Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Globalisierung braucht soziale Absicherung

Von 23. Juni 2014 um 23:54 Uhr

Für die meisten Volkswirte ist Freihandel etwas, was die Amerikaner als motherhood and apple pie bezeichnen würden – er ist einfach immer eine gute Sache und jenseits aller Kritik und Miesmacherei. Wie die Wahlen zum europäischen Parlament gezeigt haben, betrachtet aber inzwischen ein großer Teil der Menschen den scharfen Wettbewerb, mit dem Freihandel einhergeht, sehr skeptisch. Viele würden gern die Grenzen dicht machen und ausländische Produkte und Arbeiter soweit es geht draußen halten. Sie können sich nicht anpassen, verlieren ihre Jobs oder müssen mit ansehen, wie ihre Reallöhne sinken. Da ihnen die Institutionen der Europäischen Union bisher weder helfen können noch wollen, sehen sie ihr Heil in einer Renationalisierung der Wirtschaftspolitik. Wenn ich mir die Anzahl der Euro-Skeptiker im neuen Parlament und die niedrige Wahlbeteiligung ansehe, ist das europäische Friedens- und Wohlstandsprojekt nicht mehr ganz so populär wie einst. Für die Existenzabsicherung der Menschen spielt die EU kaum eine Rolle.
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Bundesbank und EZB überschätzen Inflation

Von 14. Juni 2014 um 14:55 Uhr

Die Bundesbank hat ihre halbjährliche Prognose vorgelegt. Danach wird sich der Anstieg der Verbraucherpreise, “gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 1,1% in diesem Jahr auf 1,5% im kommenden Jahr und dann weiter auf 1,9% im Jahr 2016 verstärken”, ohne die Preise für Energie bis 2016 sogar auf mehr als 2 Prozent. Warum steigt die Inflationsrate aus Sicht der Bundesbank? Es wird nur ein einziger Kostenfaktor genannt: höhere Lohnsteigerungen wegen Verknappungen am Arbeitsmarkt. Der feste Euro, die Deflationstendenzen in den peripheren Ländern des Euroraums oder unterausgelastete Kapazitäten werden nicht für erwähnenswert gehalten. Das hätte vermutlich nicht ins Bild steigender Inflationsraten gepasst.
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Kategorien: Leitwährungswatch

Verschärft der Kapitalismus die Ungleichheit oder nicht? – Thomas Piketty vs. Peter Bofinger

Von 5. Juni 2014 um 22:46 Uhr

Thomas Pikettys Buch Le capital au 21e siècle, das die Ungleichheit der Vermögen und Einkommen seit dem 18. Jahrhundert untersucht, sorgt seit dem Erscheinen der englischen Übersetzung (Capital in the 21st Century) für eine Menge Furore und zieht Kritik von allen Seiten, links wie rechts, auf sich.

Den jüngsten Angriff auf Piketty hat der Wirtschaftsweise Peter Bofinger unternommen. Er wirft Piketty im Spiegel-Interview vor, “sich selbst ins Knie geschossen” zu haben. Weiter…

Memo eines Monetaristen

Von 4. Juni 2014 um 14:18 Uhr

Die EZB wird in Deutschland traditionell vor allem von Ökonomen attackiert, die sich in der Tradition der Bundesbank der monetaristischen Schule zuordnen. Angesichts eines Wachstums der Geldmenge M3 von nur noch 0,8 Prozent ist das schon eine Leistung. Vielleicht sollten die deutschen Pseudo-Monetaristen einmal bei einem echten Monetaristen nachlesen. Ich meine Milton Friedman. Der sagt – bezogen auf Japan, aber in Europa ist die Lage durchaus ähnlich – nämlich folgendes:

Initially, higher monetary growth would reduce short-term interest rates even further. As the economy revives, however, interest rates would start to rise. That is the standard pattern and explains why it is so misleading to judge monetary policy by interest rates. Low interest rates are generally a sign that money has been tight, as in Japan; high interest rates, that money has been easy.

Und er hat außerdem erkannt, das geldpolitischer Stimulus und Strukturreformen kein Widerspruch sind, wie auch Wolfgang Schäuble jüngst meinte. Sondern:

The surest road to a healthy economic recovery is to increase the rate of monetary growth, to shift from tight money to easier money . That would make much-needed financial and economic reforms far easier to achieve.

