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Wermuth’s Investment Outlook

Risiken werden überschätzt

Von 18. Mai 2011 um 21:08 Uhr

Die Weltwirtschaft zeigt sich in der ersten Hälfte des Jahres robust und expandiert kräftig. Gleichzeitig ist die Liste der politischen und ökonomischen Risiken nicht kürzer geworden. Was die Entwicklung an den Finanzmärkten unmittelbar betrifft, stehen zurzeit die Inflationsrisiken und die Frage der Stabilität der europäischen Währungsunion im Vordergrund.

Die Hauptthesen in meinem neuen Tour d’Horizon sind:

1. Die Inflationsaussichten sind weiterhin positiv: Trotz des erfreulichen Wachstums zwei Jahre nach Ende der großen Rezession gibt es global noch erhebliche Kapazitätsreserven, nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt. Der neue Rohstoffboom beeinträchtigt die Kaufkraft und dämpft damit die Nachfrage sowie, mit einer zeitlichen Verzögerung, die Inflation. In weiten Teilen der Weltwirtschaft (USA, Japan, GB, Spanien) ist nach dem Platzen von Immobilienblasen nach wie vor Deleveraging angesagt, also der vorrangige Abbau von Schulden. Auch dadurch kommt die Nachfrage der Haushalte nicht richtig auf die Beine. Fast alle Länder sind zudem dazu verurteilt, ihre öffentlichen Haushalte in Ordnung zu bringen – die Schuldenmacherei ist vielfach an eine natürliche Grenze gestoßen. Von dieser Seite sind also ebenfalls inflationsdämpfende Effekte zu erwarten.

2. Die EZB wird wohl die Zinsen weiter anheben, aber angesichts der Solvenzprobleme in den Ländern der Peripherie eher piano.

3. Trotzdem ist nicht mit einem Crash der führenden Bondmärkte zu rechnen: Die Renditen sind sehr niedrig, aber noch nicht gefährlich niedrig.

4. Die Situation Griechenlands bleibt kritisch, wird jedoch auf dem üblichen europäischen Weg des Durchwurstelns gelöst werden. Das gilt auch für Irland und Portugal. Am Ende wird ein weiterer großer Schritt in Richtung Transferunion und politische Union stehen.

5. Der Euro wird weiter aufwerten, aber wegen der Schuldenkrise glücklicherweise nur langsam. Das schafft ein Zeitfenster für die schmerzhaften Reformen in Griechenland und den anderen wackligen Ländern. Eine Dollarabwertung ist in (fast) jedermanns Interesse, und überfällig.

6. Gemessen an ihren KGVs, dem Verhältnis Kurs zu Buchwert sowie der Dividendenrendite sind die meisten Aktien sehr billig. Die Anleger sind verschreckt, sie können aber nicht viel falsch machen, wenn meine Vorhersagen einigermaßen ins Schwarze treffen.

Ausführliches zu alledem und den Aussichten bei den Rohstoffpreisen, Wechselkursen, Bonds und Aktien in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – May 2011*) (pdf, 214 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Der Ölpreis drückt auf die Aktienkurse

Von 17. März 2011 um 20:22 Uhr

Es sieht danach aus, als stünden die Aktienmärkte global vor einer längeren Korrektur. Steigende Notenbanksätze sind dabei das geringste Risiko: Die Zügel dürften nur sehr vorsichtig angezogen werden, so dass die Geldpolitik nach wie vor expansiv wirkt. Das größte Risiko für die Konjunktur und damit für die Unternehmensgewinne sind die hohen Rohstoffpreise, vor allem der Ölpreis. Er bewirkt eine massive Umverteilung der Einkommen von den Ölkonsumenten hin zu den Ölproduzenten und dämpft damit die Nachfrage in den meisten OECD-Ländern, aber auch in China und Indien. Dass es im Euroland noch zu einer Krise kommen wird, die mit dem Lehman-Konkurs von September 2008 vergleichbar ist, glaube ich dagegen nicht mehr. Die Regierungen der 17 Euroländer sind entschlossen, alles zu tun, was zu tun ist, auch wenn es viel Geld kostet. Ein anderes, ernsteres Risiko für die Aktienmärkte ist das hohe Kursniveau: Zyklisch bereinigt liegen die Gewinne unter ihrem aktuellen Niveau – so dass die Kurs-/Gewinnverhältnisse höher sind als es den Anschein hat. Weiter…

