Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Aktien sind nicht mehr billig

Von 24. Mai 2013 um 14:52 Uhr

Seit seinem Tiefpunkt am 6. März 2009 ist der DAX von 3.666,41 auf aktuell rund 8.300 Punkte geklettert. Das ist ein Anstieg um 127 Prozent oder 21,4 Prozent pro Jahr. Das ist mehr, als Sie in der Zeit mit Ihrem Sparbuch verdient haben. Zugegeben, eine etwas effekthascherische Einleitung! Dennoch enthält sie eine klare Botschaft: Die Aktienkurse sind ziemlich hoch. Wer jetzt einsteigt, lebt gefährlich. Ich erwarte eine größere Korrektur, wenn nicht jetzt, dann doch in der näheren Zukunft. Was sind die Gründe?
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Financial Non-Repression

Von 22. Mai 2013 um 16:25 Uhr

Big Ben sagt es wie es ist – wenn die Zentralbank zu früh die Zügel anzieht, bleiben die Zinsen im Endeffekt länger niedrig, weil die Konjunktur sich nicht erholt. Darüber sollten all jene nachdenken, die sich über die vermeintliche Enteignung der Sparer beklagen.

A premature tightening of monetary policy could lead interest rates to rise temporarily but would also carry a substantial risk of slowing or ending the economic recovery and causing inflation to fall further. Such outcomes tend to be associated with extended periods of lower, not higher, interest rates, as well as poor returns on other assets. 

Kategorien: Der aktuelle Rand

Die Zombiebanken verhindern den Aufschwung

Von 17. Mai 2013 um 12:56 Uhr

Der Rückgang des realen BIP von Euroland im ersten Quartal war der siebte in Folge. In den USA dagegen hatte es eine Zunahme gegeben, wie in jedem der vergangenen 14 Quartale zuvor. Ähnlich krass waren die Unterschiede bei den Arbeitslosenquoten: In der europäischen Währungsunion steigen sie unaufhaltsam – auf zuletzt 12,1 Prozent –, während sie in Amerika seit Ende 2009 stetig von damals zehn Prozent auf jetzt 7,5 Prozent gesunken sind. Kein Wunder, dass der Euro vor allem in den Krisenländern der “Peripherie”, aber auch in Frankreich, immer mehr mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat.
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Was bringt makroprudenzielle Regulierung

Von 16. Mai 2013 um 15:11 Uhr

Ok, der Begriff ist ein Alptraum und solange kein besserer gefunden ist, ist es kein Wunder, dass jenseits der Fachpresse kaum jemand über das Thema schreibt. Doch die Steuerung des Kreditprozesses – meine Umschreibung – ist eines der wichtigsten makro-ökonomischen Themen für die kommenden Jahre, weil sich bekanntlich gezeigt hat, dass für die Stabilität der Wirtschaft mehr nötig ist als stabile Preise.

Nun beschäftigt sich ein neues Paper empirisch mit der Frage, wie gut makro-prudenzielle Instrumente, die in den USA schon seit einiger Zeit zur Anwendung kommen, wirken. Ergebnis:

Ongoing statistical work  suggests that macroprudential tightening lowers consumer debt but  macroprudential easing does not increase it.

Es ist offensichtlich immer leichter, eine Wirtschaft abzubremsen, als sie anzukurbeln.

Kategorien: Der aktuelle Rand

Entmachtet die Bundesbank!

Von 13. Mai 2013 um 12:07 Uhr

Wie würden wir heute über die Schuldenkrise, die Euro-Krise sprechen, wenn die Gründungsväter des Euro konsequent gewesen wären – und die nationalen Notenbanken abgeschafft hätten? An ihre Stelle wären Notenbankdistrikte getreten, wie in den USA, die wenig bis nichts gemein haben mit den Bundesstaaten beziehungsweise in unserem Fall, den Nationalstaaten. Diese Idee, die der Berliner Makro-Ökonom Michael Burda bei der Buchvorstellung der Inflationslüge vehement vertreten hat (und die ich für die Berliner Zeitung aufgeschrieben habe), fasziniert mich. Ich habe Michael Burda gebeten, die Landkarte Euro-Lands neu zu zeichnen und in seine präferierten fünf Distrikte einzuteilen.
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Kategorien: Wissen und Glauben

Die kalte Enteignung der Sparer?

Von 8. Mai 2013 um 11:08 Uhr

Der Spiegel steigt diese Woche ganz groß auf das Thema financial repression ein und attackiert die Politik der EZB.

Viele Träume auf einen gesicherten Lebensabend zerstören die Dauer-Niedrigzinsen aber schon jetzt.

Ich halte diese Sichtweise für problematisch. Unser Bild vom Sparen ist geprägt von der Vorstellung, wir seien in der Situation in der Robinson auf seiner Insel war. Sparen ist die Ansammlung von Vorräten. Es bedeutet, die Kokosnuss nicht sofort aufzuessen, sondern sie für morgen aufzuheben. Geld kann man aber nicht essen. Seine Kaufkraft erlangt es dadurch, dass es zur Finanzierung produktiver Investitionen verwendet wird. Nur der dadurch entstehende Kapitalstock – im weiteren Sinn ausgebildete Arbeitskräfte, Straßen, Maschinen – ermöglicht die Verschiebung von Ressourcen in die Zukunft. Sparen im volkswirtschaftlichen Sinn ist die Bildung von Sachkapital.

Das bedeutet, dass das Einkommen der Rentner in 20 oder 30 Jahren davon abhängt, wie leistungsfähig die Wirtschaft in 20 oder 30 Jahren ist.  Aus diesem Grund ist die Höhe des Zinsniveaus für sich genommen erst einmal irrelevant. Schädlich sind die niedrigen Zinsen, wenn sie zu einer Fehlallokation von Kapital oder sonstigen Verwerfungen führen. Nützlich sind sie, wenn sie zu einer Modernisierung des Kapitalstocks beitragen. Man kann also durchaus Argumente gegen das niedrige Zinsniveau vorbringen, aber es sind andere, als die, die in der Debatte über die Altersvorsorge gebraucht werden.

Aber leidet nicht jeder, der sein Geld sicher in deutschen Staatsanleihen anlegen will, unter dem niedrigen Zinsniveau? Ganz klar – aber jeder Euro, der dem Bürger fehlt, spart sich der Finanzminister, der weniger Geld für den Schuldendienst aufwenden muss. Der Punkt ist: Letztlich handelt es sich um eine Verteilungsfrage. Eine Änderung des Zinsniveaus stellt, die Effekte auf das gesamtwirtschaftliche Angebot und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage lasse ich jetzt einmal außen vor, eine Volkswirtschaft insgesamt nicht besser oder schlechter. Es stellt einige besser und andere schlechter. Und wenn das als störend empfunden wird, kann es im Rahmen kollektiven Handelns, sprich durch politische Entscheidungen, korrigiert werden. Zum Beispiel – ich phantasiere einmal – indem der Staat das gesparte Geld den Sparern zukommen lässt.

Die Betrachtung gilt natürlich streng genommen nur für eine geschlossene Volkswirtschaft. Nun ist Deutschland eine offene Volkswirtschaft und noch dazu ein Nettogläubiger mit enormen Auslandsforderungen. Eine Änderung des Zinsniveaus führt also auch zu einer Umverteilung zwischen einzelnen Ländern und kann damit in seinen Verteilungswirkungen nicht vollständig durch nationale Eingriffe kompensiert werden. Allerdings bringt der Status des Nettogläubigers auch mit sich, dass Deutschland ein Interesse an der Zahlungsfähigkeit seiner Schuldner hat. Wenn diese die niedrigen Zinsen erhalten, dann profitieren davon die deutschen Sparer: Sie bekommen zwar weniger Geld von der Bank, aber immerhin ist das Geld noch da und die Bank nicht pleite.

Ein Wort noch zum Begriff financial repression. Er wurde bekanntlich von Carmen Reinhart geprägt und geht zurück auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Staaten ihre Bürger dazu zwangen, niedrig verzinste Anleihen aufzukaufen. Der große Unterschied zu damals ist, dass es heute in den meisten Ländern der westlichen Welt einen freien Kapitalverkehr gibt. Wer also keine Lust auf Bundesanleihen hat, kann sich ja italienische oder spanische Papiere ins Depot holen.  Klar, damit steigt auch das Risiko, aber es gibt kein Recht auf risikolose Rendite. Mit anderen Worten: Ich kann die Repression in der finanziellen Repression nicht erkennen.

Kategorien: Der aktuelle Rand

Drei Wahrheiten über den Dax

Von 7. Mai 2013 um 19:50 Uhr
Grafik: Dax Performance-Index, täglich ab Jan 1999

Dax Performance-Index, täglich, letzter Wert vom 07.05.2013

Ziehen wir ganz kurz den Hut vor 8.200 Zählern. Diese Marke hat der Deutsche Aktienindex (Dax) am Dienstag genommen. So hoch stand der Dax noch nie. Nicht im März 2000, nicht im Juli 2007. Diese beiden Monate markierten die bisherigen Gipfel. Das ist die Wahrheit eins: Wir haben heute einen echten Rekord im Performance-Index begehen dürfen.
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Die Inflationslüge

Von 5. Mai 2013 um 21:52 Uhr

Mein Buch ist da: Die Inflationslüge, erschienen bei Droemer Knaur, 140 Seiten, 7 Euro. Für alle Leser des Blogs ein kleiner Auszug daraus:

“Am 13. Oktober 1931 gibt Reichskanzler Heinrich Brüning im Berliner Reichstag eine Regierungserklärung ab. Brüning betreibt eine eiserne Sparpolitik. Er hebt die Steuern an und kürzt staatliche Leistungen, er kürzt Löhne und Gehälter. Die Generalaussprache im Reichstag aber hat praktisch nur ein Thema: die Inflation. Der Abgeordnete Johann Leicht von der Bayerischen Volkspartei dankt Brüning dafür, dass er »unter keinen Umständen einer neuen Inflation die Wege ebnen« werde. Joseph Joos von der Zentrumspartei meint: »Legen Sie uns die härtesten Maßnahmen auf, aber lassen Sie das nicht zu.«
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Die Banken an die Leine!

Von 2. Mai 2013 um 22:49 Uhr

Vor Kurzem ist ein Buch erschienen, das es in sich hat. Verfasst von zwei angesehenen, eher konservativen Ökonomen geht es mit den Banken und deren Lobby scharf ins Gericht. Die Weltwirtschaft soll nicht noch einmal durch toxische Produkte, die Verschleierung von Risiken und leichtfertig vergebene Kredite zugrundegerichtet werden. Das Geschäftsmodell der Banken, bei dem ihnen die Gewinne zustehen, Verluste aber von der Gemeinschaft der Steuerzahler übernommen werden, egal was mit den Staatsfinanzen passiert, darf es nicht mehr geben.
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Flagranti cura . . .

Von 26. April 2013 um 08:31 Uhr

… daran erinnert die Schrift der Bundesbank zur Krisenpolitik der EZB, über die das Handelsblatt berichtet. Inhaltlich enthält das Dokument keine neuen Argumente. Die Kritik ist gewohnt kompetent vorgetragen und in den wesentlichen Punkten nachvollziehbar, auch wenn man – so wie ich – am Ende zu einer anderen Gewichtung der Risiken und damit auch zu anderen Schlussfolgerungen kommt.

Entscheidend ist die politische Dimension: Dies ist keine Rede, sondern eine Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht – und ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Richter am Ende den Argumenten der Bundesbank mehr Gewicht beimessen als denen der EZB.

Das Verfahren könnte noch spannend werden, denn auch wenn es am Ende beim EuGH landet, der mit Sicherheit der EZB Recht geben wird, würde eine Ablehnung des OMT durch das deutsche Gericht die Debatte über die Risiken der Geldpolitik hierzulande noch einmal befeuern.

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