Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus

Wie deutsch ist Deutschland?

Von 27. Januar 2012 um 14:29 Uhr

Warum ist Deutschland relativ erfolgreich im Kampf gegen die Krise. Weil wir nicht die Rezepte der Amerikaner angewendet und Schulden mit Schulden bekämpft haben, diese Antwort hört man hierzulande häufig. Ich habe bereits zu zeigen versucht, dass die amerikanische Strategie vielleicht nicht so falsch war, aber wie passt das zur Lage in Deutschland?
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Kategorien: Der aktuelle Rand

Die FAZ und die Geldpolitik

Von um 13:24 Uhr

Ich schätze den Kollegen Patrick Welter sehr, auch wenn wir selten einer Meinung sind. Seinen Leitartikel heute aber kann ich nicht unkommentiert lassen, weil er ein Musterbeispiel für selektive Berichterstattung ist, wie sie mir in den Kommentarspalten der FAZ häufig auffällt.

Beispiel:

Dabei weiß auch die Fed, dass sie die Beschäftigung allenfalls kurzfristig befeuern kann, langfristig aber in dieser Hinsicht machtlos ist.

Nun ja, wenn eine entschlossene Reaktion der Geldpolitik verhindert, dass durch eine Dauerkrise am Arbeitsmarkt Qualifikationen obsolet werden (Hysterese) eben schon. Fazit: Zumindest umstritten.

… die Wirtschaft aus der stockenden Malaise zu befreien. Dazu bedarf es schon eines entschiedenen Defizitabbaus und niedrigerer Steuersätze vor allem auf Unternehmen.

Weniger Schulden und niedrigere Steuern zur Ankurbelung der Konjunktur. Vorsichtig formuliert: Umstritten.

Der geldpolitische Spielraum der EZB ist enger als derjenige der Fed. Dem Wunsch der Bürger nach Preisniveaustabilität ist damit besser gedient.

Die Bürger wollen stabile Preise. Aber sie wollen auch eine niedrige Arbeitslosigkeit. Was davon sie mehr wollen ist zumindest – umstritten.

Es ist die Aufgabe eines Kommentars, Stellung zu beziehen. Problematisch an dieser Art der Argumentation aber ist, dass Positionen nicht als zu belegende Meinung des Autors dargestellt werden, sondern als überzeitliche Wahrheit daherkommen. Die gibt es nicht und schon gar nicht in der Ökonomie. Alles andere ist, um es einmal mit Hayek zu sagen, Anmaßung von Wissen.

Kategorien: Der Zeitungsleser

Schulden mit Schulden bekämpfen – geht das denn?

Von um 00:37 Uhr

Ein häufiger Einwand in den Kommentaren zu meinem letzten Beitrag lautet: Die Schulden des Einen sind das Vermögen des Anderen und insofern lassen sich Schulden nur durch die Eliminierung von Guthaben abbauen. Einen anderen Weg gebe es nicht. Auch keinen Schuldenabbau durch Wachstum. Damit sei die Hoffnung vergeblich, durch wachstumsfördernde kreditfinanzierte Konjunkturprogamme die Haushalte zu konsolidieren.
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Kategorien: Der aktuelle Rand

McKinseys Lektionen für die schwäbische Hausfrau

Von 25. Januar 2012 um 23:35 Uhr

In diesen Tagen, in denen der Internationale Währungsfonds die Bundesregierung zum Geldausgeben animieren will, ist in den deutschen Medien häufig vom transatlantischen Glaubenskrieg in der Wirtschaftspolitik zu lesen. Auf der einen Seite die Amerikaner, die immer nur neue Schulden auf die alten türmen, was langfristig in den Abgrund führt. Und auf der anderen Seite die Deutschen, die das Schuldenproblem endlich in Angriff nehmen und den Weg in einer bessere Zukunft beschreiten.

Hier die soliden Deutschen, dort die unverantwortlichen Amerikaner. Das klingt so schön und so einfach und es bestätigt so viele Vorurteile – aber stimmt es auch?

