So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog
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Neues und altes aus der Wissenschaft

Was Sie immer schon über Geld wissen wollten

Von 18. März 2014 um 19:49 Uhr

Ein großartiger Artikel der Bank of England, der dringend für ein deutsches Publikum übersetzt werden sollte. Es geht darum, wie das Geld in die Welt kommt.

The vast majority of money held by the public takes the form of bank deposits. But where the stock of bank deposits comes from is often misunderstood. One common misconception is that banks act simply as intermediaries, lending out the deposits that savers place with them. In this view deposits are typically ‘created’ by the saving decisions of households, and banks then ‘lend out’ those existing deposits to borrowers, for example to companies looking to finance investment or individuals wanting to purchase houses.

So ist es eben nicht, denn:

Saving does not by itself increase the deposits or ‘funds available’ for banks to lend. Indeed, viewing banks simply as intermediaries ignores the fact that, in reality in the modern economy, commercial banks are the creators of deposit money.

Deshalb ist auch die Vorstellung falsch, die Notenbank schaffe Geld, dass dann in die Wirtschaft geleitet wird.

This demand for base money is therefore more likely to be a consequence rather than a cause of banks making loans and creating broad money

Aus diesem Grund ist auch die Vorstellung falsch, unkonventionelle Maßnahmen wie Quantitative Easing wirkten, weil plötzlich mehr Geld im Umlauf sei.

QE involves a shift in the focus of monetary policy to the quantity of money: the central bank purchases a quantity of assets, financed by the creation of broad money and a corresponding increase in the amount of central bank reserves. The sellers of the assets will be left holding the newly created deposits in place of government bonds. They will be likely to be holding more money than they would like, relative to other assets that they wish to hold. They will therefore want to rebalance their portfolios, for example by using the new deposits to buy higher-yielding assets such as bonds and shares issued by companies — leading to the ‘hot potato’ effect discussed earlier.

Einkommen und Vermögen sind ungleich verteilt – ein Erklärungsversuch

Von 17. Januar 2014 um 17:31 Uhr

Vor einigen Monaten ist in Frankreich ein fast tausend Seiten dickes (aber gut lesbares) Buch erschienen, das sich in der Tradition der großen Ökonomen des neunzehnten Jahrhunderts mit der Frage beschäftigt, wie und aus welchen Gründen sich die Einkommen und Vermögen in einer Volkswirtschaft verteilen, und welche Trends zu beobachten sind (Thomas Piketty: Le capital au XXIe siècle, 970 S., Paris, September 2013). Anders als seine Vorgänger vor mehr als 150 Jahren (Malthus, Ricardo, Marx) kann Thomas Piketty auf lange Zeitreihen zurückgreifen und seine Thesen auf diese Weise empirisch untermauern oder andere widerlegen, so etwa die von Kuznets aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Simon Kuznets, der als einer der Väter der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gilt, hatte behauptet, dass sich das pro-Kopf-Einkommen im Frühstadium der wirtschaftlichen Entwicklung zunächst ungleichmäßiger verteilt, dass die Ungleichheiten aber abnehmen, wenn das Land ein hohes Wohlstandsniveau erreicht hat; das ist die einst berühmte Kuznets-Kurve. Piketty zeigt – wie in letzter Zeit auch andere Autoren -, dass die These nicht aufrecht zu erhalten ist.
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Die Banken an die Leine!

Von 2. Mai 2013 um 22:49 Uhr

Vor Kurzem ist ein Buch erschienen, das es in sich hat. Verfasst von zwei angesehenen, eher konservativen Ökonomen geht es mit den Banken und deren Lobby scharf ins Gericht. Die Weltwirtschaft soll nicht noch einmal durch toxische Produkte, die Verschleierung von Risiken und leichtfertig vergebene Kredite zugrundegerichtet werden. Das Geschäftsmodell der Banken, bei dem ihnen die Gewinne zustehen, Verluste aber von der Gemeinschaft der Steuerzahler übernommen werden, egal was mit den Staatsfinanzen passiert, darf es nicht mehr geben.
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Zu Unrecht vergessen: Wolfgang Stützel und seine Saldenmechanik

Von 9. Januar 2013 um 14:58 Uhr

Die Ökonomenwelt entdeckt die alten Meister neu: So meint etwa der Berkley-Professor und Blogger Brad DeLong, dass nur Ökonomen in der Tradition von Hyman Minsky oder Charles Kindleberger wirklich Interessantes zur Analyse der Finanzkrise beizutragen hätten. Auf diese illustre Liste gehört aber noch ein anderer Ökonom, der in den USA gar nicht und in Deutschland kaum noch bekannt ist: der deutsche Ökonomen Wolfgang Stützel, der im Saarland Professor war und im Jahr 1958 sein großes Buch “Volkswirtschaftliche Saldenmechanik” veröffentlichte.
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Eine Kritik am Mainstream

Von 23. September 2010 um 11:52 Uhr

Dass der Kapitalismus nicht so funktioniert, wie es uns die ökonomische Schulweisheit glauben machen will, gehört zum Konsens in diesem Blog. Dennoch wird auch hier sehr oft so argumentiert, als seien die neoklassischen Weisheiten im Großen und Ganzen richtig. Wie oft und an wie vielen Stellen die kapitalistische Realität von der an den Universitäten gelehrten Theorie und dem immer stärker von dieser Theorie geprägten politischen Alltagsbewusstsein entfernt ist, hat Norbert Häring jetzt aufgeschrieben. Ich empfehle sein “Markt und Macht” (Schaefer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 19,95 €) Herde und Hirten zur gefälligen Lektüre. Weiter…

Bye, bye BIP oder: Wie misst man den sozialen Fortschritt?

