen Rückgang der Gewinne und Kurse prophezeien. Sie sind offenbar strukturell dazu gar nicht in der Lage. Weiter„Eine Rezession der Weltwirtschaft ist nicht unwahrscheinlich“

 

Flüchtlinge nutzen mehr, als sie kosten

Ökonomisch war selten etwas so sinnvoll wie Angela Merkels „Wir schaffen das“ von Anfang September, während ihr peinlicher Bittgang zum türkischen Autokraten aus ökonomischer Sicht unnötig und sogar kontraproduktiv war. Unser alterndes Land braucht auf Jahrzehnte hinaus Zuwanderer, wenn es seinen Lebensstandard halten will, wenn nicht immer weniger Erwerbstätige eine immer größere Zahl von Alten versorgen sollen.

Ich halte die Flüchtlinge für ein unerwartetes und höchst willkommenes Geschenk. Ein paar arme Länder treten einen Teil ihres „Humankapitals“ an eines der reichsten Länder ab, ohne etwas für die „Investitionskosten“ zu verlangen, also die Kosten für die Erziehung und Ausbildung der meist jungen Menschen, die zu uns kommen. Wir sollten uns für dieses Geschenk erkenntlich zeigen, auch finanziell, wenn es die Umstände eines Tages zulassen. Weiter„Flüchtlinge nutzen mehr, als sie kosten“

 

Zinsen werden lange niedrig bleiben – Schuldenüberhang verhindert Anstieg der Inflation

Immer mehr sieht es danach aus, als ob die europäischen Zinsen für viele Jahre auf ihrem jetzigen niedrigen Niveau bleiben oder sogar noch weiter fallen werden. Der wichtigste Grund: Der Schuldenüberhang, der im Verlauf der Finanzkrise entstanden ist, konnte bisher kaum abgebaut werden, sodass die Nachfrage nach Krediten nicht in die Gänge kommt – für Haushalte, Unternehmen und den Staat hat die Sanierung der Bilanzen Vorrang. Billiges Geld wird angeboten wie sauer Bier, aber niemand will es. Und es sieht nicht danach aus, dass sich daran demnächst etwas ändern wird. In einem solchen Umfeld ist nur schwer vorstellbar, dass die Zinsen wieder steigen werden. Weiter„Zinsen werden lange niedrig bleiben – Schuldenüberhang verhindert Anstieg der Inflation“

 

Einkommensverteilung hat nichts mit Demographie zu tun

Der wesentliche Faktor, der seit Jahren bei uns, genau wie in allen anderen Industrieländern, die Einkommensverteilung zugunsten der Kapitalbesitzer verschoben hat, wird in absehbarer Zeit keine Rolle mehr spielen – das weltweite Überangebot an Arbeit. Wir bekommen es von nun an aus demografischen Gründen mit einer neuen Knappheit an Arbeitskräften, stärker steigenden Reallöhnen, einer kräftigeren Zunahme der Geldentwertung und der Produktivität sowie höheren Realzinsen zu tun. Das ist zumindest die These von Charles Goodhart von der London School of Economics, der kürzlich zusammen mit zwei Mitarbeitern für die Investmentbank Morgan Stanley eine Studie zu diesem Thema vorgestellt hatte. Sie sorgt in der britischen Presse für Furore (Economist, Telegraph, Guardian, FT). Hätten die Autoren Recht, könnten Deflationspessimisten wie ich demnächst einpacken. Weiter„Einkommensverteilung hat nichts mit Demographie zu tun“

 

Deutsche Konjunktur ohne Schwung: Der Staat bremst

Die Frage ist, warum in Deutschland nicht schon längst Hochkonjunktur herrscht. Im zweiten Quartal betrug die Zuwachsrate des realen BIP gegenüber dem ersten Quartal gerade einmal 0,4 Prozent, nach 0,3 Prozent im vorangegangenen Quartal. Das ist mehr als mickrig. Selten, wenn überhaupt jemals, war die Ausgangslage so günstig: der Wechselkurs ist sehr schwach, die Leitzinsen befinden sich real und nominal in der Nähe von Null, durch den Einbruch der Energiepreise hat es seit Mitte 2014 unerwartete Kaufkraftgewinne gegeben, und bei der Bautätigkeit und den Ausrüstungsinvestitionen gibt es einen beträchtlichen Nachholbedarf. Das alles vor dem Hintergrund eines robusten Arbeitsmarkts, einer gewaltigen Einwanderungswelle und Reallohnsteigerungen von 3 bis 3,5 Prozent. Weiter„Deutsche Konjunktur ohne Schwung: Der Staat bremst“

