Hoch verehrter Alan Greenspan,

an dieser Stelle ein paar bewundernde Worte zu Ihrem Abschied. Ja, ich bewundere Ihr Verständnis vom Kapitalismus und Ihre Geldpolitik. Ihre libertären Ansichten dagegen und Ihre politischen Machenschaften möchte ich ausblenden. Diese sind mir suspekt, dafür bin ich wohl zu sehr überzeugter Alteuropäer. Sie mögen das verzeihen oder auch nicht. Sei es drum.

Ihre Geldpolitik jedoch hat es mir angetan. Natürlich, weil sie diametral entgegengesetzt ist zu dem, was ich hier in Euroland erdulden muss. Wie viele Arbeitslose hätten wir weniger, wenn Sie nicht in Washington seit 18 Jahren die Wirtschaft lenkten, sondern von Frankfurt aus? Wie viel Wohlstand und Wachstum hätte es dann hier gegeben, wenn nicht alles immer wieder im Sinne der Stabilitätskultur und aus schrecklicher Angst vor Inflation klein gehalten, ausgebremst, zu Nichte gemacht worden wäre? Weiter„Hoch verehrter Alan Greenspan,“

 

Nachtrag zu Bini Smaghi, höheren Löhnen und Kerninflation

In der neuen ZEIT gibt es ein sehr interessantes Interview mit Lorenzo Bini Smaghi, dem Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). Ich halte den italienischen Volkswirt, der sich seine Sporen in Chicago verdient hat, für den spannendsten und flexibelsten im Direktorium der EZB. Auf zwei Passagen möchte ich hinweisen, die die auf HERDENTRIEB heiß geführten Debatten um „Lohnstückkosten via Abwertungswettlauf“ und „Keine Inflation, nirgends“ befruchten könnten.
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Ein Plaza II für den Dollar

Die Probleme, die sich aus der notwendigen Korrektur des US-Leistungsbilanzdefizits für Weltwirtschaft ergeben, sind auf HERDENTRIEB ausführlich dargelegt worden. (siehe „Die Weltwirtschaft am Rande des Abgrunds?“ und „Auf dem Weg zum Dollar-Crash?“). Was in der globalen Debatte bislang fehlte, waren aktive wirtschaftspolitische Maßnahmen, um dem Ungleichgewicht entgegen zutreten. Im vergangenen Jahr wurde vor allem von Persönlichkeiten aus dem Kreis der amerikanischen Fed einer Politik in Wartestellung das Wort geredet; allen voran von Alan Greenspan und Ben Bernanke. Dies scheint sich gerade zu ändern: Ein Vorschlag des Institute for International Economics (IIE) zur Vereinbarung eines internationalen Währungsabkommens soll bei einigen Wirtschaftsberatern der Bush Regierung auf fruchtbaren Boden fallen. Das berichtet zumindest Peter De Thier, Washington Korrespondent der Börsen-Zeitung, am vergangenem Samstag. Es klingt nicht unplausibel.
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Keine Inflation, nirgends

Jetzt hat die Europäische Zentralbank (EZB) schon wieder ihr Ziel verfehlt: Zum sechsten Mal in Folge ist es den eigentlich doch sehr strengen Währungshütern nicht gelungen, die Inflation „unter, aber nahe zwei Prozent“ zu halten. Und da es die Währungsunion erst seit sieben Jahren gibt, darf man auch schreiben: Die EZB hat ihr selbstgestecktes Ziel erst einmal, nämlich 1999 erreicht. Doch es ist müßig, die Ursachen in der Geldpolitik der EZB zu suchen. Das Inflationsmaß kaschiert die Wahrheit.

Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von Jörg Bibow, die das gewerkschaftsnahe IMK herausgegeben hat. Bibow ist einer der interessantesten deutschen Postkeynesianer, der sein Brot in der italienisch sprechenden Schweiz verdient. Der deutsche Lehrbetrieb hat für Andersdenkende wenig Stellen übrig.
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Ho, ho, ho Barroso

Der Titel des Blog-Eintrags klingt ein wenig zu sehr nach Nikolaus, jetzt, da wir fast schon mit traumwandlerischer Sicherheit 2006 anstelle von 2005 schreiben. Zur Entschuldigung: Die Idee zu diesem Eintrag hatte ich schon am 8. Dezember – und da war der Scherz noch ganz gut.

José Manuel Barroso, der EU-Kommissionspräsident hat an diesem Tag dem Handelsblatt und der französischen La Tribune ein kleines Interview gegeben – mit der schönen Überschrift: Die EZB ist keine heilige Kuh. Das Interview hat es in sich gehabt. Und es hat mich sehr optimistisch gemacht. Ich glaube nach diesem Interview fester als je zuvor, dass sich die Makropolitik der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt deutlich verbessert, dass die kruden deutschen Vorstellungen von Makroökonomie nicht mehr lange wie Blei über Euroland liegen und hier zu schwachem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit führen werden.

