Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Gabriels Optionen

Von 29. August 2014 um 14:32 Uhr

Fabian Lindner hat gestern auf die Problematik der Pläne des Wirtschaftsministers zur Ankurbelung der Investitionen hingewiesen. Ich will mich noch einmal mit diesem Thema befassen. Zunächst einmal ist Gabriels Diagnose ja richtig: Es gibt jede Menge anlagewilliges Kapital und trotzdem kaum Investitionen. Das ist allerdings kein bug, sondern ein feature der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage. Wir stecken in der Krise, weil nicht genug investiert wird – privat wie öffentlich.
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Kategorien: Der aktuelle Rand

US-Arbeitslosenquote kein guter Indikator für Inflationsgefahren

Von 28. August 2014 um 21:42 Uhr

Wann erhöht die Fed die Zinsen? Sie liegen seit Dezember 2008 bei knapp über Null, also seit fast sechs Jahren. Das war wieder einmal das Hauptthema der Jackson Hole-Konferenz der Zentralbanker in Wyoming. Ursprünglich sollte es zur Zinswende kommen, sobald die Arbeitslosenquote auf etwa 6,5 Prozent gefallen war. Jetzt hat sie 6,2 Prozent erreicht – seit dem zyklischen Hoch von 10 Prozent Ende 2009 befindet sie sich im Abwärtstrend -, aber es gibt keine Anzeichen, dass die Löhne rascher steigen und eine neue Lohn-Preis-Spirale ins Haus steht. Die Stundenlöhne nehmen seit Jahren stetig mit Raten von rund zwei Prozent zu und haben nicht im Geringsten auf den rapiden Rückgang der Arbeitslosenquote reagiert. Real bewegen sich die Zuwachsraten in der Nachbarschaft von Null.
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Der Wirtschaftsminister plant Milliardengeschenk für Versicherungen und Banken

Von um 12:11 Uhr

Die öffentliche Infrastruktur Deutschlands verfällt, das ist mittlerweile auch in der Politik angekommen. Klar ist, dass man viele Milliarden Euro in die Hand nehmen muss, um die marode Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen. Aber wer soll’s bezahlen? Die Politik hat sich die beiden wichtigsten Finanzierungsquellen verbaut: Erstens hat sie in den letzten fünfzehn Jahren massiv die Steuern für Haushalte und Unternehmen gesenkt (die Mehrwertsteuererhöhung hat davon nur einen Teil ausgeglichen) und schließt Steuererhöhungen aus. Zweitens hat sie sich per Schuldenbremse die Neuverschuldung verboten.
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Kategorien: Der aktuelle Rand

Schlechte Zahlen zwingen die EZB zum Handeln

Von 25. August 2014 um 19:51 Uhr

Der Handlungsdruck auf die EZB nimmt zu. Am Montag früh kam die Nachricht, dass der ifo Geschäftsklimaindex für August gegenüber Juli stark zurückgegangen war. Der Index ist ein Frühindikator für die deutsche Konjunktur. Da er in dieselbe Richtung weist wie die realen Auftragseingänge, sind die kurzfristigen Aussichten für Industrieproduktion und Sozialprodukt nicht gerade gut. Während die eine Komponente des Index, die Beurteilung der Lage, dem allgemeinen Eindruck entsprechend noch ganz erfreulich ist, sind die Erwartungen im Keller. Was ist los? Die Weltkonjunktur hat sich in den vergangenen Monaten etwas abgekühlt, auch wenn sie nach wie vor die wichtigste Stütze der Nachfrage nach deutschen Produkten und Dienstleistungen ist. Es ist immer noch realistisch, dass der reale Welthandel in diesem Jahr gegenüber 2013 um knapp vier Prozent zunehmen wird. Starker Gegenwind bläst der Wirtschaft jedoch neuerdings aus dem Inland und weiterhin aus den Ländern der Währungsunion entgegen.
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Mehr Geld drucken!