Niedrige Anleiherenditen machen Dividendenwerte attraktiv

Von 7. Oktober 2010 um 19:12 Uhr

Anleger können zum Einen davon ausgehen, dass es auf absehbare Zeit trotz steigender Rohstoffpreise kein Inflationsrisiko gibt – die Kapazitätsauslastung ist weltweit immer noch sehr niedrig, und die Arbeitslosigkeit immer noch hoch. In Ländern, die gezwungen sind, aggressiv ihre Schulden abzubauen, droht sogar Deflation. Die USA gehören in diese Gruppe.

Andererseits ist das Wachstum in den Ländern, die keine Probleme mit dem Deleveraging haben, sehr robust, vor allem in den Schwellenländern – sie wachsen zur Zeit etwa dreimal so rasch wie die OECD-Länder.

Weil der globale Wirtschaftsaufschwung offenbar als prekär gilt, sind Aktien relativ billig. Diese Furcht finde ich aber übertrieben. Als Ausgleich für die niedrigen Renditen auf Anleihen guter Bonität sollte tendenziell in Aktien mit einer möglichst hohen Dividendenrendite umgeschichtet werden. Der Dollar dürfte unter Druck bleiben.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern und den Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – October 2010*) (pdf, 233 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Aktien mit überhöhten Risikoprämien

Von 19. August 2010 um 18:33 Uhr

Die Weltwirtschaft wächst zur Zeit mit einem Tempo, wie wir es in den Jahren vor der Großen Rezession kannten. In den reichen Ländern sind die Output-Lücken nach wie vor groß, dafür herrscht Preisstabilität. Die Geldpolitik wird dort also expansiv bleiben, so dass es an den Rentenmärkten trotz der rekordniedrigen Renditen noch Kurspotenzial gibt. Aktien reflektieren noch nicht meine Erwartung, dass sich die Gewinne in diesem Jahr stark erholen werden. Die Kurs-Gewinnverhältnisse (KGV) für wichtige europäische Märkte liegen zwischen mageren 11 und 12. Für den S&P 500 liegt es auch nur bei 13,1. Vergleicht man die Aktienrenditen, die sich aus dem Kehrwert der KGV ergeben, mit der realen Rendite zehnjähriger deutscher oder amerikanischer Staatsanleihen, ergeben sich zur Zeit Risikoprämien in der Größenordnung zwischen sieben und acht Prozentpunkten. “Normal” ist eine Differenz von vier oder fünf Prozentpunkten. Kurspotenzial also auch an den Aktienmärkten.

In den Schwellenländern beträgt das Wirtschaftswachstum bereits wieder fünf Prozent und mehr. Da die Inflation ebenfalls auf etwa fünf Prozent angezogen hat, signalisieren die Notenbanken höhere Zinsen, de facto verfolgen sie aber weiterhin einen expansiven Kurs. Chinas Wachstum hat sich verlangsamt, woraufhin die Wirtschaftspolitik bereits wieder auf Expansion umschaltet. Der rasante Aufholprozess kann weitergehen, weil die Fundamentalfaktoren gesunder nicht sein können. Die Nachfrage nach Rohstoffen wird stabil bleiben, aber die Preise werden eher seitwärts tendieren.

