Streiks – makroökonomisch sinnvoll

Jetzt also auch noch die Metaller. Nach dem öffentlichem Dienst, den Ärzten, streiken nun die Metaller, wenngleich erst mal nur für Stunden. Chaos in Deutschland? Weit gefehlt. Kapitalistische Normalität nun auch in Deutschland, lautet die wahre Interpretation.

Deutschland war immer das Land in der kapitalistischen Welt, das den Arbeitskampf nicht kannte, zumindest fiel er nie ins Gewicht. Vier ganze Tage pro Jahr auf 1000 Arbeitnehmer sind im Schnitt der vergangenen zehn Jahre für einen Streik draufgegangen. In den Vereinigten Staaten sind es 44, in Irland 78 und in Frankreich fast 100. Wenn dieses Jahr in Deutschland zehnmal mehr gestreikt würde als früher, wäre das kein Beinbruch. Im Gegenteil: Weiter„Streiks – makroökonomisch sinnvoll“

 

Deutschlands Wirtschaft brummt

Standortskeptiker, Verkrustungsneurotiker und alle anderen Neoklassiker hergehört: Der Ifo-Index steigt und steigt. Die deutsche Wirtschaft brummt, ob Ihr es glauben wollt oder nicht! Die Lageeinschätzung der befragten rund 7.000 deutschen Firmen und ihre Erwartungen an die Zukunft waren seit 1991 nicht mehr so hoch. Auf satte 105,4 Punkte ist der Ifo-Index heute gestiegen und hat damit die Schätzungen der Experten um drei Punkte übertroffen.
Nach dem kräftigen Anstieg im Februar war sich das Gros der Konjunkturexperten, die Deutschland ja sowie so maximal nur noch 1,5 Prozent Wachstum zutrauen, sicher, dass der Gipfel erreicht ist. Jetzt geht es wieder abwärts, denn jetzt müssen erst mal harte Strukturreformen in Berlin beschlossen werden, tönte es. Ansonsten geht gar nichts, weil nichts gehen darf, weil ja diese schöne Verkrustungsrhetorik plötzlich wegfallen müsste.

Pustekuchen. Der Kapitalismus schert sich nicht um Strukturreformen auf der Angebotsseite. Weiter„Deutschlands Wirtschaft brummt“

 

Die FAZ und ihr erotisches Verhältnis zu Schulden

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, kurz FAZ, ist im Wirtschaftsteil immer für Überraschungen gut. So auch heute. Womit macht das Blatt für die „klugen Köpfe“ auf? Mit der Nachricht: „Dresden ist auf einen Schlag schuldenfrei“. Nicht schlecht. Ein wahrlich weltbewegendes Ereignis. Erst an zweiter Stelle kommt die geldpolitische Kehrtwende in Japan, die sowohl im Handelsblatt als auch in der Financial Times Deutschland die Titelseite dominiert.

Zwar ist es immer hübsch, wenn die eigene Zeitung irgendwas gefunden hat, was die Konkurrenz noch nicht richtig einzuordnen weiß, und damit ganz nach oben geht. Aber Dresden schuldenfrei? Na und dann, was sagt uns diese Nachricht?
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Obacht! Japan entdeckt den Zins wieder

Heute Morgen ist der globale Kapitalismus wieder ein Stückchen normaler geworden. Heute Morgen hat nämlich die Bank of Japan (BoJ) das Ende ihrer „quantitativen Lockerungspolitik“ verkündet. Damit stehen die Zeichen gut, dass die Deflation in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt allmählich der Vergangenheit angehört. Seit sieben Jahren liegen die Notenbankzinsen im Land der aufgehenden Sonne bei nullkommanull Prozent. Seit fünf Jahren hat die BoJ sich nicht anders zu helfen gewusst, als Monat für Monat Billionen Yen in das Bankensystem zu pumpen, um den Kollaps abzuwenden.
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Kieler Institut joins Herdentrieb

Ich muss ein bisschen frotzeln: Ausgerechnet das Institut für Weltwirtschaft in Kiel ist das erste der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, das sich der Wachstumsprognose dieses Blogs anschließt! Allerdings vier Monate später. Um 2,1 Prozent werde die deutsche Wirtschaft dieses Jahr wachsen, meinen die Experten heute.

