Übertreiben Sie nicht, Herr Weber!

Lieber Herr Weber,

ich muss mich heute ausnahmsweise direkt an Sie wenden, in Ihrer Funktion als Bundesbankpräsident und als Mitglied des Rates der Europäischen Zentralbank. Denn ich befürchte, Sie berechnen eine zentrale Größe der Geldpolitik falsch: Das Produktionspotenzial von Euroland. Nach allem, was ich in letzter Zeit von Ihnen gehört und gelesen habe, beschleicht mich das fatale Gefühl, dass Sie das Potenzial viel kleiner machen als es in Wirklichkeit ist. Vor allem deshalb plagen Sie Inflationssorgen, vor allem deshalb votieren Sie für weitere Zinserhöhungen. Ich möchte Sie beruhigen. Richtig gerechnet, könnten Sie noch mindestens vier Jahre ruhig schlafen, könnten ein stärkeres Wachstum zulassen und dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen lassen. Weiter„Übertreiben Sie nicht, Herr Weber!“

 

Grüne Soße mit Axel Weber

Gestern war ein großartiger Abend. Ehrlich. Knapp sechs Stunden haben wir Journalisten des Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten unseren Bundesbankpräsidenten Axel Weber mit listigen Fragen gelöchert, gegrillt und versucht zu verstehen. Wir haben Salat mit frischen Pfifferlingen und hinterher Tafelspitz mit grüner Soße (ein Frankfurter Nationalgericht) serviert bekommen. Das Essen war köstlich, Webers Einsschätzungen leicht schockierend.

Zwar ist Weber seit rund einem Jahr zu einem der Oberfalken im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) mutiert, dennoch ist er klug genug, nicht völlig losgelöst von seinen Kollegen im Rat zu denken und zu reden.

Meine Interpretation des gestrigen Abends: Weiter„Grüne Soße mit Axel Weber“

 

Investoren glauben Trichet nicht

Für die Europäische Zentralbank ist die Sachlage eindeutig: Die europäische Wirtschaft läuft gut und die Inflation kann nur in eine Richtung gehen, nämlich nach oben. Präsident Jean-Claude Trichet hat daher gestern mit Worten, die keinen Zweifel erlauben, den nächsten Zinsschritt um 25 Basispunkte für die Sitzung im Oktober angekündigt. Genauso klar war die Botschaft, dass es voraussichtlich im Dezember zu einem weiteren Schritt, auf dann 3,5 Prozent, kommen wird. Die Geldpolitik ist akkommodierend, vor allem wenn man auf die Wachstumsrate der Kredite schaut, und die hohen Ölpreise werden vermutlich noch böse Folgen haben. Weiter„Investoren glauben Trichet nicht“

 

Dieter Wermuth verstärkt HERDENTRIEB

HERDENTRIEB begrüßt Dieter Wermuth als neuen Hirten des Blogs. Ab morgen wird Wermuth gemeinsam mit Uwe Richter und mir an dieser Stelle das Wesen des Kapitalismus ergründen. Wermuth ist eine echte Verstärkung für unseren ehrgeizigen Anspruch, von der Finanzierungsseite her zu denken, die großen Zusammenhänge der Makroökonomie und der Weltwirtschaft zu kommentieren und einzuordnen. Denn Wermuth ist ein echter Profi. Über Jahrzehnte hat er die deutsche und europäische Volkswirtschaft, Geldpolitik und Makropolitik kommentiert. Er war in Diensten verschiedener großer Banken, angefangen bei der Citibank, deren Europa-Chefvolkswirt er Anfang der 80er Jahre war, über die WestLB bis hin zur japanischen Großbank UFJ. Auch dort hatte Wermuth bis vergangenes Jahr den Posten des Europa-Chefvolkswirts inne, mit Sitz in London. Zwischen seinen Tätigkeiten als Volkswirt versuchte sich Wermuth als Investmentbanker bei einer französischen Bank und zwei Jahre als Marktaufseher der Frankfurter Wertpapierbörse. Seine Sporen hat sich der in Amerika promovierte Volkswirt beim Sachverständigenrat verdient, in den Jahren 1973 bis 1978, als es um die großen Themen wie flexible versus feste Wechselkurse ging, als die theoretische Grundlage für die Geldmengenpolitik der Bundesbank gelegt wurde und als das Umdenken vom keynesianischen Ansatz zum angebotsseitigen Interpretieren der Wirtschaftsabläufe begann. Das Denken in ideologischen Kategorien ist ihm aber bis heute fremd geblieben. Sein Interesse war und ist, die beste Erklärung für die gegenwärtigen Phänomene zu finden. Sie zu verstehen und sich zu fragen, was das für die Zukunft, vor allem die Finanzmärkte bedeuten könnte.

