Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Warum die Inflationsrate nicht viel niedriger ist

Von 26. April 2013 um 07:12 Uhr

Der Internationale Währungsfonds geht in seinem neuen World Economic Outlook einer Frage nach, die mich auch schon seit einiger Zeit beschäftigt: Warum herrscht im Euroland, in Deutschland oder in den USA nicht schon längst Deflation? Wenn die Inflation so reagiert hätte, wie es die ökonomische Analyse der siebziger Jahre und die daraus abgeleiteten Modelle hätten erwarten lassen, müsste das Preisniveau eigentlich fallen – so wie das in Japan seit 20 Jahren der Fall ist. Offenbar haben sich die volkswirtschaftlichen Wirkungsmechanismen stark verändert. In seinem Bericht zeigt der IWF, dass die amerikanischen Inflationsraten bereits seit 2010 im negativen Bereich liegen müssten, wenn sich deren Entwicklung auch heute noch mit den Modellparametern der siebziger Jahre adäquat beschreiben ließe – für Ende 2011 ergäbe das im Vorjahresvergleich eine Inflationsrate von etwa -3 Prozent. Minus drei!
Weiter…

Das Elend der SPD und wie sie ihm entkommt

Von 25. April 2013 um 15:28 Uhr

Wenn nicht ein Wunder geschieht, dann wird die SPD im September sich weiter in jener Rolle finden, die sie selbst als “Mist” bezeichnet. Woran liegt das? Am Kandidaten, der es einfach nicht schafft, seine multiplen Persönlichkeiten unter einen Hut zu bringen. An den Medien, die den Inhalten entweder offen feindlich gegenüberstehen (FAZ) oder mit Lust jeder noch so kleinen internen Querele nachspüren (SZ).

Aber es liegt auch an einer Partei, die offensichtlich thematisch-ideologisch so überfordert ist, dass sie es nicht fertig bringt, zusammen zu denken, was zusammen gehört. Beispiele? Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Wie Deutschland von der Euro-Rettung profitiert

Von 18. April 2013 um 12:35 Uhr

Der Bundestag hat dem Zypern-Paket zugestimmt und die Kritiker melden sich schon zu Wort. Ich habe in einem Beitrag für das Blatt einmal aufgeschrieben, warum Deutschland ein Gewinner der Krise ist. Die Argumente:

1. Sie drückt die Zinsen in Deutschland wovon Unternehmen, Haushalte und der Staat profitieren

2. Sie hält den Wechselkurs niedrig, der angesichts der Überschüsse Deutschlands im Außenhandel eigentlich aufwerten müsste.

3. Sie eliminiert die Konkurrenz für deutsche Unternehmen, weil die Wettbewerber wegen der hohen Kapitalkosten ausfallen.

4. Sie sichert die Ersparnisse, weil Deutschland ein Nettogläubigerland ist.

Kategorien: Der aktuelle Rand

Gold im freien Fall

Von 15. April 2013 um 13:59 Uhr

Von Donnerstag bis heute ist der Goldpreis um rund zehn Prozent (fast 150 Dollar) gesunken. Am Vormittag lag der Preis in London nur noch bei 1.416 Dollar pro Feinunze. Seit seinem Höchststand am 5. September 2011 hat er jetzt rund ein Viertel eingebüßt. Eine Blase platzt!
Weiter…

Wie arm sind wir eigentlich?

Von 10. April 2013 um 23:43 Uhr

Holger Steltzner holt in der FAZ groß aus und erklärt, warum die Deutschen doch arm sind. Hier seine Argumente – und meine Entgegnung. Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Wir armen Deutschen

Von 9. April 2013 um 22:27 Uhr

Der Bericht der EZB über die Vermögenslage in Europa ist da. Viele Zahlen sind schon seit einiger Zeit bekannt. Deutschland liegt beim Medianeinkommen ganz hinten, Zypern ziemlich weit vorne.  Und beim Durchschnittseinkommen liegen die Deutschen im hinteren Mittelfeld.

Die EZB weist ausführlich darauf hin, warum die Daten mit Vorsicht zu genießen sind: Die Position beim Median sagt mehr über die Einkommensverteilung innerhalb eines Landes als über den Vergleich zu anderen Ländern. Beim Durchschnitt verzerren Immobilienbesitz, Haushaltsgröße, Rentenansprüche und Zeitpunkt der Befragung das Bild. Jeder der in jüngerer Zeit in Griechenland war wird bestätigen, dass es diesem Land definitiv viel schlechter geht als uns.

Interessant sind also nicht die Daten selbst, sondern wie sie wahrgenommen werden. Man könnte schier verzweiflen, wenn man die FAZ liest. Aber es geht hier nicht mehr um Wahrheit oder Erkenntnis, sondern um Politik.

Kategorien: Der aktuelle Rand

Sollte Zypern den Euro abgeben?

Von 27. März 2013 um 10:03 Uhr

Als Anhänger des europäischen Projekts fällt es mir schwer, das zu schreiben, aber Paul Krugman hat recht: Man muss sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen ob Zypern – im eigenen Interesse – den Euro aufgeben sollte. Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Arme Deutsche retten reiche Spanier

Von 25. März 2013 um 21:19 Uhr

Die beste Analyse zur Bundesbankumfrage über die Vermögensverteilung in Deutschland und Europa kommt von Don Alphonso. Das durchschnittliche Vermögen der deutschen Haushalte liegt bei 195.200 Euro, Spanien kommt auf 285.800 und Frankreich auf 229.300 Euro.
Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Aktien immer noch die bessere Alternative

Von 21. März 2013 um 18:05 Uhr

Noch sieht es nicht danach aus, als ob die dreißigjährige Rallye an den Rentenmärkten der Länder, die aus Anlegersicht als sicher gelten, zu Ende wäre. Das Wirtschaftswachstum ist zu schwach, um die Outputlücken zu schließen, die in der Rezession von 2008/2009 entstanden sind. Die Inflationsraten werden bis auf Weiteres rückläufig sein und unterhalb der Zielmarken der Notenbanken bleiben. Bondrenditen in den USA, Japan, Großbritannien, der Schweiz, Schweden und den Euroländern außerhalb der Peripherie werden weiterhin extrem niedrig sein, real teilweise sogar negativ.

Aktien sind wegen ihrer im Allgemeinen höheren Dividendenrenditen und der robusten finanziellen Lage der Unternehmen die bessere Anlagealternative. Sie sind aber nicht mehr billig und leiden tendenziell unter den schwachen makroökonomischen Rahmendaten.

Die Aktien der Schwellenländer fristen seit Jahresanfang ein Mauerblümchendasein: ihre Bewertungen sind jedoch nicht übertrieben. Niedrige Kosten, gesunde Finanzen sowie ein gewaltiger Aufholbedarf ergeben nach wie vor eine überzeugende Anlagestory.

Rohstoffe sind immer noch überteuert. Ihre Preise befinden sich in einem leichten Abwärtstrend, zum Einen wegen des relativ schwachen Wachstums der Weltwirtschaft, zum Anderen weil sie im historischen Vergleich weiterhin teuer sind. Die hohen Preise der vergangenen Jahre haben zu einem großen Angebot geführt, das nun auf die Preise drückt.

Die Devisenkurse der wichtigsten Währungen werden im Wesentlichen von den Strategien der jeweiligen Notenbanken bestimmt: Je größer das Angebot an Zentralbankgeld, desto schwächer der Wechselkurs. Der Euro ist unterbewertet und wir aufwerten, sobald weitere Fortschritte in Richtung Bankenunion erkennbar sind.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den Industrie- und Schwellenländern, sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – March 2013*) (pdf, 197 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Der Plan B: Zyprische Rentner retten reiche Russen

Von um 15:12 Uhr

Vorab: Es ist Sache des zyprischen Volkes, zu entscheiden, woher das Geld für die geforderte Eigenleistung kommen soll. Der ursprüngliche Vorschlag sah vor, die Bankeinleger zu beteiligen – über den Umweg einer Steuer mit einer eng definierten Bemessungsgrundlage. Das wäre erstens verursachergerecht gewesen (denn die Banken sind das Problem) und hätte aus Sicht Zyperns zweitens den Vorteil gehabt, dass ein Teil der Rettungskosten auf Ausländer (vor allem Russen) abgewälzt worden wären. Von den gesamten Verbindlichkeiten der zyprischen Banken in Höhe von 134 Milliarden Euro entfallen 62 Milliarden auf Kundeneinlagen aus dem Inland und 54 Milliarden auf ausländische Depositen. Die Einbeziehung der Bankeinlagen hätte es also erlaubt, auch jenen ausländischen Anlegern einen Teil der Kosten aufzubrummen, die die Banken überhaupt erst in die Lage versetzt haben, ein großes Rad zu drehen.
Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand