DIE ZEIT bekommt einen Lokalteil. Der Abend, bevor die neuen Hamburg-Seiten erstmals erscheinen, wird gefeiert – mit 23 Veranstaltungen an 14 besonderen Orten. Sie bilden das kulturelle, politische und gesellschaftliche Geschehen in der Hansestadt ab. Bürgermeister Olaf Scholz stellt sich Dampf-Interviewer Moritz von Uslar und seiner 99 Fragen-Tortur, beim Campus Talk mit Fettes Brot geht es im Schauspielhaus um Hip-Hop und Gefahrengebiete, Journalisten lesen in der Roten Flora Hate Poetry – die krassesten Leserbriefe vor. Im ZEIT-Gespräch erörtern die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, wie die Zukunft der Stadt aussieht. Ein volles Programm in der ganzen Stadt, von Literarischem Quartett bis Architekturspaziergang, und alles kostenlos – bis auf Chefredakteur Giovanni di Lorenzos Gespräch mit Helmut Schmidt im Schauspielhaus um 18:30 Uhr. Die Lange Nacht der ZEIT beginnt um 16 Uhr und endet am späten Abend. Zwischen den Veranstaltungsorten fährt ein Gratis-Shuttleservice. Einige Veranstaltungen sind bereits ausgebucht, werden aber auf ZEIT ONLINE live übertragen.
Sie befreite die Frauen aus ihrem Korsett, schuf das legendäre kleine Schwarze und erfand Chanel N°5 – Coco Chanel (1883–1971) war eine der größten Modeschöpferinnen des 20. Jahrhunderts. Ihrem großen Œuvre, ihrer starken Persönlichkeit und ihrer aktuellen Bedeutung widmet sich die Ausstellung Mythos Chanel im Museum für Kunst und Gewerbe. Über 150 Originalobjekte aus verschiedenen Sammlungen sind zu begutachten, darunter natürlich Kreationen von Coco Chanel, aber auch zahlreiche Adaptionen, die beweisen, dass die Modemeisterin bis heute starken Einfluss auf die Modewelt hat. „Warum lebt der Mythos Chanel immer noch?“ Beim Rundgang erfährt man die Antwort.
Der Kampf um das Aufenthaltsrecht ist kein neuer. Im deutschsprachigen Raum leben Tausende Menschen aus Ländern wie der Türkei, Aserbaidschan oder Afghanistan, die vor Krieg, politischer Verfolgung oder Armut flüchteten. „Wer auswandert, hat nicht nur seine Konflikte im Koffer, sondern auch die eigene Kultur, Sprache und Tradition“, sagt der kurdischstämmige Wiener Regisseur Hüseyin Tabak. Nach seinem Film Kick-Off über die Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosen und einer Neuerzählung des Kinderbuchklassikers Das Pferd auf dem Balkon von Milan Dor über ein autistisches Kind, widmet er seine dritte Produktion der Identitätssuche eines Jungen – halb Türke, halb Kurde – der mit seiner Familie nach Österreich flüchtete. Im Drama Deine Schönheit ist nichts wert erlebt man den 12-jährigen Außenseiter Veysel, der zu Hause am Konflikt zwischen seinem älteren Bruder und seinem Vater, einem ehemaligen kurdischen Freiheitskämpfer, zerbricht. Veysel flüchtet sich in Tagträumereien, verliebt sich in eine Klassenkameradin und versucht, seine Familie mit guten Schulnoten vor der Abschiebung zu bewahren. Zur Premiere reisen der Regisseur Hüseyin Tabak und einige Darsteller, darunter auch Abdulkadir Tuncer (Veysel), nach Hamburg.
