So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog
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Leitwährungswatch

Die Zinsen werden steigen

Von 19. Juni 2013 um 22:44 Uhr

Wenn die Pressekonferenz von Ben Bernanke der Versuch gewesen sein soll, die Märkte zu beruhigen, dann ist er kläglich gescheitert. Der amerikanische Notenbankchef erklärte, die Anleihemärkte hätten auf seine Aussage, wonach die Anleihekäufe zurückgefahren werden könnten überreagiert. Daraufhin fallen die Renditen aber nicht etwa, sie steigen weiter. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Weiter…

Guerillero Weidmann

Von 25. Oktober 2012 um 08:26 Uhr

Paul de Grauwe, der streitbare belgische Ökonomieprofessor, nahm kein Blatt vor den Mund, als er in dieser Woche in der Financial Times Jens Weidmann vorwarf, dieser führe einen Guerillakrieg gegen die EZB (“Stop this guerrilla campaign against ECB policy”). Dadurch beschädige der Bundesbankpräsident vor allem in Deutschland die Glaubwürdigkeit des Euro und erschwere so den Aufbau der Institutionen, mit denen die junge Währung krisenfest gemacht werden kann.

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Hohe staatliche Haushaltsdefizite, niedrige Inflation

Von 24. September 2012 um 10:26 Uhr

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung setzt sich Christian Siedenbiedel mit der Angst der deutschen Sparer auseinander, dass hohe Haushaltsdefizite und forciertes Gelddrucken durch die Notenbank unweigerlich zu einem Kaufkraftverlust des Geldes führen. Vor allem Jens Weidmann und dessen Doktorvater Manfred Neumann werden als wichtige Warner zitiert, aber im Grunde glauben auch die meisten deutschen Ökonomen und die von ihnen dominierten Medien an diesen Zusammenhang.

Ich meine hingegen: Es kann so kommen, es muss aber nicht. Augenblicklich spricht wenig für eine beschleunigte Geldentwertung, und zwar nicht nur in der nahen Zukunft, sondern auf Jahre hinaus. Weiter…

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Und jetzt die Bankenunion!

Von 10. September 2012 um 14:35 Uhr

Die EZB hat in der vergangenen Woche getan, was getan werden musste, um den Euro auf ein solides Fundament zu stellen, jedenfalls soweit es ihr Instrumentarium betraf. Jetzt muss eine Bankenunion folgen, durch die die gefährliche Verbindung von Bankrisiken und Staatsschulden ein für alle Mal gekappt wird. Am 29. Juni waren die Weichen dafür gestellt worden. Erst wenn diese Union unter Dach und Fach ist, können wir uns sicher sein, dass auch unsere Kinder und Enkel mit Euro zahlen werden. Eine Währungsunion erfordert auf Dauer eine Fiskalunion, die wiederum eine Vorstufe für eine politische Union ist. Da die Bevölkerung und die nationalen Parlamente dazu noch nicht bereit sind und eine offene Diskussion, darüber wie weit die Europäische Integration letztendlich gehen soll, bislang scheuen, ist die Kombination von Bankenunion und Gelddrucken plus Auflagen das Einzige, was sich gegenwärtig durchsetzen lässt. Das heißt aber nicht, dass dieser neue institutionelle Rahmen nicht belastbar wäre. Wie zu erwarten war, und wie das in der Geschichte des europäischen Friedensprozesses immer wieder der Fall war, muss eine Krise nur ernst genug sein, damit es weitergeht mit der Zusammenarbeit auf unserem kleinen Kontinent. Wir erleben einen historischen Moment, wenn mich nicht alles täuscht.

Was genau ist geschehen, was bedeutet das für die Zukunft des Euro, und was muss noch passieren? Weiter…

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Die EZB und der Zinsdeckel – Versuch einer Klärung (with English language update)

Von 22. August 2012 um 13:46 Uhr

Die Meldung, wonach die EZB plane, einen Zinsdeckel für südeuropäische Staatsanleihen einzuführen, hat eine beachtliche Rallye an den Märkten ausgelöst. Das legt die Frage nahe, was bei der nächsten Sitzung des Zentralbankrats wohl entschieden werden wird – und es dürfte eine Enttäuschung geben. Weiter…

