Herdentrieb

So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Niederlande – ein Vorbild für Deutschland?

Von 9. Juni 2015 um 17:38 Uhr

"Wirtschaftsdienst exklusiv im Herdentrieb", das ist unsere heutige Meldung in eigener Sache. Im Herdentrieb wird es ab sofort exklusiv einen Artikel aus dem jeweils aktuellen Wirtschaftsdienst zu lesen geben. Der Wirtschaftsdienst, eine der traditionsreichsten ökonomischen Fachzeitschriften Deutschlands, passt mit seinen kontroversen Kommentaren und Debattenbeiträgen ausgezeichnet zum Anliegen dieses Blogs, differenziert den Kapitalismus zu ergründen. Wir wünschen unseren interessierten Lesern eine anregende Lektüre.

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Die Niederlande haben schon lange vor Deutschland auf Lohnzurückhaltung gesetzt. Das reale niederländische Bruttoeinkommen von Arbeitnehmern ist dabei seit 1977 so wenig gestiegen, dass es einer Stagnation gleichkommt. Welche Folgen hatte das für Produktivität und Innovationen? Wie die Wissenschaft erwartet, nahm die Beschäftigung modellgerecht deutlich zu. Allerdings konnte das Produktionswachstum nicht in gleichem Tempo mithalten. Die Arbeitsproduktivität wuchs entsprechend deutlich langsamer – übrigens auch im Vergleich zu den anderen Ländern der Europäischen Union.

Was aber kann Deutschland daraus lernen, das sich selbst seit einiger Zeit in Lohnzurückhaltung übt? Das deutsche Wirtschaftsmodell hat immer auf Loyalität, Vertrauen und Beständigkeit gesetzt. Deshalb werden die deutschen Produkte auch weltweit geschätzt. "Made in Germany" ist ein Markenzeichen. Dieses Modell ist in Gefahr. Lohnzurückhaltung hat mittlerweile auch in Deutschland zu einem langsameren Produktivitätswachstum geführt. Aber vor allem eine Lockerung des Kündigungsschutzes könnte das deutsche Modell ins Wanken bringen. Die Anhänger effizienter Allokation bevorzugen das angelsächsische Ideal umfassender Flexibilität. Das nützt aber nur in statischer Perspektive. Eine dynamische Wirtschaft mit großer Innovationsbereitschaft sollte die Arbeitnehmerbindung an den Betrieb nutzen, finden Alfred und Robert Kleinknecht in ihrem Artikel in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst.

Gefahr eines Aktiencrashs nimmt zu

Von 22. Mai 2015 um 18:50 Uhr

Für Anleger sind die Fragen immer dieselben: Welche Papiere sind billig, welche teuer, was sind die Risiken, was sollte ich kaufen, was verkaufen? Wenn die Märkte lange Zeit in die eine oder andere Richtung gelaufen sind und daher eine Trendwende droht, so wie das zurzeit der Fall sein könnte, geht es darum, rechtzeitig auszusteigen, also bevor alle Anderen es tun, und auf diese Weise Buchgewinne zu realisieren. Da es völlig unmöglich ist, die Wendepunkte im Vorhinein zu bestimmen, empfiehlt sich ein gestaffeltes Vorgehen. Alles auf eine Karte zu setzen ist selten eine gute Strategie – und es ist verantwortungslos, wenn es um fremdes Geld geht. In der heutigen Situation ist es außerdem zunehmend wichtig, sein Vermögen und damit die Risiken auf mehr Assetklassen zu verteilen als in normalen Zeiten. Das bedeutet im Übrigen, den Anteil der sofort verfügbaren liquiden Mittel langsam zu steigern.
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Die Mär von der Enteignung der Sparer – die Sicht der EZB

Von 19. Mai 2015 um 20:12 Uhr

Die Arbeitspapiere der EZB sind in aller Regel kein Lesevergnügen, doch das neue Papier der Notenbank zu den Folgewirkungen niedriger Zinsen ist eine Pflichtlektüre für alle, die sich mit Geldpolitik befassen.

Die Autoren Ulrich Bindseil, Clemens Domnick und Jörg Zeuner setzen sich darin mit einigen populären Vorwürfen auseinander, die auf die EZB vor allem aus Deutschland einprasseln.
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Kategorien: Der aktuelle Rand

I = S, was heißt denn des?

Von 13. Mai 2015 um 16:04 Uhr

Immer wieder rauchen die Köpfe, wenn es um die berühmte Formel I = S geht, also darum, dass die gesamtwirtschaftlichen Investitionen (I) gleich den gesamtwirtschaftlichen Ersparnissen (S) sind, so zuletzt auch wieder einmal hier im Herdentrieb. Ganze Weltanschauungen scheiden sich daran, wie dieses Gleichheitszeichen zu interpretieren ist.