Von 21. August 2014 um 13:24 Uhr

Monatlich 500 Euro für jeden in der Währungsunion, bis Konsum, Beschäftigung, BIP-Wachstum und Inflation wieder anspringen! Wie wäre es? Die Bilanz des Euro-Systems schrumpft seit zwei Jahren und die Leitzinsen von nunmehr nur noch 0,15 Prozent haben bislang nichts daran ändern können, dass die Haushalte keine neuen Schulden machen wollen. Der sogenannte Transmissionsmechanismus von der EZB zur Endnachfrage funktioniert nicht mehr. Vielleicht ist der Umweg über die Banken einfach zu lang: Sie geben die Impulse der Geldpolitik wegen ihrer Bilanzprobleme, sprich ihrer vielen faulen Kredite, nicht an ihre Kunden weiter.
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Warum es im Euroland so schlecht läuft

Von 15. August 2014 um 18:52 Uhr

Der Unterschied zu den USA ist frappierend: Dort hat das Wachstum im zweiten Quartal Fahrt aufgenommen, um ein Prozent stieg die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal und die Anzahl der neuen Jobs nimmt mit einer Jahresrate von fast zwei Prozent zu. Im Euroland dagegen stagniert das reale BIP nach zwei Jahren Rezession schon wieder; am Arbeitsmarkt hat sich die Lage bisher kaum gebessert und ist daher nach wie vor katastrophal. Woher kommt‘s?
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Die deutsche Wirtschaft stottert schon wieder

Von 7. August 2014 um 17:54 Uhr

Alle Welt denkt, dass Deutschland zurzeit eine Art Lokomotive für den Rest Europas ist. Davon kann keine Rede mehr sein. Nach den jüngsten Zahlen – nicht nur den Auftragseingängen und den Statistiken zur Industrieproduktion, die am Mittwoch und Donnerstag veröffentlicht wurden – ist der Lokomotive der Strom ausgegangen. Fragt sich, wer sie wieder in Gang bekommt oder ob sie vielleicht sogar von anderen ersetzt werden muss – oder kann.
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Mit höheren Löhnen gegen Deflation

Von 29. Juli 2014 um 00:49 Uhr

Bei den europäischen Notenbankern herrscht Panik – wie sonst könnten die Chefvolkswirte der Bundesbank und, weniger überraschend, der EZB plötzlich vorschlagen, dass die deutschen Löhne stärker steigen sollten als bisher? Es sieht danach aus, als ob die Inflationsrate Euro-Lands im Juli auf 0,3 Prozent (gg. Vj.) gesunken sein könnte. Wenn es wenigstens Anzeichen dafür gäbe, dass wir vor einer Trendwende stehen. Die fehlen aber bislang.
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Mittelfristige Wachstumsrate der US-Wirtschaft hat sich halbiert

Von 22. Juli 2014 um 11:58 Uhr

In Amerika war lange Zeit zu besichtigen, wie Kapitalismus funktioniert. Eine dynamische Wirtschaft, die größten und am besten geführten Unternehmen der Welt, eine Gründerwelle nach der anderen, Aufstiegschancen für alle, der höchste Lebensstandard – kein Superlativ reichte. Auf einmal passiert jedoch etwas, was bislang als typisch für die angeblich überregulierten und zunehmend überalterten Volkswirtschaften Europas und Japans galt, dass nämlich Beschäftigung und Produktivität mit nur äußerst niedrigen Raten zunehmen.
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Piketty, das Kapital und die Arbeit – ein Gastbeitrag von Hagen Krämer

Von 14. Juli 2014 um 14:56 Uhr

Der französische Ökonom Thomas Piketty hat mit seinem Buch Capital in the 21st Century eine lebhafte und wichtige Debatte über grundlegende Fragen der Einkommens- und Vermögensverteilung angestoßen (auch im Herdentrieb-Blog: hier und hier). Dabei mangelt es nicht an Kritik aus der Fachwelt an den Thesen Pikettys und der theoretischen Fundierung, die er liefert. Eine kommt von dem Karlsruher Ökonomen Hagen Krämer, der sie mit einem Gastbeitrag hier im Blog zur Diskussion stellt:

Arbeit und Kapital in Pikettys “Kapital im 21. Jahrhundert”

Von Hagen Krämer*)

Was bestimmt langfristig die Einkommensverteilung? Für den österreichischen Ökonomen Eugen von Böhm-Bawerk kamen bekanntlich zwei miteinander konkurrierende Erklärungen dafür infrage: “Macht oder ökonomisches Gesetz?” Für Böhm-Bawerk und die heute dominierende neoklassische Theorie sind es langfristig die ökonomischen Gesetze, gegen die sich die um die Verteilung ringenden sozialen Gruppen nicht durchsetzen können. Machtfaktoren spielen in der herkömmlichen Analyse praktisch keine Rolle. Ich habe mich gefragt, wie dies in dem Bestseller von Thomas Piketty aussieht. Die Analyse und Prognose, die der französische Ökonom über die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung in seinem Bestseller Capital in the 21st Century vornimmt, sind vielfach als radikal und innovativ beurteilt worden. Aber liefert Piketty auch neue Impulse für die Debatte um die Bestimmungsgründe der Einkommensverteilung?
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