Verteidigung wider Willen – Das Medienlog vom Dienstag, 5. Juni 2018

Ab heute sollen die drei Altanwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm ihr Plädoyer für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe halten – obwohl die Mandantin ihnen nicht mehr vertraut und entgegen der Strategie ihrer ursprünglichen Pflichtverteidiger eine Aussage gemacht hatte. Mehrmals hatte Zschäpe beantragt, sich von ihren drei Altanwälten entbinden zu dürfen, was abgelehnt wurde. Selbst die Anwälte wollten ihr Mandat loswerden.

Es sei „ein Job, um den sie kein Prozessbeteiligter beneidet“, merkt Julia Jüttner von Spiegel Online an. Tatsächlich komme die Verteidigungssituation „einer Katastrophe gleich“. Das Ende des Prozesses werde für sie eine „Erleichterung“ sein.

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Wie man eine Frau verteidigt, die nichts von ihren Anwälten wissen will

Seit Prozessbeginn stehen drei Pflichtverteidiger an der Seite von Beate Zschäpe – obwohl die Angeklagte sie ablehnt. Wie arbeitet ein Anwalt, dessen Mandantin nicht einmal mit ihm spricht?

Beate Zschäpes Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl (von links) im Juni 2017 © Andreas Gebert/dpa

Wie lange werden sie brauchen – eine Woche, zwei Wochen? Welches Urteil werden sie fordern? Wen werden sie in ihrem Schlussvortrag so richtig in die Mangel nehmen?

Das Plädoyer von Beate Zschäpes Verteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm ist, abgesehen vom Urteil, die letzte große Unbekannte im Münchner NSU-Prozess. An diesem Dienstag soll es beginnen. Wie die drei Anwälte es gestalten, wissen weder Teilnehmer noch Beobachter des Terrorverfahrens – und auch nicht Zschäpe selbst. Denn die Hauptangeklagte spricht nicht mehr mit Heer, Stahl und Sturm.

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428. Prozesstag – Letzte Etappe vor dem Urteil: Plädoyer von Zschäpes Stammanwälten

Heute beginnt der Schlussvortrag von Beate Zschäpes Altverteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm. Es ist das letzte Plädoyer, bevor sich das Gericht zur Urteilsfindung zurückzieht.

Die drei vertreten die Hauptangeklagte seit Prozessbeginn – obwohl sich Zschäpe von ihnen lossagte und zwei Münchner Anwälte in die Verteidigung holte. Mittlerweile gibt es keinen Kontakt mehr zwischen dem Juristentrio und ihrer Mandantin. Vor gut einem Monat hatten bereits die Neuanwälte Hermann Borchert und Mathias Grasel ein Plädoyer für Zschäpe gehalten und eine Strafe von maximal zehn Jahren gefordert.

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Keine Berichte zum NSU-Prozess

Auch am Montag, 4. Juni, gibt es keine Berichte in den deutschen oder englischsprachigen Onlinemedien.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, 5. Juni 2018.

 

Wohlleben-Anwälte lassen Tarnung fallen – Das Medienlog vom Freitag, 18. Mai 2018

Nach drei Tagen ist das Plädoyer der Anwälte von Ralf Wohlleben abgeschlossen. Es endete am Donnerstag mit einer Zuspitzung der Provokationen der Vortage, als Verteidiger Wolfram Nahrath einen Vortrag in rechtsextremer Ideologie hielt. Wie seine Kollegen Nicole Schneiders und Olaf Klemke forderte er Freispruch für Wohlleben.

„Es war am Ende eher eine völkische Kampfrede als ein Plädoyer in einem Strafprozess“, heißt es in einer Meldung der dpa.

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Die rechte Show floppt

Sie fordern Freispruch: In ihrem Plädoyer im NSU-Prozess haben die Anwälte von Ralf Wohlleben für maximale Provokation gesorgt. Die Richter behielten dennoch die Ruhe.

Veranstaltungen der rechten Szene finden gewöhnlich in Hinterzimmern von Dorfgasthöfen statt, wo sie nur die Eingeweihten finden, in Schulungshäusern von Gleichgesinnten, stets abseits der Öffentlichkeit.

Im Münchner NSU-Prozess gibt es einen solchen Vortrag am Donnerstag vor Gericht zu hören. An diesem Tag endet das dreitägige Plädoyer von Nicole Schneiders, Olaf Klemke und Wolfram Nahrath. Die drei sind Verteidiger von Ralf Wohlleben, der als Waffenbeschaffer des NSU angeklagt ist. Die Bundesanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord. Dass Wohllebens Anwälte wie er selbst tief in der rechten Szene verortet sind, ist bekannt. Unklar war bis zuletzt jedoch, wie ihr Plädoyer für den 43-Jährigen aussehen würde: eine nüchterne Abrechnung oder eine Show mit Innenwirkung für die nationalen Kameraden?