Von 24. September 2009 um 17:21 Uhr

Im Fernsehduell um die deutsche Kanzlerschaft wollte Frank Plasberg von den beiden Kandidaten wissen, welche Note sie Deutschland in Sachen sozialer Gerechtigkeit geben würden. Die Kanzlerin wollte sich nicht festlegen – wie es so ihre Art ist. Herr Steinmeier ließ sich aber nicht lange bitten und meinte, Deutschland verdiene in Sachen sozialer Gerechtigkeit die Note zwei oder besser. Nur würde die dumme Wirtschaftskrise das Land jetzt zurückwerfen und vielleicht auf die Note drei drücken.

Klar, wenn man soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt allein am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) abliest, wäre des Kanzlerkandidaten Benotung vielleicht zutreffend. Nur muss das BIP nicht unbedingt ein guter Indikator für soziale Gerechtigkeit und noch nicht mal für wirtschaftlichen Fortschritt sein. Weiter…

Akerlofs und Shillers “Animal Spirits”

Von 23. März 2009 um 18:56 Uhr

Das rechte Buch zur rechten Zeit, möchte man denken, wenn man George Akerlofs und Robert Shillers neues Buch “Animal Spirits. How Human Psychology Drives the Economy, and Why it Matters for Global Capitalism” zu lesen beginnt. Der Nobelpreisträger aus Kalifornien und der Finanzprofessor aus Yale kritisieren in dem Buch die Grundlage der modernen ökonomischen Wissenschaft, nämlich die Annahme eines stetig rationalen Homo Oeconomicus.

Nimmt man an, dass Menschen ihre Entscheidungen nicht immer kalt und rational treffen, sondern auch auf ihr Bauchgefühl und vor allem auf soziale Konventionen hören, werden viele der Schlussfolgerungen obsolet, die Ökonomen in den letzten dreißig Jahren gezogen haben. Das lässt sich in der momentanen Finanzkrise besonders gut beobachten. Um es aber gleich vorweg zu sagen: So spannend das alles klingt, ein großer Wurf ist das Buch leider nicht geworden. Aber der Reihe nach. Weiter…

Wiederholt sich das Schulden-Deflations-Szenarium von Irving Fisher?

Von 26. November 2008 um 18:41 Uhr

“Stock prices have reached what looks like a permanently high plateau” glaubte Irving Fisher noch im Jahr 1929. Der gestandene Ökonom und Yale-Professor, nach dem der sogenannte Fisher-Effekt und die Fisher’sche Verkehrsgleichung benannt sind, musste sich schon bald eines Besseren belehren lassen. Nur zwei Wochen nach seiner Äußerung brach der amerikanische Aktienmarkt ein, die Große Depression nahm ihren Lauf.
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Minsky und die Krisen des Kapitalismus

Von 22. August 2007 um 20:25 Uhr

Übertreibungen an den Märkten, Assetpreisblasen und Finanzkrisen waren das Element von Hyman Minsky. Der 1996 verstorbene Ökonom ist durch seine Krisentheorie berühmt geworden, stand aber immer am Rand des wirtschaftswissenschaftlichen Mainstreams. Jetzt wird er wieder entdeckt. Nouriel Roubini schreibt etwa, dass die jetzige Krise an den Finanzmärkten ein richtiger Minsky-Moment sei – sie verlaufe genau nach Minskys Theorie der finanziellen Instabilität, die dieser schon in den 60er und 70er Jahren entwickelt hatte. Minskys Hauptthese ist, dass das Finanzsystem im Laufe eines Aufschwungs automatisch instabil wird. Kurz: Im Kapitalismus ist die Krise immer mit dabei.
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Von der Schwierigkeit, kein Neoklassiker zu sein

Von 4. August 2007 um 18:12 Uhr

Fragt man Ökonomen danach, was man mit einem Monopol anstellen soll, dass kein natürliches ist, haben sie die Antwort sofort parat: Mehr Wettbewerb, mehr Markt! Nur wenn es um den eigenen Markt geht, den Markt für das Produkt Wirtschaftswissenschaft, halten sie sich zurück. Ein Anbieter dominiert, die marktliberale Neoklassik, andere Angebote gibt es nicht oder nur unter dem Ladentisch. So sehen es zumindest die Ökonomen, die sich “heterodox” nennen, und mit der Neoklassik und der Marktgläubigkeit nicht so recht zufrieden sind. Sie glauben, dass der Markt nicht alle Probleme löst und vor allem der Mensch sich nicht immer so rational verhält, wie es die Neoklassik unterstellt. Auch Ausbeutung, Geschlechterverhältnisse, die Umwelt oder soziale Normen hätten einen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen. Faktoren, die im Mainstream keine Rolle spielen und deshalb systematisch aus dem herrschenden wissenschaftlichen Diskurs ausgegrenzt werden.

Doch mit dem technischen Wandel werden vorher sicher geglaubte Monopole brüchig. Das Internet mit seinen Blogs bringt auch den Ideenmarkt der Ökonomen durcheinander – zumindest in den USA. Mit seinem Artikel “Hip Heterodoxy” hat dort der Journalist Christopher Hayes eine interessante und viel beachtete Diskussion über den Stand der Wirtschaftswissenschaft losgetreten.
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