Ausführliches zu den jüngsten Entwicklungen in den USA, Euroland, Japan und China und den Aussichten für Aktien, Bonds, und Rohstoffe in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – August 2010*) (pdf, 305 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Ein Kompass für verunsicherte Anleger

Von 21. Juni 2010 um 15:30 Uhr

Trotz der vielen Risiken ist die Weltwirtschaft gut in Form. Sie expandiert kräftig. Da die Kapazitätsauslastung niedrig und die Arbeitslosigkeit hoch ist, gibt es kaum Inflationsrisiken, vor allem nicht in den Industrieländern. Die Zinsen werden daher niedrig bleiben. Auch von der Finanzpolitik sind global für’s Erste keine restriktiven Effekte zu befürchten – erst im nächsten Jahr dürfte es ernst werden.

Ich befasse mich in meinem Investment Outlook mit den Problemen der sogenannten Model Uncertainty, also mit der Frage, wie sich das, was wir in der Wirtschaft und an den Märkten zur Zeit beobachten, konsistent erklären lässt. Die Anleger wissen nicht, wie es weitergehen wird, weil sich so vieles radikal verändert: Inflation oder Deflation? (Deflation!) Kann der Aufschwung der Weltwirtschaft auch ohne einen nennenswerten Beitrag der amerikanischen Verbraucher weitergehen? (ja!) Wird es in China einen Crash geben? (Vielleicht, macht aber nichts!) Wie gefährlich sind die rekordhohen Staatsdefizite? (sehr, aber nicht katastrophal!)

Nüchtern betrachtet ist eine Zeit großer Unsicherheit immer auch eine Zeit, in der die Grundlagen für eine gute und dauerhafte Performance gelegt werden.

Eine ausführliche Analyse der Lage der Weltwirtschaft und der Aussichten für Aktien, Bonds und Wechselkurse gibt es in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – June 2010*) (pdf, 225 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Kurzfristige Korrektur von Aktien und Rohstoffen

Von 13. Mai 2010 um 10:16 Uhr

Die Weltwirtschaft expandiert zur Zeit real mit Raten von vier bis fünf Prozent, wobei nunmehr auch die USA, Euroland und Japan zum globalen Wachstum beitragen. Trotzdem werden die Schwellenländer in diesem Prozess auf Jahre hinaus, vielleicht sogar für immer, die entscheidende Rolle spielen. In den Industrieländern werden die Notenbanken die Politik des leichten Geldes trotz gestiegener Inflationsraten beibehalten, während in der übrigen Welt ein vorsichtiger Kurswechsel eingeleitet wurde: Es besteht dort die Gefahr, dass sich neue gefährliche Aktien- und Immobilienblasen bilden.

Nach der massiven Rettungsaktion vom vergangenen Wochenende ist das Risiko von Staatsbankrotten in den Ländern der Eurozone deutlich zurückgegangen, die Marktteilnehmer sind aber noch nicht davon überzeugt, dass die Schuldenprobleme auch dauerhaft gelöst sind. Das dürfte der Grund für den weiterhin schwachen Euro sein. Immerhin wird aber nicht mehr befürchtet, dass es zu einer Kettenreaktion mit zusammenbrechenden staatlichen Schuldnern und damit, wie nach der Lehman-Krise, zu einer neuen globalen Rezession kommt.

Die Aktienkurse dürften in der nahen Zukunft eher fallen als steigen. Fundamental gibt es keine Probleme, und die Aktien sind auch nicht überteuert. Es fehlt im Augenblick einfach an neuen guten Zahlen und Meldungen. Sell in May and go away? Die Rohstoffpreise dürften bis auf Weiteres einfach ein Spiegelbild der Aktienkurse sein.

Ausführliches zu den jüngsten Entwicklungen in der Weltwirtschaft und den Aussichten für Aktien, Bonds und Rohstoffe in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – May 2010*) (pdf, 225 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Es läuft gar nicht so schlecht – Anleihen und Aktien profitieren