In diesem Zusammenhang ist die neue Studie von McKinsey zum Schuldenabbau interessant (über die in der deutschen Presse kaum berichtet wurde). Die Experten von McKinsey haben sich angesehen, wie weit der Prozess des Schuldenabbaus in den verschiedenen Ländern und Regionen fortgeschritten ist. Hier die Ergebnisse:

Chart: Deleveraging

Erstaunlich: Die USA haben ihre Schuldenquote – private und staatliche Schulden zusammengenommen – stärker reduziert als viele europäische Nationen. In den USA sank die Schuldenquote von 296 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2008 auf 279 Prozent im Jahr 2011. In Spanien hingegen stiegen die Schulden von 337 auf 363 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dort sind die Haushalte anders als in den USA beim Schuldenabbau kaum vorangekommen. Und auch in Italien steigt die Schuldenquote.

Das ist für sich genommen schon einmal ein interessantes Ergebnis, gemessen an der Debatte in Deutschland. Aber es wird noch spannender. Denn die Haushaltspolitik in den USA war ja keineswegs restriktiver als in Europa, zumindest wenn man den Daten der OECD glaubt:

Grafik: Strukturelles Defizit - US-SP-IT 2008-2011

Dieser Chart zeigt die Veränderung der konjunkturbereinigten Defizite, ein Maß für den Expansionsgrad der Finanzpolitik (eine Ausweitung entspricht einer expansiven, eine Rückführung einer restriktiven Politik). In Italien hat die Fiskalpolitik so gut wie gar nicht gegengesteuert. In Spanien gab es einen kurzen Impuls gefolgt von einer restriktiven Politik, während die USA erheblich mehr Gas gaben (wenn auch nicht so viel wie oft angenommen).

Was lernen wir daraus? Schulden können tatsächlich mit Schulden bekämpft werden – das hätte sich die schwäbische Hausfrau wohl nie träumen lassen. Dabei ist es ist keine Hexerei. Ob die Schulden eines Landes tragfähig sind, hängt vom Niveau der Verbindlichkeiten und dem Einkommen ab. Wenn jeder spart und die Wirtschaft dadurch abgewürgt wird, dann sinkt das Einkommen. Und dann verschlechtert sich möglicherweise die Schuldentragfähigkeit, obwohl doch alle kürzer treten. Wächst die Wirtschaft hingegen, dann sind die Schulden auf einmal verkraftbar.

Es geht natürlich um die Grundeinsicht der Makroökonomie – was für jeden einzelnen rational ist, kann auf kollektiver Ebene ins Desaster führen. Aber in Deutschland ist Moral wichtiger als Makroökonomie, und daran leidet die hiesige Debatte.

Wir geißeln eine aktive Konjunkturpolitik lieber aus grundsätzlichen Erwägungen als unverantwortlich, statt uns damit zu beschäftigen, ob und unter welchen Umständen sie möglicherweise ein sinnvolles Instrument sein kann. Schließlich kann man damit viele gehässige Leitartikel füllen – und wir Journalisten müssen ja zum Glück nie die Konsequenzen unseres Tuns tragen.

Deutsche Konjunktur: robust trotz – oder wegen? – der Eurokrise

Von um 19:18 Uhr

Noch ist die Eurokrise nicht in unserer Realwirtschaft angekommen. Die Arbeitslosigkeit sinkt nach wie vor, und die Stimmung der Unternehmer könnte besser nicht sein. Angesichts dessen, was so um uns herum passiert, ist das ziemlich verblüffend.
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Den Euro retten durch Gelddrucken

Von 24. Januar 2012 um 09:11 Uhr

Wennschon, dennschon: vielleicht liege ich ja völlig daneben, aber wie wäre es denn, wenn die EZB den Banken im Euroraum so viel Geld zur Verfügung stellte, dass sie damit alle Finanzierungswünsche der Staaten zu tragbaren Konditionen erfüllen könnten? Dann gäbe es auch wieder Wachstum, oder jedenfalls ließe sich das Risiko einer Rezession nachhaltig vermindern. Die Quadratur des Kreises besteht im Euroland heute ja darin, gleichzeitig die Staatshaushalte zu sanieren und den Schuldendienst durch robustes Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. [weiter...]

