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Wermuth’s Investment Outlook

Aktien immer noch die bessere Alternative

Von 21. März 2013 um 18:05 Uhr

Noch sieht es nicht danach aus, als ob die dreißigjährige Rallye an den Rentenmärkten der Länder, die aus Anlegersicht als sicher gelten, zu Ende wäre. Das Wirtschaftswachstum ist zu schwach, um die Outputlücken zu schließen, die in der Rezession von 2008/2009 entstanden sind. Die Inflationsraten werden bis auf Weiteres rückläufig sein und unterhalb der Zielmarken der Notenbanken bleiben. Bondrenditen in den USA, Japan, Großbritannien, der Schweiz, Schweden und den Euroländern außerhalb der Peripherie werden weiterhin extrem niedrig sein, real teilweise sogar negativ.

Aktien sind wegen ihrer im Allgemeinen höheren Dividendenrenditen und der robusten finanziellen Lage der Unternehmen die bessere Anlagealternative. Sie sind aber nicht mehr billig und leiden tendenziell unter den schwachen makroökonomischen Rahmendaten.

Die Aktien der Schwellenländer fristen seit Jahresanfang ein Mauerblümchendasein: ihre Bewertungen sind jedoch nicht übertrieben. Niedrige Kosten, gesunde Finanzen sowie ein gewaltiger Aufholbedarf ergeben nach wie vor eine überzeugende Anlagestory.

Rohstoffe sind immer noch überteuert. Ihre Preise befinden sich in einem leichten Abwärtstrend, zum Einen wegen des relativ schwachen Wachstums der Weltwirtschaft, zum Anderen weil sie im historischen Vergleich weiterhin teuer sind. Die hohen Preise der vergangenen Jahre haben zu einem großen Angebot geführt, das nun auf die Preise drückt.

Die Devisenkurse der wichtigsten Währungen werden im Wesentlichen von den Strategien der jeweiligen Notenbanken bestimmt: Je größer das Angebot an Zentralbankgeld, desto schwächer der Wechselkurs. Der Euro ist unterbewertet und wir aufwerten, sobald weitere Fortschritte in Richtung Bankenunion erkennbar sind.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den Industrie- und Schwellenländern, sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - March 2013*) (pdf, 197 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Von der Dynamik der Schwellenländer profitieren!

Von 8. Januar 2013 um 08:49 Uhr

Die wichtigsten Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft und die wichtigsten Impulse für die Aktienmärkte werden 2013 einmal mehr von den Schwellenländern ausgehen, deren reales BIP in diesem Jahr um über fünf Prozent zunehmen dürfte. Der Aufholprozess ist in vollem Gange. Den Ländern geht es finanziell so gut, dass sie nach wie vor netto Kapital in die reichen Länder exportieren. Aktien von Unternehmen, die in diesem Teil der Welt erfolgreich sind, haben die besten Voraussetzungen für eine erfreuliche Kursentwicklung. Weiter…

Investment Outlook: Niedrige Zinsen bleiben – der Euro bleibt auch

Von 8. Oktober 2012 um 08:05 Uhr

Das Wirtschaftswachstum in den reichen Ländern wird einige Jahre deutlich niedriger ausfallen als noch vor der Finanzkrise. Im Vordergrund wird der Schuldenabbau und die Sanierung der Bilanzen in weiten Teilen der Bevölkerung, bei Banken und Regierungen stehen.

Sowohl am Arbeitsmarkt als auch in den Unternehmen gibt es nach wie vor große Kapazitätsreserven. In den OECD-Ländern nehmen sie gegenwärtig sogar wieder zu. Das bedeutet, dass es kaum Inflationsrisiken gibt, was wiederum sowohl in den USA, im Euro-Raum und in Japan eine äußerst expansive Geldpolitik ermöglicht. Trotzdem ist deren Wirkung auf die Realwirtschaft insgesamt sehr schwach: Der übliche Transmissionsmechanismus funktioniert nicht mehr. Die Notenbankzinsen werden in der Nähe von null verharren, und es könnte sogar sein, dass sie irgendwann in den negativen Bereich rutschen. Das ist einer der Gründe, weshalb in den Ländern, die aus Anlegersicht als sicher gelten, die realen langfristigen Bondrenditen noch einige Jahre lang negativ bleiben dürften.