 

Warum die deutsche Wirtschaft nicht in Fahrt kommt

Deutschland gilt zurzeit als der starke Mann Eurolands, mit einer wahrscheinlichen Zuwachsrate des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,5 bis 2 Prozent in diesem Jahr. Aber nur im Vergleich zu der Schwäche der Anderen sind das gute Zahlen, objektiv gesehen sind sie mickrig. Selten waren die Rahmenbedingungen so günstig wie jetzt, aber dass sich daraus ein robuster und selbst tragender Aufschwung entwickelt, ist bislang noch nicht zu erkennen. Was passiert, wenn die Zinsen, der Wechselkurs des Euro und die Ölpreise eines Tages wieder steigen, oder wenn Chinas Wachstum einbricht?

Grafik: Effektiver Wechselkurs des Euro für Deutschland

Bis auf die Finanzpolitik stehen alle Ampeln hierzulande auf Grün: Weiter„Warum die deutsche Wirtschaft nicht in Fahrt kommt“

 

Warum die Zinsen so niedrig sind

Wenn ich mir ansehe, wie sich die realen Renditen der Bundesanleihen im vergangenen Jahrzehnt entwickelt haben, könnte ich leicht zu dem Schluss kommen, dass wir es mit einem stabilen Trend zu tun haben und sich die Anleger darauf einrichten sollten, dass die Gleichgewichtszinsen dauerhaft in der Nähe von null Prozent liegen werden. Das würde nicht nur zu den niedrigen Zuwachsraten der Produktivität passen, sondern auch zu den rekordniedrigen Leitzinsen und der Absicht der EZB, diese für einige Jahre nicht zu erhöhen.

Warum die Zinsen so niedrig sind

In den USA, in Japan, Großbritannien, der Schweiz und in Schweden sieht es ähnlich aus. Warum sind die Zinsen nicht höher? Schließlich expandiert das reale BIP der entwickelten Länder fast wieder im normalen Tempo, und zwar mit rund zwei Prozent jährlich. Es entsteht also Einkommen, mit dem die Zinsen für die Inanspruchnahme von Krediten bezahlt werden können. Warum geben sich die Sparer mit Realzinsen von Null zufrieden? Werden sie das auch in der Zukunft tun? Weiter„Warum die Zinsen so niedrig sind“

 

Von der angeblich unvermeidbaren Stagnation der Produktivität

In Deutschland und in den meisten anderen Industrieländern ist die Produktivität, das reale BIP pro Arbeitsstunde oder pro Erwerbstätigem in den Jahren seit der großen Rezession nur sehr langsam vorangekommen, was nichts Anderes bedeutet, als dass der Spielraum für einen höheren Lebensstandard nur entsprechend langsam gestiegen ist. Das Schlagwort von der secular stagnation macht die Runde; der Internationale Währungsfonds hat in der vergangenen Woche in Florenz zu dem Thema sogar eine wissenschaftliche Konferenz veranstaltet.

Hierzulande war die Produktivität (auf Stundenbasis) in den neunziger Jahren noch um durchschnittlich etwas über zwei Prozent gestiegen, in den letzten sieben Jahren betrug die Zuwachsrate dagegen gerade einmal 0,4 Prozent. Wenn es so weitergeht und gleichzeitig der Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung sinkt – wie es von den Demografen vorausgesagt wird -, und damit die Anzahl der Arbeitsstunden zurückgeht, würde das reale Sozialprodukt pro Kopf zunächst stagnieren und dann sinken. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen hätten unsere Kinder daher ein niedrigeres Einkommen als wir. Der Jahrhunderte währende Prozess ständig zunehmenden Wohlstands wäre beendet.
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Die BIP-Zahlen sind unplausibel niedrig

Warum ist das reale Sozialprodukt im ersten Quartal nur um 0,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal gestiegen? Ich hatte zwar kürzlich erklärt, die Stimmung sei viel besser als die Zahlen, und könnte mich für diese Überschrift beglückwünschen, aber dass eine so mickrige Zuwachsrate herauskommen würde, hatte ich dann doch nicht gedacht.
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