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Blue Surf Film Nacht

Die Zeise Kinos zeigen mit „Tierra de Patagones“ und „Get N Classic Vol. 3“ zwei Filme über die Faszination des Wellenreitens.

Mit den Pinguinen durchs Eismeer zischen! Wovon Hagenbeck-Besucher in diesem Sommer nur träumen konnten, haben sich die Regisseure Joaquin und Julian Azulay im Lauf des letzten Jahres erfüllt. Für seinen Film Tierra de Patagones hat das argentinische Brüderpaar einen Surftrip an die Südspitze Südamerikas unternommen, dorthin, wo fast schon wieder nördlich kühles Wetter herrscht. Angeführt von den vitalen „Gauchos del Mar“ haben sich die beiden in die Wellen gestürzt und für die Blue Surf Film Nacht einen vielfach prämierten Surffilm kreiert. Wo es sich noch überall aufs Surfbrett zu steigen lohnt, das zeigt Get N Classic Vol. 3, der zweite Film des Abends. Wellenreiten vor Peru, Schottland und Tahiti – 40 Minuten Thrill mit Top-Surfern wie Dane Reynolds, Nathan Fletcher, Alex Knost, Joel Tudor u.a.

 

Gruseln mit Lovecraft

Antje Mohr, Alex Schrof und Dirk Timm lesen keltische Gruselgeschichten und H. P. Lovecrafts „Aus dem Jenseits“.

Nicht selten gruselt man sich dieser Tage am meisten davor, noch ein geeignetes Kostüm bis zur am Freitag anstehenden Halloweenparty finden zu müssen. Zeit den Gruselfokus mal wieder zu verschieben, dorthin, wo Halloween selbst seinen Ursprung nahm. Im Hafenbahnhof knöpfen sich Antje Mohr und Alex Schrof die keltischen Wurzeln des Festes vor und erzählen irische und schottische Volksmärchen. Dirk Timm legt im Anschluss mit H. P. Lovecrafts Aus dem Jenseits nach, schaurig-schön musikalisch unterlegt. Ein Abend also, der uns an frühe Jugendtage am Lagerfeuer erinnert, an denen wir uns schließlich nicht mehr alleine auf die Toilette trauten und hinter jedem Baum eine arge Bedrohung witterten. Um das gefrorene Blut im Anschluss wieder in Wallung zu bringen, drehen DJ Mariko vs. Yukio später dann die Boxen zur Aftershowparty auf. Kostüme sind gerne gesehen, aber kein Muss.

 

Kent Nagano

Der Star-Dirigent, der ab 2015 für die Hamburgische Staatsoper arbeitet, liest aus seinem Buch „Erwarten sie Wunder!“.

Wer diesen Namen noch nicht kennt, sollte ihn sich spätestens jetzt merken: Star-Dirigent Kent Nagano tritt – nachdem er für die Los Angeles Opera, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, die Bayerische Staatsoper München und das Orchestre Symphonique de Montréal tätig war – im September 2015 seinen Dienst als Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper an. Eine andere Kulturform führt ihn bereits 2014 an die Elbe: Kent Nagano liest am 31. Oktober im Rolf-Liebermann-Studio aus seinem Buch Erwarten Sie Wunder!. In seinem literarischen Debüt gestattet er Einblicke in seine Kindheit und erklärt „die sinnstiftende Kraft der klassischen Musik“ (NDR). Kent Nagano wuchs als Kind japanischer Einwanderer in einem Fischerdorf an der amerikanischen Westküste auf. Dort prägte ihn ein aus Georgien stammender Musikpädagoge, der die Kinder des Dorfes für klassische Musik begeistern konnte. Der Norden liest heißt die Reihe, in deren Rahmen der Dirigent auftritt. NDR-Redakteur Christoph Bungartz führt durch den Abend.

Text: Lena Frommeyer

 

Birdland

We’re back! Der wieder eröffnete Jazzclub lädt am letzten Oktober-Wochenende zu einem prominent besetzten Mini-Festival.