Es spricht einiges dafür, dass der Euro überleben wird, vor allem die direkten und indirekten Kosten, die bei seiner Abschaffung entstehen würden. Die kommende Bankenunion und die Bereitschaft der EZB, unbegrenzt Anleihen von Staaten aufzukaufen, die sich unter den Rettungsschirm ESM begeben haben, zeigen, dass der Euro endlich ein solides institutionelles Fundament bekommen soll. Die Bondrenditen der Krisenländer dürften sinken, und der Euro wird vermutlich aufwerten – die gesamtwirtschaftlichen Determinanten des Wechselkurses sprechen zumindest dafür.

Die Schwellenländer bleiben der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft, weil sie kaum mit Schuldenproblemen zu tun haben und ganz im Gegenteil finanziell meist gut dastehen. Der Aufholprozess geht in vollem Tempo weiter. China erlebt zwar gerade ein "hard landing". Das heißt jedoch lediglich, dass sein reales BIP mit einer Rate von knapp sieben Prozent statt mit den bis vor Kurzem noch üblichen 10 Prozent expandiert. Insgesamt nimmt das Sozialprodukt in diesem Teil der Welt (wo 85 Prozent der Menschheit lebt) zurzeit mit etwa 4 ½ Prozent zu, verglichen mit 0,6 Prozent in der OECD-Region.

Anleger sollten ihre Mittel stärker in Richtung Schwellenländer umschichten. Sie können das dadurch erreichen, dass sie in Unternehmen investieren, die erfolgreich in diese Länder exportieren oder dort produzieren.

Die Zerstörung der Umwelt geht weiter, nicht zuletzt weil der Output von Kohlenwasserstoffen ungebrochen zunimmt. Es gibt auf kurze Sicht eher ein Überangebot als einen Mangel an fossilen Energieträgern. Da eine saubere Umwelt für eine zunehmend wohlhabendere Weltbevölkerung immer wichtiger wird, dürfte sich Umwelttechnologie zu einer Wachstumsbranche mausern.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den Industrie- und Schwellenländern (mit einem Schwerpunkt zur Entwicklung im Euro-Raum), sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - October 2012*) (pdf, 245 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Eurokrise vor dem Ende

Von 4. September 2012 um 16:41 Uhr

Die Krise in der Währungsunion muss in den nächsten Monaten gelöst werden, weil es keine Alternative gibt: Wenn der Euro überleben soll, muss jetzt der institutionelle Rahmen geschaffen werden, der bisher fehlte. Dazu gehört zum Einen die Bankenunion, die, so hoffe ich, beschlossene Sache ist. Die unheilvolle Verbindung zwischen dem Schicksal der Banken und den Schulden der Staaten sollte ein für alle Mal gekappt werden. Es wird auf eine Institution hinauslaufen, die die Banken im Euroraum beaufsichtigt, die in der Lage ist, sie zu schließen oder zu retten, je nachdem, und die eine gemeinsame Einlagensicherung organisiert. Die Bankenaufsicht soll zunächst einmal bei der EZB angesiedelt sein. Hinzu kommen in den nächsten Monaten zusätzliche Maßnahmen, mit denen die Schuldenlast für Länder, die um Finanzhilfe gebeten haben, gesenkt werden kann. Neben dem European Stability Mechanism (ESM) wird die EZB auch hierbei eine Schlüsselrolle spielen. Wie die Aufgabenverteilung letztlich aussehen wird, ist noch nicht klar. Auf Dauer kann die EZB nicht für die Lösung sämtlicher Strukturprobleme des Euro zuständig sein.

Wie immer der Kompromiss aussehen wird, am Ende werden wir es mit einem institutionell gefestigten Euro zu tun haben. Alle Anlagestrategien, in denen ein Ausscheiden Griechenlands und anderer Länder aus dem Euro, oder ein Ende des Euro selbst wichtige Annahmen sind, müssen revidiert werden. Da es weniger wahrscheinlich ist, dass es, ausgehend von Euroland, zu einer Katastrophe an den Märkten kommen wird, dürften weltweit die Risikoprämien sinken. Beispielsweise werden sich die Renditedifferenzen zwischen den Anleihen staatlicher und privater Schuldner innerhalb Europas wieder annähern, Sachinvestitionen werden wegen des geringeren Risikos attraktiver, das Wirtschaftswachstum beschleunigt sich, der Euro wertet endlich wieder auf – alles das jedenfalls der Tendenz nach.

