EZB bereitet Kurswechsel vor – wie Anleger und Schuldner reagieren können

Auf seiner letzten Pressekonferenz am 27. April hatte Mario Draghi keinen Zweifel daran gelassen, dass es für lange Zeit nichts werden würde mit Zinserhöhungen: „Wir gehen weiterhin davon aus, dass (die Leitzinsen) für eine längere Zeit und weit über den Zeithorizont unseres Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden“, sagte er. Der Zentralbankrat möchte sichergehen, dass sich die Inflation nachhaltig bei ihrem Zielwert von knapp zwei Prozent einpendelt. Der Inflationsdruck sei im Augenblick noch nicht stark genug, sagte Draghi, und es gebe keine Alternative zu der sehr expansiven Geldpolitik.

Das ist eindeutig. Es könnte aber auch einfach nur ein Pfeifen im Wald sein. Weiter„EZB bereitet Kurswechsel vor – wie Anleger und Schuldner reagieren können“

 

Soziale Lage – Was sind die drängendsten Probleme?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Die Demokratie scheint in Gefahr. Populisten und Autokraten genießen wachsenden Zuspruch und bieten vermeintlich einfache Lösungen für soziale Probleme an. Was können die Sozialwissenschaften zur Analyse dieser Probleme beitragen? Welche Empfehlungen können sie geben? Sind die von der Öffentlichkeit als zentral empfundenen Probleme überhaupt faktisch die wesentlichen? Einige Wissenschaftler sehen eine Entscheidung über Prioritäten als normativ und damit außerhalb ihres Fachgebiets liegend an. Die Teilnehmer am Zeitgespräch in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst können sich dennoch auf wesentliche Problembereiche einigen – die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung und eine drohende Altersarmut. Weiter„Soziale Lage – Was sind die drängendsten Probleme?“

 

Warum die Löhne nicht steigen

In den vergangenen Jahren haben wir so etwas wie ein Beschäftigungswunder erlebt, aber die Reallöhne haben darauf fast gar nicht reagiert. Es gibt genügend neue Jobs, aber von Lohninflation kann keine Rede sein. Was ist da los? Und wird das so weitergehen? Danach sieht es in der Tat aus, denn der Druck auf die deutschen Löhne dürfte durch die immer intensivere internationale Arbeitsteilung und die gewaltigen Niveauunterschiede mindestens noch zehn Jahre lang anhalten, jedenfalls solange die Grenzen offenbleiben und nicht deutlich mehr investiert wird – und solange für die Gewerkschaften Jobsicherheit wichtiger ist als höhere Löhne. Weiter„Warum die Löhne nicht steigen“

 

Frankreich braucht die Hilfe Deutschlands

Am 23. April, in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen, haben 41 Prozent für Le Pen und Mélenchon gestimmt – und damit für Programme, die die Aufgabe des Euro und den „Frexit“ enthalten. Zwar dürfte der pro-europäische Macron an diesem Sonntag das Rennen für sich entscheiden, wenn es ihm aber nicht gelingt, die französische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und die Abgehängten in den Mainstream zu integrieren, würde ein Wahlsieg der extremen Rechten im Jahr 2022 niemanden mehr überraschen. Es wäre das Ende des europäischen Projekts. Weiter„Frankreich braucht die Hilfe Deutschlands“

 

Pure Egoisten sind selten

Obwohl die meisten normalen Menschen eigentlich nicht an ihn glauben, so gibt es ihn doch: den rational seinen Eigennutzen verfolgenden Wirtschaftsmenschen, den „Homo Oeconomicus“. Der bevölkert nicht nur die Lehrbücher der Ökonomen und bietet die Grundlage für unzählige wirtschaftspolitische Vorschläge. Er lebt auch unter uns. Japanische Forscher haben ihn etwa 2014 in einem Vorort von Tokio gefunden: Individuen, die konsequent ihren Eigennutz verfolgen, nicht mit anderen kooperieren, wenn sie sich keinen Vorteil davon versprechen; überdurchschnittlich intelligent und rational sind; ihre Impulse unter Kontrolle haben und – kein Wunder – ökonomisch erfolgreich sind. Weiter„Pure Egoisten sind selten“

 

Warum die Lohnquote ständig sinkt

Im neuen World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds gibt es diesmal ein ausführliches, leider nicht leicht verständliches Kapitel über den rückläufigen Anteil der Löhne am Volkseinkommen sowie, spiegelbildlich, den steigenden Anteil der Einkommen aus Kapital. Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Länder, die besonders arbeitgeberfreundlich sind – selbst Schweden ist betroffen, ebenso wie die Schwellenländer. Wichtigste Ursachen sind der technische Fortschritt und die immer intensivere internationale Arbeitsteilung. Weiter„Warum die Lohnquote ständig sinkt“

 