Man muss die Grundannahmen des Monetarismus nicht teilen – ich tue das auch nicht –, aber man sollte in seiner theoretischen Argumentation zumindest konsistent sein. Nur auf die Geldmenge zu verweisen, wenn die einmal zu schnell wächst und nichts zu tun, wenn sie einmal zu langsam wächst, geht jedenfalls nicht

Kategorien: Der aktuelle Rand

Inflationsrate nähert sich wieder der Null

Von um 07:49 Uhr

Es geht weiter in Richtung Deflation. Die Verbraucherpreise Euro-Lands waren im Mai nur noch um 0,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor, in Deutschland waren es 0,6 Prozent (jeweils gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex). Die EZB gerät zusehends in Panik und dürfte daher am Donnerstag ein ganzes Bündel von expansiven Maßnahmen verkünden mit dem Ziel, Unternehmen und Haushalte dazu zu bewegen, mehr Schulden zu machen und mit dem geliehenen Geld ihre Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen so zu steigern, dass die Inflationsraten wieder anziehen.
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Wir können alles, außer Inflation

Von 3. Juni 2014 um 19:29 Uhr

Die jüngsten Inflationsdaten aus Deutschland sind bemerkenswert. Die Teuerungsrate ist im Mai nach deutscher Lesart auf 0,9 Prozent und nach europäischer auf 0,6 Prozent gefallen. Dabei wächst die Wirtschaft nun schon seit fünf Jahren, die Arbeitslosigkeit geht zurück und die Produktionslücke dürfte sich – trotz eines erweiterten Potenzials durch die Zuwanderung – allmählich schließen. Man würde also erwarten, dass die Inflation wenigstens in Deutschland sich dem Zielwert der EZB annähert, zumal sie eigentlich über zwei Prozent steigen sollte, wenn im Süden die Preise weniger stark steigen und die EZB ihr Ziel ernst nimmt. Tut sie aber nicht.
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Kategorien: Der aktuelle Rand

Der EZB fehlt ein Ausstiegsszenario

Von 27. Mai 2014 um 17:48 Uhr

Ich frage mich, ob wir uns damit abfinden müssen, dass die Zinsen für viele Jahre auf dem jetzigen Niveau verharren werden. Das wäre so etwas wie das japanische Modell für Euro-Land. Was machen dann nur die Sparer, und müssen eines Tages auch die Versicherungen vom Steuerzahler gerettet werden, weil sie ihre Renditeversprechen nicht einhalten können?

Die Fragen müssen Ernst genommen und ein kritischer Blick auf die Politik der EZB geworfen werden. Weiter…

Kategorien: Leitwährungswatch

Erstes Quartal – endlich mal Wachstum!

Von 23. Mai 2014 um 12:28 Uhr

Die detaillierten Zahlen zum deutschen Sozialprodukt im ersten Quartal, die gerade veröffentlicht wurden, sind besser, als ich erwartet hatte. Dabei bin ich schon ziemlich optimistisch. Kürzlich hatte ich ausgerechnet, dass unter einigen nicht unrealistischen Annahmen 2014 beim realen BIP durchaus eine Drei vor dem Komma stehen könnte. Die Konsensusprognose liegt bei knapp unter zwei Prozent. Viel ist dem außergewöhnlich warmen Winter geschuldet, sodass es nicht unbedingt so weitergehen muss, aber die Frühindikatoren sind robust, vor allem die Stimmung der Verbraucher und Unternehmer. Die Bauwirtschaft hebt gerade ab.
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Das Problem Jugendarbeitslosigkeit lässt sich lösen

Von 21. Mai 2014 um 09:24 Uhr

Im März lag die Arbeitslosenquote für 15- bis 24-Jährige nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ILO in der EU bei 22,8 Prozent – das waren nicht weniger als 5,3 Millionen Personen. Die Quote ist mehr als doppelt so hoch wie die für 25- bis 64-jährigen Erwerbspersonen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass ein großer Teil derjenigen, die künftig das Sozialprodukt erwirtschaften und für die Rentner aufkommen müssen, dazu nicht in der Lage sein wird.
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Alle bereit für die deutsche Immobilienblase?

Von 19. Mai 2014 um 23:40 Uhr

Der neue Länderbericht des IWF deutet darauf hin, dass es eine längere Diskussion über die Risiken auf dem deutschen Immobilienmarkt gab.

Nonetheless, while concerns about a housing bubble are premature, preparations against it are not. Hence, the macroprudential toolkit should be readied. We welcome the authorities’ progress in making the new Financial Stability Committee fully operational and in expanding their statistical coverage of the mortgage market. We encourage them to consider expanding the set of macroprudential tools to include loan-to-value and debt-service-to-income instruments.

Für mich ist das ein Indiz, dass der neu geschaffene Ausschuss für Finanzstabilität bald aktiv werden könnte – zumal wenn die EZB die Zinsen noch einmal senkt. Interessant auch, dass der IWF noch erheblichen Spielraum bei den Investitionen sieht.

Additional investment up to 0.5 percent of GDP per year over four years could be financed without violating fiscal rules and would have only a minor impact on the debt-to-GDP ratio given the growth offset.

Kategorien: Der aktuelle Rand