Ich selbst kenne Dieter Wermuth seit ich als Journalist arbeite. Bereits Mitte der 90er Jahre bei der Börsen-Zeitung zählten seine Rundbriefe zu meiner Pflichtlektüre. Später haben ich mir in unzähligen Telefonaten und Treffen den Kapitalismus und die Kapitalmärkte aus seiner Sicht erklären lassen, ihn als Ideengeber geschätzt und oft auch genutzt. Das heißt aber nicht, dass wir immer einer Meinung wären. Und das ist auch im Blog nicht nötig. Eine kontroverse Debatte nutzt allen. Auf jeden Fall verspreche ich den treuen Lesern dieses Blogs, dass sie an Wermuths Einschätzungen Freude haben werden. Sein Gespür für Themen und Märkte ist legendär!

Nach neun Monaten HERDENTRIEB noch ein paar Zahlen. Wir sind stolz, dass wir inzwischen in guten Wochen, im Schnitt 1.000 bis 1.300 Leser pro Tag haben. Selbst während meines Urlaubs, als vier Wochen Pause war, besuchten uns täglich rund 250 Leser. Ein großer Dank an die großartigen Debattierer, ohne die das Blog nicht halb so spannend wäre. Bis gestern haben unsere bislang 56 Beiträge 981 Kommentare erhalten. Weiter so!

 

Raus aus der Ideologiefalle

Arbeit ist in Deutschland zu teuer. Die Unternehmen müssen entlastet werden. Gegen Konjunkturschwankungen ist die Wirtschaftspolitik machtlos. Deshalb muss sie sich auf die Verringerung der Schulden konzentrieren. So lautet etwas verkürzt das Credo der tonangebenden deutschen Ökonomen. Und so sieht leider auch die Wirtschaftspolitik jeder Regierung seit 1982 aus. Die Folge: Das Wachstum fällt seit Jahrzehnten geringer aus als nötig. Die falsche Wirtschaftspolitik ist nichts anderes als eine Verarmungsstrategie für die Bürger dieses Landes. Und sie setzt sich nächstes Jahr fort: Drastische Mehrwertsteuererhöhung, Kürzung der Pendlerpauschale, geringerer Sparerfreibetrag, höhere Ausgaben für den öffentlichen Nahverkehr sowie wahrscheinlich höhere Beiträge zur Krankenversicherung. Hauptziel: Konsolidierung der öffentlichen Haushalte.

Dabei gäbe es eine pragmatische Wirtschaftspolitik, die die großen wirtschaftlichen Probleme der Welt, Europas und Deutschlands auf einen Schlag mildern könnte. Doch dafür muss man sich vom eingangs beschriebenen Dreiklang befreien. Dafür muss man unideologisch auf die deutsche Wirtschaft schauen.
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Bundesbankpräsident mutiert zum Cheflobbyisten