Expertenwissen im postfaktischen Zeitalter

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Die Wahl Donald Trumps, der Brexit und der Erfolg populistischer Parteien zeigen eine tiefsitzende Skepsis gegenüber Experten und Eliten und deren komplexen Erklärungen der politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge. Den Ökonomen wird vorgeworfen, sich in Detailfragen zu verlieren und ein unrealistisches Menschenbild zu pflegen. Auch die Wahrnehmung, dass Ökonomen die Finanzkrise nicht rechtzeitig haben vorhersagen können, hat am öffentlichen Bild der Ökonomen gekratzt. Wie diagnostizieren die Ökonomen die Problematik? Sind sie sich fehlgeleiteter Schwerpunktsetzungen und missverständlicher Kommunikation bewusst – oder gar selbst von nicht offengelegten Ideologien bestimmt? Was schlagen sie als Ausweg aus der Misere vor? Die Diagnose der Teilnehmer am Zeitgespräch in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst ist gar nicht so unterschiedlich, die Ansatzpunkte unterscheiden sich jedoch durchaus. Weiter„Expertenwissen im postfaktischen Zeitalter“

 

Investment Outlook im April 2017

Beim letzten Investment Outlook im Januar lautete die Überschrift „verkauft Bonds, kauft Aktien“ (sell bonds, buy equities), diesmal wurde daraus „verkauft Bonds, kauft keine Aktien“. Die sind seit Anfang des Jahres an den wichtigsten Märkten um 5 bis 10 Prozent gestiegen und sind inzwischen sehr teuer. Gemessen an den Kurs-Gewinnverhältnissen müssten die Unternehmensgewinne erneut stark steigen, um die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen. Das ist in dieser Spätphase des Aufschwungs nicht realistisch. Außerdem wird die EZB nach dem Sommer allmählich einen Kurswechsel einleiten, also über höhere Leitzinsen zu diskutieren beginnen und so mit einer langen Verzögerung der amerikanischen Notenbank folgen. Steigende Leitzinsen sind Gift für die Aktienmärkte.

Europäische Bonds dürften nach den jüngsten Zahlen für die Verbraucherpreise erst einmal auf der Stelle treten. Noch hat sich der beträchtliche Anstieg der Inflation auf den vorgelagerten Stufen nicht voll auf die Konsumentenpreise ausgewirkt. Da die Kapazitätsauslastung aber weiter zunimmt und die Einfuhrpreise infolge des schwachen Euro kräftig steigen, ist das nur eine Frage der Zeit. Ein Ausverkauf an den Anleihemärkten wird kaum zu vermeiden sein. Bisher liegen die Renditen weit unter dem Niveau, das angesichts des erfreulichen Wirtschaftswachstums und der Inflationsaussichten zu erwarten ist.

Euro und Dollar haben ein symbiotisches Verhältnis. Real und handelsgewogen bewegen sich die Wechselkurse seit Jahrzehnten seitwärts – wenn sie stark vom Mittelwert abweichen, also stark aufgewertet oder abgewertet haben, stellt sich früher oder später eine Korrektur ein. Damit rechne ich erneut: der Euro wird nach seiner jahrelange Schwäche wieder aufwerten, der Dollar abwerten.

Ausführliches zu den Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – „Sell bonds, don’t buy stocks“, April 2017*) (pdf, 713 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

Niedrigere Inflationsrate, weniger Druck auf die EZB

Im März ist die Inflationsrate in Deutschland und in der Eurozone insgesamt im Vergleich zum Februar so stark gefallen, dass das Thema „höhere Leitzinsen“ erst einmal vom Tisch ist. Wir sollten uns davon aber nicht zu sehr beeindrucken lassen, denn die Wirtschaft läuft weiterhin ganz gut und auf den vorgelagerten Stufen steckt eine Menge an Inflation – aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Weiter„Niedrigere Inflationsrate, weniger Druck auf die EZB“

 

USA: Was bedeutet die neue Präsidentschaft für die Wirtschaft?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Mit der neuen Präsidentschaft in den USA sind Richtungswechsel in unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaftspolitik verbunden: Prominent ist dabei die Handelspolitik, die durch Strafzölle, aber auch durch die Cashflow-Steuer mit Grenzausgleich und einem schwachen US-Dollar der heimischen Industrie Wettbewerbsvorteile verschaffen soll. Regeln im internationalen Handel werden missachtet und Abkommen sollen bilateral neu verhandelt werden. Ist diese Strategie überhaupt durchsetzbar? Mit welchen Folgen ist für den Welthandel zu rechnen? Andere Programmpunkte sind eine massive Steuersenkung und Infrastrukturmaßnahmen. Sind damit nicht auch weitere Budgetdefizite verbunden? Und letztlich plant die neue US-Administration das Aufweichen der strikten Finanzmarkt-Regeln. Öffnet dies neuen Problemen auf dem internationalen Finanzmarkt Tür und Tor? Das sind die Fragen, die von den Teilnehmern des Zeitgesprächs in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst diskutiert werden. Weiter„USA: Was bedeutet die neue Präsidentschaft für die Wirtschaft?“