Für Euroland wird eine konjunkturelle Wende wahrscheinlicher. Bisher stehen alle Zeichen auf Rezession, und selbst Deutschland hat zu schwächeln begonnen. Die USA und Japan expandieren viel langsamer als erwartet, China wächst mit einer Rate von "nur" 7 Prozent statt wie gewohnt mit 10 Prozent. Die Zuwachsrate der Weltwirtschaft liegt bei relativ mickrigen 2 Prozent und damit weit unter der Trendrate von 4 Prozent. Da kommt eine Stabilisierung der Lage in Europa gerade recht.

Da es keine echten Inflationsprobleme gibt, ist eine Monetisierung von Staatsschulden allemal billiger als eine Reihe von Staatsbankrotten. Es muss doch möglich sein, den Ländern, die unterstützt werden wollen, solche Reformen und fiskalischen Maßnahmen abzuverlangen, die für die Zukunft des Euro wichtig sind. Ich bin da guter Hoffnung – und hoffentlich nicht naiv.

Eine ausführliche Analyse der gesamtwirtschaftlichen Lage in Euroland und den USA, so wie ein kurzer Blick nach Asien, und die Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - September 2012*) (pdf, 194 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Investment Outlook: vor einem Paradigmenwechsel!

Von 2. Juli 2012 um 19:48 Uhr

Die entscheidende Frage ist für die Anleger, wie es mit dem Euro weitergehen wird. Die Befürchtung, dass die Währungsunion nicht mehr lange überleben würde, hat mehr als zwei Jahre lang ihre Strategie bestimmt. Sie war einerseits der Grund für die rekordniedrigen Zinsen in Deutschland, der Schweiz, in Schweden, aber auch in den USA und selbst in Japan – diese Länder gelten als sicher –, und andererseits für die hohen und existenzbedrohenden Aufschläge gegenüber Bundesanleihen, die Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien hinzunehmen hatten. Sie war auch der Grund für den schwachen Euro.

Nach den Brüsseler Beschlüssen vom vergangenen Freitag hat sich die Welt möglicherweise gründlich geändert. Es wurde ein großer Schritt in Richtung Bankenunion getan, mit mehr Aufsichtsvollmachten für die EZB, die Übertragung von Bankenrettungsaufgaben an den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM und den Einstieg in eine gemeinsame Einlagensicherung. Eurobonds sind nach wie vor Tabu, also die Haftung für die Schulden der anderen. De facto wird auch das kommen. Eine echte Fiskalunion ist nur eine Frage der Zeit.

Damit ist die Existenz des Euro erst einmal gesichert. Es sieht danach aus, als würden die Politiker dem Euro endlich ein tragfähiges Fundament geben. Eine Währungsunion kann ohne eine Banken- und Fiskalunion nicht überleben. Dieser Geburtsfehler wird nunmehr behoben.

Das bedeutet, dass alle Strategien, die auf der Basis eines Eurozusammenbruchs entworfen worden waren, abgewickelt werden müssen. Konkret: der Spread zwischen Bundesanleihen und italienischen und spanischen Anleihen wird sich deutlich verengen, Bundesanleihen werden an Wert verlieren, was Dividendenpapiere am Aktienmarkt noch attraktiver macht, der Euro wird aufwerten. Die Stabilisierung des Euro wird auch die Weltkonjunktur stabilisieren und das Risiko einer globalen Deflationsspirale vermindern. Die Inflationsrisiken bleiben aber insgesamt wegen der beträchtlichen Outputlücke und des gestörten Transmissionsmechanismus der Geldpolitik gering, so dass die Notenbanken bis auf Weiteres ihre sehr expansive Politik fortsetzen können.

Eine ausführliche Analyse von Maßnahmen zur Lösung der Eurokrise und deren Wirkung auf der Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurswe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - July 2012*) (pdf, 208 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Anlagestrategie nach der Rettung Griechenlands

Von 14. März 2012 um 14:05 Uhr

Durch das neue Rettungspaket für Griechenland und die Flutung der europäischen Geldmärkte mit billigem langfristigem Geld dürfte die Eurokrise zunächst einmal entschärft worden sein. Gelöst ist sie natürlich noch nicht. Das Umfeld hat sich für die Anleger jedoch deutlich verbessert.

Es droht keine neue globale Rezession: das Wachstum ist zwar moderat, ist aber immerhin fundamental gut abgesichert. Die Schwellenländer, auf die inzwischen die Hälfte des weltwirtschaftlichen Outputs entfällt, expandieren weiterhin viel rascher als die reichen Länder und bieten daher die besten Anlagechancen.