Von 12. April 2010 um 15:20 Uhr

Nach wie vor expandiert die Weltwirtschaft real mit Verlaufsraten von etwa 4 Prozent, die Schwellenländer sogar mit Raten von rund 6 1/2 Prozent. Besonders die Industrieproduktion und der Welthandel ziehen stark an. Eine Folge davon ist der neue Boom der Rohstoffpreise, der wiederum dazu geführt hat, dass die Inflationsraten bei den Verbraucherpreisen kräftig gestiegen sind. Im OECD-Bereich sinkt die Kerninflation aber immer noch, so dass die Zentralbanken bei ihrer Politik des leichten Geldes bleiben dürften. Das ist positiv für die Bondmärkte. Die Aktienkurse profitieren ebenfalls von niedrigen Zinsen und – wegen der niedrigen Kapazitätsauslastung und dem Anspringen der Nachfrage – von zu erwartenden Produktivitätsgewinnen. Zudem sind die Kurse noch weit von ihren früheren Höchstständen entfernt. Das gilt allerdings nicht für die Schwellenländer. Dort sind die Aussichten für Aktien bis auf Weiteres nicht so positiv: Die Notenbankzinsen steigen, der Grad der Auslastung ist bereits hoch, und die Kursgewinne des vergangenen Jahres waren bereits beträchtlich.

Ich plädiere dafür, den Yuan an den Dollar gekoppelt zu lassen, erwarte Kursgewinne bei den Rohstoffwährungen, und denke, dass es für den Euro von nun an wieder nach oben gehen wird.

Die Risiken geraten angesichts der positiven Entwicklungen ein bisschen aus dem Blickfeld, ich behalte sie aber im Auge. Es ist schwer zu leugnen, dass die keynesianische Politik erfolgreich war und es gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass wir es inzwischen mit einem sich selbst tragenden Aufschwung zu tun haben. Genießen wir den Augenblick!

Ausführliches zu den Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Währungen in den wichtigsten Schwellen- und Industrieländern in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – April 2010*) (pdf, 223 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Hausse der Rohstoffpreise – aber keine Inflationsrisiken

Von 19. Februar 2010 um 20:29 Uhr

Die Weltwirtschaft expandiert zur Zeit mit einer Rate von real 3 1/2 Prozent. Das ist kräftig, reicht aber nicht, um die Outputlücke zu schließen und die Arbeitslosigkeit bleibt daher hoch. Wachstumstreiber sind die Emerging Markets: weil bei ihnen die Produktion von Gütern – statt von Dienstleistungen – noch die dominierende Rolle spielt, sind sie auch hauptverantwortlich für die neue Hausse der Rohstoffpreise. Die wird aber nur vorübergehend auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Nicht zuletzt wegen des weltweit sehr moderaten Lohndrucks entwickelt sich keine neue Inflationsmentalität.

Die Notenbanken haben insgesamt kaum Spielraum für höhere Zinsen: die Fed wegen des drohenden Kollaps des Marktes für gewerbliche Immobilien, die EZB wegen der drohenden Insolvenz Griechenlands und der Ansteckungsgefahr für einige andere Länder der Währungsunion. Der Euro wird überleben und Griechenland wird gerettet werden, muss aber, wie die anderen Mitgliedsländer, der EU-Kommission ein stärkeres Mitspracherecht in der Haushaltspolitik einräumen. Ich halte das für eine positive Entwicklung. Ich rate immer noch dazu, Gold zu verkaufen und schlage vor, sich einmal inflationsindizierte Anleihen anzusehen. Die Euroschwäche kann anhalten, wird aber über kurz oder lang vorüber sein.

Ausführliches zu den Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Währungen in meinem neusten Investment Outlook (diesmal mit einem längeren Anhang über die wirtschaftliche Situation und die Aussichten in Russland):

Wermuth’s Investment Outlook – February 2010*) (pdf, 235 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Die Weltwirtschaft im Aufschwung – aber nicht mehr lange

Von 14. Januar 2010 um 22:31 Uhr

Es sieht so aus, als würde der Schwung, mit der die Weltwirtschaft ins neue Jahr gestartet ist, ein paar Quartale lang tragen und uns schöne Wachstumsraten bescheren. Läger müssen aufgestockt werden, die Zinsen werden für’s Erste rekordniedrig bleiben, und die finanzpolitischen Maßnahmen entfalten erst jetzt ihre volle Wirkung, vor allem die amerikanischen und chinesischen. Das ist für Aktien und Rohstoffe besser als für festverzinsliche Anleihen.

Aber deren Zeit kommt auch. Ich vermute, dass wir global auf eine “double dip recession” zusteuern, denn noch trägt der Aufschwung sich nicht selbst, noch ist er auf die wirtschaftspolitischen Krücken angewiesen. Während die Inflationsraten wegen der neuen Rohstoffhausse wohl noch für eine Weile steigen werden, braucht man mittelfristig nicht zu befürchten, dass es sich dabei um etwas Nachhaltiges handelt. Viel hängt davon ab, ob China sein hohes Wachstumstempo beibehalten kann. Ich meine, dass es dort zunehmend nach neuen Blasen aussieht – und die müssen irgendwann platzen. Zudem: Weder in den USA, noch im Euroland, noch in Japan haben wir es mit einem sich selbst tragenden Konjunkturaufschwung zu tun. Noch steigt fast überall die Arbeitslosigkeit, und die Löhne kommen immer mehr unter Druck. Schuldenabbau steht vor allem in den Ländern im Vordergrund, wo Immobilienblasen geplatzt sind, und die Wirtschaftpolitik kann nicht noch einmal draufsatteln: Dafür sind die Staatsdefizite zu groß, und die Zinsen können nicht viel weiter gesenkt werden. Die Zentralbanken planen außerdem, die Zügel vom Frühjahr an anzuziehen. Ich hoffe, sie planen es nur.

Ausführliches zur Lage der Weltwirtschaft und den Aussichten für Aktien, Bonds und Rohstoffe in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – January 2010*) (pdf, 220 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Anleger sind verwirrt

Von 23. November 2009 um 21:13 Uhr

Die Wirtschaftsnachrichten verbessern sich zusehends. Nicht nur in Deutschland, auch im Rest der Welt wächst das reale Sozialprodukt wieder. Da die Arbeitslosigkeit aber noch steigt und die Inflation wegen der nach wie vor sehr niedrigen Kapazitätsauslastung auf absehbare Zeit kein Problem darstellt, dürfte die Wirtschaftspolitik ihren sehr expansiven Kurs beibehalten.

Anleihen profitieren von niedrigen Notenbankzinsen und erfreulichen Inflationsaussichten, Aktien wiederum von der konjunkturellen Erholung, steigender Produktivität – und ebenfalls von den Zinsen. Das gilt auch für Unternehmensanleihen, deren Renditevorsprung gegenüber Staatsanleihen inzwischen kaum größer ist als vor der Lehman-Pleite. Bei Rohstoffen gibt es einen neuen Boom, der offenbar nicht zuletzt durch eine Flucht aus dem Papiergeld in die Sachwerte befeuert wird.

Aber wie geht es weiter? Die Risiken sind nicht verschwunden und für die Anleger gibt es zur Zeit zwei gleichermaßen plausible Szenarien: Entweder befinden wir uns auf dem Weg in die Deflation und langjährige Stagnation nach japanischem Muster, vor allem weil der Abbau von Schulden überall höchste Priorität hat – dafür sprechen vor allem die rekordniedrigen Anleiherenditen -, oder es geht in Richtung südamerikanische Hyperinflation, verursacht durch übermäßige Staatsdefizite und die Überschwemmung der Märkte mit Liquidität und abzulesen an den festen Aktienmärkten und Rohstoffpreisen.

Noch bin ich mir sicher, dass wir es erst mal mit Deflation zu tun haben. Aus dem vielen umherschwappenden Geld wird nicht automatisch Inflation. Selbst im boomenden China lag der BIP-Deflator zuletzt weit im negativen Bereich (-3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr).

Ausführliches zu den Risiken für die Weltwirtschaft und den Aussichten für Aktien, Bonds und Rohstoffe in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – November 2009*) (pdf, 225 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)