Warum mich das frotzeln lässt? Weiter„Kieler Institut joins Herdentrieb“

 

Monsieur Trichet als Falke geoutet

Endlich konnte Jean-Claude Trichet, der gar nicht mehr so neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, aus welchem Holz er ist. Deshalb war die heutige Pressekonferenz der EZB so interessant. Ich kann nur reportieren: das Holz ist hart, echte Eiche, von bester Bundesbanksorte. Wahnsinn. Das hätte ich dem Franzosen nicht zugetraut. Ich konnte gar nicht so schnell zählen, wie er die Worte „upside risks“ hintereinander gereiht hat. Weiter„Monsieur Trichet als Falke geoutet“

 

Josef Ackermann und die Werte

Ich kann es mir angesichts der Nachrichten von Vodafone nicht verkneifen: Deutschlands bestbezahlter Bankvorstand, Josef Ackermann von der Deutschen Bank, hatte vor zwei Jahren, am ersten Gerichtstag im Mannesmann-Prozess, einen wunderschönen Satz gesagt: Deutschland sei das einzige Land der Welt, „in dem diejenigen, die Werte schaffen, vor Gericht stehen“. Der Deutsche-Bank-Chef stellte die „Wertschaffung“, die Klaus Esser als Mannesmann-Chef erreicht habe, anhand zweier Zahlen dar: 80 und 140 Milliarden Euro. Um 80 Milliarden Euro legte der Börsenwert von Mannesmann während des 14-wöchigen Übernahmekampfes mit Vodafone zu; um 140 Milliarden Euro stieg er vom Amtsantritt Essers am 28. Mai 1999 bis zur der Einigung auf eine friedliche Übernahme am 3. Februar 2000. Angesichts dieser „Wertsteigerungen“ seien die 15 Millionen Euro Anerkennungsprämie für Esser lächerlich, „im Null-Komma-Prozent-Bereich“ (Ackermann).

Gestern nun hat Vodafone, das britische Mobilfunkunternehmen, das weiland Mannesmann gefressen hat, horrende Wertberichtigungen auf den Goodwill angekündigt. Weiter„Josef Ackermann und die Werte“

 

Steinbrücks Traktat des Grauens

Ernüchterung nach der Zeitungslektüre zum Haushaltsbudget für dieses und nächstes Jahr. Alles, was man über die Kabinettssitzung vergangenen Mittwoch und die Staatsfinanzen lesen konnte, lässt nur einen Schluss zu: Auch Peer Steinbrück hat nichts von Makroökonomie und der kapitalistischen Dynamik verstanden. Ich habe bislang Münchaus Ritt in der Financial Times Deutschland gegen Steinbrücks ökonomischen Unverstand für übertrieben gehalten. Ich hatte mir nach den ersten Reden und Interviews einen pragmatischen und etwas listigen Finanzminister vorgestellt. Aber das war falsch, wie ich jetzt zähneknirschend einräume.
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Bernanke im Kaffeesatz

Ben Bernanke hat sich prima geschlagen. Der neue Chef der amerikanischen Notenbank hatte gestern seinen ersten öffentlichen Auftritt vorm Kongress und musste Rede und Antwort stehen (die Rede finden Sie hier, die folgenden Zitate enstammen alle der Q&A-Session, die noch nicht im Web steht). Zum ersten Mal seit mehr als 18 Jahren hatte es die globale Herde nicht mehr mit dem Hirten Alan Greenspan zu tun. Weiter„Bernanke im Kaffeesatz“

 

Nie wieder über drei Prozent!

Jetzt ist es raus: Deutschland hat alle Chancen schon in diesem Jahr seine Neuverschuldung unter drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken. Das berühmte und ebenso willkürliche Maastrichtkriterium nach vier Jahren wieder zu erfüllen. Lasst uns gemeinsam den Schlachtruf anstimmen: „Nie wieder zweite Liga, nie wieder über drei Prozent!“

Wie das geht? Weiter„Nie wieder über drei Prozent!“