Kategorien: Leitwährungswatch

Das Dilemma der EZB in Griechenland

Von 23. Januar 2012 um 14:23 Uhr

In Griechenland dauern die Verhandlungen über die Umschuldung an – und selbst wenn eine freiwillige Einigung gefunden wird, bleibt die Frage, ob sich am Ende genug Investoren beteiligen, um Schuldentragfähigkeit herzustellen (und nur dann wird der IWF weiter Geld auszahlen). Das wirft die Frage auf, was die Europäische Zentralbank mit ihren Beständen in Höhe von rund 40 Milliarden Euro anstellen soll. [weiter...]

Bankenkrise eskaliert wieder

Von 16. Januar 2012 um 15:13 Uhr

Was ist nur mit den Banken los? Sie trauen sich gegenseitig nicht mehr über den Weg, so dass die EZB immer mehr zum Ersatz-Interbankenmarkt mutiert. Anleger kaufen Bankaktien nur, wenn die zu Ausverkaufspreisen zu haben sind. Vor allem die Banken in den südlichen Problemländern erleben eine Kapitalflucht in den angeblich sicheren Norden und zwingt sie, um Ersatz für die schwindenden Einlagen zu betteln. Da aber auch nördlich der Alpen von gesunden Banken keine Rede sein kann, geben sich diese zugeknöpft, mit der Folge, dass die EZB in die Bresche springen muss. Sie stellt notgedrungen immer größere Beträge zu immer kulanteren Konditionen im Hinblick auf Zinsen, Sicherheiten und Laufzeiten zur Verfügung und nimmt dabei hin, dass sich die Qualität ihrer Bilanz ständig verschlechtert. [weiter...]

Kategorien: Leitwährungswatch

Zehn Wetten für 2012

Von 11. Januar 2012 um 12:21 Uhr

Noch ganz begeistert von unseren Vorjahreswetten, wagten wir, die
drei Hirten Zeise, Wermuth und Heusinger
, nach einem Gläschen Bier den Blick in die Glaskugel für das noch junge Jahr. Dabei hatte ich ein Déjà-vu: Denn wir debattierten dieselben Fragen wie im Vorjahr. Wird es Griechenland ohne Haircut schaffen, wird es Griechenland mit Haircut schaffen? Beide Antworten fielen eindeutig negativ aus. Dann also Austritt aus dem Euro, ungeordnete Insolvenz? Schon eher. Hält der Euro? Ja, er wird auch Ende 2012 noch offizielles Zahlungsmittel in Deutschland, Italien, Frankreich und Co. sein. Reißt die Euro-Krise die Weltwirtschaft mit in die Tiefe? Nein. Zu einem Lehman-II-Moment wird es nicht kommen, wenngleich die Euro-Krise das Gefühl noch mal heraufbeschwören wird, doch dann wird die Europäische Zentralbank (EZB) löschen, was ihre Bilanz hergibt. Die Schwellenländer werden die Weltwirtschaft gemeinsam mit den USA tragen. China, soweit rangen wir uns zum Optimismus durch, wird es gelingen, wieder mit knapp neun Prozent zu wachsen und die heimische Wirtschaft in Richtung Binnennachfrage zu steuern, weg von der Exportfixierung. [weiter...]

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Selbstgerechte Bilanz unserer Wetten 2011

Von 10. Januar 2012 um 13:23 Uhr

War das eine Freude gestern! Nach einem Jahr trafen sich die drei Hirten (Lucas Zeise, Dieter Wermuth und ich) an gewohnter Stelle wieder und beugten ihre Häupter über die Wetten für das nun abgelaufene Jahr. Und siehe da: Wir waren grandios! Lagen wir falsch, dann meist nur, weil unsere Prognosen der Zeit voraus sind! Zwar fällt die Bilanz zugegebenermaßen am Ende bescheidener aus, als das Triumphgeheule vermuten lässt. Wichtig in diesem schwierigen Jahr war uns jedoch, dass die Peilung stimmte. Das Säckchen Asche, das ich vor einem Jahr noch dabei hatte, brauchten wir dieses Mal nicht. [weiter...]

Kategorien: Die Heusinger-Wetten