Es ist etwas Besonderes, wenn sich der Bundesbankpräsident ans Volk wendet. Das tut er äußerst selten, weil die normalen Irrungen und Wirrungen der Geldpolitik nun wirklich nicht interessant sind. Heute war es mal wieder so weit. Über die BILD-Zeitung sprach Axel Weber zur deutschen Bevölkerung (Teil zwei des Interviews folgt morgen!). Botschaft eins: Der Aufschwung ist da, die deutsche Wirtschaft wächst dieses Jahr mit einer Zwei vor dem Komma (Applaus, Applaus). Warum die Bundesbank das erst jetzt merkt und bislang eher zu den Wachstumsskeptikern (1,5 Prozent) gezählt hat, verrät er nicht.
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Woher das Wachstum kommt

Drollig, wie die Untergangspropheten jetzt versuchen, Ihre in den vergangenen Jahren aufgestellten Thesen vom Niedergang der deutschen Wirtschaft zu retten. Denn das kräftige Wachstum will einfach nicht zu ihren Katastrophenszenarien passen, die nur mit Blut-Schweiß-und-Tränen-Reformen eigentlich hätten verhindert werden können.

Ich habe in den vergangenen Tagen mit einigen aufgeklärten Frankfurter Bankvolkswirten telefoniert. Alle frohlocken schon, mit welchen Kniffen, Tricks und Unverschämtheiten uns die Fraktion der Verkrustungstheoretiker und Basarökonomen in den kommenden Wochen beglücken werden. Zwei platte Strategien seien schon mal skizziert:
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Oh, wie ist das schön

So was hat man lange nicht gesehen, so schön. Die Deutsche Wirtschaft wächst kräftig im Vergleich zu den Jammerjahren 2001 bis 2004. Das Wachstumstempo der beiden ersten Quartale liegt bei beeindruckenden drei Prozent. Die Deutsche Wirtschaft wächst nun schon seit fast einem Jahr ansehnlich im Vergleich mit der Zeit seit der Wiedervereinigung. Mit dieser faustdicken Überraschung hat heute Morgen das Statistische Bundesamt aufgewartet. Weiter„Oh, wie ist das schön“

 

Lektüre für die Sommerferien

In ein paar Stunden packe ich meine Sachen und mache für drei Wochen Urlaub. Dem harten Kern von HERDENTRIEB möchte ich noch eine Lektüre ans Herz legen, die wir nach dem Urlaub hier diskutieren werden. „Die Wachstumsspirale“ von Hans Christoph Binswanger (Metropolis, Juni 2006). Binswanger ist ein emeritierter Professor aus St. Gallen, der im Gegensatz zu den meisten Volkswirten sein ganzen Leben versucht hat, den Kapitalismus zu verstehen. Ein Professor, der während seiner Habil die Schwächen der Neoklassik erkannt hat und sich seither auf den Weg gemacht hat, eine alternative Theorie zu entwickeln. Ich werde sie unten in Grundzügen aufschreiben, ein paar Absätze aus einer vorläufigen Buchbesprechung, die noch nicht druckreif ist.

Davor aber noch ein paar Gedanken zur aktuellen Lage in der Weltwirtschaft, Deutschland und an den Kapitalmärkten. Ich habe lange nichts mehr drüber geschrieben, weil sich nichts großartig geändert hat.
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Sparkassen schützen – Wettbewerb fördern

Das Faszinierende an den volkswirtschaftlichen Theorien und Glaubensgrundsätzen ist doch, dass sie immer mal wieder schön zu widerlegen sind. Gutes Beispiel: Die Sparkassen. Öffentlich-rechtliche Banken, die den Kommunen gehören, und noch dazu Marktführer sind. Das muss ja ineffizient sein, unkt der Liberale in mir. Wenn die Lokalpolitiker sich von „ihrer Bank“ Größenwahn finanzieren lassen, wenn Golfplatzgeklüngel anstatt ordentliche Governance die Geschäfte überwacht.

Aber, so intuitiv diese Schlussfolgerungen sein mögen, sie sind falsch: Weiter„Sparkassen schützen – Wettbewerb fördern“