Neoklassiker glauben, dass erst einmal gespart werden müsse, damit sich dann die Investitionen in gleichem Umfang einstellen. Keynesianer denken genau anders herum, dass erst die Investitionen zu den entsprechenden Ersparnissen führen würden. Die unterschiedliche Sichtweise ist nicht trivial, denn je nachdem, wie man I = S interpretiert, kommt man zu ganz unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Empfehlungen.
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Die BIP-Zahlen sind unplausibel niedrig

Von um 14:03 Uhr

Warum ist das reale Sozialprodukt im ersten Quartal nur um 0,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal gestiegen? Ich hatte zwar kürzlich erklärt, die Stimmung sei viel besser als die Zahlen, und könnte mich für diese Überschrift beglückwünschen, aber dass eine so mickrige Zuwachsrate herauskommen würde, hatte ich dann doch nicht gedacht.
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IWF zerschiesst Gabriels Autobahngesellschaft

Von um 10:57 Uhr

Wir erinnern uns: Eines der wichtigsten Ergebnisse der Expertenkommission zur Ankurbelung der Investitionen in Deutschland war der Vorschlag, die Autobahnen in eine eigene Gesellschaft auszulagern, die sich aus Einnahmen einer allgemeinen Maut finanziert und auch Schulden aufnehmen kann. Die Expertenkommission empfahl, diese Gesellschaft nicht dem Staatssektor zuzuordnen beziehungsweise mit einer Staatsgarantie auszustatten. Offizielle Begründung: Weil dann mögliche Schulden des Vehikels auf die Schuldenbremse angerechnet werden. Den Vertretern der Finanzindustrie in dem Gremium ging es aber vor allem darum, dass die Anleihen der Gesellschaft möglichst hohe Renditen abwerfen – und das wäre bei einer Staatsgarantie nicht der Fall, weil dann die Rendite in etwa auf dem Niveau von Bundesanleihen läge.
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Kategorien: Der aktuelle Rand

Deutsche Konjunktur: Gute Stimmung, schwache Zahlen

Von 8. Mai 2015 um 13:31 Uhr

Ich frage mich, warum sich unsere Wirtschaft nicht schon längst in einem richtigen Boom befindet, mit Zuwachsraten beim realen BIP von drei Prozent oder mehr. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Politik schon einmal dermaßen expansiv war wie heute – die Leitzinsen sind superniedrig, die Währung ist extrem schwach, die realen Haushaltseinkommen und Gewinne sind durch den Verfall des Ölpreises stark gestiegen. Und die Finanzpolitik hat inzwischen von restriktiv auf neutral umgeschaltet. Die Stimmung der Unternehmen könnte nicht besser sein. Weiter…

Was erlauben Bund?

Von 5. Mai 2015 um 23:19 Uhr

Vielleicht gelingt Bill Gross gerade der Coup seines Lebens. Als der zuletzt etwas glücklose Anleihekönig vor ein paar Tagen mit der Aussage an den Markt ging, er setze auf einen Anstieg der deutschen Anleiherenditen (the short of a lifetime), hat man ihn ausgelacht. Angesichts des milliardenschweren Ankaufsprogramms der EZB prognostizieren die meisten Zinsstrategen weiter sinkende Renditen und damit steigende Kurse.

Dem Markt aber scheint das egal zu sein.
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Auf Wiedersehen, Yanis

Von 27. April 2015 um 23:54 Uhr

Ich kann mir vorstellen, dass im Bundesfinanzministerium die Sektkorken geknallt haben: Die Entmachtung von Yanis Varoufakis ist ein Sieg für die Gläubiger, die ihn schon lange aus dem Weg räumen wollten. Varoufakis bleibt zwar griechischer Finanzminister, doch in den Verhandlungen mit den Europäern werden nun andere den Ton angeben.
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Kategorien: Der aktuelle Rand

Anlagestrategie in Zeiten niedriger Ölpreise

Von um 20:24 Uhr

Anfang des Monats hatte ich mich im Herdentrieb bereits mit der Frage beschäftigt, was passiert, wenn der Ölpreis dauerhaft niedrig bleibt. Damals lag der Fokus mehr auf den gesamtwirtschaftlichen Effekten, jetzt habe ich mich in meinem neusten Investment Outlook der Frage etwas detaillierter aus der Anlegerperspektive gewidmet.
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