Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Warum die deutsche Wirtschaft stärker wachsen könnte

Von 28. März 2014 um 17:43 Uhr

Die Wachstumsprognosen für dieses Jahr werden zurzeit immer optimistischer. Nach der neuen Schätzung des Sachverständigenrats dürfte das reale Sozialprodukt um knapp zwei Prozent zulegen, nach nur 0,4 Prozent im Jahr 2013.

Das klingt gut, aber warum reden wir nicht über drei oder vier Prozent Zuwachs pro Jahr?
Weiter…

Nullzinsen: situationsgerecht, aber auf Dauer gefährlich

Von 19. März 2014 um 15:16 Uhr

Seit Juli 2012 liegt der Leitzins der EZB unter einem Prozent, seit November 2013 bei 0,25 Prozent, und wenn es nach Herrn Draghi geht, wird er da für mindestens ein weiteres Jahr bleiben, oder sogar noch sinken. In Europa verläuft die Entwicklung damit ähnlich wie in Japan, wo die Notenbank ihre Zinsen seit 1999, also seit 15 Jahren, bei knapp über Null hält. In den USA ist das de facto seit Anfang 2009 der Fall. Real, nach Abzug der aktuellen Inflationsrate, sind die Leitzinsen in allen drei Volkswirtschaften zurzeit negativ.
Weiter…

Kategorien: Leitwährungswatch

Was Sie immer schon über Geld wissen wollten

Von 18. März 2014 um 19:49 Uhr

Ein großartiger Artikel der Bank of England, der dringend für ein deutsches Publikum übersetzt werden sollte. Es geht darum, wie das Geld in die Welt kommt.

The vast majority of money held by the public takes the form of bank deposits. But where the stock of bank deposits comes from is often misunderstood. One common misconception is that banks act simply as intermediaries, lending out the deposits that savers place with them. In this view deposits are typically ‘created’ by the saving decisions of households, and banks then ‘lend out’ those existing deposits to borrowers, for example to companies looking to finance investment or individuals wanting to purchase houses.

So ist es eben nicht, denn:

Saving does not by itself increase the deposits or ‘funds available’ for banks to lend. Indeed, viewing banks simply as intermediaries ignores the fact that, in reality in the modern economy, commercial banks are the creators of deposit money.

Deshalb ist auch die Vorstellung falsch, die Notenbank schaffe Geld, dass dann in die Wirtschaft geleitet wird.

This demand for base money is therefore more likely to be a consequence rather than a cause of banks making loans and creating broad money

Aus diesem Grund ist auch die Vorstellung falsch, unkonventionelle Maßnahmen wie Quantitative Easing wirkten, weil plötzlich mehr Geld im Umlauf sei.

QE involves a shift in the focus of monetary policy to the quantity of money: the central bank purchases a quantity of assets, financed by the creation of broad money and a corresponding increase in the amount of central bank reserves. The sellers of the assets will be left holding the newly created deposits in place of government bonds. They will be likely to be holding more money than they would like, relative to other assets that they wish to hold. They will therefore want to rebalance their portfolios, for example by using the new deposits to buy higher-yielding assets such as bonds and shares issued by companies — leading to the ‘hot potato’ effect discussed earlier.

Russland ist weiterhin ein ökonomischer Zwerg

Von 11. März 2014 um 20:49 Uhr

In den letzten vier Quartalen (d.h. bis einschließlich dem dritten Quartal 2013) betrug das nominale russische Sozialprodukt 66,6 Billionen Rubel oder, mit dem heutigen Wechselkurs gerechnet, 1,3 Billionen Euro. Das BIP von Deutschland ist 2,1 mal höher, das von Euroland 7,3 mal, und das der Nato-Staaten fast 20 mal. Mit anderen Worten, Russland spielt im Kontext der Weltwirtschaft eine mehr als bescheidene Rolle. Von der Fläche und den Bodenschätzen her gibt es kein größeres Land, aber was den wirtschaftlichen Erfolg angeht, gibt es kaum eins, das aus seinem Potenzial so wenig gemacht hat. Es ist ein äußerst armes Land. Pro Kopf übertrifft das deutsche BIP das russische um das 3,7-fache. Nur weil die Einkommensverteilung so extrem ungleich ist, kann man manchmal im Ausland den Eindruck gewinnen, dass alle Russen furchtbar reich seien – die meisten sind nach wie vor furchtbar arm. Weil das so ist, lenkt die russische Regierung wieder einmal mit Kriegsspielen von ihrem Versagen ab und hofft, damit ihre Existenz zu sichern.
Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Schäubles Sparhaushalt

