Der Kontaktmann ohne Kontakte – Das Medienlog vom Dienstag, 27. Mai 2014

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Gefangener aus einer Haftanstalt behauptet, etwas über etwaige NSU-Unterstützer zu wissen – obwohl dem nicht so ist. Der Grund ist meist simpel: die Hoffnung auf einen Vorteil. Am Montag war das Gericht möglicherweise mit einem solchen Fall konfrontiert.

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Pause im Prozess: Vernehmung von Andreas Ra. verschoben

Die für Dienstag geplante Sitzung fällt aus. Die Vernehmung von Andreas Ra. werde aufgrund der Erkrankung des Zeugen verschoben, teilte die Pressestelle des Münchner Oberlandesgerichts mit. Wann der ehemalige Gewährsmann des Thüringer Verfassungsschutzes und mutmaßliche Unterstützer des NSU-Trios bei seiner Flucht aus Jena 1998 erneut geladen wird, ist noch unklar. Der Prozess wird am Mittwoch planmäßig fortgesetzt.

Als Zeugen sind dann vier Polizisten geladen, die Telefongespräche und SMS von Handys des NSU untersucht haben. Sie sollen einen Einblick in Beate Zschäpes Kommunikation am Todestag ihrer Komplizen Mundlos und Böhnhardt geben. Als weitere Zeugin ist eine Bankangestellte geladen, die den Überfall von Mundlos und Böhnhardt auf eine Eisenacher Sparkasse am 4. November 2011 miterlebt hat.

 

 

Ein kaum bekannter V-Mann und neue Fragen – Das Medienlog vom Montag, 26. Mai 2014

Seit mehr als einem Jahr wird nun schon gegen Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte verhandelt – doch mit jedem weiteren Zeugen erhellt der Prozess die Neonazi-Szene stärker. Auch Chaos, Fehlverhalten und mutmaßliche Vertuschung durch Sicherheitsbehörden treten immer stärker zutage – und mehren die Rufe nach einer detaillierten Auseinandersetzung. Und ein bislang kaum bekannter V-Mann wirft Fragen auf.

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115. Prozesstag – Die Waffengeschäfte von Ralf Wohlleben

Zu Beginn der neuen Verhandlungswoche in München ist Andreas Re. in den Zeugenstand geladen. Re., ein früherer Schulfreund von Uwe Mundlos aus Jena, kannte auch den Angeklagten Ralf Wohlleben. Vor Gericht soll er zu einem möglichen Waffengeschäft von Wohlleben nach dem Jahr 2000 befragt werden. Der seit seiner Festnahme im November 2011 schweigende Wohlleben wurde von seinem Mitangeklagten Carsten S. im vergangenen Juni schwer belastet. S. hatte gestanden, in Wohllebens Auftrag im Jahr 2000 eine Waffe für 2500 D-Mark gekauft und sie nach Chemnitz zu Mundlos und Böhnhardt gebracht zu haben. Dabei handelt es sich mutmaßlich um jene Pistole Ceska 83, mit der Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun Migranten erschossen.

Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Die Berichte darüber fassen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.

 

Wo ist die Beute der Raubüberfälle? – Das Medienlog vom Freitag, 23. Mai 2014

Nachdem Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos 1998 abgetaucht waren, finanzierte sich das Trio sein Leben im Untergrund anfangs noch über Spenden aus der rechtsextremen Szene. Der Verkauf des menschenverachtenden Spiels Pogromly sollte zusätzliche Einnahmen bringen. Doch die vor Fremdenhass strotzende Nachbildung des Klassikers Monopoly verkaufte sich zu schlecht. Also begannen Böhnhardt und Mundlos, mit Raubüberfällen Geld zu beschaffen – 15-mal bis zu ihrem Tod in Eisenach 2011.

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Der entkräftete Mythos vom Mord an Böhnhardt und Mundlos – Das Medienlog vom Donnerstag, 22. Mai 2014

Beate Zschäpe verzog keine Miene, als am Mittwoch im NSU-Prozess der 4. November 2011 rekonstruiert wurde – der Tag, an dem Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eine Bank in Eisenach überfallen hatten. Was danach folgte, ist bis heute von Mythen umrankt. Fakt ist: Die beiden flüchteten sich in einen Wohnwagen. Vermutet, aber von Skeptikern immer wieder angezweifelt wird: Als Beamte den Wagen entdeckten, habe Mundlos Böhnhardt erschossen, Feuer gelegt und sich selbst gerichtet.