Lesen Sie selbst:
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Die ultimative Dax-Wette

Die Wahrheit will ich nicht verschweigen. Ich habe eine Dax-Wette gegen meinen Kollegen Marcus Rohwetter verloren. Er tippte vor einem Jahr den Dax zum Jahresende auf 4.900 Punkte, ich auf 4.700 Punkte. Das Schlimme daran: Wir wetten seit drei Jahren und ich habe das dritte Mal in Folge verloren.

Jedes Jahr war ich zu pessimistisch. Weiter„Die ultimative Dax-Wette“

 

Runter vom Risiko – Umschichten in Cash und Gold

Ende Dezember und Anfang Januar habe ich immer meine Portfolio-Wochen. Da martere ich mein Hirn, lese Studien über Studien und frage mich, wie ich mein Geld im Neuen Jahr wohl am besten umschichte, um weiter ruhig schlafen zu können. Hier die Quintessenz: Risiko reduzieren! Aktienquote zurück auf neutral, Anleihen untergewichten, Cash übergewichten und vielleicht ein bisschen (mehr) Gold zukaufen.
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Überschätzte Strukturreformen – unterschätzter Bau!

Erinnern Sie sich noch an diese Sätze? „Unser Land steht vor gewaltigen Aufgaben. Unsere Zukunft und die unserer Kinder stehen auf dem Spiel. Millionen von Menschen sind arbeitslos, viele seit Jahren. Die Haushalte des Bundes und der Länder sind in einer nie da gewesenen, kritischen Lage. Die bestehende föderale Ordnung ist überholt. Wir haben zu wenig Kinder, und wir werden immer älter. Und wir müssen uns im weltweiten, scharfen Wettbewerb behaupten. In dieser ernsten Situation braucht unser Land eine Regierung, die ihre Ziele mit Stetigkeit und mit Nachdruck verfolgen kann.“ Mit diesen Sätzen rechtfertigte Bundespräsident Horst Köhler die Auflösung des Bundestages. Das war am 21. Juli.

Die Eliten des Landes gierten nach härteren, schärferen Reformen des Sozialstaates und des Arbeitsmarktes. Und natürlich nach einer christlich-liberalen Koalition. Nur mit schwarz-gelben Reformen sei das Land zu retten, suggerierten Lobbyisten, Professoren und Kommentatoren. Nur so würde das Wachstumsschlusslicht Deutschland wieder Anschluss an die anderen Euroländer bekommen.

Dann trat der „worst-case“ ein: Weiter„Überschätzte Strukturreformen – unterschätzter Bau!“

 

Eisbergwarnung, aber Axel Weber hält Kurs

Die Talfahrt der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar scheint beendet. Der Euro durchbrach in der abgelaufenen Woche zwei „big figures“, wie die Händler sagen. Er schoss von unter 1,18 Dollar je Euro in der Spitze auf über 1,2050 und beendete die Woche bei 1,20. Damit hat er sich deutlich von seinem Jahrestief von Anfang November entfernt. Es spricht wenig dafür, dass er es wieder in Angriff nimmt. Der Devisenmarkt verharrt noch immer im Zins-Paradigma. Die Herde spekuliert auf die Leitzinsdifferenz zwischen Dollar und Euro. Und da die amerikanische Fed nach ihrer Sitzung vergangenen Dienstag zu verstehen gegeben hat, dass sich der amerikanische Zinserhöhungszylkus seinem Ende nähert, fließt wieder Spekulationsgeld in den Euro. In Euroland stellen sich die Händler auf mindestens eine weitere Zinserhöhung der EZB ein.

Eines dürfte klar sein, mit jedem weiteren Cent, den der Euro gewinnt, wird sich ein anderes Paradigma wieder in den Vordergrund schieben: Die Leistungsbilanzungleichgewichte. Weiter„Eisbergwarnung, aber Axel Weber hält Kurs“

 

Les vrais optimistes

Gerade ist es passiert: Die erste Wachstumsprognose für Deutschland – von seriösen Volkwirten -, die auch mit zwei Prozent Wachstum rechnet! Nein, keine latent pessimistischen Deutschen haben sie rausgegeben, sondern Franzosen. Sylvain Broyer, Deutschlan-Volkwirt der französischen Investmentbank Ixis hat heute morgen, nach den Ifo-Zahlen, seine Prognose von 1,5 auf 2 Prozent erhöht. Letzte Woche hatte ich über Norbert Walter berichtet, der als erster die Spanne bis zwei gezogen hat, jetzt also die erste Punktprognose.

Damit endet eine Woche erfreulicher Konjunkturindikatoren. Weiter„Les vrais optimistes“