Groß war das allgemeine Lamento, als im letzten Jahr verlautbart wurde, dass der Hamburger Jazz-Club Birdland schließen würde – inklusive so mancher Krokodilstränen von Leuten, die erst seitdem wissen, wie „Jazz“ buchstabiert wird. Sei’s drum, nun hat er ja wieder geöffnet und alle Welt freut sich darüber. Um diese Freude zu teilen, lädt das Birdland nun zu einem kleinen, We’re back! überschriebenen Festival, zu dessen erstem Tag die Soul Jazz Alliance um den Alt-Saxofonisten Vincent Herring und Drummer Joris Dudli in der Gärtnerstraße gastieren wird, um die „funky arrangements“ ihres aktuellen Albums True Paradise zum Besten zu geben. Für den zweiten Festival-Tag am 1. November ist eine echte Jazz-Legende angekündigt: Der New Yorker Bob Dorough stand in den 1940er Jahren mit Charlie Parker auf der Bühne und hat mit Miles Davis aufgenommen. Dass der mittlerweile immerhin 90-jährige Sänger und Pianist nochmal in Hamburg zu sehen ist, gleicht einer mittleren Sensation.

Text: Marco Fuchs

 

OZM Gallery

Der Stencil-Künstler Mittenimwald eröffnet in der Galerie für Urban Art im Schanzenviertel seine neue Ausstellung „Mundo de los muertos“.

Graffiti und Street Art sind in dieser Galerie im Schanzenviertel zu Hause. Neben bekannten „Straßenkünstlern“ wie Loomit, (dem kürzlich verstorbenen Sprayer) OZ und Low Bros stellt in diesem Herbst auch wieder Mittenimwald in der OZM Gallery aus. Er ist Stencil-Künstler, nutzt mit dem Cutter zugeschnittene Schablonen und Spraydosen, um Bilder auf einen Untergrund zu bringen. Gesellschaftskritik im popkulturellen Gewand kann man seine Werke überschreiben, bei denen Porträts von Revoluzzern oder Diktatoren mit Schriftzügen wie „i love $$$“ oder „enjoy capitalism“ zusammengebracht werden. Nun ließ sich Mittenimwald von einem mexikanischen Feiertag inspirieren: Am 31. Oktober, dem „Tag der Toten“ eröffnet seine neue Ausstellung Mundo de los muertos. Die gastgebende Galerie verspricht „ein überdreht pop-propagandistisches, bitter-süßes Stencil-Fest“.

Text: Lena Frommeyer

 

Manu Katché

Im Rahmen seiner Deutschlandtournee gastiert das Quartett des französischen Jazz-Drummers und gefragten Studiomusikers in der Laeiszhalle.

Wer alt genug ist, könnte seinen Namen von Peter Gabriels Erfolgsalbum So aus dem Jahr 1986 oder von Stings zweitem Solo-Werk …Nothing Like The Sun (1987) kennen, auf denen der französische Ausnahme-Drummer Manu Katché mit seinem eigenständigen Spiel den Sound so einiger Songs prägte. Jüngeren musikinteressierten Semestern dürfte Katché schon mal auf ARTE über den Weg gelaufen sein, wo der Musiker als Host des Live-Formats One Shot Not mit verschiedenen Künstlern, von Anna Calvi über !!! (Chk Chk Chk) bis zu Richie Havens, jammte. Seit Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht Katché auch Alben unter seinem eigenen Namen. Das aktuelle Werk erschien kürzlich beim Münchener Jazz-Label ACT. Darauf ist Katché in der Besetzung zu hören, mit der er auch am 30. Oktober im Rahmen seiner Deutschlandtour in der Laeiszhalle zu sehen sein wird: Tore Brunborg (Saxofon), Luca Aquino (Trompete) und Jim Watson (Keyboards). Als zweite Formation an diesem Abend ist außerdem das Trio um den schwedischen Pianisten Jacob Karlzon zu hören.

 

Hamburger Theaterfestival

Was machen die anderen? Acht Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum zeigen Hamburger Theaterfreunden, was sie andernorts verpasst haben.

Theater ist manchmal unfair: Der Hamlet in Berlin bleibt dem Shakespeare-Liebhaber in München im Regelfall verwehrt. Das Hamburger Theaterfestival hat es sich darum zur Aufgabe gemacht, die besten Inszenierungen des deutschsprachigen Raums an die Bühnen dieser Stadt zu bringen. Acht Produktionen sind dieses Jahr eingeladen worden, die sich jeweils durch eigene Handschrift und fesselnde Schauspielerleistungen auszeichnen.

Zu sehen ist etwa Michael Thalheimers Inszenierung von Schillers Die Jungfrau von Orleans (Foto). Ursprünglich am Deutschen Theater Berlin aufgeführt, wird das Stück mit Theaterstar Kathleen Morgeneyer in der Hauptrolle Ende Oktober auf Kampnagel gastieren (30. und 31. Oktober, 20 Uhr).