Im OECD-Bereich gibt es zwei wichtige Wachstumsbremsen: das Deleveraging von Haushalten und Banken sowie die restriktive Finanzpolitik.

Da die Outputlücke auch global weiterhin groß und die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer schwach ist, werden die Inflationsraten trotz des forcierten Gelddruckens niedrig bleiben. Ich gehe daher davon aus, dass die extrem expansive Geldpolitik für lange Zeit beibehalten werden wird.

Die Rohstoffpreise sind eigentlich zu hoch. Dass es dennoch nicht zu einem Einbruch kommen wird, liegt an den real negativen Notenbankzinsen in den Industrieländern und dem rohstoff- und energieintensiven Wachstum in den Schwellenländern, deren reales BIP zurzeit mit Raten von 5 bis 5,5 Prozent expandiert.

Amerikanische, deutsche, britische, schweizerische, schwedische und japanische Staatsanleihen sind ziemlich teuer und sollten in dem neuerdings weniger risikoreichen globalen Umfeld untergewichtet werden, zugunsten von italienischen oder spanischen Anleihen, insbesondere aber zugunsten von Dividendenpapieren.

Eine ausführliche Analyse des aktuellen makroökonomischen Umfelds und der Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds und Rohstoffe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - March 2012*) (pdf, 214 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Anleger wollen Sicherheit, aber auch Cash Flow

Von 5. Januar 2012 um 06:41 Uhr

Traditionelle Anlagen wie Bundesanleihen oder US Treasuries, die bisher in jedes gut sortierte Portefeuille gehörten und vor allem auch bei Versicherungen und Pensionskassen beliebt waren, sind inzwischen sehr teuer geworden. Angesichts von Renditen von weniger als zwei Prozent bieten sie noch nicht einmal mehr einen Ausgleich für die Geldentwertung. Das zeigt, welche Panik an den Rentenmärkten herrscht, wie sehr die Anleger auf Sicherheit bedacht sind. Es zeichnet sich nämlich noch nicht ab, ob, wann und wie die globale Finanzkrise überwunden werden kann. Den Wirtschaftspolitikern fehlt ein überzeugendes Konzept – übrigens auch den Ökonomen – und es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu Entwicklungen wie in Japan kommt. Dort liegen die Aktienkurse nur bei einem Fünftel der Werte, die sie bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten erreicht hatten, und die zehnjährigen Bondrenditen sind auf 0,98 Prozent gefallen. In der Schweiz sind sie sogar auf 0,65 Prozent abgestürzt. Deutsche Bundespapiere im Laufzeitenbereich bis etwa ein Jahr haben derweil negative Zinsen!

Aktien von Unternehmen, die aufgrund ihrer Marktstellung aller Voraussicht nach immer in der Lage sein werden, eine auskömmliche Dividende zu zahlen, haben sich daher zu konservativen Alternativen gemausert. Auch viele Unternehmensanleihen gehören jetzt in diese Kategorie. Anleihen von Banken allerdings noch nicht, ebenso wenig wie Bankaktien. Die Bankenkrise ist nämlich noch keineswegs ausgestanden. Es besteht offenbar noch ein erheblicher Abschreibungsbedarf: Bei vielen multinationalen Instituten liegen die Aktienkurse bei weniger als der Hälfte der Buchwerte!

Insgesamt ist der Ausblick für die Weltwirtschaft nicht so negativ, wie es scheinen könnte, wenn man nur die Nachrichten aus den OECD-Ländern verfolgt. China, dessen nominales BIP vermutlich bereits im Jahr 2018 das der USA erreicht haben dürfte, expandiert weiterhin kräftig, ebenso wie die Mehrzahl der Schwellenländer. Sie sind allesamt finanziell sehr gesund und haben beim BIP pro Kopf noch einen gewaltigen Aufholbedarf. Sie dürften auch im schwierigen Jahr 2012 noch mit einer Rate von 4,5 Prozent zulegen. Das wiederum dürfte verhindern, dass die Rohstoffpreise noch einmal so einbrechen wie im Jahr 2008.