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Vier Frauen machen Folk, jede auf ganz eigene Art und Weise. Davon kann man sich beim ersten American Songbirds Festival im Nochtspeicher überzeugen. Die Kanadierin Kyrie Kristmanson schreibt naturverbundene, Jazz-infizierte Songs mit gelegentlichem Trompeten-Einsatz und eine Prise Chanson ist ebenfalls herauszuhören. Das Instrument von Ashia & The Bison Rouge ist das Cello – Musikerinnern wie Joanna Newsom oder Amanda Palmer standen Pate für die Verbindung von Klassik mit Pop-Ansätzen. Stephanie Nilles sitzt mit Punk-Attitüde am Piano, ihr verrucht-verrauchtes Singer-Songwriting passt gut in ihre Heimatstadt New Orleans. Die Letzte im Bunde ist die Multiinstrumentalistin Rachielle Garniez, die wild die Genres wechselt, von Rock über Tango zu Klezmer und Country. Was nicht nur dem New Yorker und der New York Times lobende Worte Wert war, sondern auch Jack White von der Rockband The White Stripes beeindruckte, der eine Single mit ihr produzierte. Viermal Folk vom Feinsten.
In China essen sie Hunde, das besagt zumindest der Titel der dänischen Filmkomödie von Lasse Spang Olsen. Die bayrische Indie-Folk-Band Young Chinese Dogs trotzt der Gefahr. Mit Akkordeon, Tamburin, Ukulele, Trommel und rauen Stimmen spielt das Kollektiv so laut, dass sich niemand traut, es anzurühren. Ende 2013 veröffentlichte die Band ihr Debütalbum Farewell to Fate, ein guter Soundtrack für die Kneipe, denn eigentlich ist Young Chinese Dogs eine Liveband. Auch weil die Musiker ausschließlich auf akustischen Instrumenten spielen, mit viel Power und guter Laune. Das erinnert an Katzenjammer, die wuselige Frauenband aus Norwegen. Die Indie-Folker aus München gehören zu den ersten Künstlern, die im Molotow-Exil auftreten. Das Ausweichquartier vom szenigen Musikclub, der nach der Räumung der Esso-Häuser obdachlos wurde, liegt übrigens im ehemaligen Möbel-Brandes-Komplex an der Holstenstraße.
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Die Pianistin Anne von Twardowski und die Cellistin Sonja Lena Schmid hatten eine Idee: Sie wollten bei einem Konzert in intimer Clubatmosphäre klassische Musik behutsam mit elektronischen Klängen zusammenführen, nach und nach, bis Elektro-Beats am Ende im Mittelpunkt stehen und alle tanzen. Für die neue Veranstaltungsreihe Rauschen treffen im Nachtasyl, der Bar im Thalia Theater, die beiden Frauen der Klassik auf die DJ-Brüder Teichmann. Der Abend startet mit einer Sonate für Cello und Klavier, dann schalten sich die DJs zwischen – interagieren, improvisieren. Den darauf folgenden, rein elektronischen Teil des Abends gestaltet DJ Akaak, der mit seinen Projekten Knock Knock, Klingtsogut! und Sutsche seit über zehn Jahren eine feste Größe im Hamburger Nachtleben ist. Die Erstausgabe von Rauschen ist wie eine Operation am offenen musikalischen Herzen.
Der tragikomische Filmexport Ziemlich beste Freunde aus Frankreich schoss vor zwei Jahren an die Spitze der Kinocharts. Die Handlung ist schnell erzählt: Sozialhilfeempfänger Driss bewirbt sich gezwungenermaßen auf eine Stelle als Pflegekraft bei dem querschnittgelähmten, wohlhabenden Philippe. Dieser ist beeindruckt von Driss‘ schonungsloser Art und engagiert ihn. Davon profitieren beide, Philippe gewinnt seine Lebensfreude zurück und Driss übernimmt erstmals in seinem Leben Verantwortung. Die Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft soll nun auch in den Kammerspielen punkten, diesmal als Bühnenstück. Anstelle von Omar Sy verkörpert Patrick Abozen den pöbelnden Pfleger und interpretiert den Charakter neu: „Unser Regisseur Jean-Claude Berruti findet Driss im Film zu romantisch. Im Buch ist die Figur nicht nur witzig, sondern auch brutal. Ich will beides: Sein großes Herz zeigen und den Leuten Angst einflößen. „Wie solche Jungs ticken, erlebte der Schauspieler in seiner Kindheit. „Ich bin selber in einem sozial schwachen Stadtteil groß geworden, in Steilshoop. Ich kenne viele Charaktere, die mich an Driss erinnern. Und das sind meistens starke Persönlichkeiten.“ Leider ist die Vorstellung am 4. April bereits ausgebucht. Weitere Termine hier.