Von 9. März 2014 um 22:12 Uhr

Der Bundeshaushalt für das Jahr 2014 steht – und die meisten Kommentatoren sind sich einig, dass Wolfgang Schäuble das Geld zum Fenster hinauswirft. Zwischen 2014 und 2018 sollen die Staatsausgaben ja auch immerhin von 298,5 auf 327,2 Milliarden Euro steigen. Das ist ein Plus von 28,7 Milliarden Euro.

Tatsächlich aber hat Schäuble einen Sparhaushalt vorgelegt. Die Ausgaben steigen durchschnittlich um 2,3 Prozent pro Jahr – und bleiben damit voraussichtlich bis zum Ende der Legislaturperiode zum Teil deutlich hinter dem nominalen Anstieg des BIP zurück (laut Jahreswirtschaftsbericht 3,4 Prozent in 2014).

Das bedeutet: Der Anteil der Staatsausgaben an der Wirtschaftsleistung – und das ist die makro-ökonomisch relevante Größe – wird im Laufe der kommenden Jahren sinken. Das ist für sich genommen nicht unbedingt schlecht, aber die Ausgabenentwicklung einer Regierung, die a) den Anspruch erhebt, die Konjunktur im Währungsraum stützen zu wollen, und b) die Investitionen deutlich nach oben fahren will, sieht eigentlich anders aus.

Die schwarz-gelbe Regierung war fiskalpolitisch pragmatischer, als es den Anschein hatte. Die schwarz-rote könnte konservativer sein, als sie vorgibt.

Kategorien: Der aktuelle Rand

Zentralbanken wollen mehr Inflation – aber die Disinflation geht weiter

Von 27. Februar 2014 um 11:22 Uhr

Die Notenbanken der USA und Japans drucken in großem Stil Geld, indem sie staatliche Anleihen aufkaufen. Die EZB plant offenbar eine noch expansivere Politik als bisher, weil die Wirtschaft Eurolands nach wie vor am Boden liegt und es am Arbeitsmarkt schlimm aussieht; zudem bewegt sich die Inflationsrate weiterhin in Richtung Null und Deflation.

Manche fürchten inzwischen, dass die extrem lockere Geldpolitik irgendwann in die Hyperinflation führt. Augenblicklich sieht es eher danach aus, dass die Disinflationsprozesse noch nichtabgeschlossen sind. Die Transmission zwischen Geldpolitik und Realwirtschaft bleibt gestört, weil zu viele Haushalte, Banken und Regierungen versuchen, ihre Schulden abzubauen – sie lassen sich nicht durch noch so günstige Konditionen dazu verführen, neue Schulden zu machen und Geld auszugeben. Daran wird sich für’s Erste nichts ändern.

Auf der Kostenseite gibt es keine Anzeichen, dass es in den drei großen Volkswirtschaften des OECD-Raums, in den USA, in Euroland und Japan, auf die ich mich dieses Mal in meinem Investment Outlook konzentriere, Inflationsprobleme geben wird. Die Arbeitnehmer haben überall nur eine schwache Verhandlungsposition, so dass die Löhne real kaum steigen – oder sogar fallen. Ohne Lohninflation gibt es erfahrungsgemäß aber keine allgemeine Inflation.

Die Kapitalkosten dürften insgesamt etwas anziehen, vor allem die Kosten für Eigenkapital: Ich erwarte, dass die Aktienkurse in den großen Ländern in diesem Jahr nicht weiter steigen, vermutlich sogar eher fallen werden. Sie haben ein sehr hohes Niveau erreicht. Was die Kosten für Fremdkapital angeht, wird sich bei den kurzen Fristen wenig tun, bei den längeren rechne ich in Japan mit einem kräftigen Anstieg, in den USA eher mit einer Seitwärtsbewegung, in Euroland dagegen wegen der institutionellen Stabilisierung des Euro mit einem Rückgang.