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Wohlleben-Verteidiger provoziert vor Gericht – Das Medienlog vom Donnerstag, 17. Mai 2018

Das Plädoyer für den Mitangeklagten Ralf Wohlleben zieht sich: Den ganzen Mittwoch über sprach Anwalt Olaf Klemke. Dabei fuhr er scharfe Angriffe gegen den Kronzeugen Carsten S. und die Bundesanwaltschaft.

„Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten brauchte heute ein dickes Fell“, bilanziert Thies Marsen vom Bayerischen Rundfunk. Ihm warf Klemke vor, S. bei der Befragung falsche Erinnerungen eingepflanzt zu haben.

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427. Prozesstag – Fortsetzung des Plädoyers für Ralf Wohlleben

Am Donnerstag setzen die Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben ihr Plädoyer fort. Am Vortag hatte Anwalt Olaf Klemke auf die aus seiner Sicht falsche Beweiswürdigung der Bundesanwaltschaft aufmerksam gemacht. Er wird heute weitersprechen, im Anschluss ist der Vortrag des dritten Pflichtverteidigers Wolfrahm Nahrat vorgesehen.

Wohlleben steht vor Gericht, weil er dem NSU die Pistole Ceska 83 beschafft haben soll, mit der die Terroristen neun Menschen erschossen. Die Waffe soll in seinem Auftrag der ebenfalls angeklagte Carsten S. transportiert haben. Die Bundesanwaltschaft klagte Wohlleben deshalb wegen Beihilfe zum Mord an und forderte eine Gefängnisstrafe von zwölf Jahren. Der Angeklagte sitzt seit gut sechs Jahren in Untersuchungshaft.

Kurz nach Beate Zschäpe hatte Wohlleben im Dezember 2015 eine Aussage gemacht. Darin stellte er sich als unschuldig dar und behauptete, er sei davon ausgegangen, das NSU-Mitglied Uwe Böhnhardt wolle die Waffe zum Selbstmord benutzen. Die Schuld für den Waffentransport sah er bei Carsten S. Dieser wiederum hatte Wohlleben als den verantwortlichen Beschaffer benannt. S.‘ Anwälte forderten deshalb Freispruch für ihren Mandanten.

ZEIT ONLINE berichtet aus München und fasst den Prozesstag am Abend auf diesem Blog zusammen. Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Weitere Berichte stellen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.

 

„Aus dem Satzbaukasten der Neonazipropaganda“ – Das Medienlog vom Mittwoch, 16. Mai 2018

Freispruch für Ralf Wohlleben: Das haben die Verteidiger des mutmaßlichen Waffenbeschaffers in ihren Plädoyers gefordert, die am Dienstag begonnen haben. Nicole Schneiders und Olaf Klemke blieben jedoch nicht nur bei den Vorwürfen gegen ihren Mandanten, sondern kritisierten das Gericht und verlasen auch noch hetzerische Botschaften.

Über Schneiders‘ Vortrag schreibt Julia Jüttner auf Spiegel Online: „Ihr Schlussvortrag beschränkt sich in weiten Teilen auf den Vorwurf der Vorverurteilung ihres Mandanten, Entlastendes hat sie nicht zu bieten.“ Auch die Angaben des Kronzeugen Carsten S. habe sie nicht entkräften können. Für Gelächter unter den Zuschauern habe die Aussage gesorgt, Wohlleben sei „kein Ausländerhasser“: „Viele von ihnen kennen Ralf Wohlleben aus den Neunzigern ganz anders.“

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426. Prozesstag – Wohlleben-Verteidiger setzen Plädoyer fort

Am Mittwoch setzen die Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben ihr Plädoyer fort und bringen es voraussichtlich auch zu Ende. Am Vortag hatten die Anwälte Nicole Schneiders und Olaf Klemke bereits Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Heute sprechen weiterhin Klemke und der dritte Pflichtverteidiger Wolfrahm Nahrat.

Wohlleben steht vor Gericht, weil er dem NSU die Pistole Ceska 83 beschafft haben soll, mit der die Terroristen neun Menschen erschossen. Die Waffe soll in seinem Auftrag der ebenfalls angeklagte Carsten S. transportiert haben. Die Bundesanwaltschaft klagte Wohlleben deshalb wegen Beihilfe zum Mord an und forderte eine Gefängnisstrafe von zwölf Jahren. Der Angeklagte sitzt seit gut sechs Jahren in Untersuchungshaft.

Kurz nach Beate Zschäpe hatte Wohlleben im Dezember 2015 eine Aussage gemacht. Darin stellte er sich als unschuldig dar und behauptete, er sei davon ausgegangen, das NSU-Mitglied Uwe Böhnhardt wolle die Waffe zum Selbstmord benutzen. Die Schuld für den Waffentransport sah er bei Carsten S. Dieser wiederum hatte Wohlleben als den verantwortlichen Beschaffer benannt. S.‘ Anwälte forderten deshalb Freispruch für ihren Mandanten.

Informationen aus der Verhandlung gibt es via Twitter hier. Die Berichte darüber fassen wir morgen im NSU-Medienlog zusammen.