Auch Deutschland hat bisher keine Probleme. Da es keine Blasen gab, die hätten platzen können, gibt es auch keinen Grund, forciert Schulden abzubauen und Ausgaben einzuschränken. Die niedrigen Zinsen und der schwache Euro sind genau das, was das Land braucht. Jetzt müssten nur noch die Löhne kräftiger steigen – dann wäre unsere Wirtschaft doch glatt die Konjunkturlokomotive Europas und es wäre nicht so schlimm, wenn in den anderen Ländern des Euroraums eine pro-zyklische Finanzpolitik betrieben wird. Es wäre fast zu schön!

Eine ausführliche Analyse der wirtschaftlichen Lage nach fast viereinhalb Jahren Finanzkrise und der Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - January 2012*) (pdf, 302 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Schwellenländer: die fundamentale Alternative

Von 20. Oktober 2011 um 22:02 Uhr

Anleger haben mal wieder Probleme: Wo gibt es noch eine vernünftige Kombination von Risiko und Ertrag? Die Renditen von Anleihen mit gutem Rating sind auf historischen Tiefs, real sogar meist negativ, die Konjunktur schwächelt so sehr, dass zumindest in den reichen Ländern eine Rezession nicht mehr auszuschließen ist, die Unternehmensgewinne können daher nur sinken, und mit ihnen die Aktienkurse.

Hinzu kommt die Unsicherheit über die Stabilität der öffentlichen Schuldner im Euroland. Selbst in Amerika sieht es nicht besser aus. Auf eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken braucht auch niemand mehr zu wetten, und die Goldblase ist offenbar geplatzt. Was ist aus der Rohstoffeuphorie geworden? Preiseinbrüche wohin das Auge sieht.

Kommt es am Ende doch wieder zu einer inflationären Lösung der staatlichen Schuldenprobleme – genug Geld wurde - und wird - ja gedruckt. Wie wäre es mit inflationsgeschützten Anleihen?

Ich argumentiere, dass die deflationären Effekte in den reichen Ländern weiterhin dominieren. Die meisten von ihnen stecken in einer Liquiditätsfalle, weil Haushalte und Banken vorwiegend mit Schuldenabbau beschäftigt sind. Auch die Finanzpolitik setzt auf’s Sparen und verstärkt dadurch die Nachfrageschwäche.

Die einzig plausible Alternative sind in dieser Situation die Schwellenländer. Ihr reales Sozialprodukt dürfte 2012 mit einer Rate von fünf Prozent zunehmen und damit etwa fünfmal rascher als das der OECD-Länder. Sie haben, anders als noch bis in die späten neunziger Jahre, erheblichen finanziellen Spielraum und können daher die Inlandsnachfrage stimulieren, wenn es mit ihren Exporten nicht mehr so laufen sollte.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (mit einem Schwerpunkt auf den vier BRIC-Staaten), sowie zu den Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - October 2011*) (pdf, 344 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Investment Outlook: pro-zyklische Finanzpolitik und Deflationsrisiken

Von 30. August 2011 um 14:53 Uhr

Die Wachstumsprognosen für die Industrieländer sind in den vergangenen Wochen kräftig nach unten revidiert worden. Im jetzigen und im nächsten Halbjahr wird das reale BIP der USA und Eurolands mit Verlaufsraten von kaum mehr als ein Prozent expandieren. Die Outputlücken werden wieder größer. Grund ist vor allem die pro-zyklische Finanzpolitik, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Haushaltsdefizite der öffentlichen Hand rasch zu vermindern. Die Geldpolitik kann kaum noch helfen - sie hat ihre Munition weitgehend verschossen.

Währenddessen ist die Inflation weltweit auf dem Rückzug. Es ist daher mit wenigen Ausnahmen nicht mehr damit zu rechnen, dass die Notenbanken ihre Zinsen weiter anheben werden. Die schwächere Konjunktur in den beiden größten Volkswirtschaften dämpft auch die Nachfrage nach Rohstoffen, deren Preise noch um Einiges sinken dürften. Das gilt auch für Rohöl.

Die Rentenmärkte der Länder mit gutem Rating werden angesichts des deflationären Umfelds und des Sicherheitsbedürfnisses der Anleger fest bleiben, obwohl die Renditen bereits historische Tiefstände erreicht haben. Der Euro wird sich gegenüber dem Dollar voraussichtlich seitwärts bewegen, sich aber aufwerten, sobald sich eine überzeugende Lösung für die Schuldenkrise und die Regulierung des Bankensektors von Euroland abzeichnet.