Um eine echte Währungsunion wird man nicht herumkommen

Von 25. Juli 2012 um 06:27 Uhr

Noch nie waren die Leitzinsen so niedrig wie heute, noch nie haben die führenden Notenbanken so viel Geld gedruckt wie in den vergangenen Jahren. Nur ist immer noch nicht zu erkennen, wie der Funke in die Realwirtschaft überspringen soll. Was tun, wenn die Finanzpolitik in wichtigen Ländern mit aller Macht dagegenhält und auf pro-zyklische Weise versucht, staatliche Haushaltsdefizite und Schulden abzubauen, und wenn überschuldete Haushalte und unterkapitalisierte Banken nur auf Eines aus sind – durch Sparsamkeit und Vorsicht ihre Kreditwürdigkeit und Solvenz wieder herzustellen? Weiter…

Die Bundesbank ist immer für eine Überraschung gut

Von 10. Mai 2012 um 00:04 Uhr

Aus der Stellungnahme der deutschen Notenbank im Finanzausschuss:

 Die regulären marktlichen Anpassungsprozesse sollten dabei freilich nicht behindert werden. (…) Deutschland dürfte in diesem Szenario künftig in der EWU eher überdurchschnittliche Inflationsraten aufweisen, wobei die Geldpolitik dafür zu sorgen hat, dass die Inflation im Aggregat der EWU dem Stabilitätsziel entspricht und die Inflationserwartungen fest verankert bleiben.

Im Klartext: Wenn die Inflationsrate in Deutschland über die zwei Prozent geht, dann wird die Bundesbank das tolerieren, solange das Stabilitätsziel der EZB nicht verfehlt wird. Diese Aussage ist sehr wichtig. Denn gerade in der angelsächsischen Welt wurde vermutet, die Bundesbanker würden die EZB mit Blick auf die öffentliche Debatte zu Zinserhöhungen zwingen (oder mit ihren neuen makroprudenziellen Instrumenten gegensteuern), auch wenn das europäische Inflationsziel noch nicht ausgereizt ist.

Hintergrund ist natürlich, dass die Teuerung in der Peripherie deutlich sinken wird, weshalb Deutschland  im Sinne der Stabilität des Gesamtsystems stärker inflationieren sollte, um die Anpassungsprozesse zu erleichtern.

Ich beobachte ganz grundsätzlich, dass viele angelsächsische Analysten die Flexibilität der deutschen Politik unterschätzen. Deutsche Währungs- und Finanzpolitiker müssen in der innenpolitischen Debatte den Harten geben. Das wird von der Bevölkerung erwartet. Und ganz sicher ist der politische Mainstream in Deutschland dogmatischer als in Frankreich oder den USA – und aus meiner Sicht häufig auch zu dogmatisch.

Aber die Deutschen sind nicht dumm. Dazu passen auch die Aussagen von Wolfgang Schäuble, wonach die Löhne hierzulande nach Jahren der Lohnmoderation jetzt wieder stärker steigen sollen, um die Ungleichgewichte abzubauen.

Ich bin gespannt, was die FAZ morgen schreibt.

 

Was will die EZB mit ihrer unkonventionellen Geldpolitik

Von 3. Mai 2012 um 23:38 Uhr

Im Finanzstabilitätsbericht der Zentralbank von Luxemburg gibt es einen faszinierenden Aufsatz von Jürgen Schaaf (BCL), Joachim Nagel (Bundesbank) und Hans-Helmut Kotz (Ex-Bundesbank und CFS) über das Wesen der unkonventionelle Geldpolitik. Weiter…

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Draghis Dicke Bertha

Von 29. Februar 2012 um 15:16 Uhr

Mario Draghi hat wieder zugeschlagen. 530 Milliarden Euro haben sich die Banken beim heutigen Dreijahrestender (LTRO) geliehen, das bringt die Gesamtsumme der Operation auf 1.019 Milliarden Euro. Ich war anfangs skeptisch, was die Wirksamkeit des Manövers angeht, weil ich davon ausgegangen war, dass die Banken das Geld gleich wieder bei der Zentralbank deponieren. Aber inzwischen habe ich meine Meinung geändert. Die LTRO ist vielleicht einer der cleversten Schachzüge der Zentralbankgeschichte. Weiter…

Den Euro retten durch Gelddrucken

Von 24. Januar 2012 um 09:11 Uhr

Wennschon, dennschon: vielleicht liege ich ja völlig daneben, aber wie wäre es denn, wenn die EZB den Banken im Euroraum so viel Geld zur Verfügung stellte, dass sie damit alle Finanzierungswünsche der Staaten zu tragbaren Konditionen erfüllen könnten? Dann gäbe es auch wieder Wachstum, oder jedenfalls ließe sich das Risiko einer Rezession nachhaltig vermindern. Die Quadratur des Kreises besteht im Euroland heute ja darin, gleichzeitig die Staatshaushalte zu sanieren und den Schuldendienst durch robustes Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Weiter…

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