Bisheriges Festival-Highlight: Erschütterndes Doku-Theater bot Die letzten Zeugen im September. Überlebende des Holocaust sitzen auf der Bühne hinter einem durchsichtigen Vorhang, scheinbar regungslos, während jüngere Schauspieler ihre Leidensgeschichten vorlesen – ein Stück direkte Konfrontation mit der Geschichte, die kommenden Generationen vorenthalten bleiben muss. Umso wichtiger, den Zeitzeugen jetzt zuzuhören.

Text: Michael Weiland

 

David Foster Wallace

Im Hamburger Sprechwerk feiert das Stück „Kurze Interviews mit fiesen Männern“ Premiere, das auf Geschichten des amerikanischen Autors basiert.

David Foster Wallace (Unendlicher Spaß) war eine der begabtesten, scharfsinnigsten und klügsten Stimmen des amerikanischen Literaturbetriebs – bis er sich 2008 das Leben nahm. Seine Kurzgeschichtensammlung Kurze Interviews mit fiesen Männern liegt dem Stück des Hamburger Sprechwerks zugrunde – genauer gesagt, eine der Episoden. Auf dem Totenbett, deine Hand haltend, bittet der Vater des jungen gefeierten Off-Broadway-Stückeschreibers um eine Gefälligkeit heißt das Kapitel eigentlich – aber das passt ja auf kein Plakat. Am Grab seines Sohnes steht der Vater und hat die Hasskappe auf: Das verlogene Familienleben, seine Verachtung für den Nachkommen, seine ganze Lebenslüge bricht sich in einer Schimpfkanonade Bahn. Frank Grupe ist in der Hauptrolle zu sehen, der Musiker Sebastian Deufels aka Gisbert zu Knyphausen hat für die Inszenierung ein sechzigminütiges Schlagzeug-Stück komponiert.

Text: Michael Weiland

 

Augen Blicke Afrika

Film, Diskussion und Tanz: Das Afrikanische Filmfestival Hamburg findet zum dritten Mal statt. Diesmal mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „Kolonialismus“.

In diesem Jahr konzentriert man sich auf afrikanische und europäische Filmemacher, die sich mit dem Kolonialen Erbe Afrikas – Geschichte und Gegenwart auseinandersetzen. In den 1970er Jahren wurde das Thema von Regisseur Ousmane Sembène in seinem Film Xala aufgegriffen, der als Meilenstein der afrikanischen Filmgeschichte gilt. Andere Beiträge beschäftigen sich mit den politischen und sozialen Unruhen nach der formalen Unabhängigkeit afrikanischer Staaten. Zudem will man zeigen, dass Kolonialismus kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern bis heute in den „Alltag der Menschen hineingreift“. Das Festival Augen Blicke Afrika eröffnet am 30. Oktober mit einem festlichen Empfang im Studio-Kino. Um 20 Uhr wird die Dokumentation Capitaine Thomas Sakkara gezeigt, um 22 Uhr der Film Juju Factory. Bis zum 9. November geht das Programm, in dessen Rahmen auch Diskussionen mit Regisseuren und eine afrikanische Tanznacht stattfinden.

Text: Lena Frommeyer

 

Rusconi

Nichts für Jazz-Puristen: Die Klangforscher Stefan Rusconi, Fabian Gisler und Claudio Strüby präsentieren ihr aktuelles Album im Nochtspeicher.

Das Jazz-Trio aus der Schweiz greift gerne in die elektronische Trickkiste und bedient sich auch sonst munter bei anderen Genres, ohne rot zu werden. Herauskommt bei dieser Klangforschung etwas herrlich Unorthodoxes, das es in den letzten zehn Jahren auf viele Festivalbühnen in Europa und Asien schaffte. Für Jazz-Puristen ist dieser freigeistige Umgang von Stefan Rusconi, Fabian Gisler und Claudio Strüby mit Gitarre, Piano, Bass und Schlagzeug wahrlich nichts. Über ihr neustes Album, History Sugar Dream, sagen die drei Musiker selbst, es sei „eine Erinnerung an die Zeit als Träume, Wünsche, Phantasie und Illusionen noch Realitäten waren – als das hemmungslose Spiel noch ganz selbstverständlich passierte“. Als Gesamtkunstwerk begreift man Rusconi erst, wenn man ein paar Musikvideos von ihnen studiert hat. Da werden Klänge zu Bildern und Bilder zu Klängen. Am 30. Oktober spielt die Band im Nochtspeicher.

Text: Lena Frommeyer