Aktien sind nach den Verlusten in diesem Monat und der Hausse der Rentenmärkte relativ und absolut so billig wie selten. Vielfach sind die Dividendenrenditen nicht-zyklischer Werte um das Doppelte oder Dreifache höher als die langfristigen Bondrenditen. Das Risiko besteht darin, dass es doch noch zu japanischen Entwicklungen kommt.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern und den Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook -August 2011*) (pdf, 302 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Inflation auf dem Rückzug

Von 15. Juli 2011 um 12:34 Uhr

Die Weltkonjunktur hat sich zuletzt etwas abgekühlt. Getrieben von den Aufholprozessen in den Schwellenländern Asiens, setzt sich der Aufschwung aber fort. Es gibt nach wie vor beträchtliche Kapazitätsreserven und eine hohe Arbeitslosigkeit in wichtigen Industrieländern, wie den USA, Japan, Großbritannien und weiten Teilen des Euroraums. Die Löhne steigen im Vergleich zur Produktivität überall nur moderat, so dass es von der Kostenseite her keinen Inflationsdruck gibt. Die Rohstoffpreise sind seit einigen Monaten auf dem Rückzug; dadurch verbessern sich im OECD-Bereich die Kaufkraft und damit die Wachstumsaussichten.

Die Wirtschaftspolitik ist in den Industrieländern inzwischen an ihre Grenzen gestoßen: Hohe Haushaltsdefizite erzwingen restriktive Maßnahmen, und zwar auch dort, wo aus konjunkturellen Gründen eigentlich eine expansive Politik angebracht wäre. Die Notenbanken wiederum haben ihr Pulver weitgehend verschossen: Unter null Prozent lassen sich die Zinsen nicht senken und es mangelt nicht an Liquidität. In den Ländern, in denen schuldenfinanzierte Immobilienblasen geplatzt sind, können auch noch so günstige Konditionen die Menschen nicht dazu bringen, neue Kredite aufzunehmen. Ich schätze, dass, gemessen am nominalen BIP, rund ein Drittel der Weltwirtschaft in einer Liquiditätsfalle steckt.

Die Schwellenländer bleiben die treibenden Kräfte. Sie haben noch viel aufzuholen und fast alle sind finanziell sehr gesund. Obwohl sie zurzeit mit Raten von 5 ½ Prozent expandieren, entwickelt sich kein Inflationsdruck: Durch die Einführung moderner Technik und moderner Produktions- und Verteilungsprozesse nimmt ihre Produktivität weiterhin rapide zu und dämpft so die Lohnstückkosten. Indirekt limitiert das auch die Lohnspielräume in Ländern wie Deutschland, jedenfalls solange die internationale Arbeitsteilung weiter vorangetrieben wird.

Weltweit sinken die Inflationsraten inzwischen wieder. Trotz der niedrigen nominalen Renditen bleiben die Rentenmärkte der Länder mit guter Bonität daher bis auf Weiteres ein Kauf. Dazu gehören nicht nur Bundesanleihen, sondern auch US Treasuries und britische Gilts. Die Krise Eurolands dürfte so schnell nicht gelöst werden, so dass nach wie vor Mittel von der Peripherie ins Zentrum umgeschichtet werden.

Die Aktienmärkte befinden sich in einer Konsolidierungsphase. Auf der Kostenseite geht es den Unternehmen wegen der moderaten Lohnentwicklung, der Produktivitätsreserven und der leicht sinkenden Rohstoffpreise gut, andererseits aber ist der Wettbewerb eben wegen der unterausgelasteten Kapazitäten außerordentlich hart, so dass sich die Preise nur schwer erhöhen lassen. Auch das Volumenwachstum hat sich abgeschwächt. Gemessen an Risikoprämien und Dividendenrenditen sind Aktien aber billig.

Insgesamt also ein positives Umfeld für Anleger. Ich sehe vier Hauptrisiken, die jede für sich das Potential für eine neue Weltwirtschaftskrise haben: eine Ölpreishausse im Gefolge von Bürgerkriegen im Nahen Osten; Überinvestitionen und platzende Blasen in den Schwellenländern; eine Eskalation der Eurokrise und eine Stagnation oder Rezession in den USA. Die Eintrittswahrscheinlichkeiten sind deutlich von Null verschieden, aber noch nicht gefährlich hoch. Jede der Krisen würde deflationäre Entwicklungen auslösen.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern und den Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - July 2011*) (pdf, 263 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)