Bei den Einfuhrkosten, der dritten volkswirtschaftlichen Kostenkomponente, kommt es in den Industrieländern zu weiteren Rückgängen: das Niveau der Rohstoffpreise ist nach wie vor hoch und die Weltwirtschaft expandiert nicht mehr so rasch. Der Euro wird angesichts der sehr guten Fundamentaldaten aufwerten. Nirgendwo sinken die Einfuhrkosten so stark wie in der europäischen Währungsunion.

Insgesamt spricht die Kostendynamik dafür, dass es zunächst bei Disinflation bleiben wird. Aus Anlegersicht sollte man es mit dem Inflationsschutz deshalb nicht übertreiben. Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, Aktien solider Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und nicht zuletzt Liquidität sind die bevorzugten Anlagevehikel.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den USA, in Euroland und Japan mit einem Schwerpunkt auf den Inflations-Deflationsrisiken, sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Central banks want higher inflation – but disinflation continues, February 2014*) (pdf, 509 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Die Fed fragmentiert die Kapitalmärkte – so what?

Von 19. Februar 2014 um 22:14 Uhr

Die FAZ berichtet über die neuen Kapital- und Liquiditätsregeln der Fed.

Die Vereinigten Staaten bauen eine finanzielle Wagenburg. Die Notenbank Federal Reserve hat als Regulierungsauflage nun endgültig beschlossen, dass im Lande tätige Auslandsbanken analog zu den amerikanischen Banken Liquiditätspuffer und Eigenkapital in Amerika vorhalten und verschärfte Aufsichtsstandards erfüllen müssen. Was sich wie eine gebotene Gleichbehandlung mit heimischen Banken anhört, ist eine bedeutende Verschiebung in der Regulierung international tätiger Banken. Damit werden die internationalen Kapitalmärkte fragmentiert. Das stößt nicht nur auf scharfe Kritik von Bankenverbänden, sondern auch von Bankenaufsehern in anderen Ländern.

Nur eine kurze Überlegung dazu: Wenn die Finanzmärkte einigermaßen effizient wären, dann wäre ein freier internationaler Kapitalmarkt in der Tat eine gute Sache. Er würde Kapital dorthin bringen, wo es die meiste Rendite abwirft und so weiter.

Wenn die Märkte allerdings nicht so effizient sind, dann führt die Entgrenzung des Kapitals vor allem zu Instabilität und Blasenbildung. Die Ereignisse der vergangenen Jahre legen nahe, dass das zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Dann aber ist die Fragmentierung der Kapitalmärkte – zumal wenn sie der strengeren Regulierung dient –  nicht unbedingt eine schlechte Sache und vielleicht sogar eine gute.

Kategorien: Der aktuelle Rand

Verfassungsgericht gegen Bundesbank

Von 17. Februar 2014 um 16:30 Uhr

Je genauer man die Begründung des BVerfG zum EZB-Urteil liest, desto mehr Fragen wirft sie auf. André Kühnlenz weist in einem sehr wichtigen Beitrag auf eine besonders problematisch Passage hin. Die Notenbank argumentiert ja bekanntlich, dass durch das OMT das – aus Sicht der EZB – irrationale Risiko eines Zerfalls der Währungsunion aus den Renditen herausgenommen werden soll.

Das Gericht sieht das anders und führt als Kronzeugen die Bundesbank an. Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Ist Sigmar Gabriel ein Lohndrücker?

Von 12. Februar 2014 um 23:04 Uhr

Es klingt wie ein Skandal: Ausgerechnet ein sozialdemokratischer Wirtschaftsminister hat in seinem ersten Jahreswirtschaftsbericht nichts besseres zu tun, als Lohnzurückhaltung zu fordern. So zumindest wurde es berichtet.

In Wahrheit ist das alles eine ziemliche Ente. Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Der GAU in Karlsruhe

Von 10. Februar 2014 um 01:09 Uhr

Als am Freitag die ersten Meldungen über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den Ticker liefen, reagierte man an den Finanzmärkten und in der EZB erleichtert. Die Entscheidung über das Anleiheprogramm wurde an den Europäischen Gerichtshof verwiesen, damit schien die Gefahr eines Vetos aus Karlsruhe abgewendet.

Ich habe das zuerst auch so gesehen, inzwischen bin ich der Meinung, dass es sich dabei um eine Fehleinschätzung handelt. Diese Entscheidung ist für die EZB der GAU.
Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand