Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Das Statistikgate der AfD

Von 23. April 2014 um 23:14 Uhr

Der Streit um das griechische Defizit ist entschieden.  Eurostat hat die Defizitdaten veröffentlicht, die Kommission hat bestätigt, dass Griechenland im Jahr 2013 einen Primärüberschuss ausgewiesen hat – nach der in dieser Frage relevanten im Programm festgelegten Definition also ohne Sonderausgaben oder Sondereinnahmen.

Selbst die FAZ ist inzwischen offensichtlich zufrieden, und das ist schon was.

Der Skandal, den Lucke zu erkennen glaubt, ist aber keiner. Den Rest der Differenz machen Einmaleffekte aus, die alle auf das internationale Hilfsprogramm und seine Auflagen zurückgehen, vor allem die Bankenrekapitalisierung. Luckes impliziter Vorwurf, die Troika habe erst jüngst ihre Definition angepasst, ist daher schlicht falsch. Diese ist schon zum Start des Programms so festgelegt worden.

Luckes Brief – hier als PDF – ist inzwischen von Finanzsstaatssekretär Steffen Kampeter beantwortet worden, und in diesem Fall gewinnt der Diplomvolkswirt Kampeter gegen den Volkswirtschaftsprofessor Lucke. Die wichtigsten Passagen:

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Und weiter:

Bildschirmfoto 2014-04-23 um 23.08.32

Am Ende wirft Kampeter Lucke dann noch vor, durch “unsachliche Unterstellungen” wolle dieser “Ressentiments” schüren und in diesem Fall liegt er damit nicht ganz falsch. Lucke hat inzwischen offenbar schon wieder einen Brief geschrieben und macht darin ein neues Fass auf, was wie ein klares Rückzugsgefecht aussieht. Er sollte diesen alten Spruch beherzigen: When in a hole, stop digging.

Was nicht vergessen werden sollte: Es geht in dieser Debatte nicht darum, ob Griechenland nun gerettet ist oder nicht. Darüber kann man lange streiten und wenn Lucke einfach nur argumentiert hätte, er zweifle am Erfolg der griechischen Anpassung, dann wäre dagegen nichts einzuwenden gewesen.

Er hat aber unter Aufbietung aller rhetorischen Kniffe versucht, den Eindruck zu erwecken, hier werde geschummelt. Das ist eines Wissenschaftlers nicht würdig. Wer halbwegs Ahnung von dem Thema hat findet nach fünf Minuten Internetrecherche heraus, was es mit den griechischen Defizitzahlen auf sich hat. Man kann von einem Professor erwarten, dass er sich diese Mühe macht, bevor er mit der Bitte um “umgehende” Aufklärung an den Bundesfinanzminister schreibt.

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Wie Bernd Lucke sich Griechenland schön rechnete

Von 12. April 2014 um 13:22 Uhr

Die AfD wirbt bekanntlich damit, die Partei der Professoren und Wirtschaftsexperten zu sein und so war man wohl mächtig stolz, als Bernd Lucke glaubte enthüllt zu haben, dass die Griechen schon wieder mit ihren Haushaltszahlen tricksen.
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Warum die EZB sich ruhig verhalten wird

Von 11. April 2014 um 12:30 Uhr

Der folgende Satz bei der letzten Pressekonferenz der EZB hat für viel Aufregung gesorgt.

The Governing Council is unanimous in its commitment to using also unconventional instruments within its mandate in order to cope effectively with risks of a too prolonged period of low inflation.

Einige haben daraus geschlossen, dass neue unkonventionelle Maßnahmen wie der Ankauf von Staatsanleihen oder Asset Backed Securities bevorstehen. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich – und hier sind die Gründe.
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Dividendentitel gegen Anlagenotstand

Von 10. April 2014 um 17:51 Uhr

Wenn Sparer in diesen Tagen Geld verdienen möchten, müssen sie bereit sein, Risiken einzugehen. Mit ihren Sparbüchern kommen sie nicht weit. Wenn sie die Inflationsrate vom Zins abziehen, schreiben sie rote Zahlen. Aktien mit hohen Dividendenrenditen sind daher heute – noch mehr als sonst – eine attraktive Anlagealternative. Ich denke, mit einem einigermaßen breit gestreuten Portefeuille lässt sich vor Steuern verlässlich eine Rendite von 3,5 bis 4 Prozent erreichen. Das haut denjenigen nicht um, der denkt, unter 10 Prozent macht er es nicht, aber real sind das, gerechnet mit der aktuellen deutschen Inflationsrate von 1,0 Prozent, immer noch 2,5 bis 3 Prozent und damit mehr als die wahrscheinliche mittelfristige Zuwachsrate des realen Sozialprodukts. Aus den inflationsgesicherten Bundesanleihen lässt sich ablesen, dass die Marktteilnehmer für die nächsten fünf Jahre eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,05 Prozent erwarten, die künftige Inflationsrate für die Anleger also real etwa so viel übrig lassen wird wie heute.
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Lasst die Franzosen in Ruhe

Von 8. April 2014 um 23:04 Uhr

Heute hat der neue französische Premier Manuel Valls sein Regierungsprogramm vorgestellt. Und weil Frankreich wahrscheinlich seine Defizitziele reißen wird, werden in Deutschland die üblichen Botschaften unters Volk gebracht. Die Franzosen tun nichts und brauchen endlich jemanden, der ihnen einmal erklärt, wie das mit dem Refomieren so geht.

Ich empfehle allen Frankreichexperten einen Blick auf folgende Tabelle von Barclays Capital.

barclaysfrance

Frankreich hat für die Verhältnisse des Landes eine rasante Konsolidierung hingelegt (ob das sinnvoll ist oder nicht will ich hier gar nicht bewerten).

Despite ongoing efforts to ease the pace of fiscal consolidation, France has embarked on an unprecedented consolidation of its public finances. According to our forecasts, the five-year cumulated structural effort in 2014 will reach 4% and will be maintained over several years, more than double the magnitude of previous episodes of recorded austerity.

Ich will damit nicht sagen, dass in Frankreich alles gut läuft – im Gegenteil. Das Land hat schwerwiegende Probleme, nicht zuletzt weil investive Staatsausgaben gekürzt und konsumptive ausgeweitet wurden. Das Ergebnis kann man in vielen Städten beobachten.

Aber es ist eben nicht so, dass die Franzosen die Hände in den Schoß legen und mit Baguette und Wein in der Hand mal schauen, was die Zukunft so bringt.

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Es brummt, aber Vollbeschäftigung ist noch nicht in Sicht

Von 7. April 2014 um 20:34 Uhr

Nach den Zahlen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat, ist die Produktion in Industrie und Bauwirtschaft im Februar erneut kräftig gestiegen. Die Wirtschaft nimmt zusehends Fahrt auf.
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Was ist nur mit der FAZ los?

Von 5. April 2014 um 22:32 Uhr

Holger Steltzner in seinem neuen Kommentar:

Die EZB hat der Politik nur Zeit gekauft, die Irland, Portugal, Spanien und teils auch Griechenland für notwendige Strukturreformen genutzt haben.

Die Rettungspolitik der Notenbank war also – doch nicht ganz falsch? Sachen gibt’s.

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EZB will expansiver werden

Von 4. April 2014 um 15:21 Uhr

Jetzt gibt die EZB endlich zu, dass sie sich Sorgen macht über die fallenden und inzwischen sehr niedrigen Inflationsraten, und dass man im Rat sehr intensiv darüber diskutiert, wie sich ein Abgleiten in die Deflation vermeiden lässt. Der Vergleich mit Japan, der bislang als unzulässig abgetan wurde, ist nun doch erlaubt. Es geht in die gleiche Richtung wie dort. Eine Inflationsrate von nur 0,5 Prozent, wie im März, könnte täuschen – in Wirklichkeit sinkt das Preisniveau vielleicht schon. Aus verschiedenen Gründen überzeichnet die publizierte Inflationsrate die tatsächliche; nicht zuletzt deswegen ist das Inflationsziel der EZB nicht etwa Null, sondern knapp unter zwei Prozent.

Mario Draghi befürchtet zudem, dass es bald vorbei sein könnte mit der festen Verankerung der Inflationserwartungen bei zwei Prozent. Weiter…

Die EZB verspielt ihre Glaubwürdigkeit

Von 2. April 2014 um 13:24 Uhr

Sollte die EZB mehr tun, um den Preisverfall in der Euro-Zone zu stoppen? Das ist die Frage, die die Finanzwelt bewegt. Es gibt jede Menge Argumente, die für ein Stillhalten sprechen: Sondereffekte wie das gute Wetter haben dazu beigetragen, dass die Inflationsrate im März auf 0,5 Prozent gesunken ist. Ohne die volatilen Komponenten Nahrungsmittel, Energie und Tabak liegt die Rate immer noch bei 0,8 Prozent. Die Zinsen sind bereits niedrig. Unkonventionelle Maßnahmen wie negative Einlagezinsen  oder Anleihekäufe habe jede Menge Nebenwirkungen. Die meisten Prognosen deuten darauf hin, dass dies der Tiefpunkt bei der Teuerung war. Die Konjunktur zieht an. Der Süden muss wettbewerbsfähiger werden und braucht deshalb niedrigere Inflationsraten. Und so weiter.
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Hilfe, wir werden gerettet

Von 31. März 2014 um 14:21 Uhr

In der vergangenen Woche war ich bei Thilo Jung an der Spree zu Gast. Thema: Der IWF, die Ukraine und das Gas. Hier das Resultat.

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