„Was Günther Netzer für stilvollen Fußball ist, das ist der Revolver Club für coole Indie-Parties!“, sagt Thees Uhlmann über die Partyreihe. Auf vielen Veranstaltungen steht Indie drauf, ist aber nicht ernsthaft Indie drin. Zumindest keine authentische Zusammenstellung von alten Wave-Britpop-Alternative-Helden mit hippen, rockenden Indie-Hypes und Trends aus England, den USA und Skandinavien. DJ Benny Ruess sorgt seit 14 Jahren für diese Auswahl der „Finest Floorfiller Of Underground“. Die Partyreihe Revolver Club findet regelmäßig in Hamburg, Kopenhagen, Kiel und Berlin statt. Außerdem richtet das Team auch kleine Indie-Newcomer-Konzerte aus, bei denen Bands wie Friska Viljor, Adele, Grizzly Bear oder The Kooks auf der Bühne standen, bevor sie international groß rauskamen. Manchmal lädt der Revolver Club in Hamburg auf die Tanzbarkasse Frau Hedi. Gemächlich schippert der schwimmende Club über die Elbe und steuert nur zum stündlichen Ein- und Ausstieg das Festland an. Tipp: Sind alle Tickets an den Offline- und Online-Vorverkaufsstellen ausverkauft, gibt es ja noch die Abendkasse.
Das ist nicht Afrika, behauptet das Festival auf Kampnagel. Dem kann man nur schwer etwas entgegensetzen. Auch wenn ein Dutzend Produktionen mit Partnern aus Mosambik, Mali, Tunesien, der Demokratischen Republik Kongo und Südafrika modernes Tanztheater aus deutsch-afrikanischen Netzwerken präsentieren – diesen riesigen, widersprüchlichen Kontinent kriegt auch eine solche Mammut-Produktion nicht unter einen Hut. Der Mix aus traditionellen und westeuropäischen Tanzproduktionen thematisiert unter anderem soziale Umbrüche und Verwerfungen in Tunis, Maputo und Kinshasa. Der Höhepunkt von This Ain’t Africa ist die Neuinterpretation des Ballettklassikers Schwanensee (Foto) durch den südafrikanischen Shootingstar Dada Masilo, welche die stereotype Aufteilung in Schwarz-Weiß hinterfragt und Geschlechterrollen zur Diskussion stellt. Darüber hinaus zeigt die Inszenierung Point Of Intersection vom Choreografen Panaibra Gabriel Canda am 4. April, wie ein tanzender Körper politische Zeichen setzen kann.
Er singt über die Liebe, die Natur und das Leben als Reise. Seinen Songtexten merkt man an, dass Johnny Flynn nicht nur Musiker ist, sondern sich ebenso gut aufs Dichten versteht. Schauspielern kann er übrigens auch. Der junge Brite gilt als Multitalent und ist auf der Bühne instrumental vielseitig einsetzbar. Mal spielt er Mandoline, dann greift er zum Banjo oder setzt die Trompete an die Lippen. Gemeinsam mit The Sussex Wit, der Folk-Rock-Band seines besten Freundes Adam Beach, experimentierte Johnny Flynn eine ganze Weile musikalisch herum. Auch der jüngste Longplayer, Country Mile, ist ein Gemeinschaftsprojekt. Darauf sind handgemachte Klänge zu hören und klassischer Folk, der manchmal von lateinamerikanischen Bossa-Nova-Rhythmen inspiriert wurde. Tipp: Beim Konzert stets ein Taschentuch bereithalten. Es wird emotional.
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