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Der folgenreiche Bankraub von Böhnhardt und Mundlos – Das Medienlog vom Mittwoch, 21. Mai 2014

Brutal und rücksichtslos – so beschrieben die am Dienstag geladenen Zeugen des Banküberfalls in Eisenach Böhnhardt und Mundlos und schaffen durch ihre Erinnerungen ein detailliertes Bild der beiden Terroristen. Die Männer raubten am 4. November 2011 eine Sparkasse aus und flohen anschließend auf ihren Fahrrädern. Wenig später waren sie tot. „Ihnen wurde der 15. Raubüberfall zum Verhängnis“, schreibt Per Hinrichs in der Welt. 

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114. Prozesstag – Der Tod der Terroristen Mundlos und Böhnhardt

Am Mittwoch befasst sich das Gericht erstmals mit dem Ende des NSU: dem Tod der beiden Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 in Eisenach. Nach einem Banküberfall waren sie mit Mountainbikes geflüchtet und hatten sich in einem Wohnmobil verschanzt. Wenig später war das Fahrzeug in Flammen aufgegangen. Polizisten fanden darin die Leichen von Mundlos und Böhnhardt. Der Tathergang dieser letzten Minuten wurde zwar rekonstruiert, dennoch gibt es noch Ungereimtheiten: Laut Bundesanwaltschaft erschossen sich die beiden, um der Festnahme zu entgehen. Dabei soll Mundlos zunächst Böhnhardt und dann sich selbst erschossen haben. In diesen letzten Sekunden sollen sie demnach das Wohnmobil in Brand gesteckt haben.

Der erst kürzlich öffentlich bekannt gewordene Bericht des Gerichtsmediziners, der die Leichen der beiden obduzierte, hatte noch einmal die Frage aufgeworfen, ob die Tatrekonstruktion stimmig ist. Der Mediziner sagt nun als Zeuge aus. Zudem sind mehreren Polizeibeamte geladen.

Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Die Berichte darüber fassen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.

 

Stammelnder Mittelsmann mit vielen Erinnerungslücken – Das Medienlog vom Dienstag, 20. Mai 2014

Wortkargheit und Erinnerungslücken des Zeugen verlangen dem Gericht in der Vernehmung viel ab – diese Erfahrung hat Manfred Götzl, der Vorsitzende Richter des NSU-Prozesses, in den mehr als 100 Prozesstagen oft genug gemacht. Am Montag war er mit einem besonders renitenten Zeugen aus der Neonazi-Szene konfrontiert: Jürgen H., nach eigenem Bekunden ein ehemals guter Freund des wegen Beihilfe Angeklagten Ralf Wohlleben, schilderte seine Botengänge für die Untergetauchten des NSU. Götzl sei wieder einmal nicht zu beneiden, schreibt Karin Truscheit in der FAZ. „Denn der Zeuge, der als Beruf ‚Spedition‘ und auf Nachfragen ‚fahre‘ angegeben habe, ist das Paradebeispiel an Intransigenz dem Gericht gegenüber.“

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113. Prozesstag – Zeugen schildern den Banküberfall in Eisenach

November 2011: Dramatische Stunden mit einem Banküberfall und einer erfolgreichen Ringfahndung der Polizei enden mit dem Tod der mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Wohnmobil in Eisenach. Wenig später steckt Beate Zschäpe die Fluchtwohnung des Trios im sächsischen Zwickau in Brand.

Zum ersten Mal beschäftigt sich der NSU-Prozess nun mit dem Banküberfall von Böhnhardt und Mundlos am 4. November 2011. Dem Tag, der zur Aufklärung von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen führen sollte – und am Ende zutage förderte, dass eine rechtsextremistische Terrorgruppe viele Jahre lang an Polizei und Verfassungsschutz vorbei agieren und Morde planen konnte. Am Dienstag geht es um den letzten der vielen Banküberfälle, mit denen sich das NSU-Trio das Leben im Untergrund finanziert haben soll. Die fünf geladenen Zeugen werden ein anderes Bild der beiden Uwes malen als etwa Urlaubsbekanntschaften auf Fehmarn: kein Bild von netten Nachbarn auf dem Campingplatz, sondern von brutalen Bankräubern.

Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Die Berichte darüber fassen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.